Freitag, 29. Juni 2018

Cannabis-Debatte im Bundestag reißt Gräben auf

 

Letzte Chance dem Ende einer gescheiterten Prohibition entgegenzuwirken …

 

 

Gerade erst duften sich die beiden Vorsitzenden der Arbeitsgruppe „Sucht und Drogen“ der Bundesärztekammer zum Weltdrogentag gegen eine Legalisierung von Cannabis aussprechen, schon gab es einen Tag später erneut die Chance der Beendigung einer gescheiterten Prohibition entgegenzuwirken. Im Bundestag wurde am 27.06. über die Marihuanafrage aufgrund dreier Anträge während einer öffentlichen Anhörung debattiert, bei der aber glücklicherweise auch einmal echte Experten zu Wort kommen durften. Da aber neben den bereits erwähnten Prohibitionisten auch weitere Legalisierungsgegner Parolen wiederkäuen konnten, wurde eines schnell offensichtlich: Die Cannabis-Debatte im Bundestag reißt Gräben auf.

 

Unterschiedliche Psychotherapeuten, Ärzte, die Drogenhilfe, Vertreter der Krankenkassen und auch besondere Sachverständige waren am letzten Mittwoch des Junis in den Bundestag eingeladen worden, um über die verschiedenen Anträge von Linkspartei, Grünen und FDP heftig zu diskutieren, die einen veränderten Umgang mit Cannabis fordern. Während der ehemalige Vorsitzende der Monopolkommission und bekannte Wirtschaftsökonom Professor Dr. Justus Haucap natürlich weiterhin die Vorteile in einer Freigabe sieht und die positiven Aspekte der Legalisierung fundiert zusammenfasste, riss der häufig zum Thema zitierte Suchtmediziner Prof. Dr. Rainer Thomasius neben steigenden Gefahren für Kinder in prekären Verhältnissen auch das Beispiel Amerika an. In Colorado wäre der Konsum seit der Legalisierung von Cannabis dramatisch gestiegen, was auch die vermehrten „cannabis-assoziierten Vergiftungsnotfälle“ demonstrierten – derartige Verhältnisse wünsche er sich nicht für Deutschland.

 

Der ehemalige Münsteraner Polizeipräsident Hubert Wimper und Gründungsmitglied von LEAP Deutschland sieht in dem genannten Bundesstaat dagegen eher ein vorbildliches Prinzip verwirklicht, da Straftaten, die in Bezug zu Cannabis stehen, um 50 Prozent, und Drogenstraftaten insgesamt, um 23 Prozent gesunken seien. Laut vorliegenden Behördenberichten wäre dies in anderen US-Bundesstaaten mit vergleichbaren Regeln ebenfalls der Fall. Dennoch warnt der Sachverständige Leiter einer Klinik für Drogenrehabilitation Uwe Wicha vor den Auswirkungen, wäre Cannabis legal und somit nicht länger exklusiv auf dem Schwarzmarkt erhältlich. Da selbst der legale Alkoholhandel keinen kontrollierten Markt darstelle und es dort auch kein funktionierendes Präventionsmodell gäbe, wäre ein vergleichbares Versagen beim legalen Grashandel vorprogrammiert. Jugendliche würden den Respekt vor der Substanz verlieren, wäre sie legal. Rechtsexperte Lorenz Bölliger sieht hingegen in dem Verbot den Grund für profitträchtige Schwarzmärkte, die keine Alterskontrollen durchführen. Er forderte daher, die Legitimation des BtmG zu überprüfen.

 

So wie es Georg Wurth vom Deutschen Hanf Verband und Kerstin Jüngling von der Fachstelle für Suchtprävention Berlin jedoch passend zusammenfassten, standen sich während der gesamten Diskussion zwei Fronten mit bekannten Argumenten gegenüber, was einzig alte Erinnerungen der Marke „Flashback“ hervorrufen würde. Die gescheiterte Drogenpolitik hingegen habe bewiesener Maßen dafür gesorgt, dass die Anzahl kiffender Jugendlicher stark gestiegen ist, während Erwachsene mit hohem Kostenaufwand kriminalisiert werden. Der das nicht toxisch wirkende Marihuana mit „cannabis-assoziierten Vergiftungsnotfällen“ in Verbindung bringende Rainer Thomasius ist hingegen weiterhin fester Überzeugung, dass das Konzept aus Prävention und Ausstiegshilfe eine bewährte Strategie darstelle und Deutschland im europäischen Vergleich eine besonders zielführende Richtung im Umgang mit Hanf eingeschlagen habe.

 

Im Gesundheitsausschuss wird nun weiter über die Anträge der drei Parteien beraten werden, bevor man sie mit einer Beschlussempfehlung zurück zum Bundestag reicht. Viel Erde zum Füllen der Gräben scheint hierbei bitter benötigt.

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Fred
Fred
3 Jahre zuvor

// Da selbst der legale Alkoholhandel keinen kontrollierten Markt darstelle und es dort auch kein funktionierendes Präventionsmodell gäbe, wäre ein vergleichbares Versagen beim legalen Grashandel vorprogrammiert // Na, wenn man das mit dem Alkohol richtig angehen würde, dann wäre auch ein grösserer Jugendschutz möglich. Einfach ein Jugendschutzgesetz in die Welt zu setzen, Alkoholkonsum bis zu einem bestimmten Alter zu verbieten, bringt natürlich nichts. Zumal bei jeder Werbeeinblendung im TV zuerst für Bier geworben wird und zum Schluss zum Wodkakonsum aufgerufen wird, dann muss man sich auch nicht wundern, das es dann komatöse Jugendliche gibt. Wer also jetzt sagt, „beim Alkohol hat das ja auch nicht geklappt “ der irrt. Man hat bis zum heutigen Tag gar nicht versucht, die Jugend… Weiterlesen »

Fred
Fred
3 Jahre zuvor

…. und spinnt man das einfach mal weiter, und denkt mal an Fachgeschäfte für berauschende Mittel, in dem nur Alkohol und Cannabis zu kaufen wäre…. dann wären es wohl die Bayern, die das zu verhindern wüssten.
Das “ Grundnahrungsmittel “ Bier aus den Tankstellen, Supermärkten und ähnlichem zu verbannen… niemals ! Aber, solange das nicht der Fall ist, braucht mir beim legalen Cannabiskonsum niemand mit Jugendschutz zu kommen.
Denn jeder verantwortungsbewußte Legalisierungsbefürworter plädiert sicher nicht für einen absolut freien Zugang zu Cannabis an allen Ecken und Kanten, sondern zu einer regulierten Möglichkeit Cannabis zu erwerben.

apodis
apodis
3 Jahre zuvor

Wie könnte so eine legalisierung denn aussehen ? Währe nur der Erwerb von Cannabis erlaubt oder auch der eigene Anbau im kleinen Rahmen ?

Egal
Egal
3 Jahre zuvor

In was für einem Land leben wir eigentlich?
Ab September sind sogar Cannabis Aktien in DE quasi illegal. Bzw. der Handel über die dt. Börse.
Unsere Regierung hat beim Cannabis Verbot auf ganzer Linie versagt. Woher kommen den diese legalen Räuchermischungen die man am Kiosk einfach so erwerben kann? Woher kommt das ganze gestreckte und verunreinigte Cannabis auf dem Schwarzmarkt? Alles Auswirkungen der aktuellen Drogenpolitik. Vielen Dank an die Regierung dafür..

Irgendwer
Irgendwer
3 Jahre zuvor

@ Egal
betrachte das mal aus einer anderen Perspektive. Der falsche Status -BtM- wird damit immer offensichtlicher und inakzeptabler. Und der Vorsatz, Schäden entstehen zu lassen durch spice und sonstwas ist doch geistesgestört. Die Ablehnung der Petition des DHV ist ein wunderbares Eigentor.

Rainer Sikora
Rainer Sikora
3 Jahre zuvor

Es gibt noch eine Menge mehr Argumente und Aspekte,die man anführen könnte und auch müßte,um noch besser zu informieren und überzeugen.

R. Maestro
R. Maestro
3 Jahre zuvor

Unser „BER“:
„Fehlplanungen, Verzögerungen und Baumängel lassen die Kosten für den neuen Hauptstadtflughafen auf mehr als sieben Milliarden Euro steigen. Ursprünglich sollten es einmal zwei Milliarden sein.“
Quelle:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/flughafen-berlin-brandenburg-ber-kosten-steigen-auf-7-3-milliarden-euro-a-1195101.html
Bei ca. sieben Milliarden entgültigen Kosten für den BER, leisten wir uns solch eine sinnlose und kostenspielige Drogenpolitik?

Wirtschaftlichkeit?
Scheißegal, zahlen werden es sowieso andere.
Auf die Ideologien, ein dreifaches, …..,
(besser nicht, aber unter den Talaren, ….),
besser ein hipp, hipp, hurrah.

R. Maestro
R. Maestro
3 Jahre zuvor

Morde können sie nicht verhindern.
Vergewaltigungen, Sklaverei, Missbrauch, gleich, welcher Art. auch nicht!

Um nicht komplett dumm da zu stehen, wird Cannabis-Konsum zum Verbrechen erklärt, zumindest alle damit verbundenen Handlungen.
Fickt euch,
nach dem Wegfall anderer Schuldiger, sind es jetzt Konsumenten?

Schande!
Nazinachfolger!

Char
Char
3 Jahre zuvor

Konsequentes Werbeverbot für Alkohol bedeutet , keine Positive Darstellung in Filmszenen ,Musik , Bildern in Texten ,Bibel eingeschlossen , Verbot des Abendmahls in der Kirche , Verbot des Öffentlichen Konsums ,Verbot des Oktoberfestes etc. . Seit bereit !

Mohanf
Mohanf
3 Jahre zuvor

Flüchtlinge sind schuld!

Char
Char
3 Jahre zuvor

Konsequenter Jugendschutz , bedeutet , Werbeverbot für Alkohol ,Verkauf nur in Fachgeschäften, und ein Verbot des Öffentlichen Konsums .

Cookie
Cookie
3 Jahre zuvor

Eine Cannabis-Legalisierung würde quasi automatisch zu einer Verringerung des Alkohol-Konsums führen. Cannabis ist schließlich DIE Ausstiegsdroge schlecht hin – sofern man ihre Wirkung mag. So wie es sexuelle Präferenzen gibt, gibt es sie schließlich auch in Bezug auf Drogenkonsum. Ein Werbeverbot für alle Drogen (einschließlich Medikamenten) wäre sicherlich angebracht, schon allein aus Jugendschutzgründen, aber meine persönliche Präferenz für eine illegalisierte Natursubstanz hat es bislang nicht wirklich beeinflusst, dass sie „Keine macht den Drogen“ einblendeten (ok, die Kampagne gibt’s nicht mehr) und direkt im Anschluss für eine deutsche Biermarke Werbung zeigten (das tun sie immer noch, besonders gern vor Sport-Großveranstaltungen wie der aktuellen WM)… mich bringt diese so offensichtlich zur Schau getragene Unglaubwürdigkeit immer wieder zum Lachen, obwohl es eigentlich eher… Weiterlesen »

David
David
3 Jahre zuvor

Da wäre noch der Pflegenotstand , Bildungsnotstand ,Wohnungsnot , Armut ,Hartz4 Zwangsarbeit, Zwei-Klassen-Medizin , Zwei-Klassen-Sozialhaushalt , Geldwäsche , Nitrat im Grundwasser , Feinstaub , Justizskandale , Korruption und Vergiftete Geschenke bzw. Subventionen die immer mehr Flüchtlinge verursachen . Diese Regierung ist Kriminell und das Wiederstandsrecht ist ein Grundrecht .

Lotus
Lotus
3 Jahre zuvor

Zitat:“Jugendliche würden den Respekt vor der Substanz verlieren, wäre sie legal“ Also ist es besser wenn Jugendliche und Erwachsene das Cannabis der Mafia etc. kaufen, für die Deutschen „ach so“ geregelten Verhältnissen, doch schon sehr seriös und Verantwortungsvoll gegenüber den ca. 4 Millionen Hanf Konsumenten…einfach alles dem Kaos überlassen(Illegalität=kriminelles Mileu) ,es mit gewalt kontrollieren (Polizei) und mit dem Knüppel drauf (Justiz)und Problem gelöst, willkommen in 2018… sehr Verantwortungsvoll und vor allem auch sehr sicher das solchen Kräften zu überlassen, und man wundert sich wirklich, das es Leute gibt ,die von dem auf dem Schwarzmarkt recht häufig angebotenen „Terrorkraut“ mit Überdungung,Pestizide und Schimmel etc. was kaum noch was mit echtem Hanf zu tun hat, davon Probleme bekommen und in der klinik… Weiterlesen »

Egal
Egal
3 Jahre zuvor

Wenigstens hat sich das mit den Aktien nun geklärt. Von Firmen die medizinisches Cannabis herstellen, kann man weiterhin Aktien über die dt. Börse handeln.. Immerhin..

Irgendwer
Irgendwer
3 Jahre zuvor

An den „Leiter einer Klinik für Drogenrehabilitation“ ging das: „@ Uwe Wicha Beschwerde, Klarstellungen zu med. Cannabis u weiteres https://hanfjournal.de/forum/thema/schnauze-voll-von-prohibitionisten/ Suchttherapeuten wie Thomasius mit starrer Sicht zum Thema Cannabis werden gern von einer Partei „eingekauft“, der eine nie abschließend geklärte Parteispendenaffaire anhängt. Die Namen der Hauptgeldgeber nahm Ex-Kanzler H. Kohl mit in’s Grab. Geistiger Durchfall unter völliger Mißachtung der medizinischen Möglichkeiten von Cannabis und der falsche Status -BtM- bewirken bei Polizei etc. destruktive Schizophrenie, die immer mehr an die Hetze gegen Juden erinnert. Ein Betäubungsmittelgesetz(t) wie eine Neuroleptikaspritze zur Betäubung des Gewissens und des Verstandes. Sowas https://www.huffingtonpost.de/entry/medizinisches-marihuana-offenbach_de_5b1509d2e4b010565aad77b8 wird unterstützt durch Suchttherapeuten mit ihrer Tunnelblickperspektive. Und die intelligenzfreie Polizeitruppe in dem Fall http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/innviertel/Kripo-Einsatz-in-Passauer-Hanf-Laeden-Betreiber-beteuert-Legalitaet;art70,2925524 kommt auch straflos nach Satz 1 §17 StGB… Weiterlesen »

Tom
Tom
3 Jahre zuvor

Dass überhaupt noch jemand Prof. Thomasius zuhören will erstaunt mich immer wieder. Welche Antworten sollte der Betreiber von kostenpflichtigen Entziehungskliniken auch sonst vortragen? Schließlich will er sich ja sein Geschäft nicht versauen. Notfalls werden eben ein paar Phantasiezahlen vorgetragen, die durch nichts belegbar sind. Wahrscheinlich bekam er die Zahlen direkt vom Keebler-elf himself (Jeff Sessions), der sie sich auch nur unter den Zehennägeln hervorgepuhlt hat. „Cannabis-assoziierte Vergiftungsnotfälle“ . Mann, da fällt mir doch der Sack ins Gras wenn ich so einen Blödsinn lese. WENN behandlungsbedürftige Notfälle nach dem Cannabiskonsum auftreten, dann durch die verdammten Streck.- und Pflanzenschutzmittel, die in Schwarzmarktkreisen gerne verwendet werden. Von den Vertretern der Pharmaindustrie (Bundesärztekammerverteter) will ich gar nicht erst anfangen, denn die verteilen gerade Pregabalin… Weiterlesen »