Montag, 21. Dezember 2020

Cannabis und der Islam

Halal oder haram?

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Bild: eSheep / freeimages


Ein Beitrag von Derya Turkmen

Wenn wir vom Islam hören, dann denken wir an viele Sachen, die ungemein spaßig sind, aber nun mal verboten. Darf ein guter Moslem auch kiffen? Ein guter Moslem trinkt kein Alkohol, ein guter Moslem isst kein Schweinefleisch, aber wie sieht es da mit Cannabis aus? Cannabis im Islam – ist das Wunderkraut denn nun halal oder haram? (Religiöser Ausdruck für legal oder illegal).

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, betrachten wir doch zunächst einmal, was im Koran im steht:
Der Koran ist die Heilige Schrift des Islam und Allahs wörtliche Offenbarung an den Propheten Mohammed. Eigentlich sollte man spätestens hier auf die Frage eine Antwort haben oder?
Was im Koran ausdrücklich verboten ist, ist das Rauchen von Nikotin und das Trinken von Alkohol. Der Wein wurde z. B. von Mohammed als schädlich für den Verstand des Menschen eingestuft. Von Cannabis explizit steht im Koran aber nichts. Weder, dass es verboten ist, noch dass es erlaubt ist. Im Grunde genommen befinden wir uns hier in einer Art religiösen grauen Zone. Die Hadithen (bezeichnet die Überlieferungen der Aussprüche und Handlungen des islamischen Propheten Mohammed und Dritter) besagen, dass alle Rauschmittel strengstens verboten sind, und dazu zählt auch nun mal Cannabis. Doch, wie bereits erwähnt ist die Cannabispflanze an sich nicht im Koran aufgelistet, wird aber jedoch mit Alkohol gleichgesetzt. Also einem Rauschgift. Und hier wird nun aber zwischen THC und CBD unterschieden. Genau genommen scheint dies nämlich nicht auf nicht-berauschende Verbindungen in der Cannabispflanze wie CBD nicht zuzutreffen. Aus diesem Grund können Cannabissorten, die kein THC enthalten, durchaus als halal angesehen werden.

Eines der wichtigsten Lehren im Koran zudem ist die Gesundheit. Was bedeutet diese Aussage? Bei medizinischem Gebrauch der Pflanze gilt eine vollkommene Ausnahme, z. B. sind Schmerzmittel laut dem Koran eigentlich auch verboten, aber sobald es gesundheitlich notwendig ist, ist die Einnahme halal und nicht haram. So gilt dies auch für den Konsum von Cannabis. Denn die Heilige Schrift besagt nämlich, dass die Gesundheit des Körpers und des Geistes im Zentrum steht und dass der Mensch sich stets um seine Gesundheit sorgen soll. Wie bei dem Schmerzmittel gilt hier auch: Sobald es um die Gesundheit geht, ist THC und CBD halal. An sich leicht zu verstehen oder nicht? Wenn du krank bist, darfst du Cannabis konsumieren, wenn nicht, sollte dir auch CBD reichen. Aber ist da nicht auch viel Interpretationsspielraum?

Schauen wir uns den Islam detaillierter an. Theologische Schriften und die religiöse Praxis unterscheiden sich enorm. Es bekennen sich ungefähr 1,2 Milliarden Menschen auf der Welt zum islamischen Glauben. Fakt ist, dass der Islam Religion und Staatsform zugleich ist. Eine Trennung von Staat und Religion existiert nicht. Daher regelt der Rechtskodex – die Scharia – neben den religiösen Pflichten (Gebet, Fasten etc.) auch die sozialen Beziehungen (Eherecht, Strafrecht etc.). Im Alltag kann dies zu allerlei Verwicklungen führen, vor allem weil Cannabis auch in muslimischen Ländern äußerst beliebt ist. Außerdem wird der Islam auch in jedem Land unterschiedlich interpretiert. Die Ausübung des Glaubens wird z. B. in der Türkei völlig unterschiedlich interpretiert im Gegensatz zu den Muslimen in Kambodscha.

Während Istanbul in den 60er- und 70er-Jahren das Mekka u. a. auch für den Konsum von Cannabis war, ist dies heute nicht mehr vorstellbar. Natürlich ist das nicht so, dass man dort nichts bekommt und dass es dort keine Kiffer gibt, aber es ist durchaus schwieriger – als Tourist – an gute Qualität zu kommen. Gerne rauchen die Jugendlichen dort Haschisch. Bei geselligen Treffen blubbert auch mal die Wasserpfeife. Eine Art Bhang (Hanfzubereitung, Getränk das unter anderem in hinduistischen Religionsritualen konsumiert wird) ist ebenfalls in Istanbul oder Kairo weit verbreitet. Dennoch aber ist der legale Kauf von sogar CBD nicht für jedermann zugänglich. Man braucht ein ärztliches Rezept. Alles so wie es ja im Koran steht. Aber was ist, wenn ich vorsorgen möchte? Wenn ich erst gar nicht krank werden will, sondern vorbeugen möchte? So denken die Muslime in Kambodscha. Natürlich ist zu erwähnen, dass Kambodscha nicht nur muslimisch (1,9 %) ist, es leben sowohl auch Christen (0,4 %) als auch Buddhisten (96,3 %), die die Mehrheit ausmachen. Die Muslime in Kambodscha praktizieren zwar ihren Glauben, beten fünf Mal am Tag, essen nur halal Fleisch, kein Schwein und Fasten etc., aber eine Sache sehen sie nicht als haram an. Und zwar der Konsum von Cannabis. Denn wie kann eine Sache verboten sein, wenn sie nicht mal als Verbot aufgelistet wurde? Eigentlich logisch. Aber auch hier gibt es eine Einschränkung, denn die Cannabispflanze gilt seit Jahrhunderten als ein traditionelles Gewürz in der Küche der Khmer. Sie zu rauchen ist respektlos. Also ist das Verzehren der Pflanze im Essen vollkommen gestattet, aber das Rauchen ist verboten. Deshalb gibt es auch die bekannten „Happy Pizza“ Läden: Einmal eine Pizza Funghi mit extra viel Oregano bitte! Geraucht wird aber trotzdem. Und auch unter vielen muslimischen Jugendlichen ist das Rauchen eher angesagt. Im Koran steht nämlich, dass Rauschmittel verboten sind, alles was abhängig macht, aber das Verbot von Cannabis wird nicht erwähnt. Für einige ist Cannabis ein Rauschmittel, für andere wiederum nicht. Es ist also eine Frage der Interpretation.

Wenn wir den Islam noch näher betrachten, dann stoßen wir auf eine weitere Untergruppe des Islam: die Sufis. Sie sind Vertreter der islamischen Mystik und weisen eine spirituelle Orientierung auf. Eines der Kernelemente für die Sufis ist die individuelle Nähe zu Allah (Gott). Auch für sie gilt Cannabis nicht als Rauschmittel, sondern eher als Hilfe, um Allah so nahe wie möglich zu kommen. Deshalb greift die Mehrheit von ihnen zu Hanfpräparaten. Der Dichter und Sufist al-Yanbu’i, erwähnte bereits um 1400: „Nehme ich Haschisch, wird mein Raum zur Moschee.

Meistens sind es die mystischen Zweige einer Religion, die dem „High“ sein positiv gegenüber sind, entweder weil man die Liebe zum göttlichen Empfinden kann oder das Göttliche nicht als Substanz, sondern als einen dynamischen Prozess wahrnimmt, welches durch den Menschen wirkt. Ein überwiegender Teil des Cannabis, welches sich weltweit im Umlauf befindet, wird hauptsächlich in islamischen Ländern angebaut. Die Balance zwischen dem Genuss der Droge und der Ausübung der Religion zu halten, ist bestimmt für einige nicht leicht, doch das Thema zu tabuisieren treibt die Menschen – wie überall auf der Welt – dazu von der verbotenen Frucht auch mal zu naschen. Ob der Konsum nun halal oder haram ist, muss jedoch letztendlich jeder für sich selbst entscheiden, da es ganz einfach eine Frage der Interpretation ist.

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8 Kommentare
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DIE HANFINITIATIVE
9 Monate zuvor

Lieben Dank für den Beitrag, wieder viel gelernt. 😀 Meine persönliche Meinung ist, unabhängig von der geläufigen Religion, die ich respektiere, bei jedem Menschen, sollten alle Staaten, auf Staatsebene, einfach das Einheitsabkommen kündigen – diese von den USA ausgehenden UN-rechtsverträge mit der Organisierten Kriminalität und dem Faschismus (Anslinger) – (viele Alt-Nazis („IG-Farben“) in Lateinamerika mit Connection nach Prohibitions-Deutschland – Heroin als Stichwort) – wegen Menschenrechtsverletzungen, Rasissmus, Faschismus, Spirale „Drogenkrieg“, Waffenhandel. Geldwäsche, usw. -> siehe Entstehungsgeschichte „Anslinger-Nixon-Ehrlichmann“Syndrom oder „System Prohibition“. Bricht das KARTENHAUS (aus Lug und Betrug) bald zusammen? https://diehanfinitiative.de/index.php/prohibition/11-das-kartenhaus-bricht-zusammen […] Einheitsabkommen über Betäubungsmittel (Einzige Suchtgiftkonvention) Kurztitel: UN-Konvention gegen narkotische Drogen Titel (engl.): Single Convention on Narcotic Drugs Datum: 30. März 1961 Inkrafttreten: 13. Dez. 1964 Fundstelle: Chapter VI 15. UNTS… Weiterlesen »

gein
gein
9 Monate zuvor

Religion nicht mit Drogen in einem Satz verwenden.
Lass Drogen bei der Politik und Bürgergesellschaft.

dkong
9 Monate zuvor

Das mit dem Alkohol und nicht trinken ist nicht ganz Richtig.
Die dürfen es schon trinken nur halt in Maßen.
Wer koran alkohol erlaubt googelt wird entsprechente Ergebnisse finden
Wenn etwas einem die Religiöse Pflichten Vernachlässigen lässt ist es im Islam irgendwie haram.

So habe ich als nicht Muslime das Verstanden.

r
r
9 Monate zuvor

Mit unseren Kirchen Läßt sich Cannabis jedenfalls nicht vereinbaren.

Otto Normal
Otto Normal
9 Monate zuvor

Religion und Kirche Erfunden in der Steinzeit als die Menschen nicht wußten warum nach einem Blitz der Donner folgt oder wo das viele Wasser herkommt wenn es regnet. Ein Relikt aus der Antike, Machtinstrument im Mittelalter, rückständig in der Moderne. Wer im 21. Jahrhundert – im digitalen Zeitalter – immer noch an diesen „Hokus Pokus“ glaubt und Religion, gleicher welcher Glaubensrichtung, als Stütze benötigt ist meiner Meinung nach kein mündiger Mensch und nicht wirklich frei. Daher ist es völlig unerheblich in welcher Religion was verboten und erlaubt ist. Eine der wichtigsten zivilisatorischen Errungenschaften der Europäer ist – neben der Abschaffung der Todesstrafe – die Entmachtung der Pfaffen. Die laufenden Skandale der röm. kath. Kirche um Sexualmißbrauch an den Kindern und… Weiterlesen »

trackback
8 Monate zuvor

[…] Cet article a été publié pour la première fois dans «Hanf Journal» le 21 décembre 2020. […]

Mago
Mago
7 Monate zuvor

Otto Normal, das Christentum war auch einst eine aufrichtige Religion die sich an ihr Bibel hielt, doch dann begannen sie die Religion von innen heraus zu zerstören; sie begannen den Bibel zu erneuern mit ihren menschlichen Ansichten die sich von der Wahrheit unterscheiden. Dann wurde der Koran herabgesandt, im Land welches es am nötigsten hatte. Der Koran änderte die Menschen, änderte den Wirtschaft und änderte alles schlechte zum Guten. Es gab nie einen einzigen Satz, unter den 20-200 Tausend Sätzen im koran, welches für falsch erklärt werden konnte, der Islam ist bestanden weil ihm Allah wie in einer Sura (Lehre) erwähnt, schützt. Er schützt den Inhalt, in Vielerlei hinsichten ist es möglich, wie zum Beispiel dass bei Änderungen etwas kein… Weiterlesen »

Murat
Murat
6 Monate zuvor

Der Islam ist die letzte offenbarung des EINEN schöpfers. christentum ist hier net grad thema und wir wollen nicht verglichen werden . christentum ist wie eine halberzählte geschichte genau wie der judentum . ihr sollten den schöpfer zuende reden lassen und die religion erst nehmen denn . dieses leben ist vergänglich und wir sind nicht aus spaß hier. jeder soll sich klar über seiner seele sein herz sein denn wohin mit euch . wenn ihr den letzten propheten und die offenbarun leugnet . ist der gott an den ihr glaubt nur götzen religin wenn ihr euch mit uns nicht identifiziert. wir sind alles menschen die mit sich zu kämpfen haben, um zu dem EINEN SCHÖPFER zurück zu finden . ps… Weiterlesen »