Sonntag, 25. Februar 2018

Wirtschaftsökonom spricht über die Vorteile der Cannabislegalisierung

 

Das Exzessiv Interview mit Professor Doktor Justus Haucap

 

 Wirtschaftsökonom Professor Doktor Justus Haucap von der Heinrich Heine Universität Düsseldorf

 

Hoch geachteter Wirtschaftsökonom spricht über die Vorteile der Cannabislegalisierung.

 

Auf der Fachkonferenz zum Thema Cannabis des Deutschen Hanfverbandes im November 2017 hatte das exzessiv.TV-Team die Möglichkeit einige interessante Interviews zu führen. Hier möchten wir euch die wichtigsten Aussagen der bekannten Befürworter etwas näher bringen, die für einen schnellen Umschwung in der Drogenpolitik stichhaltige Argumente bieten. Der Wirtschaftsökonom Professor Doktor Justus Haucap von der Heinrich Heine Universität Düsseldorf stand allen drängenden Fragen einfach und offen Rede und Antwort, sodass auch weniger gebildete Personen die eindeutigen Gründe für eine Veränderung im Cannabisrecht verstehen müssten.

 

 

Daniel: Herzlich willkommen Herr Doktor Justus Haucap! Wie kommt es, dass sie als Redner auf der DHV-Konferenz „Cannabis Normal!“ zu Gast sind?

 

Justus Haucap: Viele Ökonomen engagieren sich schon lange für die Liberalisierung und Legalisierung von Cannabis – nicht nur in Deutschland, sondern auch weltweit.  Auch ich hab mich in der Vergangenheit immer wieder in verschiedenen namhaften Medien dazu geäußert, weil mich das Thema beschäftigt. Insbesondere die Folgen der Prohibition beziehungsweise die Konsequenzen einer möglichen Legalisierung. Deshalb hat mich der DHV zu seiner ersten Fachkonferenz eingeladen, hier als Ökonom darüber zu sprechen.

 

 

Daniel: Über mögliche Steuereinnahmen wird in diesem Zusammenhang immer viel gesprochen, was sind dann nach ihrer Einschätzung die möglichen Zahlen für die Bundesrepublik, wenn man sich zum Vergleich die Ergebnisse aus den USA zu Hilfe nimmt?

 

Justus Haucap: Da muss man genau hinschauen, da es eine ganze Reihe von Steuereinnahmen gäbe. Würde man nur die Cannabissteuer und Mehrwertsteuer angucken, dann kann man locker von 1,2 oder 1,3 Milliarden Euro ausgehen. Doch das wären sicherlich nicht alle Steuereinnahmen, denn wenn Marihuana legalisiert wird, kämen auch noch Lohnsteuern der in diesem Bereich Beschäftigten hinzu. Gewerbesteuern, von allen Menschen, die Geschäfte betreiben; die Gewinnsteuern der Unternehmer, die in diesen Märkten aktiv sind, kämen hinzu und gegebenenfalls auch noch Lizenzgebühren, von denjenigen, die unter Lizenzen produzieren. Somit sind diese 1,2 Milliarden eindeutig nur die absolute Untergrenze, weshalb ich davon ausgehe, dass es sich um deutlich mehr Einnahmen handeln müsse, wäre Cannabis legal. Zwei bis drei Milliarden Euro halte ich daher hier für vollkommen realistisch.

 

 

Daniel: Wenn man da dann noch die 1,6 Milliarden Euro hinzufügt, welche die Strafverfolgung der Cannabiskonsumenten jährlich kostet, ergäbe das eine ziemlich große Summe, die an anderen Orten sicherlich besser eingesetzt werden könnte.

 

Justus Haucap: Auf jeden Fall! Mit den Steuergeldern könnte man sinnvolle Dinge tun. Man kann sie entweder direkt in die Aufklärung und Prävention, oder auch in die Behandlung von problematischen Cannabiskonsumenten stecken, aber man kann natürlich auch andere Dinge anstellen, wie zum Beispiel Kitas bauen oder das Geld in die Bildung stecken. Das, was man hingegen in der Strafverfolgung spart, das würde man wahrscheinlich nicht wirklich in dem Sinne sparen, sodass der Bundeshaushalt kleiner würde; doch die Gerichte, Staatsanwälte und Polizisten könnten etwas Sinnvolleres tun als heute. Von daher wäre das auch eine Einsparung, auch wenn sich diese nicht direkt im Haushalt wiederfinden würde.

 

 

Daniel: Bei dem aktuellen Personalmangel der Polizei – es sollen ja mehr Beamte eingestellt werden, was ja auch wieder zu Mehrkosten führt – könnte unter anderen Umständen wieder vorhandene Kapazität anderweitig genutzt werden.

 

Justus Haucap: Vollkommen richtig! Die Gerichte sind auch vielerorts vollkommen überlastet. Von daher ist es auf jeden Fall so, dass es ein Fortschritt wäre, da auch dort entweder etwas Zeit eingespart, oder Sinnvolleres damit gemacht würde.

 

 

Daniel: Da weiterhin die Union das Land regiert, wird die Legalisierung wohl kaum durch die Politik vorangebracht, sondern eher aufgrund wirtschaftlicher Interessen. Wie realistisch schätzen sie die Möglichkeit ein, dass auch eine CDU/CSU den vielversprechenden Einnahmequellen irgendwann nachgibt?

 

Justus Haucap: Ich kann mir das durchaus vorstellen, da es auch in der Union immer jüngere Politiker gibt, die anders aufgewachsen sind als die alten. Denen das tatsächlich nicht mehr sonderlich befremdlich erscheint, wenn Leute Cannabis konsumieren. Hinter den Kulissen ist die Blockadehaltung auch gar nicht so geschlossen, wie das vielleicht nach vorne hin wirkt. Da gibt es auch durchaus Stimmen, die sich für eine Legalisierung aussprechen und sich das vorstellen können. Die Jamaikasondierungen waren eine gute Chance, da zwei Parteien das explizit in ihrem Wahlkampfprogramm hatten, während die CDU nichts dazu besaß.

 

 

Daniel: Einen großen Schritt weiter ist das Land Kanada, das am 01. Juli 2018 als erster G7-Staat Cannabis komplett legalisieren wird. Denken sie, dass die dort entstehende Lobby auch einen Angriff auf Deutschland ins Visier nehmen wird – schließlich scheint Deutschland für viele Kanadier und Amerikaner der nächste große Markt zu sein – oder wird man sich dort zuerst auf die eigene Produktion konzentrieren?

 

Justus Haucamp: Ich glaube, das wird rüber schwappen. Zum einen sind da die Interessen der Branche, die natürlich expandieren möchte, zum anderen weiß man doch auch, dass Entwicklungen aus den USA meist immer irgendwann zu uns rüber schwappen. Sei es das Rauchverbot in Kneipen, das zuerst in den Vereinigten Staaten begann, oder die Werbeverbote für Alkohol – man sieht häufig, diese Tendenzen kommen aus den USA und irgendwann kommen sie doch in Deutschland an. Wenn auch mit einer zeitlichen Verzögerung. Ich würde denken, dass es bei Cannabis ganz ähnlich sein wird. Ich würde mich daher sehr stark wundern, wenn wir in zehn Jahren noch eine Prohibition hätten, so wie sie heute hier ist.

 

 

Daniel:  Seit dem März 2017 ist ja auch medizinisches Cannabis in Deutschland legal. Ab 2019 soll dann auch hier in der Bundesrepublik angebaut werden. Denken sie, Deutschland wird in ein paar Jahren auch Cannabis exportieren? Schließlich steigt die Nachfrage nach medizinischem Cannabis ja stetig und Deutschland ist Exportweltmeister. Außerdem sind Produkte „Made in Germany“ immer noch hoch angesehen. Die medizinischen Standards sind hierzulande auch vergleichsweise sehr hoch. Ist es daher realistisch, oder eher unwahrscheinlich aus ihrer Sicht?

 

Justus Haucap: Ich glaube nicht, dass das unbedingt ein Verkaufsschlager werden wird. Letztendlich kann man Cannabis an vielen Orten der Welt anbauen. Wir haben hier auch keine großen natürlichen Standortvorteile. Viele Staaten werden sicherlich auch eine gewisse Kontrolle behalten wollen und es gibt auch immer noch internationale Regulierungen – welche noch schwieriger abzuschaffen sind – die gegen Import und Export von Cannabis wirken, sodass ich jetzt nicht darauf setzen würde, dass es ein Exportschlager wird. Landwirtschaftliche Produkte sind ohnehin nicht der Exportschlager aus Deutschland. Von daher würde ich jetzt sagen, Cannabis ist im Grunde ein landwirtschaftliches Produkt, welches hier für den Eigengebrauch produziert werden wird. Die Portugiesen, Spanier, Holländer; die werden das auch bei sich zuhause produzieren können.

 

 

Daniel: Also werden eher die Hersteller, wenn sie groß genug expandiert sind, sich dafür starkmachen, ihre Ware auch an den Genusskonsumenten vielleicht abgeben können zu dürfen?

 

Justus Haucap: Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Auch Landwirte selber. Die haben in Deutschland ja eine recht schlagkräftige Lobby. Und bisher war es immer so, wenn die Landwirte merken, dass man da irgendwo Geld verdienen kann, dann setzen die sich auch dafür ein, dass das passiert.

 

 

Daniel: Apropos Geld. 21 Prozent der Kinder in Deutschland leben nach neusten Zahlen in Armut, doch hier, wie auch bei vielen weiteren sozialen Projekten, werden aufgrund einer gewünschten „Schwarzen Null“ keine Fortschritte erzielt. Denken sie, dass das Modell in Colorado, wo gewisse Prozentzahlen der Cannabissteuereinnahmen für soziale Projekte eingeplant sind, auch ein Modell für Deutschland sein könnte? Oder sind die Staaten da zu verschieden?

 

Justus Haucap: Ich denke, das kann man durchaus machen. Das hat man ja auch schon in der Vergangenheit so gemacht. Als wir gesagt haben – als der Soli eingeführt wurde – es wäre für den Aufbau beziehungsweise die Rente. Oder die Stromsteuer hatten wir teilweise gekoppelt. Also, das kann ich mir durchaus vorstellen. Wenn man so etwas macht, schafft man auch eine höhere Akzeptanz – je nachdem, wofür man es ausgibt. Wenn man zum Beispiel sagt, dass es direkt in die Bildung geht, kann ich mir vorstellen, dass die Akzeptanz steigt. Wenn man sagt, dass die Hälfte nach Bayern geht, dann kann auch die CSU vielleicht zustimmen.

 

 

Daniel: Das wäre auf jeden Fall lustig. Okay, zur letzten Frage: Die „Cannabis Normal!“ ist ja die erste Cannabiskonferenz in Deutschland, die sehr breit aufgestellt ist. Viele Experten aus verschiedenen Bereichen sind hier. Wie hat ihnen die Veranstaltung gefallen und was nehmen sie persönlich mit. Dazu vielleicht noch eine Einschätzung, wie lange sich der Prozess der Legalisierung hinziehen wird.

 

Justus Haucap: Das ist eine Superveranstaltung. Man kann dem DHV nur gratulieren, dass er diese Superveranstaltung auf die Beine gestellt hat. Es war sehr informativ und interdisziplinär. Aus allen möglichen Bereichen – Medizin, Ökonomie, Rechtswissenschaften, Polizei – wird das Thema beleuchtet. Man kann sehr viel dazulernen, aus den Bereichen, die man nicht so gut kennt.

Und um auf die finale Frage zurückzukommen: Wenn es diese Bundesregierung nicht schafft, wäre ich doch optimistisch, dass es zumindest die nächste hinbekommt.

 

 

Daniel: Vielen Dank für das Interview und dass sie sich dafür starkmachen Cannabis zu legalisieren.

 

Dieses exzessiv.TV-Interview mit Professor Doktor Justus Haucap gibt es via YouTube dauerhaft in Bild und Ton anzuschauen. Neue Folgen der ersten Kiffer-Show in Deutschland landen immer Freitags um 20:00 Uhr im Netz.

https://www.youtube.com/watch?v=-jeSEmVvN08

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