Freitag, 24. Februar 2017

Legaler Cannabisvertrieb für Berlin geplant

 

Spektakulärer 180°-Turn bei unserer alten Tante SPD.

 

Bild: Archiv

 

Obwohl die Koalitionsverhandlungen der rot-rot-günen Regierungspartner im November letzten Jahres kurzzeitig aufgrund der Cannabismodellversuchthematik zu schlechter Stimmung in der Hauptstadt geführt haben sollen, rauften sich alle beteiligten Berliner Fraktionen wieder zusammen und einigten sich darauf, doch vielleicht legale Abgabestellen für erwachsene Bürger der Metropole in Betracht zu ziehen. Gestern trafen sich daraufhin Suchtexperten und mehrere SPD-Politiker, um dem in der Partei wohl nur knapp akzeptierten Plan tatsächliche Taten folgen zu lassen. Jetzt wird ein legaler Cannabisvertrieb für Berlin geplant – eine Einhundertachtziggraddrehung bei unserer alten Tante SPD.

 
Thomas Isenberg, der gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion, forderte schon länger ein Umdenken in der Cannabisdiskussion und Drogenpolitik. Nun durfte er endlich mit Rückhalt in der Partei seine Gedanken formulieren, die neben einer nötigen Rechtssicherheit für die Konsumenten auch deren zu respektierenden Entscheidungsfreiheiten beinhalteten. Aus diesem Grund ließe man die kläglich gescheiterten Null-Toleranz-Zonen des ehemaligen Innensenators Frank Henkel „mit einem Federstrich“ wieder verschwinden, während man einen detaillierten Antrag für das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte vorbereiten will, der nach einer Ausnahmeerlaubnis für das Land Berlin verlange. „Wir wollen einen wissenschaftlich begleiteten Modellversuch und die Abgabe von Cannabis über staatliche Stellen.“ so Isenberg via B.Z..  Jedoch will in Berlin gut Ding immer viel Weile haben, weshalb schon im Vorfeld eine Zeit von zwei Jahren für die Vorbereitungen eingeplant worden ist. Bis dahin könnte sich auch die gesamte Meinung im Bundestag insgesamt zum Positiven wenden, sollten die kommenden Wahlen einen Regierungswechsel im Land mit sich bringen – davon hänge eine Menge ab.

 
Denn natürlich ist der Vorstoß beim großen politischen Gegner ein eindeutiger Fehltritt, der nicht gegangen werden darf. Kinder und Jugendliche würden unter dem Modellversuch der regulierten Cannabisabgabe ein fatales Zeichen gesetzt bekommen. Der Senat sei bereits per Antrag aufgefordert, sich entschieden gegen jegliche Liberalisierung, Legalisierung und Verharmlosung illegaler Drogen – Cannabis eingeschlossen – einzusetzen, sprach CDU-Fraktionschef Florian Graf in Berlin aufgrund der eher lebensnahen Entwicklungen in der deutschen Hauptstadt. Dabei planen die liberalen Kräfte in der SPD auch nicht nur die stattliche regulierte Abgabe für erwachsene Hauptstädter, sondern wissen endlich besser, wie den steigenden Konsumentenzahlen unter prohibitionistisch erzogenen Heranwachsenden sinngemäß entgegen gewirkt werden könnte. Ein Ausbau der gesamten Präventionsarbeit ist daher ein gewichtiger Teil der gesamten Forderungen. Laut dem Präsidenten der Berliner Ärztekammer Günther Jonitz könne Prävention bei Kindern gar nicht früh genug beginnen. Der wissenschaftlich begleitete Modellversuch zur regulierten Cannabisabgabe an Erwachsene wäre für die Hauptstadt nach seiner fachmännischen Meinung daher nicht nur aus diesem Grund genau das Richtige.

 

Circa 70 % Prozent der hiesigen Betäubungsmittelverstöße wären damit dann nebenbei auch sofort Geschichte.
Unsere alte Tante hat es wohl endlich verstanden.

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