Montag, 3. September 2018

Kein Medizinal-Cannabis aus Deutschland vor 2020

 

 

 

Bundesgesundheitsministerium gibt unbefriedigende Antwort auf Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion

 

 

Cannabis
Bild: Schmiddie

 

 

Jetzt ist es amtlich: Medizinalhanf aus deutschen Landen wird frühestens im Jahr 2020 in staatlich lizenzierten Gewächshäusern blühen und in die Apotheken kommen. Damit verschiebt sich die erste Cannabis-Ernte um mindestens ein Jahr. Nach wie vor ist der Plan, von handverlesenen Produzenten im Zeitraum von vier Jahren 10.400 Kilogramm Medizinal-Cannabis anbauen zu lassen. In der Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion heißt es: „Bis Medizinalcannabis aus dem Anbau in Deutschland für Patientinnen und Patienten zur Verfügung steht, wird der Bedarf weiterhin über Importe gedeckt.“ Nach Ministeriumsangaben hat die „Cannabisagentur“ des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bisher 15 Einfuhrgenehmigungen erteilt.

 

Grund der Verzögerung seien die Probleme mit der Ausschreibung der Anbaulizenzen. Nachdem das Oberlandesgericht Düsseldorf im März 2018 die erste Ausschreibung für null und nichtig erklärt hatte, sei die Planung, bereits 2019 die erste Ernte von Cannabis für medizinische Zwecke einzufahren, hinfällig. Das im Juli gestartete Ausschreibungsverfahren soll laut Gesundheitsministerium zügig abgeschlossen werden, so dass gute Chancen bestehen, „die Aufträge im ersten Quartal des Jahres 2019 zu vergeben“.

 

Der FDP-Gesundheitsexperte Wieland Schinnenburg sagte dazu, dass das Vorgehen des BfArM weiter unbefriedigend sei. „Durch eine schlampige Ausschreibung wurde die Produktion in Deutschland um mindestens ein Jahr verzögert”, kritisierte der Bundestagsabgeordnete. Zudem sehe die neue Ausschreibung eine viel zu geringe Produktionsmenge vor, die gerade einmal die derzeitige Importmenge abdecke. Unberücksichtigt bleiben alle Anzeichen für einen deutlich steigenden Bedarf an medizinischem Cannabis.

 

Die ausländische Cannabis-Industrie lacht sich derweil ins Fäustchen ob der deutschen Schlafmützigkeit. Denn die garantiert den Importeuren einen erheblichen Wettbewerbsvorteil, um ihr Produkt auf dem deutschen Markt ohne lästige deutsche Konkurrenz zu placieren und zu etablieren – und das zu Wucherpreisen.

 

 

11 Antworten auf „Kein Medizinal-Cannabis aus Deutschland vor 2020

  1. Harald

    Das es in Deutschland vor 2020 kein im Land erzeugtes Cannabis gibt ist nicht nur den Versagern in den entsprechenden Positionen geschuldet, sondern ganz klar auch ein Ergebnis von erfolgreicher Korruption. Es ist unübersehbar, wie sich die Pharmaindustrie und Alkoholindustrie dagegen stemmen und dabei haben sie in den entsprechenden Positionen, die entsprechend korrupten Helfer, die an der Schraube drehen. Es gibt entsprechende Erfahrungswerte aus den USA und dort Colorado, die zeigen, dass der Umsatz von verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln und Alkohol seit der Legalisierung massiv eingebrochen ist. Das gleiche will man hier in Deutschland nicht erleben und darum haben diese Industrien, offensichtlich erfolgreich, ihre Speichellecker von der Leine gelassen, die das verhindern sollen. Ein Hoch auf unsere Demokratie!!!! 🙂

  2. Otto Normal

    Merkel hat vor einiger Zeit einen schmeichelnden Ausdruck für unser korruptes politisches System gefunden: „marktkonforme Demokratie“

  3. R. Maestro

    „Die ausländische Cannabis-Industrie lacht sich derweil ins Fäustchen ob der deutschen Schlafmützigkeit.“
    Na klar, zurecht.
    Und 2020, wird es vermutlich wegen des geringsten Fehlers das ganze Vorhaben und die Ernte eingestampft, um anschließend zu behaupten: Das funktioniert in Deutschland nicht , das will keiner.

    Energie wird für fast alles aufgewandt hier, anscheinend am meisten, um Cannabis und Konkurrenz zu verhindern.

    Sind das die Prohibitionisten?

    Rechts im Bild die CDU/CSU, beim Thema Cannabis?!

  4. Der Realist ohne Kraut

    Mal im Ernst: wen überrascht Derartiges noch? Mich sicher nicht!

    Das passt doch wieder zum Gesamtverhalten unserer Regierung. Schikanen auf allen Wegen. Jetzt fehlen nur noch die Korintenkacker, die sich darüber ‚erfreuen, dass Deutschland so eine fortschrittliche Nation ist, alles für das Volk getan wird und der Medi-Hanf gedeckt bleibt‘. Einfach nur lächerlich.

    Die Hoffnung stirbt ja zuletzt und ist bekanntlich grün, aber hier in Good-Old-Germany kann man sich schon mal das Jahr 2069 vormerken, wenn wir längst unter der Erde liegen und die Befürworter noch immer graslos auf unseren Gräbern brüllen: „gebt das Hanf frei!“

    Ich hoffe zwar immer noch, dass das alles mal besser wird, aber seien wir ehrlich, das wird auf langer Sicht sicher nichts. Sofern’s keinen massiven Machtwechsel der Führungseliten gibt, unsere derzeitigen Dummschwätzer doch mal Hintern abzeichnen oder die Politiker andere, bessere Geldquellen sehen/erhalten, die die Taschen besser füllen als es die Pharma- und Alkoholindustrien bereits tun.

    Wünsche euch ‚love, peace and fun – in an another Country!‘

  5. Lotus

    Der Staat übernimmt keine Verantwortung für viele Millionen Hanfnutzer in Deutschland,
    jagd die Betroffenen (für viel Geld) mit der Jusitz und dem Polizeiapperat,
    treibt die Menschen auf den Schwarzmarkt oder in andere Substanzen (Alkohol/Medikamente etc.)
    und verhindert Aktiv,das es besser wird im Sinne einer Legalisierung sowie im medizinischen Bereich von Hanf…
    wie kann das sein,das man auf der einen Seite nichts macht und keine Verantwortung übernimmt,
    aber dann wieder es für nötig sieht im Sinne der Lobbys zu handeln…hmmm :/
    Ich habe bis Heute immer noch keinen Arzt gefunden der mir als Kassenpatient Cannabis als Medizin verschreibt,
    Hanfnutzer wurden wahrscheinlich Millionenfach in den letzen jahren dafür bestraft das wir uns „nicht“ an die Gesetze halten,
    jetzt ist das Gesetzt Cannabis als Medizin da und der Staat/viele Ärzte halten sich nicht dran,
    verzögern,verhindern,lehnen Patienten ab,erschweren den Zugang etc.,
    wow soviel zum Thema Doppelmoral und Gerechtigkeit.
    #Freiheit für Hanfnutzer
    Peacezeichengruß

  6. Der Realist ohne Kraut

    @Lotus
    Du triffst es beim Realen. Auch in meinem Umfeld werden zwei Menschen (33 und 56 Jahre) schikaniert, ausgebremst und mit allem gehindert, an die Medizin zu kommen. Jeder, der behandelten Ärzte lehnte es bisher ab Ihnen Medi-Hanf zu verschreiben, gleichzeitig aber die tollen Mittelchen aus Ersatz oder gar die chemisch hergestellten ‚Substanzen‘ zu verordnen.

    Da kann doch nichts richtig sein. Unfassbar, dass bekannte Nebenwirkungen missachtet werden und gängige Präperate verschrieben werden, nur weil alle andere bzw. die meisten Ärzte es tun. Ist mir völlig schleierhaft, wie man das alles noch verantworten kann.

    Muss dir ja nicht sagen, dass die Zwei sich ihre Medizin jetzt anderweitig besorgen MÜSSEN!

  7. R. Maestro

    Ich hatte einen Arzt, welcher es befürwortet hat. Die sch…. Kasse nicht.
    Jetzt ist eine Nachfolgerin in der Praxis, die Unterlagen sind noch im Haus, der Patient der gleiche und trotzdem Pustekuchen.
    Was ich schon für Scheissgründe als Ablehnung gehört habe, ….
    Bei Opioiden hat man die Ärzte über jedes kleine Detail aufgeklärt.
    Aber bei Cannabis, nichts.
    Die einen kapieren es nicht, andere wollen einfach nicht.

  8. Marion

    Ich finde es auch abstrus was da abgeht. Meine Ärzte würden es gerne verschreiben, tun es aber nicht wegen der Krankenkasse und winken ab. Habe Jahre lang Opiate zu mir genommen und kann und will es nicht verstehen. Aber mal was anderes, wieso darf die Bundes Republik Deutschland Marihuana nach Deutschland einführen, wenn es doch für jeden Strafbar ist. Das würde mich mal brennend interessieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.