Dienstag, 14. September 2021

50 Jahre Verbote

50 Jahre Verbote

Zeit für Emanzipation

50 Jahre Verbote. Unter diesem Motto trafen sich gut 2000 Leute am 14. August in Berlin zur diesjährigen Hanfparade. Das ist zumindest die Zahl, die von der Berliner Polizei veröffentlicht wurde, Aktivisten gehen von mindestens der doppelten Anzahl aus. Auffällig war die hohe Beteiligung der politischen Parteien, die sich für die Legalisierung und Entkriminalisierung von Genuss und Besitz von Cannabis stark gemacht haben. Kein Wunder so kurz vor der Bundestagswahl im September.

Von sieben Paradewagen, angeführt vom original New Yorker Taxi von „Berlin loves Weed“ schallte die unterschiedlichste Musik, zu der die Demonstrierenden beschwingt die Strecke bewältigen konnten. Die traditionelle Zwischenkundgebung vor dem Gesundheitsministerium musste virusbedingt ausfallen.

Die Teilnehmer konnten bei den Kundgebungen nicht nur die gestandenen Hanfaktivistinnen und -aktivisten hören, sondern auch Vertreter der Parteien wie Berlins stellvertretenden Bürgermeister, Kultursenator und Verantwortlicher für die Europapolitik Dr. Klaus Lederer (MdA – Die Linke). 1997 ist er auf der ersten Hanfparade mitgelaufen, und er hat keine Lust, zu seinem 70. Geburtstag immer noch mitzulaufen, weil die Politik das bis dahin nicht in die Reihe bekommen hat. „Drogen gehören zum menschlichen Leben dazu. Drogen sind so alt wie die Menschheit.“ Bierchen, Schnäpschen und Kippen erfahren keine gesellschaftliche Ächtung wie die Tüte oder die Pille. „Der War against Drugs ist verloren“, so Lederer.

„Ihr reitet ein totes Pferd“, meinte Dr. Wieland Schinnenburg, Sprecher für Sucht- und Drogenpolitik der FDP. Er plädierte im Namen seiner Partei für die kontrollierte Abgabe von Cannabis. Er hat mehr Angst vor einem Einbrecher als davor, dass sein Nachbar kifft. Selbstverständlich waren die Koalitionspartner schuld, dass sich in Richtung Legalisierung noch nichts getan hat.

Auffällig stark vertreten waren Patientenvereinigungen und Apotheken. „Cannabis ist mehr als die allerletzte Therapieoption.“ Wie in den vergangenen Jahren war das Patienten-Areal ein Platz, um über die aktuellen Fortschritte und Probleme bei Cannabis als Medizin zu diskutieren.

Trotz Masken und Abstand war die diesjährige Hanfparade vor allem eine big Party, auf der sich viele wieder getroffen haben und den Schulterschluss vollzogen gegen die Ungerechtigkeit und das Schildbürgertum der Verbote.

Klar ist: Der Krieg gegen die friedlichen Kiffer muss aufhören! Dafür gehen wir auf die Straße. So lange es nötig ist. Bleibt zu hoffen, dass die vollmundigen Versprechungen in den Wahlprogrammen vieler Parteien zur Legalisierung und Entkriminalisierung von Cannabis sich in neuen Gesetzen widerspiegelt, die die neue Regierung verabschieden wird.

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Substi
8 Tage zuvor
Greenkeeper
Greenkeeper
8 Tage zuvor

50 Jahre Verbote. Leider werden wohl noch ein paar Jahre dazukommen. Ich glaube nicht daran, dass sich hier bald etwas ändert. Erst mal müssen die richtigen Parteien gewinnen. Dann müssen sich deren Politiker auch nach der Wahl noch daran erinnern, dass in ihrem Programm mal irgendwas mit Cannabis stand. Wie realistisch ist das denn bitte? Abgesehen davon läuft im Moment ja doch alles wieder auf GroKo hinaus. Der Lindner will die Ampel nicht. Der Scholz will mit der Linken nicht usw. Also, ich hoffe jetzt schon auf die Wahl 2025. Meine Fresse, wie grauenhaft!

Rainer
Rainer
8 Tage zuvor

Man kann so eine Veranstaltung nicht Agressiv begehen,aber so in beschwingter fröhlicher Feierlaune,verständlicherweise,bewirkt das ganze leider nichts.Es muß an der richtigen Stelle deutlich gemacht werden,daß das Thema wichtig ist.Ein Dialog mit den entsprechenden Behörden und Ämtern könnte vielleicht mehr einbringen.Aber auch sowas ist erfahrungsgemäß sinnlos.Erstmal zehn Jahre weiterso.Wäre ja auch schade,wenn es die Hanparade nicht mehr geben braucht.

trecaro
trecaro
8 Tage zuvor

Verbote durch Lügen, wohlgemerkt!

trecaro
trecaro
8 Tage zuvor

Klarstellung zu „Lüge“ https://de.wikipedia.org/wiki/Recht_auf_L%C3%BCge

Gesetzgeber/innen haben kein Recht auf Lüge.

siehe: Radbruchsche Formel …

Gruß trec.

trecaro
trecaro
8 Tage zuvor

Ein Gesetz, das Gerechtigkeit nicht einmal erstrebt, ist demnach bereits kein Recht im Sinne des Rechtsbegriffs.

@Admin/Mod.
Bitte Beiträge 2 un 3 verschmelzen

buri_see_käo
buri_see_käo
8 Tage zuvor

50 Jahre Verbote. Wenn man so beobachtet, was die sich mit diesem Blödsinn so alles vergeigen…
Haschberg ist heute nicht da, die wunderbare Pflanze… THC/CBD-Abbau-Produkte sind bis 3 Monate nachweisbar, also im Körper vorhanden; ein Unternehmen macht sich diese Eigenschaft zu Nutze, an die Moleküle werden medizinisch wirksame Substanzen „angedockt“, deren Kurs ging die letzten Tage voll durch die Decke (Tradegate: InnoCan Pharma Corp.), ich habe meine Papiere jetzt geschenkt, und Michels Gouvernment… 1000 Fragezeichen, 1000 Polizei-Knüppel.
mfG  fE

Zuletzt bearbeitet 8 Tage zuvor von buri_see_kaeo
MicMuc
MicMuc
8 Tage zuvor

„… die vollmundigen Versprechungen in den Wahlprogrammen vieler Parteien zur Legalisierung …“!?! Ich habe – bis auf das Wahlprogramm der Linken – nirgendwo „vollmundige Versprechen“ vernommen, nur halbherzige Lippenbekenntnisse!!! Wenn es um Grundrechte geht, widerspricht ein Betteln und Verhandeln der Ernsthaftigkeit der berechtigten Forderung!

Türauf
8 Tage zuvor

Mit Maske im Freien rumlaufen, ist schon traurig.

buri_see_käo
buri_see_käo
8 Tage zuvor

…im Wald beim Pilzesammeln, ja komisch, aber schon gesehen.
Auf der Hanfparade war der Abstand von Personen zueinander schon (z.T. sehr) gering.
Ich laufe auch nicht mit ’nem Maßband rum, zur 1,5m-Kontrolle, ich berücksichtige auch die Windrichtung, halte die Luft an, auch wenn’s >3m sind und jemand niesst. Mach ich schon lange (Jahrzehnte) so, habe relativ selten Grippe, wäre mir zu lästig.
mfG  fE

Zuletzt bearbeitet 8 Tage zuvor von buri_see_kaeo
Haschberg
Haschberg
7 Tage zuvor

Es muss endlich ein Ruck durch diese Republik gehen, der den Millionen von Hanfliebhabern ihre über lange Zeit verlorene Freiheit zurückgibt, so wie es einem freiheitlichen Rechtsstaat würdig ist.

MicMuc
MicMuc
7 Tage zuvor

@trecaro: meines Erachtens geht die Diskussion an der Tiefe und an der Ernsthaftigkeit des Themas wie auch an der unheilvollen als auch unheilbaren Schuld des Staates vorbei, wenn wir von „Ungerechtigkeit“ sprechen anstatt von UNRECHT. Ungerecht werde ich behandelt, wenn ich für gleiche Tätigkeit vergleichsweise weniger entlohnt werde. UNRECHT geschieht wenn durch WILLKÜR zwischen „Genußmittel“ und „Betäubungsmittel“ (die Lüge im Begriff) etwas in dieser schwerwiegenden Radikalität als Gut und Böse unterschieden wird, daß das eine gesellschaftlich akzeptiert, gewollt, beworben und gefeiert wird, das andere als so strafwürdig eingestuft, daß die Grundrechte auf Freiheit, Unversehrtheit der Wohnung, Schutz des Eigentums, informationelle Selbstbestimmung etc außer Kraft gesetzt wird. Der eine darf in freier Selbstbestimmung sich entfalten mit einer „Substanz“, die gefährlich und… Weiterlesen »

Blabla
Blabla
7 Tage zuvor

Deutschland ist einfach Kriminell . Verbieten für Erwachsene Cannabis , aber erlauben ab 16 Jahren Alkohol und Tabak . Wo ist denn da Jugendschutz ? Wobei Tabak und Alkohol das gefährlichste ist Weltweit .
Eltern trinken und rauchen vor ihren Kindern und dann wundert man sich warum Kinder früh anfangen zu trinken und rauchen…. Sorry Deutschland ich schäme mich für Euch deutscher zu sein.

MicMuc
MicMuc
6 Tage zuvor

Bitte ansehen! Besser kann man Irrsinn, Heuchelei und Unrecht seitens Politik Justiz und Medien nicht darstellen: https://youtu.be/CT_zpmYulsM

trecaro
trecaro
6 Tage zuvor

at MicMuc,

Deine Worte :

„Wer hier von “Ungerechtigkeit” spricht, der verharmlost das Problem in seiner Schwere und der verniedlicht das himmelschreiende Verbrechen, das der Staat tagtäglich an bis dato unbescholtenen Bürgern begeht“

am Ende der Reaktionsantwort bringen es auf den Punkt.

.. wer Scholtet ? wer ist der Terrorist? https://www.youtube.com/watch?v=3hcCxb2p7ZU

Ich nicht.

Zuletzt bearbeitet 6 Tage zuvor von Tre-ca-ro
trecaro
trecaro
6 Tage zuvor

…. PS.

es fand sich leider noch kein Grund Musik zu Verbieten.

H'79
H'79
6 Tage zuvor

Doch den Strafen gegen erwachsene CannabisUser werden wir ein Ende setzen, nächstes Jahr sollen wenigstens ein paar Gramm Besitz nicht mehr als Delikt aufrechterhalten werden, das Strafverfahren auslöst (die dann zwar meist mehr oder minder ermessensabhängigerweise eingestellt werden) … Aber wir haben viel mehr vor und wollen von den Vorteilen regulierter Freigabe durch offiziellen Cannabis-Verkauf überzeugen (nebst zugelassenem privatem Eigenanbau).
Also wenn es die kommende Wahlperiode nicht klappt, das wäre für mich so hyper-enttäuschend … und schon einige Male haben Politiker Befürchtungen bestätigt, Hoffnungen werden ja jedenfalls geschürt aber so greifbar nahe wähnten wir uns in all den Jahrzehnten kaum jemals, dass … ja dass die Legalisierung einziehen wird.

MicMuc
MicMuc
6 Tage zuvor

@trecaro, im Welt-Interview vom 14.09. meinte Christian Thielemann: „In der Musik gibt es keine Denkverbote“. Ich würde dafür meine Hand nicht in’s Feuer legen, wenn ich mir die Vita des großen Komponisten, Humanisten und Aufklärers Schostakowitsch betrachte.

trec.
trec.
6 Tage zuvor

at MicMuc

ich denke dass wir allen ideologisch Verscheuklappten einfach rechtswissenschaftliche Fakten wie Bretter um die Ohren laminieren sollten, müssen und dürfen.

.. wir sollten auch an die Menschen die Radikalislamismus unterworfen sind im Thema „Verbot“ denken.

Was unsere Rechtsanwendung negiert ist dass aus USA das Verbot kam und die dort jetzt begonnen haben Verurteilte in allervollster Gänze zu rehabilitieren.
Bei uns wird geharrt bis es richtig Teuer wird.

Dank und Respekt an alle logisch aufgestellt und vernuftbegabten Mitwesen.

trec.

Zuletzt bearbeitet 6 Tage zuvor von Tre-ca-ro
MicMuc
MicMuc
6 Tage zuvor

@trec., bei uns wird es NIEMALS irgendeine Rehabilitation geben. Es hat auch keine gegenüber den Schwulen gegeben. Denn dann müßten Politik, Justiz und Medien eingestehen, massiv und systematisch millionenfach Unrecht an anderen Menschen verübt zu haben. Voraussetzung hierfür wären Rreflexionsvermögen und Gewissen., also Aufklärung und Humanismus Aber davon sind dank „bürgerlicher Mitte“ Lichtjahre entfernt.