Freitag, 28. Februar 2020

Cannabis von der Stiftung Warentest unter die Lupe genommen

Wirkungen und Risiken von gewöhnlichen und ungewöhnlichen Schmerzmitteln

Fotos: Bud Spencer


Seit März 2017 ist Cannabis auch in Deutschland ein von Ärzten reguläres verschreibungspflichtiges Medikament. So schwer es sich aber gestaltet einen praktizierenden Mediziner zu finden, der einem erkrankten Menschen Medizinalhanf verschreibt, so sehr wird bei vielen Personen noch der Zweifel überwiegen, ob Cannabis überhaupt als Medikament funktioniert. Jetzt hat sich einmal eine bekannte deutsche Teststelle mit der Thematik beschäftigt und versucht die Wirkungen und Risiken der häufig noch als ungewöhnlich betrachteten Naturarznei zu vermitteln. Dabei werden auch die regulären und bekannten Medikamente ins Spiel gebracht und deren Nebenwirkungen erwähnt. Es wurde Cannabis von der Stiftung Warentest unter die Lupe genommen.

Unter dem Titel „Cannabis: Wie THC, Nabilon und Cannabidiol Kranken helfen können“ veröffentlichte Stiftung Warentest am 21.02.2020 einen Artikel auf der Internetpräsenz der bekannten Stiftung, die 1964 auf Beschluss des Deutschen Bundestages gegründet wurde. Zuerst werden die Umstände beleuchtet, die Cannabis als Medizin in Deutschland salonfähig machten, dann die Gründe, warum Patienten die Naturarznei von ihrem Arzt verschrieben bekommen könnten. Ein Hinweis auf die zeitlich begrenzten Begleiterhebungen, die während der derzeitigen Cannabis-Verordnungen vom Bundesinstitute für Arzneimittel und Medizinprodukte durchgeführt werden, darf nicht fehlen, bevor man sich auf die verschiedenen therapeutisch nützlichen Inhaltsstoffe und erhältlichen Fertigarzneien konzentriert. Dass Cannabidiol – kurz CBD – derzeit ohne Verschreibung erhältlich ist, und einen regelrechten Boom erlebt, erwähnen die Autoren des Artikels auf Test.de dabei auch, ohne auf die im Januar 2019 veränderte Novel-Food-Verordnung einzugehen. Dafür wird die Wirksamkeit des in medizinischem Cannabis enthaltenen Wirkstoffs THC leicht zweifelhaft dargestellt, da die medizinischen Effekte laut den eigenen Arzneimittelexperten bislang schlecht belegt wären und vergleichsweise schwach ausfallen würden. Dennoch käme ein Therapieversuch am ehesten bei Schmerzen und Krämpfen durch Multiple Sklerose, bestimmten Formen der Epilepsie, Übelkeit und Erbrechen durch Chemotherapie sowie Appetitmangel aufgrund schwerer Krankheiten infrage.

Nach Studienergebnissen würde Cannabis jedoch bei vielen Schmerzen kaum Wirkung zeigen, vermittelt Stiftung Warentest dem Leser, während man Erkenntnisse der University of Guelph aus dem vergangenen Jahr übersehen zu scheint. Dafür seien die Nebenwirkungen, die sich in Müdigkeit, Benommenheit, Schwindel, Übelkeit, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen äußern könnten, Grund genug, die Arbeit an schweren Maschinen oder eine Teilnahme am Straßenverkehr einzuschränken. Der Einsatz von natürlichem Cannabis böte nach wissenschaftlichen Studien wenig Vorteile, auch wenn das Gegenteil von Patienten behauptet würde. Weil dazu der Wirkstoffgehalt in Blüten schwanken könne, wären Rezepturen aus Cannabisextrakten und industrielle Fertigarzneimittel vorzuziehen. Hier würden Sativex, Canemes und Epidyolex zur Verfügung stehen.
Was Stiftung Warentest in diesem Artikel nicht erwähnt, sind die dort auch erst kürzlich herausgefundenen Risiken regulärer Schmerzmittel, über die sich der Kölner Stadt-Anzeiger zu berichten traut. Während die bereits erwähnten Nebenwirkungen von Cannabis von Müdigkeit zu Schwindelgefühl reichten, könnten nicht-steroidalen Antirheumatika bei längerer Nutzung risikoreich sein. Medikamente wie Ibuprofen und Voltaren beispielsweise, erhöhen die Gefahr, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Paracetamol belaste dagegen die Leber.

So darf man sich dann auch nicht wundern, dass selbst Portale wie www.Gesundheit.de aktuell über die vielen positiven Eigenschaften von Cannabidiol berichten, das als CBD-Öl, -Kapsel oder -Kaugummi ohne Rezept in Apotheken, Drogerien und Online-Shops erworben werden kann. Nur von der veränderten Novel-Food-Verordnung will man aber auch hier noch nichts gehört haben …

11 Antworten auf „Cannabis von der Stiftung Warentest unter die Lupe genommen

  1. R. Maestro

    Da beisst sich doch die Katze selbst in den Schwanz.
    „Nach Studienergebnissen würde Cannabis jedoch bei vielen Schmerzen kaum Wirkung zeigen, …. “
    Trotzdem wird THC weiterhin als Betäubungsmittel geführt.
    In einem Safe gezüchtet, während tödliche Medikamente in schnöden Holzregalen in der Apotheke lagern. Doppelmoral halt.

    Umso mehr die angeblichen Gründe für das Verbot endlich mal hinterfragt werden,
    umso haarsträubender werden die Argumente:
    „Wegen Cannabis-Konsum? Mann erleidet Dauererektion – 12 Stunden lang.“
    (vom 24.02.2020 auf noizz).
    Klar, und morgen ist Hanf der Auslöser für Corona?
    Mal sehen, was noch für Humbug verbreitet wird.

  2. Fred

    Ein Freund von mir hat beide Schultern kaputt. Beide Gelenke sind dermaßen abgenutzt, das der Gelenkkopf nur noch gegen das eigentliche Gelenk reibt statt von diesem aufgenommen zu werden.
    Wenn der Mann sich eine gute Dosis ( gemäßigter THC Gehalt, relativ hoher CBD Gehalt ) gibt, läuft er fast die gesamte folgende Woche schmerzfrei durch die Gegend. Erst am 5 oder 6 Tag merkt er, das in seinen Schultern was nicht ganz rund läuft.
    Die Diagnose bekam er übrigens 2013. Er würde keinesfalls ohne künstliches Gelenk in beiden Schultern davon kommen, sagte der Orthopäde. Die Schmerzen wären sonst bereits in Kürze nicht auszuhalten.
    Ist jetzt 7 Jahre her. Mein Kumpel läuft immer noch mit seinen eigenen Schultern durch die Gegend und hat nahezu keine Probleme. Aber das bildet sich der Kerl bestimmt nur ein. Der nimmt ja Drogen.

  3. H'79

    Benommenheit versus Herzinfarkt … Es lässt sich nicht verhehlen: Cannabis macht anderen (sogar frei erhältlichen) Medikamenten Konkurrenz. Vielen Dank für die im Auftrag der sicherlich nicht neutralen Politiker gemachten Studie, werte Stiftung!
    Ich denke, THC und CBD gehören insbesobdere in wenig verarbeiteter Form mit natürlichen Schwankungen ins Supermarktregal neben alle anderen (selbstverständlich nicht unter allen Umständen für jeden gefahrlosen) Arzneien, die man einzig der freien und selbstbestimmten Wahl jeder und jedem vollgechäftsfähigen Kundin und Kunden unterstellen möge – das Grundgesetz sieht dies genauso wie ich. Politiker wie Politikerinnen, die jetzt noch Nebelbomben werfen oder irgendetwas inrichtung Prohibition versuchen gehören auf internationale Anklagebänke, graduell weniger oder gleichstark belastet und bewacht wie (eines oder mehrerer) Kriegsverbrechen (oder sonstiger) Menschenrechtsverletzung(en) Beschuldigte.

  4. Rainer Sikora

    Diese Beurteilung wird keine Veränderung bei Ärzten oder ein anderes Verhalten erzeugen.Kein Grund über Verschreibungen, so normal wie bei Laborgift, nachzudenken.

  5. Lars Rogg

    Ach sooo ..“ Nach Studienergebnissen würde Cannabis jedoch bei vielen Schmerzen kaum Wirkung zeigen, vermittelt Stiftung Warentest dem Leser “
    Na dann täuschen sich eben 100.000 von Medizinalhanf Nutzer und die erfolgreiche, seit jahrzehnten praktizierte Abgabe im illegalen Bereich sowie in Israel in Altenheimen etc.
    Sind also alles Plazebos. Gut zu wissen… Das abartig geile Entspannungspotential einer ausgewogenen Hybride..??? Das Lachen, der Seelenbalsam, die erträglich werdenden Schmerzen…?? Alles nur Einbildung und nix Wert..?? Das sollen die mal einer Freundin von mir sagen, die wegen ihrer monatlichen Krämpfe nicht aus dem Bett kam und dank ihres illegalen Konsums wieder am Leben teilhaben kann..!! Und das ohne giftigen Apothekenware…tzzz…immer wieder witzig, unsere Wissentschaftler 🙁

  6. Krake

    @ Lars,
    vielen Dank Du sprichst mir aus der Seele. Bin selber vor 15 Jahren schwerst krank geworden, Fuck MS und komme ohne mein sativa Gras gar nicht mehr zurecht….Aber Gott sei Dank, diese Pflanze, lässt mich noch am Berufsleben teilhaben!! Wär ohne die, gar nicht dran zu denken!!!

  7. Hans

    Habe der Stiftung Warentest mal einen Leserbrief geschrieben wegen mangelnder Recherche usw.
    Habe die Objektivität in Frage gestellt…ich kann jetzt ihren Test s nicht mehr Vertrauen.
    Viele cbd Nutzer informieren sich auch beim Thema Legalisierung von Cannabis ….der Verbraucher ist nicht dumm und merkt wenn er für dumm verkauft wird.

  8. Anonymous

    Ganz klar die Pharmalobby macht mobil gegen die natürliche Arznei Cannabis und den legalen Cannabinoid CBD, denn die wollen ihren schädlichen mit vielen noch schädlicheren Nebenwirkungen bei ihren Medikamenten Mist absetzen. Klarer Fall von falscher Bericht Erstattung!

  9. H'79

    Das finde ich gut, dass ihr Stiftung W was (mehr als) Kritisches entgegensetzt. Ich finde S Warentest nicht erst heute zweifelhaft aber als ich auch noch erfuhr dass sie vom Bundestag abhängig sind, hab ich gedacht, das passt zugut zu unseren vermeintlichen Volksvertretern. Das mit der schlechten Nutzwirkung „bei vielen Schmerzen“ (oder wie es formuliert war) erschien mir zumindest missverständlich ausgedrückt … Und ich fand gut, dass ihr das mal so richtig gerade gerückt habt. Leider läuft es immer wieder darauf hinaus dass wir von („nur“ zum Spaß) Genießern bishin zu den Bedürftigen (die es dringend brauchen und hoffentlich obendrein Spaß dran haben – mal abgesehen davon dass diese Unterscheidung vielleicht garnicht so sehr zu betonen ist) von den um unser Wohl ja so besorgt daherkommenden Herrschaften Abgeordneten verschaukelt werden. Wohl den Parteien und Einzelkämpfern die sich von dem giftspeienden und heuchlerischen Pack abheben, das hinter Schwedische Gardinen gehört anstelle der von ihnen weiterhin so Gepeinigten.

  10. Hans

    Stiftung Warentest hat geantwortet..
    Es tut uns leid….
    …Nein sie lassen sich nicht schmieren…sind unabhängig.
    Schreibt ihnen doch auch mal was…die freuen sich.
    Euer Hans

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