Dienstag, 12. Februar 2019

Cannabis-Touristen in Tilburg wieder willkommen

Gemeinderat beendet Coffeeshop-Verbot für ausländische Besucher

Cannabis

 

Sadhu van Hemp

 

 

Die Niederländer sind schon ein schräges Völkchen. Anders als die Erbsenzähler in Deutschland und Österreich, lassen die Holländer gerne mal Fünfe gerade sein, wenn es einigermaßen passt. Bestes Beispiel ist die Cannabis-Politik: Seit 1976 wird der Besitz kleiner Mengen Cannabis geduldet, obwohl dies laut Gesetz noch immer als Straftat gilt. Möglich macht diesen Spagat das Opportunitätsprinzip, das Polizei und Staatsanwaltschaft davon befreit, auf Teufel komm raus jeden Verstoß gegen das Hanfverbot zu ahnden.

Um diesem Kuddelmuddel so etwas wie einen rechtlichen Rahmen zu geben, gestattet der Staat den Verkauf geringer Mengen Marihuana und Haschisch in zugelassenen Coffeeshops. Und das ist ebenso paradox, denn das, was legal durch die Vordertür herausgetragen wird, wird illegal durch die Hintertür angeliefert.

 

Was seit mehr als vierzig Jahren (!) mehr schlecht als recht funktioniert, ist genauso lange Gegenstand einer ewigen Diskussion zwischen Hanfbefürwortern und -gegnern. Die Prohibitionsideologen aus dem rechtskonservativen Lager lassen nichts unversucht, um dem kleinen Königreich die weltweit einmalige Coffeeshopkultur auszutreiben. Doch statt sich an den deutschen Glaubensbrüdern ein schlechtes Vorbild zu nehmen und kurzerhand die Prohibitionskeule zu schwingen, verlieren sich die niederländischen Mitstreiter in dem Geduldspiel, den Feind salamitaktisch bezwingen zu wollen – mit dem Ergebnis, dass es keinem der seit 2002 regierenden Rechtsbündnisse gelang, die krumme Sache mit den Coffeeshops wieder geradezubiegen. Der Plan, bis 2013 alle Coffeeshops zwischen Harlingen und Maastricht auszumerzen, scheiterte an der Realität und am Widerstand der Cannabis-Befürworter. Da half auch nicht der 2012 in Limburg, Nordbrabant und Zeeland eilig eingeführte „Wietpas“, um den Coffeeshops die ausländische Kundschaft zu entziehen.

 

Nach der missglückten landesweiten Einführung des Cannabis-Passes folgte der nächste Streich der Hanfgegner: das I-Kriterium. Die Regelung sieht vor, dass nur Kunden mit Hauptwohnsitz in den Niederlanden in den Coffeeshops bedient werden dürfen. Doch was den ruhebedürftigen Bürgern in den südlichen Provinzen recht und billig ist, gefällt vielen Städten und Gemeinden in Restholland ganz und gar nicht. Bis heute weigern sich Amsterdam, Rotterdam, Den Haag und viele andere Gemeinden, das I-Kriterium anzuwenden – aus Sorge, bei Touristen an Attraktivität zu verlieren bzw. den illegalen Straßenhandel wiederzubeleben.

 

So blieb das Ausländer-raus-Kriterium bis heute auf Limburg, Nordbrabant und Zeeland beschränkt. Doch nun bahnt sich bei den Provinzpolitikern ein Sinneswandel an, da nicht mehr zu leugnen ist, dass sich Outdoor-Cannabis-Dealer um die ausgesperrten Ausländer kümmern. Zuerst scheint man in Tilburg klüger zu werden. Im März 2018 setzte der Gemeinderat des Nordbrabanter Städtchens das I-Kriterium für die örtlichen Coffeeshops testweise aus, um den Sinn und Zweck des Hausverbots für ausländische Besucher von einer externen Agentur für sozialwissenschaftliche Forschung und Beratung überprüfen zu lassen.

 

Nun liegt ein erstes Ergebnis vor: Die Untersuchung zeigt, dass die meisten Anwohner, Gewerbetreibenden und Passanten keinen Unterschied erkennen, ob Ausländer die Coffeeshops besuchen oder nicht. Lediglich der Autoverkehr im Nahbereich einiger Rauchstuben habe leicht zugenommen. Etwa 15 bis 20 Prozent der Gäste kommen aus dem Ausland, zumeist mit dem Kraftfahrzeug aus Belgien. Damit liege der Ausländeranteil weit unter dem anderer grenznaher Gemeinden wie beispielsweise in Limburg. Die elf Coffeeshops in Tilburg bewirten rund 250.000 Besucher pro Jahr. Nach Ansicht der Forscher deckt das Cannabis-Angebot die Nachfrage und alles sei in guter Balance. Das belegt auch die gleichgebliebene Anzahl von Beschwerden über Ruhestörung und Belästigungen während der Testphase.

 

Mit der überraschenden Ansage von Bürgermeister Theo Weterings (“Drugstoeristen blijven welkom”) wächst nun die Hoffnung, dass nach Jahren schwerster Verirrungen auch andere Gemeinderäte den Nonsens des I-Kriteriums als solchen erkennen und die Diskriminierung von ausländischen Cannabis-Konsumenten unterlassen.

 

3 Antworten auf „Cannabis-Touristen in Tilburg wieder willkommen

  1. Ewa

    Das wär ja richtig genial. Ich hoffe das gilt auch für Maastricht, dann kann ich endlich meine Lieblingscoffeeshops wieder besuchen 🙂

  2. Rainer Sikora

    Ich weiß nicht,wie cannaphob die Niederländische Regierung mittlerweile geworden ist.Hoffentlich sind die taub gegenüber den Hanffeinden.

  3. Otto Normal

    „refugee’s welcome“ oder „drugtourist’s welcome“?

    Der Ausdruck „Drogentourist“ oder „Hanftourist“ ist wieder ein gutes Beispiel dafür, wie durch schleichende Sprachmanipulation hinterlistigste Propaganda und Volksverhetzung betrieben wird.

    Ein „Tourist“ ist jemand der ein Land besucht um sich dieses Land und seine Kultur anzusehen, evtl. seine Bewohner kennen zu lernen oder einfach nur um die Natur dort zu genießen und sich zu entspannen. Natürlich kauft er sich evtl das ein oder andere Souvenir aber der Einkauf ist nicht der Grund für die Reise.

    Jemand der ein Land besucht einzig und allein um dort Waren einzukaufen, die er in seinem Heimatland, aufgrund des Machtmißbrauchs der etablierten Parteien, nicht erwerben kann – z.B. frisches gesundes Cannabis – ist kein Tourist sondern ein Einkäufer bzw. Kunde und etwas später, wenn er die Ware ins eigene Land transportiert ist er Spediteur und Importeur.

    Die Prohibitionsverbrecher fassen den Bereich Spedition + Import in dem volksverhetzenden Begriff „Schmuggler“ zusammen, so wie man z.B. in dem von dem Amis volksrechtswidrig überfallenen Afghanistan die Menschen, die dort um ihre Freiheit und Unabhängigkeit kämpfen, „Aufständische“ nennt, um sie zu stigmatisieren.

    Bei den „Drogentouristen“ die regelmäßig in die Niederlande fahren ist der Hauptgrund die Prohibition in Täuschland. Deshalb sind es eigentlich politische Flüchtlinge wenn auch nur temporär. Sie erfüllen alle Kriterien einer politischen Verfolgung.

    Der Begriff des „Drogentouristen“ soll die Problematik das hinter diesem Phänomen die verbrecherische Drogenpolitik, des in scheindemokratische Ketten gelegten, nun amerikahörigen Ex-Nazideutschland steckt verharmlosen, so wie man z.B. aus den Verbrechern die Steuerhinterziehung (wiederholter, schwerster Diebstahl in professionellem Stil) betreiben harmlos erscheinende „Steuersünder“ macht.

    Theoretisch müßte also jeder Cannabiskonsument (und bis 1995 jeder Schwule denn nur homosexuelle Männer wurden in D verfolgt also doppelte Diskriminierung) in den Niederlanden oder in Portugal politisches Asyl beantragen können.

    Allerdings nur theoretisch!

    Durch die Konstruktion des Begriff „sicheres Herkunftsland“ wurde durch die politische Hintertür von unseren Volksverrätern heimlich das Asylrecht innerhalb der EU außer Kraft gesetzt bzw. völlig abgeschafft. Für viele Staaten außerhalb der EU ebenfalls.

    Das bedeutet daß verbrecherische Diktatursyndikate wie z.B. die C-Parteien + SPD, nachdem sie mit Hilfe von Täuschung, Hetze und Meinungsmanipulation die Macht an sich gerissen haben, politische Verfolgung nach Lust und Laune betreiben können. Morgen z.B. könnten Computerspiele verboten werden, danach Fleischessen, Kaugummikauen also alles was den professionellen Volksbelügnern in ihren Wahnsinn kommt.

    Das Gegenargument ist, daß man sich als EU-Bürger ja ohnehin frei in der EU bewegen könne wegen der „Niederlassungsfreiheit“. Das genügt den einfachen Dummdeutschen (also 99,999 % der Bevölkerung) zur Beruhigung oder zumindest denen (ca 0,001%) die noch das Asylrecht wichtiger als Facebook finden.

    Es ist aber ein riesen Unterschied ob man sich als anerkannter politischer Flüchtling oder einfach nur als normaler EU-Migrant in einem anderen Land aufhält. Das Heimatland muß im letzteren Fall einfach nur einen EU-Haftbefehl austellen und schon wird aus dem politischen Flüchtling ein international gesuchter Verbrecher.

    Niemand prüft die Rechtmäßigkeit des Vorwurfs eines Verbrechens denn er kommt ja aus einem „sicheren Herkunftsland“, also den „Guten“ die immer recht haben, sich niemals irren können, auch nie aufs Klo müssen, also quasi ein Land in dem nur unfehlbare Päpste leben. Deshalb wird dann einfach verhaftet und ausgeliefert, bei einem anerkannten politischen Flüchtling wäre das nicht möglich.
    Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

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