Mittwoch, 21. März 2018

Kanada rüstet sich für die Cannabis-Freigabe

 

 

Der Countdown läuft: Noch hundert und eine Nacht bis zum Ende der Cannabis-Prohibition in Kanada

 

 

RE-Legalisierung in Sicht
Artwork by mark marker

 

 

Sadhu van Hemp

 

Aus deutscher Sicht ist es der pure „Waaahnsinn“, der sich gerade in Kanada abspielt. Hiesige Prohibitionisten schäumen vor Wut, die Ökonomen heulen ob des verpassten Geldregens, und die Alt-Kiffer beten darum, dass hierzulande alles weiterschläft und die Rauchware noch viele Jahre aus den klassischen Anbauländern importiert wird – erhältlich für kleines Geld beim Dealer des Vertrauens. Doch viele Deutsche jubeln auch und freuen sich für die kanadischen Brüder und Schwestern, wenn am 1. Juli die neue Zeitrechnung in Sachen Cannabis beginnt und die Ampeln für die regulierte Abgabe von Hanfblüten auf Grün gestellt werden. Dass die kanadische Spielart der Freigabe die aus der Illegalität erwachsene Cannabiskultur tiefgreifend verändern wird, kümmert die Community kaum.

 

Noch haben die Deutschen eine Galgenfrist von zehn bis fünfzehn Jahren, bis auch ihnen der Boden unter den Füßen weggezogen wird und sich die schöne neue Welt einer mit Industriehanf ruhiggestellten Bevölkerung auftut. Bis dahin können die Hanffreunde staunenden Auges nach Kanada schauen, wo in wenigen Wochen der Weltöffentlichkeit präsentiert wird, wie über Nacht aus bösen Haschgiftverbrechern brave und angepasste Bürger werden, die Vater Staat und dem Geldadel die Taschen füllen.

 

Mit dem Tag der Befreiung wird die Hanfpflanze in hermetisch abgeriegelten Gewächshäusern unter Verschluss genommen – gerade so wie Masthühner in der Käfighaltung. Wie das aussieht, zeigt die Hochsicherheitsanlage in Langley vor den Toren von Vancouver an der kanadischen Pazifikküste. Die derzeit größte Marihuana-Plantage der Welt wird umringt von einem Metallgitterzaun, garniert mit Stacheldraht und Überwachungskameras. Das Fotografieren ist unter Strafandrohung verboten, und Polizeistreifen sorgen dafür, dass auch kein Lebewesen unbefugt durch die Maschen schlüpft. Auf mehr als 100.000 Quadratmetern stehen dicht an dicht unzählige XXL-Gewächshäuser, die rund 350.000 Cannabis-Pflanzen Platz bieten. Der Stromverbrauch der Lampen und Wärmestrahler ist entsprechend hoch – absurd hoch. Die Betreiber der Anlage beruhigen ihr ökologisches Gewissen jedoch damit, dass der Strom aus Wasserkraft gewonnen wird.

 

„Wir sind eine staatlich genehmigte und überprüfte Anlage“, prahlt Jordan Sinclair, Sprecher der Firma Canopy Growth, deren Aktien gerade durch die Decke schießen. „Vorher haben wir hier mit sehr viel weniger Sicherheitsvorkehrungen ganz ordinär Gemüse angebaut.“

Die Cannabis-Legalisierung zum 1. Juli hat alles verändert: Das Gemüse wird jetzt aus den USA importiert, da die industrielle Produktion von Cannabis um ein Vielfaches lukrativer ist.

 

Rechtzeitig zum Befreiungstag werden alle Pflänzchen geerntet und verarbeitet sein, verspricht Sinclair. Fortan sollen dann jährlich 40 Tonnen Cannabisblüten fabriziert werden. Doch das ist erst der Anfang, denn die Nachfrage werden die Gewächshäuser in Langley längst nicht befriedigen können. Geplant ist deshalb eine weitere, noch größere „Cannabismastanlage“ ganz in der Nähe.

 

Firmen wie Canopy Growth drehen fraglos am ganz großen Rad in der industriellen Herstellung von Cannabisblüten. Und dazu zählt auch, die lästige Konkurrenz der privaten Kleingärtner zu bekämpfen. Deshalb wird der Monopolist auch nicht müde immer wieder zu betonen, dass Marihuana aus staatlich kontrolliertem Anbau frei von schädlichen Pflanzenschutzmitteln sei und einen exakt eingehaltenen THC-Gehalt habe – im Gegensatz zur Rauchware aus dem ebenso bald zugelassenen nicht kommerziellen Privatanbau.

 

Wie es auch kommt, es wird nicht so bleiben, wie es startet. Zwar wird in Kanada am 1. Juli wie seinerzeit 1976 in den Niederlanden zur Eröffnung des ersten Coffeeshops eine große Party gefeiert, aber die Zeit wird so einiges gerade rücken und ausbügeln. Experten aus Politik und Wissenschaft werden die Auswirkungen der Cannabis-Legalisierung mit Argusaugen unter die Lupe nehmen. Ebenso werden die Strafverfolgungsbehörden ohne Pardon jene Bürger aussortieren, die die Spielregeln etwas zu frei interpretieren. Die bereits abonnierten Opfer der unausweichlichen Einengung der Freigaberegelung dürften die Homegrower sein.

7 Antworten auf „Kanada rüstet sich für die Cannabis-Freigabe

  1. Lotus

    Wieso sollte es auch fair laufen im Kapitalismus wenn es um Geld geht,
    ich denke das ist ein Problem in fast allen bereichen in unserer heutigen Welt…
    bleibt abzuwarten wie sich die Lage weiterentwickelt,
    trotzdem Gratulation nach Kanada.
    Ich denke die Lage dort ist zwar auch nicht perfekt,
    aber die sind defentiv weiter wie wir hier,von daher freue ich mich soweit für alle Kanadier,
    dem Traum ein Stück näher gerückt zu sein.

    Peace und Pot und Happy 4:20

  2. Fred

    @dudemeister

    Die Armen dürfen nur noch 4 Pflanzen anbauen. Sicher ein wahrer Schicksalsschlag.

  3. Lotus

    Wow 4 Pflanzen,ernsthaft…jetzt hab ichs erst richtig verstanden,
    ok das ist wohl im vergleich zu vorher doch ein großer Rückschritt,
    wenn ich da an Bilder von Urban Remos Growroom zurückdenke,
    warum nicht bis zu 25 Pflanzen,bzw. Anbaulizenzen an Grower für Patienten und Freizeitnutzer vergeben,dann hätten doch viele Kleinere Grower auch eine Chance etwas vom Kuchen abzugriegen und der Markt wäre bunter gestalltet durch mehr Angebot von verschiedenen Growern,
    man sollte im Falle einer „Legalisierung“ bzw. Freigabe den Menschen schon die Wahl zwischen gutem Gras und Industriegras lassen und verdammt nochmal diese Pflanze dann auch frei lassen…

  4. fahrie

    Bis zum 1.6 wird es wohl nix.

    Das war sowieso nur der Termin der „Medien“. Das Parlament ist da noch mehr oder weniger fleißig dran am arbeiten soweit ich weiß.

    Beste Grüße

  5. train

    Wieder ein schritt in die richtige Richtung! Und das wollen wir endlich auch in Deutschland!
    Lasst mobilisiert euch und wehrt euch endlich! Lasst euch nicht mehr kriminalisieren!
    Geht in 2018 die Grünen in euren Landtag wählen und wählt am besten gleich die Linke mit eurer Zweitstimme, zeigt diesen Schwachköpfen das ihr euch das nicht mehr gefallen lasst und das Sie nicht alles mit euch machen können!

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