Dienstag, 15. November 2016

Coffeeshops weiter unter Beschuss…

 

…und eine gute Nachricht

 

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Foto: Su/Archiv

 

Die Grachtenstadt kommt nicht zur Ruhe. Nachdem vor einer Woche ein 23-jähriger Mann unter dem Verdacht festgenommen wurde, die Anschlagserie auf Coffeeshops zu verantworten, war die Hoffnung groß, dass der Spuk endlich vorbei ist. Das war ein Trugschluss: In der Nacht von Sonntag auf Montag flogen abermals blaue Bohnen – auf die Fensterfront einer Wohnung in der Sarphatistraat. Die Bewohner waren, als die Pistolenschüsse einschlugen, zu Hause, blieben aber unversehrt.

Alles deutet darauf hin, dass der Anschlag dem im Souterrain befindlichen Coffeeshop „The Power“ galt, der bereits im Februar und Mai Ziel des Attentäters war und deshalb von der Stadt bis auf Weiteres aus dem Schussfeld genommen wurde. Dass nun zum dritten Mal auf den (verwaisten) Coffeeshop geschossen, aber die darüberliegende Wohnung getroffen wurde, beunruhigt mittlerweile nicht nur die Polizei, sondern alle Bürger der Stadt. Der von den Shopbetreibern geäußerte Verdacht, dass es sich bei dem Phantom um einen Psychopathen handelt, scheint inzwischen nicht mehr allzu abwegig.

Mittlerweile hat Bürgermeister Eberhard van der Laan den Ernst der Lage erkannt und ist davon abgekommen, dem Attentäter mit der gewünschten Schließung der betroffenen Coffeeshops in die Hände zu spielen. Fortan bleiben die Läden geöffnet, und im Gegenzug haben sich die Eigner selbstverpflichtet, mit Überwachungskameras und Wachpersonal für Abschreckung zu sorgen. Was bleibt, ist der Wunsch, dass die Polizei endlich alle Register zieht und dem Terror ein Ende bereitet, bevor dieser Irre richtig Blut leckt und auch auf Menschen schießt.

 

Doch es gibt auch frohe Kunde aus der Stadt, die Kifferherzen höher schlagen lässt. Nach Jahren des systematischen Ausdünnens der Coffeeshopdichte wird es in Amsterdam endlich wieder eine Neueröffnung geben. Im Südosten nahe der U-Bahn-Station Bijlmer Arena wird aller Voraussicht nach der Eigner des Coffeeshops „’t Keteltje“ aus der Marnixstraat eine Filiale unter dem Namen „Roots“ eröffnen. Nach sechzehn Jahren zähen Ringens mit der Stadtverwaltung ist das absurd komplizierte und aufwändige Genehmigungsverfahren in trockenen Tüchern, und der letzte der sieben Amsterdamer Bezirke wird ans Versorgungsnetz angeschlossen. Dass die Anwohner mit einem Veto die Eröffnung unnötig hinauszögern, ist nicht zu erwarten, da es im Interesse aller ist, den Straßenhandel nicht ausufern zu lassen. Überdies hat van der Laan angekündigt, in absehbarer Zeit noch einen zweiten Coffeeshop in Amsterdam Zuidoost in enger Absprache mit allen Beteiligten zuzulassen.

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