Freitag, 28. Oktober 2022

Legalisierung: Kein Anstieg des Konsums von Jugendlichen

Foto: Su/Archiv

Bei der Cannabislegalisierung wird es keinen Anstieg des Konsums von Jugendlichen geben. Kinderpsychologe Andreas Gantner sagte dies im Interview.

Im ZEIT-Interview mit dem Kinderpsychologen Andreas Gantner geht es um die Gefahren von Cannabis für Jugendliche und junge Erwachsene. Er betreut in seiner Arbeit junge Menschen, die problematische Konsummuster mit Cannabis entwickelt haben. Auf die Frage, ob er besorgt sei, konnte Ganter eine klare Antwort geben. Er gibt an, dass diverse Fachgesellschaften sich bereits positiv gegenüber der Legalisierung geäußert haben. Ebenfalls hält er die Prohibition für gescheitert und denkt, es sei der falsche Weg, den Umgang mit Cannabis unter Strafe zu stellen. “Ich finde es sogar für Jugendliche fast noch wichtiger, dass Cannabis auch aus dem Betäubungsmittelgesetz gestrichen werden soll. Das würde bedeuten, dass die Jugendlichen, die dennoch konsumieren, keine Straftat mehr begehen. Sodass sich vielleicht mehr von ihnen Unterstützung holen werden.” sagte Ganter im Interview. 

Andreas Gantner hält Cannabis alles andere als ungefährlich. Im Gegenteil, er warnt vor gravierenden Auswirkungen, die Cannabiskonsum auf die Entwicklung des jugendlichen Gehirns haben kann. Er gibt an, dass gerade die Entwicklung im Frontalhirn, welches unsere Steuerzentrale im Gehirn ist, durch häufigen Cannabiskonsum in der Jugend geschädigt wird. Zudem sagt er, dass das Cannabinoidsystem im Körper auch genau wie das Frontalhirn erst mit 25 vollständig entwickelt ist. Manche kinderärztlichen Kollegen seinerseits halten deswegen die Legalisierung ab 18 für die falsche Wahl. Diese möchten Cannabis erst mit 25 legal erwerbbar sehen. Diese Meinung vertritt Gantner allerdings nicht.

Allerdings macht sich Gantner mehr Sorgen über die Auswirkungen, die Cannabiskonsum auf Kinder und Jugendliche hat. Gerade was das Psychoserisko angeht, sieht er gerade Cannabiskonsum bei Jugendlichen als Gefahr an. “Tatsächlich kann eine Rauscherfahrung mit Cannabis eine Psychose bei Jugendlichen auslösen, die eine entsprechende Anfälligkeit haben, die genetisch oder sozial bedingt ist.” sagte Ganter. Zudem gebe es Zusammenhänge zwischen Cannabiskonsum und Depressionen und Ängsten. Ebenfalls nicht unerwähnt bleibt hier das erhöhte Suchtrisiko bei den Jugendlichen. Allerdings warnt er vor einer einseitigen Betrachtung der Debatte: „Wichtig hierbei ist der Fakt, dass es keine einfache Kausalität gibt, sondern wechselseitige Zusammenhänge und Risikofaktoren“, so Gantner. 

Gantner kritisiert das „verzerrte Bild der Realität“, das manche Kinderpsychiater zeichnen. Er fordert eine klare und offene Debatte. Die Risiken, die Cannabis für Jugendliche hat, müssen klar benannt werden und dürfen nicht beschönigt werden. Allerdings wird Cannabis häufig und unproblematisch von vielen Jugendlichen konsumiert. “Wir wissen aus der Epidemiologie, dass 80 Prozent der Jugendlichen, die mit Cannabis experimentieren oder es gelegentlich konsumieren, einen unproblematischen Umgang mit der Substanz erlernen. Anders ist es bei den Hochrisikogruppen: Jugendlichen, die schon früh mit dem Konsum beginnen, vor dem 16. Lebensjahr, oder die sehr regelmäßig und in großen Mengen konsumieren.” sagte Gantner im Interview. Es gilt für ihn, dass gerade die Hochrisikogruppen von den Präventionsmaßnahmen erkannt werden und dann die entsprechende Hilfe bekommen, die sie benötigen. Aufklärung statt Prohibition lautet die Divise. 

Gantner hält Aufklärungskampagnen für sinnvoll. Allerdings sind diese aktuell noch von der Prohibition behindert. Denn, um einen offenen Umgang mit Cannabis zu haben, braucht es die Entkriminalisierung und Entstigmatisierung von Cannabis. Zur Zeit würde kaum ein Jugendlicher offen vor seinen Eltern und Lehrern zugeben, dass er Cannabis konsumiert. Gantner hat klare Forderungen: “Eltern und Pädagogen sind aufgefordert, genauer hinzuschauen und bei Problemkonsum Angebote zu machen. Ein kompetenter Umgang mit Cannabis ist eine Entwicklungsaufgabe der Jugend.” sagte der Kinderpsychologe. Dabei wäre Cannabis mit Alkohol in der Präventionsarbeit gleichgestellt und es gebe so keine ideologischen Einflüsse. Die essentielle Neutralität der Debatte kann so hergestellt werden. 

Gerade für die Jugendlichen, die problematische Konsummuster mit Cannabis entwickelt haben, braucht es bessere Maßnahmen. Zum einen empfiehlt Gantner die Inklusion der Familie in die Therapie. Ebenfalls soll das Kontingent der Therapieplätze erhöht werden und der Zugang zu ebendiesen erleichtert werden. Es gilt herauszufinden, warum ein einzelner Jugendlicher diese Probleme mit Cannabis entwickelt. Er erwähnt hierbei, dass manche “Jugendliche versuchen, sich mit Cannabis selbst zu behandeln. Viele mögen den leichten Rausch von Cannabis, das Gefühl subtiler Euphorie, die Dämpfung unangenehmer Gefühle wie Wut oder Trauer.“ Es gilt hier ebenfalls, die Eltern mit ins Boot zu holen und diese adäquat über den Umgang mit der Sucht der eigenen Kinder aufzuklären.

Er hält die Legalisierung für einen guten Vorstoß. Er hält eine Restriktionen des THC-Gehalts bei den Jugendlichen allerdings für sinnvoll. “Auch den Plan, der im Eckpunktepapier steht, den THC-Gehalt für das legale Cannabis, das 18- bis 21-Jährige kaufen dürfen, abzusenken, scheint unter dem Aspekt des Jugendschutzes und der Risikominderung sinnvoll. Der Gehalt soll bei höchstens zehn Prozent THC liegen, was noch mal fünf Prozent unter den für Erwachsene angedachten Grenzen liegt.” so Gantner. (Hinweis: Ob es einen Grenzwert für 18 – 21 Jährige gibt, steht aktuell noch nicht fest. Der Grenzwert für Personen ab 21 wurde gestrichen. Siehe Eckpunkte)

Kinderpsychologe Andreas Gantner spricht sich klar und deutlich für die Legalisierung aus. Er steht für eine offene Debatte und klare Aufklärung. Keine Substanz bleibt ohne Risiko. Die Regierung ist hier in der Aufgabe, die Legalisierung adäquat umzusetzen. Cannabis muss kritisch behandelt werden, wenn es um den Konsum von Jugendlichen geht. Dasselbe gilt auch für Alkohol. Junge Menschen müssen den kritischen Umgang mit einer Substanz lernen, der sie ohnehin schon begegnet sind. So muss auch bei Cannabis ein gewisses Limit gekannt werden. 

Ein Beitrag von Simon Hanf

5 Antworten auf „Legalisierung: Kein Anstieg des Konsums von Jugendlichen

  1. Heisenberg

    Ich bin froh,daß sich in meiner Jugend niemand um meinen problematischen Konsum gekümmert hat.

  2. Andreas

    Na dann hast Du wahrscheinlich einen Schaden im Frontalen Kortex…… 😉

    Ich finde die Problemdarstellung wirklich gut, allerdings wird es den Schwarzmarkt nicht austrocknen, da die Begrenzung des THC Gehaltes bullshit ist, wenn ich 1 gramm Cannabis mit einem Gehalt von 10% THC habe, dann rauche ich eben noch einen Joint. Wer soll das denn kontrollieren. Flächendeckender Drohneneinsatz mit Schnüffelsensoren? Überfallartige Kontrollen in Cannabisgeschäften (vielleicht auf Bayern begrenzt), KOntrolle von jugendlichen KIffern und Einzug der Drogen zur Feststellung des THC Gehaltes des Joints, lächerlich.
    Die Polizei hat wirklich genug zu tun, es wäre mal an der Zeit dass die Ermittlungsbehörden Zeit und Kapazität bekämen, sich um die wirklichen Verbrecher zu kümmern, so wie z.B. die CumEx und CumCum Affäre, Steuerschulden für dubiose Banken, Einflussnahme auf Gesetze für Autohersteller, u.s.w.
    Die Bundesrepublik hat genügend Baustellen, also los ran an die Arbeit, bevor die BRD die Abkürzung für Bananen Republik Deutschland wird.
    😉

  3. Ramon Dark

    Diejenigen, die Cannabis erst ab 21 oder 25 erlauben wollen müssten das konsequenterweise auch für Alkohol fordern. Schliesslich kann der das Frontalhirn über das Absterben von Gehirnzellen noch viel schlimmer schädigen. Von Schädlichkeitsgrad und Suchtgefahr her gesehen müsste es für diesen eigentlich sogar strengere Regeln als für Cannabis geben. Für eine strengere Cannabisregelung gibt es keine wissenschaftliche Grundlage, sie ist pure und diskriminierende Ignoranz.

  4. Tre-ca-ro

    “ Die Polizei hat wirklich genug zu tun, es wäre mal an der Zeit dass die Ermittlungsbehörden Zeit und Kapazität bekämen, sich um die wirklichen Verbrecher zu kümmern, so wie z.B. die CumEx und CumCum Affäre, Steuerschulden für dubiose Banken, Einflussnahme auf Gesetze für Autohersteller, u.s.w.
    Die Bundesrepublik hat genügend Baustellen, also los ran an die Arbeit, bevor die BRD die Abkürzung für Bananen Republik Deutschland wird.“

    Bin bei dir.
    Wahrheit wählt wenig Worte. 😉
    §130 stgb grüßt rundummadumm 🙂
    https://www.youtube.com/watch?v=yXtumnTN6zg

    Treckergruß

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