Montag, 25. Mai 2020

Corona-Krise zwingt Marokkos Cannabis-Schmuggler zu Umwegen

Freiheitsbeschränkungen erhöhen Verfolgungsdruck auf Haschisch-Exporteure

Cannabis

 

 

Von Sadhu van Hemp

 

 

Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist Marokko ein nicht mehr wegzudenkender Haschisch-Lieferant für die kriminalisierte europäische Cannabis-Community. Mittlerweile kann man schon von einem Haschisch-Monopol sprechen, dass das kleine Königreich im Nordwesten Afrikas innehat. Die Zeiten, als noch ernstzunehmende Konkurrenten aus anderen klassischen Anbauländern auf dem europäischen Cannabis-Markt mitmischten, sind weitgehend vorbei. Ein Blick auf die Speisekarte eines Coffeeshops genügt, um festzustellen, dass kaum noch Haschisch aus dem vorderen und hinteren Orient im Angebot ist. Und wenn doch, dann ist die exklusive Rauchware oftmals überteuert und von dürftiger Qualität.

 

Ohne „Maroc“ wäre die Unterwelt, in der sich Europas Cannabis-Freunde verstecken müssen, nur halb so schön. Vor allem der Preis stimmt: Ein 20-Gramm-Piece mittlerer Qualität wird in Berlin für sechs Euro das Gramm gehandelt. Das deutet darauf hin, dass der Haschisch-Import aus Marokko flutscht und das Angebot höher ist als die Nachfrage. Alles in allem also ein einigermaßen zufriedenstellender Zustand für die in der Prohibition lebenden Cannabis-Konsumenten – und das seit mehr als einem halben Jahrhundert.

 

Doch nichts auf Erden dauert ewiglich. Die Zeiten werden härter, seitdem sich Europa immer mehr gegen Migranten und Kriegsflüchtlinge abschottet und wirtschaftspolitischen Druck auf die Länder ausübt, die als Sprungbrett übers Mittelmeer dienen. Die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache (Frontex) überwacht mittlerweile den ganzen Mittelmeerraum bis an die Seegrenzen Nordafrikas und hat selbst das kleinste Fischerboot auf dem Radar. Schließlich gilt es auch, den Import von Cannabis zu verhindern. In den Ministerien und Behörden der Maghreb-Staaten geben sich EU-Vertreter die Klinke in die Hand, und so mancher korrupte Entscheidungsträger wird mit einem Handgeld zum Handlanger Europas gemacht. In Marokko fließen beispielweise Subventionsgelder, die den Obst und Gemüseanbau für den Export in die EU fördern sollen, um den völlig verarmten Bauern die Feldbestellung mit Cannabis auszutreiben.

 

Der Weg übers Mittelmeer wird für Haschischschmuggler immer beschwerlicher und verlustreicher, seitdem sich Marokko Europa andient und für den Anti-Hanf-Krieg vereinnahmen lässt. Nun trägt die Corona-Krise ihr Übriges dazu bei, dass die Herrschaften der marokkanischen Haschischschmugglergilde andere Wege gehen müssen, um die edle Rauchware ans Ziel zu bringen. Wie diese Wege aussehen, beschreibt ein Bericht der Nachrichteagentur Reuters.

 

Seit Mitte März ist es auch in Marokko mit den ohnehin arg beschränkten Freiheitsrechten coronabedingt nicht weit her. Eine Reise mit dem Kraftfahrzeug von A nach B wird durch unzählige Polizei- und Militärkontrollen zu einem Hindernislauf, der bereits etlichen Schmugglern zum Verhängnis geworden ist. Allein seit Verhängung der Corona-Notverordnungen konnte die marokkanische Polizei 32,6 Tonnen Haschisch beschlagnahmen. Der kurze Weg aus dem nördlichen Rif-Gebirge zur Mittelmeerküste, wo die Ware entweder mit Schnellbooten oder mit der Handelsschifffahrt nach Europa verbracht wird, ist riskanter denn je und derzeit auch wegen der geschlossenen Häfen blockiert.

 

Die Ausweichroute für den Transport des verbotenen Genussmittels führt nun quer durchs Land bis an die Atlantikküste. Der Sprecher der Polizei und des Inlandsgeheimdienstes, Boubker Sabik, sagte, dass jüngste Beschlagnahmungen zeigen, dass immer mehr Schmuggler auf diese Route ausweichen. Statt nach Tanger zur Straße von Gibraltar, die nach nur 14 Kilometern in Spanien endet, geht es nun in stundenlangen Fahrten rund 600 Kilometer vom Rif zu den abgelegenen Stränden von Sidi Abed, 217 km südlich von Rabat. Transportiert wird die kostbare Fracht von Lebensmittellastern, deren Fahrer über eine Reiseausnahmegenehmigung verfügen. Fischer- und Schnellboote übernehmen dann die letzte Etappe bis in internationale Gewässer, wo es zu einem Rendezvous auf offener See mit europäischen Schmugglern kommt.

 

Die Wege des Haschbobels aus dem Rif-Gebirge werden also länger und kostspieliger. Aus „krimineller Konsumentensicht“ bleibt nur die Hoffnung, dass sich die Hanfbauern und Schmuggler nicht entmutigen lassen und weiter mit viel Fleiß und „krimineller Energie“ dafür sorgen, dass Marokkos EU-Exportschlager Nr. 1 erschwinglich und von guter Qualität bleibt.

 

 

10 Antworten auf „Corona-Krise zwingt Marokkos Cannabis-Schmuggler zu Umwegen

  1. Hans Dampf

    @Sadhu van Hemp,
    (kleiner Flüchtigkeitsfehler)

    Vor allem der Preis stimmt: Ein 20-Gramm-Piece mittlerer Qualität wird in Berlin für sechs Euro gehandelt.
    Allerdings zu sechs Euro das Gramm. Auch wenn Hasch und Co. weiterhin wie geschnitten Brot weggehen, alles hat seinen Preis. Sonst könnte bei manchen noch der Eindruck entstehen, Maroc wäre hier schon für 30Cent zu bekommen.
    L.G.

    @Hans Dampf: Sei bedankt für den Hinweis. Fehler ist behoben.
    Gruß
    Sadhu van Hemp

  2. Heisenberg

    Marokko wird die korrupten Berliner Affen überstehen sowie auch jedes andere illegale Verbot. Und auch dich Ludwig, du (Edit: Redaktion: Beleidigungen helfen hier leider nicht weiter) … !!!

  3. DIE HANFINITIATIVE

    WARUM hackt/e dann der Jans Spahn (derzeitiger Bundesgesundheitsminister (Mai 2020) und bekennender „Prohibitionist“) immer auf dem „SCHWARZEN AFGHANEN“ herum.

    Er müsste doch bei der Lage der Dinge den „MAROKKANER“ meinen?

    Oder war das vor 2000 Jahren anders und da kam der heilsame Balsamanteil aus Afghanistan und nicht aus Marokko – oder hat Jesus gar selbst angebaut? 😉 🙂 😀

    Fragen über Fragen 🙂 🙂 🙂

    PS „Cannabis und Corona“, das wird noch eine Debatte geben. Sogar die „Bild-Zeitung“ soll die Finger drin haben und recherchieren. 😀

    DIE BILD NENNT ES „SUPERCANNABIS: 😀 https://www.bild.de/ratgeber/wissenschaft/ratgeber/corona-cannabis-koennte-eindringen-des-virus-in-zellen-verhindern-70799118.bild.html

    Welches Cannabinoidprofil hat der „Marokkaner“? Nicht dass der „Afghane“, also der „Schwarze“ zuletzt noch „SUPERCANNABIS“-Fähigkeiten hat. Wer gibt uns Antwort auf diese komplizierten Fragen?

    […] 22.05.2020 – 11:46 Uhr

    Seine medizinische Wirkung ist bereits aus anderen Anwendungsgebieten bekannt; nun meinen kanadische Forscher herausgefunden zu haben, dass Cannabis auch gegen das Coronavirus helfen könnte!

    Auf preprints.org veröffentlichten Dr. Igor Kovalchuk, Professor für Biowissenschaften an der Universtity of Lethbride, und seine Forscherkollegen ihre Annahmen zur Wirkung der „Cannabis Sativa“-Pflanze: Deren Inhaltsstoffe sollen demnach die Gateways, also die Einfallstore, für das Virus im menschlichen Körper blockieren. Herausgefunden haben die Wissenschaftler das bei der Forschung über andere Krankheiten. … […] Quelle: siehe oben

  4. Heisenberg

    Redaktion
    Ihr habt leider recht. Aber genau das ist sie. Ihr wißt es und ich weiß es.

  5. R. Maestro

    🙂 Der Markt hat sich schon immer so flexibel gezeigt. …..

    Seit dem Verbot hat keine Krise oder Massnahme diesem Markt wirklich geschadet! 🙂

  6. H'79

    @ Heisenberg

    Schade, ich hätte deinen Kommentar gern zuende gelesen aber sicherlich hat die Redaktion recht. Zornig bin ich auch. Ich glaube, irgendwann wird Daniela Ludwig ihre gerechte Quittung bekommen. Schon jetzt würde ich nicht mit ihr tauschen wollen. Überhaupt hat die Union zumindest sprichwörtlich Leichen im Keller und zumibdest sprichwörtlich geht sie über Leichen. Sei froh dass du nicht so bist!

  7. Rainer Sikora

    So extrem und permanent,ist die Jagt noch nie gewesen.Auch noch nie so erfolgreich.Daher stellen sich bei mir schon Zweifel und Sorgen um die Zukunft der Versorgung mit Marok ein.Die anderen Aspekte (lukrativ machen des Gemüse-und Obstmarktes)und mit Marok Verluste erzeugen,entmutigt ebenfalls.Dazu noch die Hilfe von Daniela Ludwig,der Krieg wird schlimmer,und vielleicht irgendwann auch blutig.

  8. DIE HANFINITIATIVE

    (Meta)Symbolisch* nicht offtopic 😉 NEUER FLUGBERICHT von Herbert! – Er meint … es läuft ALLes nach Plan… wir sind Geschichte sind legendär… 🙂 😀 🙂

    Herbert ich knie vor DIR nieder… mein Urteil fäll ich erst, wenn WIR auf dem „Goldenen Pfad“ sind. Ist es ein verwirrtes Märchen?… WIR brauchen HELD_INNEN 🙂

    #HerbertGrönemeyer #DerHeld
    Herbert Grönemeyer – Der Held (offizielles Musikvideo)
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    Premiered May 7, 2020

    So genial – Herbert ich liebe DICH! …mein Held. – Ich sing mit und tanze und träume vom Sommer… 🙂 Save the desert!

    für Insider der Hausarbeiten „www.diehanfinitative.de“ – Augen-BLICKE – und – SUPERNOVA – NEI (natürliche empathische Intelligenz) = (neues?/altes?) Bewusstsein Menschheit – „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“

  9. M. A. Haschberg

    Diesen ganzen schrecklichen illegalen Schwachsinn, der eigentlich niemandem nützt und auf ganzer Linie nur unnötiges Leid schafft, könnte man sparen, wenn endlich vernünftige legale Bezugswege geschaffen würden.
    So könnte Marokko viele Steuereinnahmen generieren, die der königlichen Staatskasse und dem Volk sicherlich gut täten.
    Auch der deutsche Staat könnte sich über hohe Steuereinnahmen freuen und damit gleichzeitig die selbst verursachte Kriminalitätsrate senken.
    Die 5 oder 6 Millionen Hanffreunde könnten endlich aufatmen und ein normales, menschenwürdiges Dasein führen, wie es ihnen in einem zivilisierten Gemeinwesen eigentlich gebührt.
    Habe unseren Gesundheitsminister Jens Spahn schon im vorletzten Jahr darauf hingewiesen. Immerhin hat er mir von einer Regierungsmitarbeiterin aus Bonn eine Antwort zukommen lassen, allerdings mit den üblichen Argumenten, die wir alle schon zur Genüge kennen.
    Er scheint das Recht von Homosexuellen auf ein würdiges Leben auch weiterhin höher einzustufen, als die Rechte von Cannabis – Konsumenten, denen er die im Grundgesetz verankerte Freiheit auf körperliche Unversehrtheit noch immer nicht gönnt.
    Wenigstens können die sich nach einer sehr langen Zeit der Stigmatisierung endlich über ein gleichwertiges Leben freuen, was ihnen ja auch durchaus zu gönnen ist.
    „Kiffer“ dagegen, können ruhig noch ein paar Jahre warten, bis sie genau wie die „Schwulen“ als entkriminalisierte Bürger endlich ein normales Leben führen dürfen.

  10. Heisenberg

    @ H`79
    Ich würde ihr das gern persönlich sagen, aber das könnte ausarten.
    @ Rainer Sikora
    der Krieg wird schlimmer,und vielleicht irgendwann auch blutig.
    Schön wäre es anders, aber wenn irgendwann der Tag kommt, wo sie es wissen wollen, warum nicht! Dann wäre alles relativ schnell erledigt, denn ich glaube die Probleme ihr faschistisches Regime aufrecht zu erhalten werden größer und es gibt jeden Tag, in vielen Bereichen, immer mehr Leute, die bereit sind es darauf ankommen zu lassen, gegen dieses Drecksgesindel.

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