Montag, 3. Dezember 2018

Kanadas Cannabis-Industrie leidet unter Personalmangel

 

 

Immer mehr Erntehelfer aus der Karibik und Guatemala springen ein

 

 

Cannabis

 

 

Sadhu van Hemp

 

 

Während in Deutschland und in der EU die Cannabisfachspezialexperten entweder im Untergrund vor sich her wurschteln oder in Zuchthäusern gefangen gehalten werden, genießen die Kollegen in Kanada ihre Freiheit als ganz normale Bürger. Möglich macht das der Ausstieg aus dem Anti-Hanf-Krieg, der viele Menschen mit einem Schlag entkriminalisiert hat und in Kanada für blühende Landschaften sorgt. Statt im Knast Däumchen zu drehen, wird in die Hände gespuckt, um das grüne Gold aus der Erde zu ziehen.

 

Doch es gibt ein Problem: Der hanfproduzierenden Industrie gehen die Fachkräfte aus. Immer mehr Unternehmen schaffen es nicht, alle ausgeschriebenen Stellen mit geeigneten Bewerbern zu besetzen. Kein Wunder, denn was wie ein Traumjob klingt, ist im Arbeitsalltag harte Maloche, die auf Dauer nur die wenigsten durchhalten.

Der Geschäftsführer des kanadischen Medizinalhanfherstellers Aphria Inc., Vic Neufeld, beklagt, dass er im Sommer 50 neue Mitarbeiter für die Gewächshäuser in Leamington, Ontario, eingestellt hatte, von denen nach einer Woche lediglich acht bei der Stange geblieben sind. Neufeld gibt zu, dass die Arbeitsbedingungen im Gewächshaus trotz Klimaanlage in den Sommermonaten extrem sind. Die hohe Fluktuation der Gärtner zwang Aphria, im Quartal bis zum 31. August fast 14.000 Cannabispflanzen zu vernichten, nachdem sie nicht rechtzeitig geerntet werden konnten. Den Verlust beziffert der Geschäftsführer auf fast eine Million Dollar.

Nichtsdestotrotz konnte das Unternehmen die Mitarbeiterzahl in seinem Gewächshaus „Aphria One“ bis heute nahezu verdoppeln – auch dank des kanadischen „Seasonal Agriculture Worker Program“, das es ermöglichte, 50 Saisonarbeitskräfte aus der Karibik und Guatemala einzustellen. Weitere hundert „Leiharbeiter“ aus dem Armenhaus Amerikas sollen folgen.

 

Das Beispiel Aphria zeigt, dass der Hunger nach Arbeitskräften im fünften Jahr der legalen Hanfproduktion immer größer wird. Auf der Jobsuchmaschine Indeed.com. haben sich die Stellenangebote im Cannabisgewerbe im vergangenen Jahr verdreifacht. Kanadas lizenzierte Produzenten beschäftigten Ende 2017 laut Statistics Canada rund 2.400 Mitarbeiter, und nach letzten Schätzungen waren am Tag der Legalisierung Mitte Oktober rund 3.500 Personen in der Cannabis-Industrie beschäftigt.

Viele Unternehmen gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften im nächsten Jahr noch steigen wird. Optimistischen Schätzungen zufolge werden landesweit rund 125.000 neue Arbeitsplätze im Cannabis-Business geschaffen.

Aktuell hat Canopy Growth Corp., Kanadas größter lizenzierter Cannabis-Produzent, rund 1.200 Stellen ausgeschrieben. Aurora Cannabis Inc. ist von 35 Mitarbeitern weltweit auf 1.700 Mitarbeiter angewachsen. Das in Edmonton ansässige Unternehmen Alberta nimmt jeden Monat etwa 60 neue Mitarbeiter unter Vertrag.

 

Bei einer Arbeitslosenquote von 5,8 Prozent ist der Wettbewerb um die Arbeitnehmer hart, zumal auch immer mehr qualifizierte Mitarbeiter für alle Bereiche händeringend gesucht werden. Der augenblickliche hohe Bedarf an körperlich tätigen Mitarbeitern wird mit der zunehmenden Automatisierung der Produktion in den nächsten Jahren jedoch sinken. Statt Gärtner sind dann Hightech-Spezialisten und Logistiker gefragt, die die Maschinen einrichten und den Produktionsablauf vom Steckling bis zur Verpackung der fertigen Blüten steuern. Zugleich werden die expandierenden Unternehmen in die eigene Forschung und Entwicklung investieren – und das weltweit.

Fazit: Die Karrierechancen in der kanadischen Cannabis-Industrie sind für fast alle Berufsgruppen vielversprechend – selbst für Erzieher und Erzieherinnen, die im betriebseigenen Kindergarten den Nachwuchs der Belegschaft betreuen.

 

 

5 Antworten auf „Kanadas Cannabis-Industrie leidet unter Personalmangel

  1. Rainer Sikora

    Ich würde gern nach Kanada und mithelfen.Man sollte,man müßte und das war es dann auch schon,wie bei so vielen aussichtslosen Ideen.Da fällt mir immer gleich eine ganze Reihe an Gründen ein,weshalb das alles nicht machbar ist.

  2. Öhler Georg

    Ich suche eine Firma die extrahieren kann kleinere oder größere Mengen bitte können Sie mir eine bar Adressen zukommen lassen. Vielleicht auch von Österreich.
    E-Mail-Adresse info@bio-oehler.at
    Danke

    Lg Georg

  3. buri_see_käo

    @Rainer Sikora, canadische Unternehmen wollen wie hier eine schriftliche Bewerbung mit den üblichen Unterlagen (in englisch & per Mail). Mitarbeiter suchen z.B.
    https://aphria.ca/careers/
    oder
    https://careers.auroramj.com/?locale=en_US
    In CA ist das Sozialversicherungssystem geringer entwickelt als hier, klimatische Schmerzgrenze wäre für mich ca. 150 KM nördlich von Toronto. Die Stadt hat eine extrem niedrige Kriminalitätsrate und das größte China-Town Amerikas, wichtig für gesundes und billiges Essen, und nach 200 KM Zugfahrt (Rtg.SO) ist man bei den Niagara-Fällen. Ein Arbeitsvertrag sollte bereits vorliegen, auch wegen der Einreise-Bestimmungen, finanzielle Mittel für ca. 3 Monate „Dach über’n Kopf und Essen“ mitbringen. Wegen meiner Cluster-Kopfschmerz-Erkrankung bin ich z.Zt. finanziell dünne bestückt, aber ca. im Sommer werde ich evtl. mal sehen in Sachen E-Technik in CA, Anlagen geplant habe ich schon für die Holzies, strengere Arbeitssicherheit als hier, aber Schaltplan-Symbole wie hier vor 100 Jahren.
    BTW. heute vor 25 Jahren ist Frank Zappa gestorben.
    mfG fE

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