Montag, 24. September 2018

Kampfsportler wollen Cannabis-Szene in Hamburg zerschlagen

 

 

Altonaer CDU-Politiker gründet Bürgerwehr, die mutmaßliche Cannabis-Dealer im Schanzenpark jagen will

 

 

Cannabis
Graphik Ruth Groth

 

 

Sadhu van Hemp

 

 

Die Freie Hansestadt Hamburg ist Deutschlands Tor zur Welt, und die klassische hanseatische Lebensart ist geprägt durch Weltoffenheit und Zurückhaltung. Dass nicht jedem Hamburger diese Tugenden gegeben sind, beweist ein CDU-Politiker aus Altona, der laut Justizsenator Till Steffen (Grüne) auf eine „Schwachsinnsidee” gekommen ist.

Christian Abel heißt der selbsternannte „Anti-Drogen-Krieger“, der 32 Freizeit-Soldaten, die er vornehmlich aus dem Kampfsport-Milieu rekrutiert hat, in den Straßenkampf gegen Dealer und Kiffer schicken will. Ab sofort soll die private Anabolika-Armee begleitet von Kampfhunden regelmäßig im Sternschanzenpark patrouillieren und nach dem „Jedermann-Festnahmerecht“ (Paragraf 127 der Strafprozessordnung) vorläufige Festnahmen vornehmen. Das heißt, die Gentlemen der Bürgerwehr können einen Verdächtigen bis zum Eintreffen der Polizei festhalten, wenn dieser bei einer Straftat beobachtet wurde.

 

(Wie dieses „Festhalten“ aussehen könnte, zeigt ein Fall aus dem Jahr 2015, als vier überaus mutige Männer im sächsischen Arnsdorf einen 21-jährigen Kriegsflüchtling aus dem Irak aus einem Supermarkt zerrten und mit Kabelbindern an einen Baum fesselten.)

 

Der Christdemokrat Christian Abel, von Beruf Rechtsanwalt, nennt den Park ein „Kaufhaus für Drogen ohne Buchführung“. Das stimmt insofern, dass im Park kleine Mengen Cannabis gehandelt werden. Doch statt mit Abelscher „Lynchjustiz“ das Problem zu lösen, macht Justizsenator Steffen einen etwas menschlicheren Vorschlag: „Wer Dealer loswerden will, sollte nachdenken, wie aus einem Schwarzmarkt ein staatlich kontrollierter Markt werden könnte.“ Zugleich verwies er unter dem Hashtag #Cannabiskontrollgesetz auf einen Gesetzentwurf der Grünen-Bundestagsfraktion, der eine Freigabe von Cannabis als Genussmittel für Volljährige vorsieht.

Kritik an Abels „Gedankenspielen einer privaten Streife“ kam auch von Polizeisprecher Timo Zill: „Am Gewaltmonopol des Staates darf nicht gerüttelt werden. (…) Im öffentlichen Raum ist die Polizei die alleinige Institution, die Recht und Gesetz durchsetzen kann.“

 

Härter ins Gericht mit Abel ging die Hamburger Arbeitsgemeinschaft für Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger e.V., die Strafantrag gegen den Kollegen gestellt hat. „Wir sehen mit Sorge, insbesondere durch die martialische Diktion, dass massiv Straftaten gegen mutmaßliche Drogendealer, aber auch gegen völlig unbeteiligte im Park aufhältige Personen bevorstehen. Die Ankündigung von ‚Jagden‘ nach den Chemnitzer Ausschreitungen ist mehr als geeignet, den öffentlichen Frieden zu stören“, heißt es in einem Presseschreiben, das auch darauf verweist, dass die Polizei täglich im Sternschanzenpark aktiv ist. „Nach einhelliger strafrechtlicher Meinung gilt das von Herrn Abel als ‚Jedermannsrecht‘ bezeichnete Festnahmerecht nicht, wenn die Polizei vor Ort präsent ist und ermittelt.“

Zudem habe die deutsche Geschichte gezeigt „dass vermeintliche, mit der Polizei konkurrierende Schutztrupps, wie zum Beispiel die SA, zum Kern einer faschistischen Diktatur werden können“. Daher bestehe „mehr als genug Anlass, gegen solche Initiativen vorzugehen.“

Das Schreiben der Arbeitsgemeinschaft für Strafverteidigerinnen und Strafverteidiger e.V schließt mit den Worten: „Wir haben daher Strafanzeige wegen der Bildung bewaffneter Gruppen, Volksverhetzung und Amtsanmaßung erstattet.“

 

Kurzum, der CDU-Eiferer steht unter schwerem Verdacht – und alles deutet darauf hin, dass Abel und die 32 Kampfsportler ebenso ein Fall für das „Jedermann-Festnahmerecht“ sind.

 

16 Antworten auf „Kampfsportler wollen Cannabis-Szene in Hamburg zerschlagen

  1. Rainer Sikora

    Der Gesetzentwurf der Grünen (Cannabiskontrollgesetz)liegt schon seit geraumer Zeit zusammengeknüddelt im Mülleimer.Daran jetzt plötzlich zu erinnern ist nicht schön.Es sind die Menschenhasser die uns zusetzen.

  2. Harald

    Wäre Cannabis legalisiert hätte alles seine Ordnung und solche Gestalten hätten keine Grundlage und zwar auf beiden Seiten, also auf der Seite der „Aufrechten“ und auf Seite der Dealer. Der Staat begeht immer mehr Versäumnisse und praktiziert immer öfter und sehr auffällig, schreiendes Unrecht. Das hat jedoch zur Folge, dass die Bürger das sehen und zurecht nicht mehr an das Gesetz glauben. Damit ist das Gewaltmonopol in Frage gestellt und die Gesellschaft lässt sich das auch immer weniger bieten. Macht der Staat so weiter kommt es auf Sicht unausweichlich zum Bürgerkrieg und die Verursacher auf Seiten des Staates sollten dann startbereite Flugzeuge stehen haben. Denn wenn sich die ganze Wut entlädt, über diese korrupte Truppe, die sich Regierung schimpft, müssen sie schnell verschwinden, bevor es den Kopf kostet. Zu Herrn Abel sei gesagt: “ Ich wünsche ihnen, dass sie und ihre Truppe an die falschen kommen und die ihnen dann zeigen was wirklich Hardcore ist, sie Vorstadttarzan!“.

  3. loki

    Hoffentlich bekommen die sogenannten Kampfsportler von den zum Teil kriegserfahrenen Händlern richtig eins in die Fresse.

  4. Ralf

    Es kommt in DummD genau so wie ich es schon immer vorausgesagt habe. Auf braunem Sumpf(nichts anderes war diese BRD von Anfang an die Kette Gelen>Maßen beweist es) kann nichts gutes wachsen und Blutsport war schon immer ihr Ding.

  5. Otto Normal

    Der rechte Rand der CDU reicht bis weit über die AFD hinaus. Wenn jemand tagtäglich die korrupten Taschen mit Geldern vollgestopft bekommt für die andere Menschen jahrein jahraus schwer schuften gehen, anderseits aber dafür nichts weiter tun muß als dumm rum zu labern, da kann dann schonmal sowas geistig verwirrtes dabei herauskommen wie dieser Typ. Das Problem dabei ist das die Politiker noch nie richtig arbeiten mußten aber andererseits viel zuviel Geld in der Allerwertesten geblasen kriegen. Der beste Nährboden für den Pilz namens „Arroganz“ … übrigens sehr schön auch am Paradebeispiel Jens Spahn zu beobachten, der ja bekanntlich an Arroganz gepaart mit Dummheit kaum noch zu überbieten ist.
    Aus dem Kampfsport-Mileu hat er also die neue SS gegründet, so so… feine Kontakte hat der Herr, bis in die Unterwelt… aha… und sowas wird in unserer Bananenrepublik Täuschland Politiker.
    Da sieht man wie „sauber“ unsere Volksverräter sind.
    Wird Zeit das wir uns endlich unseren Staat zurückholen!
    Bin mal gespannt wann es den ersten Toten gibt weil ein Kleindealer sich das nicht gefallen ließ und eine Waffe im Darknet gekauft hatte.

  6. Ralf

    Feindbilder erfinden, irrationale Ängste produzieren und, am besten vom Schreibtisch aus, durch ihre gewaltbereiten Lakaien, mit oder ohne Uniform, Gewalt ausüben (lassen), das ist alles was diese schwarzbraunen Vollpfosten kennen, und ihre, Habgier kennt keine Grenzen.
    Und Geschichte (von der Polizei und SA zur SS, alle haben ihre Uniformen gegen eine gemeinsame getauscht) widerholt sich doch !

  7. Ewa

    Na da heißt es der doofen Bürgerwehr Mal eine Finte schlagen.
    An die Leute in Hamburg (wohne leider sehr weit weg) Aufruf in diesen Park zu gehen und Oregano Tütchen vor den Augen der Bürgerwehr weitergeben. Wenn das ein paarmal vorkam und die Polizei wegen Oregano kommt lassen die ganz schnell ihre Bürgerwehr sein…

  8. R. Maestro

    Ich habe ja gemeint, den grössten Schwachsinn in Sachen Cannabis, bereits gehört
    zu haben-denkste, eben nicht.
    Was die Prohibition für Ideen hervorbringt, unglaublich.
    Am Besten, wir verbieten auch die Endocannabinoide, dann haben wir
    ca. 80 Millionen Verbrecher im Land.
    Klar, ist das ein dummer Vorschlag, besser ist der Vorschlag vom Abel aber auch nicht.
    Wenn ich mich nicht weiter umgesehen hätte diesbzgl., hätte ich es nicht geglaubt.

    Wie war das nochmal? Kain hat Abel erschlagen?
    Sowas aber auch.

    @ Ewa, Die Idee mit dem Oregano, ist schon geil. 🙂
    Denke auch, dass es dann ruckzuck vorbei wäre, mit solchem Scheiß.

  9. Der Realist ohne Kraut

    Sorry, das ist zwar nicht meine Redensart, aber…
    Wie kommt so ein Sitzpisser darauf, sich derartig aufzuspielen und das Gesetz neu zu ermessen? Herr Abel wäre sicher gut beraten, seine aufgepumpten mit Hunden bestückten Proteinfresser in der Muckibude pumpen zu lassen.
    Ich sehe es ähnlich, wie einer der Vorschreiber, dass die ganzen Vollpfosten sich nicht wundern brauchen, dass sie irgendwann mal in einen geladenen Lauf schauen oder ein Messer a la Crocodile Dundee am Hals hängen haben.

    Ist doch ganz klar, wieso an jeder verdammten Ecke gedealt wird: weil ein voll behämmertes Gesetz, welches unter falschen Tatsachen von Unwissenden mit beknackten Ansichten erstellt wurde. Und wo dran auch weiterhin festgehalten wird.

    Mich kotzt Derartiges nur noch an. Scheiß CDU-Spacken mal wieder.

  10. Der Realist ohne Kraut

    Und:
    Auch was heute Morgen im Morgenmagazin von ARD/ZDF zu sehen war, schlägt auch wieder dem Fass den Boden aus.

    Da sagte ein CDU-ler zum Thema Maaßen: „Man solle sich doch jetzt auf wichtigere Dinge konzentrieren, als die Diskussionen über den Maaßen zu führen.“

    Klar, nehmen wir doch die anderen Baustellen, die CDU/CSU und die roten Lemminge sonst so verursachen bzw. nicht erfüllen…

  11. R. Maestro

    Toll.
    Beim Jauch läuft gerade das Oktoberfestspecial.
    Und kostenloses Rauschgift in Gläsern gibts auch.
    Im Fernsehen. Prima.
    Aber für
    ne Tüte wird man fast totgefi..t.
    Wann kommt es endlich mal zu einer realistischen Bewertung?
    Das Thema hat schon so einen grossen Sack, äh, langen Bart.

  12. Ewa

    @ Maestro genau das dachte ich mir auch… Das Alkohol ausgeschenkt wird ist schlimm genug aber dann auch noch öffentlich? Im Fernsehen?
    Also das ist doch die Höhe…
    Das sind alles Alkis in Bayern nur die reden es sich schön… Ein Freund von mir kommt aus Bayern und der meint in jeder größeren Firma gibt es einen Bierautomat und die trinken das wie Apfelschorle…
    Aber stabil war die Frau die eine halbe Mio gewonnen hat der gönn ich’s weil die manchmal echt gepokert hat :).

  13. R. Maestro

    @ Ewa
    Toll hat die Dame es wirklich gemacht. Cool, Gratulation.

    Genaugenommen ist es beschi…en, wie es in Bayern gehandhabt wird.

    Gemäss Ikea: Wohnst du noch, oder lebst du schon?
    Ich „wohne“ in Bayern. Lange in München (ca. 35 Jahre), recht nah an der Wiesn.
    Es gibt aber auch den Spruch bei uns: "A Münchner geht nimmer auf
    dWiesn.“

    Leben und leben lassen, gell, Herr Kauder? „Drei Weissbier am Tag müssen schon sein“,
    meinte er mal.
    In Bayern kommt man dem Scheiß kaum aus.
    Ich hatte mal in München in einer Berufsgenossenschaft gearbeitet.
    An einem heissen Tag meinte mein Chef: „bringen sie den Handwerkern da draussen einen Kasten Bier.“
    Lachhaft? Krankhaft? Beides.
    Aber, die Scheisse, die bei THC abläuft, ist devinitiv krankhaft.

  14. Der Realist ohne Kraut

    Bei Genial Daneben auf Sat1 gab’s mal eine Frage, weiß jetzt nicht mehr, wie sie heißt. Dennoch war die Antwort, die in vielen Firmen vertraglich verankert ist, echt schreckhaft:
    Jedem Angestellten stehen in den gewissen Firmen ein Freibier von monatlich 70 Liter zur Verfügung.

    Die Sendung lief am Freitag.

  15. R. Maestro

    Also insgesamt, wird man mittlerweile auch in Bayern schief angesehen,
    wenn man während der Arbeit säuft.
    Von früher weiß ich, gab es bei den Bierbrauern, einen wöchentlichen Freitrunk.
    Die aktuelle Situation kenne ich nicht, aber ein Umdenken gibt es zum Glück
    mittlerweile.
    Aber die Bewertung der beiden Stoffe, rennt immer noch massiv an der
    Realität vorbei.

  16. Jo

    heiland, was man in den kommentaren liest.. ich finde die idee gut, die polizei ist unterbesetzt und kann den ganzen lümmeln in diesem land nicht beikommen. und irgendwo muss man anfangen. kriminell bleibt kriminell. also mein ok hat der gute mann von der cdu.

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