Dienstag, 6. Februar 2018

Bayerns Gesundheitsministerin gegen Cannabis-Freigabe

 

 

Melanie Huml (CSU) lehnt die Forderung der Polizeigewerkschaft BDK nach einem Ende der Cannabis-Prohibition ab

 

 

Cannabis

 

 

 

Sadhu van Hemp

 

 

 

Wie nicht anders zu erwarten fand der erneute Vorstoß des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), den Gebrauch von Cannabis zu entkriminalisieren, wenig Anklang bei denen, die glauben, sie seien die wahren Hüter von Anstand und Sitte. Vorneweg stürmen Unionspolitiker, aber auch Sozialdemokraten und die Funktionäre der konkurrierenden Gewerkschaft der Polizei (GdP). Die üblichen Befürworter der Cannabis-Prohibition zeigen sich mehr als irritiert über den Appell aus dem Hause des BDK. Der Vorsitzende André Schulz kritisiert in der Bildzeitung das Cannabis-Verbot als „historisch willkürlich“ und „bis heute weder intelligent noch zielführend“. Die augenblickliche Praxis fördere nur kriminelle Karrieren und müsse eingestellt werden.

 

Da das Thema „Cannabis“ selbst drittklassigen Politikern als Trittbrett für mediale Aufmerksamkeit dient, sah sich nun auch Bayerns Gesundheitsministerin, Melanie Huml (CSU), bemüßigt, den Krieg gegen die Hänflinge als segensreich zu verteidigen. Huml, die als völlig inkompetente Drogensachverständige aus Presse, Funk und Fernsehen hinlänglich bekannt ist, stimmte im Münchner Merkur die ewige Leier an, dass die Cannabis-Prohibition unabdingbar für den Jugend- und Gesundheitsschutz sei: „Bei jungen Menschen darf nicht der Eindruck entstehen, dass Cannabis völlig harmlos ist. (…) Das Wort ,Entkriminalisierung‘ mag zwar positiv und nett klingen. Tatsächlich kann es aber bedeuten, dass die Hemmschwelle sinkt und mehr Menschen als bisher Drogen konsumieren – mit all den negativen gesundheitlichen Folgen.“ Wie immer hat die drogenpolitisch arg verpeilte Frau das Heilkraut mit der härtesten Droge der Welt verwechselt – dem Alkohol.

 

Rückdeckung für ihr Geschrei gegen eine Entkriminalisierung der Genusskiffer bekam die 42-jährige fränkisch-katholische CSU’lerin aus dem Bundesgesundheitsministerium: Die Sprecherin des geschäftsführenden Ministers Hermann Gröhe (CDU) verwies auf aktuelle – vermutlich hauseigene – Studien. Und die besagen, dass der Konsum der „Droge“„erhebliche negative gesundheitliche Folgen“ hat. Somit gäbe es keinen Anlass, eine Änderung der Rechtslage ins Auge zu fassen.

 

Doch nicht nur Unionspolitiker nutzen die Gelegenheit der angefachten Debatte, sich Geltung zu verschaffen und mit einem Statement gegen Andre Schulz’ Forderung zu blamieren. Berlins Regierender Bürgermeister meldete sich deshalb noch schnell von seiner Dienstreise aus Den Haag zu Wort. Wie Melanie Huml und alle anderen Ewiggestrigen sieht Michael Müller die Bestrebungen für eine Cannabis-Freigabe „sehr kritisch“. Auch der Sozialdemokrat bezieht sich auf eine Studie – und zwar auf eine selbstangefertigte. Müllers Untersuchung fand ganz privat in seinem Bekanntenkreis statt, wo er es miterlebt habe, dass Haschisch „eine Einstiegsdroge für härtere Drogen war“.

 

Auch aus dem Saarland kommt Widerstand. Der Saar-Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Ralf Porzel, zeigte sich ebenso „irritiert“ über den Cannabis-Vorstoß des Kollegen vom Bund Deutscher Kriminalbeamter. Für den drogenkundigen Polizeibeamten kommt eine Legalisierung überhaupt nicht in die Tüte. „Cannabis ist und bleibt eine sehr gefährliche Droge. Ein problematisches Konsumverhalten schön zu reden, indem man es mit der noch schlimmeren Droge Alkohol vergleicht, bringt nichts“, referiert der GdP-Bonze aus seinem unendlichen Wissensschatz der Drogen- und Gesundheitskunde. Die Belehrung beendet der gelernte Schutzmann mit einer Anregung: Die „Konsumenten sollten aber nicht kriminalisiert werden.“ Wie er diesen Spagat polizeitechnisch hinbekommen will, verriet der Drogenexperte in Polizeidiensten nicht.

 

Ebenso deutlich wird der Drogenbeauftragte der saarländischen Landesregierung, Stephan Kolling. Der Staatssekretär mit CDU-Parteibuch hält eine Cannabis-Legalisierung „für den falschen Ansatz“ und widerspricht dem BdK-Chef Schulz vehement. Der „dauerhafte“ Konsum von Cannabis habe unbestritten negative gesundheitliche Auswirkungen. „Ich lehne eine unkontrollierte Freigabe ab.“ Der Christdemokrat vertraue dem bestehenden System im Kampf gegen illegale Drogen. Es sei „zielführend und intelligent“.

(2016 gab es im Saarland laut Kriminalstatistik 2864 Rauschgiftdelikte – und damit ein Viertel mehr als im Vorjahr.)

 

11 Antworten auf „Bayerns Gesundheitsministerin gegen Cannabis-Freigabe

  1. Rainer Sikora

    Der wirbel um die Droge ist der Petition und der kommenden Grokowahl geschuldet.Das Thema ebbt schnell wieder ab und verschwindet in der Schublade.Außerdem sind viele Berichte darüber schon wieder mit Prohibitionslügen gespikt.

  2. Sam Speedsta

    Ach ja die Frau Huml.

    Die Dame hat eigentlich schon auf voller Linie versagt .
    Frau Huml war als Amtsträgerin „Bierordensträgerin“. Nachzulesen hier :
    https://www.wiesentbote.de/2014/06/04/brauerei-kundmueller-feiert-140-jahre-weiherer-bier/

    Letzten Endes ist es mir egal was jemand trinkt, raucht schmeißt oder was auch immer, und das gilt auch für unserer alkoholafine Garde und ebenso für Frau Huml. Aber dann soll man doch bitte den Anstand besitzen auch anderen ihren Rausch zu lassen, anstatt „verantwortungsbewusst“ zu trinken und dann alles schlecht zureden. Bei Diskussionen um Drogen sollten die Leute die „dann und wann oder öfter“ mal ein Bier trinken und dann gegen alle anderen Drogen wettern, sich bewusst werden, dass Sie im gesellschaftlich geduldeten Sinne auch Drogen nehmen. Und Alkohol ist bei weitem die schlimmere Droge…

    Kurzum kann man die Dame doch gar nicht ernst nehmen.

  3. Fred

    Es ist wirklich nicht zu fassen. Warum geht man in Bayern nicht einfach mal hin, und sagt klipp und klar.

    Wir sind gegen eine Legalisierung weil wir unsere Brauereien und unser pharmazeutische Industrie schützen wollen !

    Dann würde doch Klarheit herrschen, und man müsste nicht jeden Tag diesen Unsinn von einer funktionierenden Drogenpolitik lesen.

    Die Welt ändert ihr Vorgehen und das mit durchschlagendem Erfolg. In Colorado sinkt die Zahl der jugendlichen Konsumenten, während sie bei uns steigt. Portugal hat entkriminalisiert, mit der Folge das die Zahl der Drogentoten stark sinkt. Und bei uns um 9 %gestiegen ist.

    Eine Politik die seit 50 Jahren ( oder noch länger ) nur Opfer hinterlässt und in keinster Weise die Ziele erreicht, muß geändert werden. Und Schutzbedürfnisse bestehender Industrien können dabei absolut keine Rolle spielen. Jugendschutz ist zu wichtig, und kann nur in einem legalisierten Markt erreicht werden. Und es spielt keine Rolle, das der Bierabsatz, wie in legalisierten US Bundesstaaten , um 15 % einbricht.

  4. Tom

    „Ich lehne eine unkontrollierte Freigabe ab.“
    Aha, dann muß aber genau deshalb schleunigst das bestehende System geändert werden. Denn wenn wir ehrlich sind müssen wir feststellen, dass eine unkontrollierte „Freigabe“ bereits seit dem Verbot besteht. So wie während der Alkoholprohibition der Alkoholhandel weiterlief (fast) wie gewohnt, OHNE dass der Staat die Kontrolle hatte. Die paar propagandawirksam zerschlagenen Flaschen und Fässer führten jedenfalls nicht zur Trockenlegung des Landes. So wenig wie die öffentlich zur Schau gestellten Drogenfunde und deren Vernichtung heute irgendwas an der Verfügbarkeit der Drogen ändert. Das scheint dem Herrn Staatssekretär nicht aufgefallen zu sein. Für die Cannabisprohibition gibt es keine Rechtfertigung die einer (seriösen) wissenschaftlichen Überprüfung Stand hält. Für eine Relegalisierung spricht aber vieles. Zumindest wenn man geistig nicht in den 50ern hängen geblieben ist.

    Abschließend möchte ich nur noch anmerken, dass es die Aufgabe unserer von uns bezahlten Volksvertreter ist, unseren Willen in „Politik“ zu gießen und nicht umgekehrt. Sind nicht meine Worte, sondern steht im Grundgesetz und sollte die Demokratie vor größenwahnsinnigen Politikern (Möchtegerndiktatoren) schützen.

  5. unbeugsam

    Ja ja die Experten die noch nie ein Jonny geraucht haben wissen es mal wieder besser….

  6. U-G

    Als aller erstes ein heiliges „Halleluja“ Danke an den „Bund deutscher Kriminalbeamter/innen“ !

    Wahrscheinlich interessiert euch auch das Thema „Cannabis“ näher und ihr seht ja immer und immer wieder wen ihr gedenkt hops zu nehmen oder nicht.

    Das das einschlägt wie eine Bombe, war mir klar.
    Deshalb auch meine „Hefe“-Gedanke“ , man könnte/sollte auf die Justiz zugehen…

    Das war ein „Signal“ in Richtung, wie schön beschrieben „Entkriminalisierung“…Poah wortgewurschtel…

    NRW war, ist und bleibt auf ewig „Wandlungsfähig“.
    Auch ein Goretzka und Aubameyang sind ersetzbar.

    Hier spielt die Musik und nicht in Bayern oder sonst wo, außer Berlin.

    Wenn ich die Zeit habe und finde, weil betreuender Angehöriger einer Krebspatientin …Meine liebe Mom…wäre auf jeden Fall mehr für mich drin sich noch mehr mit der Legalisierung zu befassen.

    An den BDK werde ich mich wenden um konkreter um das Thema insgesamt zu beleuchten und ob mein Wahnsinniges Vorhaben gehör finden wird.
    Auch wenn es nur ein kleiner Kreis von euch ist Grün-Weißen Vorrausschauenden Vor-Ort-oder-Abhör-Technisch. Ihr wisst doch was abgeht.

    Für ein Konzept, brauchte ich ca. ein und halb Stunden. Das Grundgerüst steht.
    Mal sehen ob ich den Mum aufbringe mich bei Euch zu melden.

    Wäre ich Millionär, würde ich eine, von euch gewünschte, Party lacken.
    Besser Party Wochenende für alle Legalize it Grün Weißen.

    Hier ein Song für euch auf der anderen Seite…Glück auf…

  7. U-G

    Und hier ein Song an Alle Befürworter die was zu sagen haben sollen es sagen…

    SAY SOMETHING

  8. Bayernhasser

    Was geht diese Deppen eigentlich meine Gesundheit an?
    Kümmert Euch lieber um die Killer-Diesel-Autos und den tödlichen Feinstaub, Ihr Affen!

  9. Karli

    @ R. Maestro, die Abstimmung unter dem Artikel (Video) zeigt das 77% für eine Legalisierung sind. Und das ist gut so! 😉

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