Montag, 17. Juli 2017

Profitgeier der Pharmaindustrie

Keine Macht der Habsucht

 

 

Sadhu van Hemp

 

 

Geld ist geprägte Freiheit, glaubte Fjodor Michailowitsch Dostojewski zu wissen. Ohne Geld läuft nichts in dieser Welt – und dafür tut der von Habsucht getriebene Homo sapiens alles: Er lügt und betrügt, raubt und mordet, nur um das anzuhäufen, wovon er nicht genug bekommen kann. Arthur Schopenhauer verglich Geld mit Meerwasser: Je mehr davon getrunken wird, desto durstiger wird man.

 

Kein Wunder also, dass sich die Menschen eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung gegeben haben, die Privateigentum über das Wohl derer stellt, die nichts außer der nackten Haut besitzen und diese zu Markte tragen müssen. Nur leider ist dieser Markt den Regeln des Kapitalismus unterworfen, die ausschließlich dazu dienen, die eingesetzten Produktionsmittel und Arbeitssklaven optimal zu verwerten. Dass es mit der Ethik dieser Ökonomie nicht weit her ist, wusste bereits US-Bürgerrechtler Malcolm X: „Ihr könnt kein kapitalistisches System betreiben, wenn ihr keine Geier seid. Ihr müsst das Blut von jemand anderem trinken, um Kapitalist zu sein.“

 

Längst sind diese Worte verhallt, und die Blutsauger sind durstig wie nie. Einer dieser Parasiten ist die Gesundheitsindustrie, die in ihrer Profitgier aus dem Leid der Patienten ein Geschäft macht – zum Wohle der Geldsammler. Besonders die Aktionäre der Pharmariesen erfreuen sich üppiger Dividenden, wenn immer bessere Diagnostik immer mehr Menschen krank macht und in Medikamentenabhängigkeit treibt. In keinem anderen Land der Welt verlassen mehr Menschen mit einem Rezept die Arztpraxen – und das Medikament kann nicht teuer genug sein, auch wenn der Nutzen nur marginal ist und die Nebenwirkungen eher noch mehr Schaden anrichten.

 

So ist es nur allzu konsequent, wenn die Handlanger der Gesundheitsindustrie alternative medizinische Behandlungsmethoden als Scharlatanerie und Kurpfuscherei diffamieren. Wie zuletzt, als beim Thüringer Apothekertag von „Steinzeit-Pharmazie“ die Rede war, „die wir mit der Cannabis-Droge betreiben“. Hanf als Medizin? Nein, danke, sagen die, die sich mit dem Gratis-Heilkraut aus dem Balkonkasten um ihre Pfründe geprellt sehen. Wie bockige Kinder weigern sich viele Ärzte und Apotheker, den medizinischen Nutzen der Hanfpflanze ohne Wenn und Aber anzuerkennen. Offenbar wissen die Profiteure, dass Cannabis als Arznei geschäftsschädigend ist, weil es ganz einfach hilft und andere teuere Präparate ersetzt.

 

Doch nicht nur Cannabis ist den Krämerseelen des Pharmakartells ein Dorn im Auge. Gleiches Schicksal erfahren auch andere Arzneimittel, die nicht mehr patentfähig sind und somit keine sittenwidrigen Profite abwerfen. Aktuell ist Methadon das Wundermittel, das Ärzte, Apotheker und Pharmakologen lügen lässt.

 

Bereits vor zehn Jahren hatte eine Chemikerin der Universität Ulm die Entdeckung gemacht, dass das synthetische Opiat mehr als nur eine Ersatzdroge zur Suchttherapie ist. Bei der Erforschung der Mechanismen von Opioiden ergab sich der Zufallsbefund, dass Methadon in Kombination mit anderen Chemotherapeutika ein „Krebskiller“ ist, der Tumorzellen zerstört. Doch statt die unabhängige Forschung zu fördern und klären zu lassen, ob da etwas dran ist, wurden der Wissenschaftlerin die öffentlichen Gelder gestrichen.

 

Auch die Pharmazeuten, die sonst nicht geizen, wenn es um Gefälligkeits-Studien der eigenen Produktpalette geht, ignorieren bis heute die Ergebnisse. Das längst zugelassene Schmerzmittel Methadon ist nämlich auch ein Preiskiller. Methadon kostet zwischen acht und 20 Euro, während herkömmliche Krebs-Medikamente schon mal mit 20.000 bis 25.000 Euro zu Buche schlagen. Bei jährlich 500.000 Neuerkrankungen kann sich jeder leicht ausrechnen, was der Branche an Profit verloren geht, wenn Methadon tatsächlich und nachweislich die Chancen erhöht, den Krebs in Schach zu halten oder gar zu besiegen.

 

Das Leid kranker Menschen ist das Kapital der Profitgeier der Pharmaindustrie, die ihre Kundschaft für ein bisschen Hoffnung jeden und zuletzt einen viel zu hohen Preis zahlen lassen. Die Gier nach Geld ist die Eiterbeule des deutschen Gesundheitswesens – und niemand traut sich, das Geschwür herauszuschneiden.

5 Antworten auf „Profitgeier der Pharmaindustrie

  1. rainer sikora

    Wenn ich mich dazu äußern sollte, wäre ich als Reichsbürger verunglimpft

  2. Fred

    Richtig guter Artikel ! Ich habe zwar zum Thema Geld und Kapital generell ein eher lockeres Verhältnis, im medizinischen Bereich pervertiert das ganze aber, ohne jeden Zweifel.

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