Dienstag, 25. April 2017

Pleiten, Pech und Pannen rund um Cannabis

 

Geocacher finden Gras, Radler stürzt und büßt Ernte ein, Nederwiet auf der Autobahn

 

 

Sadhu van Hemp

 

Der alltägliche Wahnsinn der Hanfprohibition ist präsenter denn je. Keine Minute vergeht, in der der Nachrichtenticker keine neue Meldung mit den Schlüsselwörtern Cannabis, Marihuana oder Haschisch ausspuckt. Aus aller Welt trudeln sie ein, die letzten Meldungen über das „gute“ Cannabis zu medizinischen Zwecken und das „böse“ Marihuana und Haschisch für kriminelle Suchtgiftjunkies. Besonders beliebt sind Polizeimeldungen über die finsteren Machenschaften jener Schwerverbrecher, die böse Haschgiftextrakte herstellen, einführen oder handeln. Ist der Verstoß gegen das Hanfverbot auch noch so gering, eine Pressemitteilung muss raus. Schließlich will die Öffentlichkeit wissen, welche Prioritäten die Polizei bei der Verschwendung von Steuergeldern setzt.

 

Drei aktuelle Meldungen zeigen, dass die Erfolgsgeschichten der Polizei nicht nur traurig, sondern oft auch grotesk sind:

 

Geocacher finden Gras in Park

 

Geocacher sind in der Regel keine Kinder und Teenager mehr, sondern voll ausgereifte Erwachsene, die aus Jux und Dollerei durchs Unterholz kriechen, um mittels eines GPS-Empfängers einen von anderen Geocachern versteckten Behälter zu suchen, in dem sich ein Überraschungsei mit einer kleinen Überraschung für den Finder befindet.

 

Dieser Freizeitbeschäftigung gingen letzten Sonntag zwei Frauen im zarten Alter von 24 und 27 Jahren und ihr 27-jähriger Begleiter in Hamburg-Eilbek nach. Die GPS-Schnitzeljagd führte in den Bürgerpark, wo das Trio an einer Mauer nach dem Schatz suchte und fündig wurde. Doch statt mit einer Tüte Goldbären wurden die Pfadfinder gleich mit vier unter Laub eingegrabenen Paketen belohnt. Sollte das der Schatz sein?

Nein, natürlich nicht. Schnell wurde den Grünschnäbeln klar, dass es sich bei dem Inhalt der Pakete um giftiges Drogenkraut handelt. Die drei Geocacher verständigten, wie es sich für Finder fremden Besitzes gehört, umgehend die Polizei, die das Rauschgift sicherstellten. Die Pakete wiegen jeweils etwas mehr als 500 Gramm und dürften nach erster Einschätzung der Polizei Cannabis Marihuana enthalten. Der Eigentümer der Pakete hat bislang keine Verlustanzeige erstattet, kann dieses aber gerne bei Frau Heike Uhde von der Polizei Hamburg unter der Fernsprechnummer 040-4286 56212 tun. Wie hoch der Finderlohn für die ehrlichen Finder ist und ob dieser in bar oder Naturalien ausgezahlt wird, teilte die Pressestelle der Polizei nicht mit.

 

Radler liefert sich im Suff ans Messer

 

Richtig viel Pech hatte ein Sohn des Städtchens Alpirsbach in Baden-Württemberg. Am Donnerstagabend radelte der 43-jährige Mann hackedicht über die Hauptstraße des 6000-Seelen-Ortes – so lange, bis er stürzte und sich dabei leicht verletzte. Ein besorgter Passant verständigte daraufhin den Rettungsdienst. Das war dem Gestürzten jedoch gar nicht recht. Nach Eintreffen des Rettungswagens verweigerte er die Erste-Hilfe und fuhr in Schlangenlinien davon. Das war wiederum den Sanitätern nicht recht, die sich um die Früchte ihrer Arbeit gebracht sahen und stante pede der Alkoholfahne des ausbüchsenden Patienten folgten. Doch der schaffte es unversehrt nach Hause und entzog sich der Nächstenliebe der Sanitäter.

 

Die Helfer steckten allerdings nicht auf. Schließlich bestand die Chance, unter Zuhilfenahme der Polizei den Patienten doch noch in die Finger zu bekommen – und sei es für eine Blutabnahme zur Ermittlung des Blutalkoholwertes.

Und tatsächlich, die Polizei rückte an, klingelte den Suffkopp aus dem Koma – und des Schnüfflers wichtigstes Handwerkszeug kam zum Einsatz: die Nase. Der Geruchssinn führte den abendlichen Staatsbesuch in die gute Stube des Radlers, wo sich ein abgeerntete Hanfzucht und fast 200 Gramm Cannabis Marihuana anfanden. Der anschließende Atemalkoholtest ergab einen Wert jenseits der zwei Promille.

Ob die eifrigen Sani-täter zur Belohnung dem Pedalritter gleich an Ort und Stelle zum Nachweis seiner Trunkenheitsfahrt Blut abnehmen durften, teilte die Polizei nicht mit.

 

Hanf legt Autobahn lahm

 

Eine Pleite musste auch der Fahrer eines Mietwagens letzten Dienstagabend auf der A52 bei Elmpt wegstecken. Als Bundespolizisten auf einer Routinefahrt den aus den Niederlanden kommenden Fahrer unter die Lupe nehmen wollten und sich mit Blaulicht hinter das Fahrzeug klemmten, gab es für den Kurier des grünen Goldes nur ein Entweder-oder. Der von der Polizei Bedrängte entschied sich für das Oder und gab Gas. Nach einer kurzen Verfolgung entschloss sich der Hollandgänger, den Polizisten die Schmuggelware zu übereignen und warf zwei große Tüten mit Cannabis Marihuana aus dem Fenster. Beim Aufprall auf den Asphalt platzten die Beutel, und der Inhalt verteilte sich auf einer Länge von mehr als 150 Metern auf der Autobahn in Richtung Mönchengladbach.

 

Die Taktik ging auf: Die Verfolger mussten zum Blaulicht auch noch das Gehirn einschalten – und das gab das Signal „Stopp, anhalten!“. Gras auf der Straße geht gar nicht. Das ist schlimmer als eine Ölspur. Und so musste erst einmal der rechte Fahrstreifen bis nach ein Uhr nachts gesperrt werden, um die Gefahrenstelle zu beseitigen. Um den Einsatzort auszuleuchten und Unterstützung beim Kehren zu erhalten, riefen die Beamten die Feuerwehr, die mit mehreren Löschzügen anrückte. Später kam noch eine Kehrmaschine zum Einsatz. Bei Sonnenaufgang wurde entlang des betroffenen Abschnitts auch noch der Rasen gemäht, damit niemand eventuell übersehene Hanfblüten aufsammeln kann.

 

Ach so: Der Bösewicht konnte fliehen.

 

3 Antworten auf „Pleiten, Pech und Pannen rund um Cannabis

  1. Rainer Sikora

    Man wird persönlich schon ziemlich hart bestraft, wenn man sein Gras verliert oder abgeben muß.Dann wird man von Polizei und Justiz noch monatelang weitergequält und so getan als hätte man seine Situation selbst herbeigeführt und verschuldet.Die wahren Straftäter stehen aber als Beschützer der Anständigen und Reichen da.

  2. Ralf

    @Rainer Sikora
    ………Die wahren Straftäter stehen aber als Beschützer der Anständigen und Reichen da……
    Das „und“ hättest du dir auch schenken können denn heutzutage gilt „arm“ als unanständig, folglich ist jeder Reiche auch automatisch der „Anständige“. Nun wissen wir also wen die Polizei beschützt………nein, nein nicht den reichen Geldsack sondern den anständigen Reichen gegen den unanständigen Armen !

    Armer Mann trifft reichen Mann,
    beide seh`n sich fragend an.
    Sagt armer Mann zum Reichen bleich,
    weil ich arm bin bist du reich!

    Berthold Brecht

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