Samstag, 8. April 2017

Legal? Illegal? Scheißegal!

 

 

Sadhu van Hemp

 

 

Vor wenigen Wochen sind die Deutschen auf dem Weg zur Hanflegalisierung an jenem Meilenstein vorbeigekommen, von dem viele glauben, er markiere die Ziellinie für alle, die Cannabis als Medizin verwenden. Doch langsam macht sich Ernüchterung breit. Verflogen ist das Hochgefühl des Triumphes, der sich mehr und mehr als Pyrrhussieg entpuppt. Nicht die Hanfanwender sind die Kriegsgewinnler, sondern die Prohibitionisten, die seit Jahrzehnten mit Kanonen auf Spatzen schießen und gar nicht daran denken, dem Heilkraut die Freiheit wiederzugeben. Trotz der Zulassung als verkehrs- und verschreibungsfähiges Medikament bleibt der Hanf eine illegale Droge. Genusskiffer und Cannabispatienten, die auch nur einen Hanfsamen in die Erde stecken oder einen Krümel Hasch in der Tasche haben, sind und bleiben Verbrecher vor dem Gesetz – und werden so behandelt.

 

Der einseitig von den Prohibitionisten übergestülpte Friedensschluss mit den Cannabispatienten ist trügerisch, da etwas in den Meilenstein gemeißelt wurde, das alles andere als wegweisend ist. Statt gemeinsam für die bedingungslose Freiheit des Hanfes weiterzukämpfen, glauben nun viele Brüder und Schwestern, mit jenen kollaborieren zu müssen, die ihnen das Blaue vom Himmel versprechen. Und so wird der Onkel Doktor konsultiert und ein Cannabisrezept erbettelt – in der Hoffnung, dass alles gut wird, wenn die intimsten Daten Vater Staat und der Gesundheitsindustrie übereignet werden. Aus dem anonymen Kriminellen wird im Handumdrehen eine amtlich registrierte Vorgangsnummer, unter der Behörden und Krankenkassen Einblick in das Leben der Anderen nehmen können. Big Brother und Stasi 3.0 lassen schön grüßen in dieser schönen neuen Welt.

 

Im Vertrauen darauf, dass mit den persönlichen Daten vertraulich umgegangen wird, soll nun der Apotheker des Vertrauens den Haus- und Straßendealer ablösen. Blöd nur, dass der Gesetzgeber die Rechnung ohne die Krankenkassen gemacht hat. Statt die Kosten für Medizinalhanf anstandslos zu übernehmen, weigern sich plötzlich die Krankenkassen, für ein Medikament aufzukommen, dessen Nutzen „nicht erwiesen“ ist. An sich wäre das kein Problem, da nur das Rezept zählt. Nur leider rufen die Apotheken sittenwidrige Preise auf, die es Otto-Normal-Verbraucher nur zu Weihnachten erlaubt, sich ein Döschen Medizinalhanf zu gönnen.

 

Ob beabsichtigt oder nicht: Dank der Gesetzesänderung hat sich die Community, die bislang an einem Strang zog, in verschiedene Gruppen aufgeteilt. Neben den nach wie vor kriminalisierten Genusskiffern gibt es jetzt die große Gruppe der anerkannten Cannabispatienten mit Rezept. Und diese spaltet sich noch einmal in drei Untergruppen auf: Die kleinste Gruppe bilden die, deren Bedarf von den Krankenkassen getragen wird. Danach folgen die Selbstzahler, die sich teures Apothekergras leisten können, und zuletzt die von den Krankenkassen sitzengelassenen armen Seelen, die sich trotz ärztlicher Verordnung weiterhin auf dem Schwarzmarkt eindecken müssen, weil Medizinalhanf nichts für arme Menschen ist.

 

Die Ungleichbehandlung der Cannabiskonsumenten untereinander ist schon ein starkes Stück, doch offenbar ganz im Sinne derer, die sich mittels eines staatlich regulierten und kontrollierten Marktes die Lizenz zum Geldverdienen sichern wollen. Plötzlich haben wir zwei Sorten Hanf – den guten und bösen. Der böse Hanf heißt Marihuana und Haschisch, der gute wird der Öffentlichkeit als Cannabis angepriesen. Die Hanfpflanze, die der Homegrower in seinem Minigewächshaus zieht, ist Haschgift, während der lizenzierte Großbetrieb heilsame Cannabismedizin herstellt. Die von der Bundescannabisagentur gehandelte Hanfblüte aus der Fabrik kommt als Premiumpräparat in die Apotheke, die vom Zoll konfiszierte Edelpolle aus Marokko in die Müllerverbrennungsanlage. Der eine Hanfgärtner ist sozialversicherungspflichtiger Lohnsklave der Cannabisaktiengesellschaften, der andere sitzt bei Wasser und Brot im Knast und klebt Tüten.

 

Wenn so der Frieden aussieht, den uns Politiker und Ökonomen aufzwingen wollen – dann schönen Dank auch! Vielleicht sollte der Anti-Hanf-Krieg besser nicht beendet werden, denn der Frieden wird furchtbar sein.

7 Antworten auf „Legal? Illegal? Scheißegal!

  1. Gruemel

    Excelenter Bericht über die jetzige Situation, Vorteil im Krieg , die Fronten sind geklärt, und das ist jetzt nicht mehr, so wird es in der Geopolitik ja schon die ganze Zeit gemacht, wenn du eine System ruinieren willst Spalte sie in verschiedene Gruppen und wie bekämpfen sich gegenseitig

  2. hans furth

    Wer es als solchen gesehen hat, ist schlichtweg verblendet. Es war von vornherein klar, dass das nur Mist sein kann. Diesen Gesetzentwurf, den Mortler und Gröhe eingereicht haben, hätte jeder Jurastudent nach kurzer Umschreibung innerhalb 2 wochen zusammengeschustert. Hätten die es ernst gemeint, wäre der nicht so unausgereift. Somit haben sie sich nur frust vom Hals gehalten und auf die Kassen abgewäzt. Ein Hoch auf die Pharmakorrumpierte Union. Und dafür haben die 3 Jahre gebraucht? Sollten Ihr Mann und Ihr Bruder mit Bionorica Verträge haben, ist das ein ganz übles Spiel.

  3. Fred

    Ich denke, das sich das Problem mit den KK schnell in Luft auflöst. Verweigern die Kassen Leistungen, könnte das den einen oder anderen medizinischen Nutzer wieder zum Eigenanbau nötigen, schon alleine wegen den exorbitant hohen Apothekenpreisen.
    Und genau das wollte man ja mit dem Gesetz verhindern, entsprechend wird der Gesetzgeber wohl kräftig Druck auf die Kassen ausüben.

    Ansonsten gebe ich dem Autor recht. Ein Unverschämtheit, wie hier mit Menschen umgegangen wird. Der eine darf mit einer fast beliebig hohen Menge THC im Blut durch die Gegend fahren, während dem anderen bei einem Hauch von THC der Lappen abgenommen wird. Und das nur auf Grund von irgendwelchen Grenzwerten, die willkürlich festgelegt wurden, und pauschal für jeden gelten. Unabhängig von der Physiologie des einzelnen.

    Was bitte kann so schwer sein, einen Wert festzulegen, der die tatsächliche Fahruntüchtigkeit feststellt. Dann hätten wir die geringe Menge, einen Nanogrammwert, und unter dem Strich in gewisser Weise eine minimale Entkriminalisierung ohne Ersatzstrafen.

    Aber… es fehlt halt der Wille. Ein gesunder Konsument hält sich halt nicht an die Regeln. Deshalb darf er ( oder auch nicht ) zwar 10 Gramm besitzen, muss aber zu Fuß gehen.

    Ich bin ja mal sehr gespannt, wie die Rechtsprechung in Zukunft mit einer zwei Klassen Hanfgesellschaft umgeht. Chaos ist wohl vorprogrammiert.

  4. mr tombola

    divide et impera.schon die römer kannten diesen trick,teile und hersche.das gesetz muss überarbeitet werden.ist echt ein.unausgereiftes,unverschämtes machwerk,wir müssen erreichen das man eine gewisse anzahl pflanzen anbauen darf.die apo preise können sich die wenigsten leisten

  5. Stephan Löffel

    ich habe 1982 mit über 18 Jahren mit smocken begonnen und 2003 aufgehört und möchte Hanf nur noch als Tee geniessen, wie ich es mit Ingver oder Brennessel auch tue. Ob mit THC oder CBD ist scheissegal. Interessant wäre die Deklaration schon. Aber ich bin ein mündiger Bürger. Alkohol ist extrem viel gefährlicher wie Cannabis/Hanf. Der Kampf ist noch nicht vorbei. Ich empfinde es als eine Beleidigung, wie die Menschen und Politiker mit Hanf-Geniessern verfahren. Absinth ist bei uns erlaubt worden. Alkohol wird immer einfacher zu erhalten und in der Werbung gross angepriesen. Ich bin viel mehr durch 1 Jahr Alkohol kaputt gegangen als durch 20 Jahre kiffen. Und auf normale Art lässt sich diese Scheiss Welt nicht ertragen. Wenn man nicht seine Ruhe hat und nicht gequält wird. Von was auch immer. Als Beispiel…… mich kratzt es nicht mehr. Aber ich kenns. Mich nervt nur diese Bevormundung. Und die Illegalisierung. Das spielt den Dealern direkt in die Hände.

  6. Ben

    So ist es leider
    Es geht immer nur ums geld.
    Es wird nur angefasst was geld bringt.
    Menschleben und leiden zählen nichts.
    Und wenn einer diese “entmündigung”nicht mit macht und sich für andere wege entschließt ist er zuletzt noch kriminell, nur weil er sich bezüglich seiner behandlungsmethoden nicht bevormunden läßt.
    Lieber illegal leben als legal sterben.
    Armes Deutschland

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