Montag, 13. März 2017

Yakuza 0

 

 

Aufsteigende Drachen

 

 

Mit Yakuza 0 erscheint mit zwei Jahren Verspätung das in 2015 auf PS3 und PS4 in Japan erschienene Prequel der dort äußert beliebten Gangster-Reihe aus dem Hause Sega.

Nach einer sicherlich nicht ganz unkomplizierten Lokalisation – mit Übersetzung in die englische Sprache – können nun auch europäische Videospielkriminelle versuchen herauszufinden, wie Kazuma Kiryu zu einem der bedeutendsten Verbrecher der Gaming-Geschichte wurde.

 

Yakuza 0 spielt weit vor den sechs aufeinanderfolgenden Teilen der japanischen Gangsteroper und erzählt die Anfänge des jungen Kazuma Kiryu, der als Waise Fuß in der berüchtigten Mafiaorganisation fassen konnte. Im Neon beleuchteten, imaginären Tokioter Stadtteil Kamurocho erledigt der aufsteigende Drache des Dojima-Klans Aufgaben, die nicht für schwachbrüstige Bürohengste geeignet sind. Da nach einer gewöhnlichen Geldeintreiberei das verkloppte Opfer anschließend tot am Tatort aufgefunden wird, sieht sich Kazuma Kiryu gezwungen, seine Unschuld zu beweisen und jegliche Gefahr von seinem Ziehvater abzuwehren. Ein unehrenhafter wie gefährlicher Abschied  aus den Kreisen der Yakuza ist daher der einzige Weg des gut gebauten Japaners.

 

Fortan muss Kazuma zu dem Mann werden, den Spieler der Reihe seit 2005 kennen. Im belebten Stadtgebiet des japanischen Molochs versucht Kiryu-San am Leben zu bleiben und sich zeitgleich über Wasser zu halten, während er dem eng gestrickten Plot seines Verrates auf die Schliche kommen will. Der ehemalige Yakuza hat dafür glücklicherweise das entsprechende Know-how und weiß sich notfalls mit Gewalt durchzusetzen. Wie schon in den später stattfindenden Vorgängern von Yakuza 0 entfaltet Kazuma eine Menge Potenzial in gewalttätigen Auseinandersetzungen, die nicht nur in die Story gewoben sind. Wie in einem Rollenspiel greifen einen betrunkene Manager, halbstarke Punks und wütende Gangster in regelmäßigen Abständen an, die dann möglichst spektakulär verdroschen gehören. Kazuma nutzt dabei drei verschiedene Kampfstile, herumliegende Gegenstände und eine Menge Wut, um sich erfolgreich bei diesen Rangeleien zu behaupten. Dort aufgesammeltes Geld kann von ihm anschließend in seine eigenen Fähigkeiten investiert werden, was sofort seine Stärke, Move-Palette und Überlebenschancen erhöht. Auch findet der noch recht dürftig tätowierte Prügelknabe natürlich im Untergrund Tokios Fight-Clubs, zum Beweisen seiner tatsächlichen Stärken.

 

Will sich Kazuma dagegen etwas ausruhen oder fortbilden, bietet die offene Welt von Yakuza 0 sehr viele Möglichkeiten zum amüsanten Zeitvertreib, die komplett konträr zur düsteren Geschichte der Sega-Veröffentlichung wirken. So geht der ausgestoßene Yak-Junge Kiryu Kazuma gern zu leichten Animierdamen, spielt kindisch mit flitzenden Slot-Cars, tanzt in der Disco den Travolta oder lässt beim Karaoke seine Stimme zwecks lieblichen Gesanges erschallen. Natürlich trinkt und isst ein Yakuza auch, um sein weltliches Wissen zu erweitern und Statuswerte zu beeinflussen. Viele Sidequests fordern ebenso Aufmerksamkeit und stopfen die Entwicklung mit noch mehr Inhalten. Dafür müssen sich Liebhaber der Reihe mit durchwachsener Grafikqualität zufriedengeben, die den Playstation3-Ursprung nicht verbergen kann. Teils wechselt das Gezeigte sogar während selbstablaufender Sequenzen sichtlich, was einem einheitlichen Look sehr entgegenwirkt. Dennoch werden die bunte Stimmung der achtziger Jahre und das japanische Großstadtsetting passend eingefangen, wobei alle Stellschrauben – wie in der Gewaltdarstellung – auch hier eindeutig auf alberne Überzeichnung eingestellt wurden. Diese sind in der spannenden Kriminalgeschichte ansonsten eher rar, was Spieler aus einem weiteren Grund an Yakuza 0 bindet.

 

Japan Gangster ´88 – böser Auftraggeber und fieser Zeit-Killer.

 

Yakuza 0

Fotos: Sega / Kochmedia

USK 18

Circa 59€

PS4 – ASIN: B01J9QQ112

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.