Sonntag, 12. März 2017

Strahlen des Lebens

 

 Wie Bud Spencer eins die Sommersonne in Städten nutzte.

 

 

Text: mze – Fotos: Bud Spencer

 

Es ist schon ein schlechter Witz. Die Erde kocht, Atomkraftwerke explodieren und Plastik im Meer verseucht essbare Fische. Dennoch werden die friedlichen Züchter natürlicher Cannabisgewächse durch geltende Gesetzeslagen dazu gezwungen, illegale Hanfplantagen innerhalb von schwer zugänglichen Gebäuden oder Anlagen aufzubauen. Es entsteht eine große logistische Aufgabe sowie ein verschwenderisches Projekt, das sich die kostspielige Energieproduktion der Stromerzeuger zunutze macht, um täglich gratis verfügbares Sonnenlicht künstlich herzustellen. Mehrere Kilowattstunden können Hanfzuchtanlagen dann im Betrieb verbrauchen, sodass sich eigentlich nur der Produzent des Stroms die Hände reibt, während Mutter Erde noch ein bisschen stärker getreten wird, obwohl sie bereits wimmernd am Boden liegt.

 

Städtern, die aus diesem Grund von dem Anbau in den eigenen vier Wänden immer Abstand nahmen, bietet der anfangende Sommer aber immerhin einmal im Jahr die Chance, heimlich Cannabis auf dem Balkon anzubauen – ohne dabei auch nur einen Funken Energie zu verschwenden. Wie das geht, erklärte Bud Spencer uns kürzlich im Gespräch über seine längst vergangene Jugend. Seine Stadtgewächse auf Balkonien gediehen schließlich schon vor über zwanzig Jahren auf dem Balkon der Wohnung seiner Eltern. Und so ging das damals – nach den immer stärker verschwimmenden Erinnerungen Buddys – ab: Strahlen des Lebens.

 

Nachdem überraschende Erlaubnis und mahnende Worte der ehemaligen Erziehungsberechtigten verdaut wurden, schnappte sich der junge Bud Spencer zwei ausgewaschene Kübel, in denen einst Wandfarbe verkauft worden war. Mit Löchern am Boden versehen und dann mit Erde aus dem Supermarkt befüllt, kamen diese Eimer regulären zwölf Liter Töpfen aus der Gartenfachhandlung recht nahe. Samen zur Züchtung der verbotenen Hanfgewächse waren zuvor in Schwarzmarktmarihuana gefunden worden und mittels feuchtem Toilettenpapier zum Keimen animiert worden. Little Bud legte das Papier einfach auf eine Untertasse, befeuchtete es ordentlich mit Leitungswasser und legte die Samen sicher darauf ab, um sie dann damit zuzudecken. Nachdem die ersten Wurzelspitzen ein paar Tage später sichtbar aus den Hanfsamen sprossen, wurde der Balkon gekapert und die gerade geborenen Pflanzen vorsichtig in die Erde in den Wandfarbeimern eingesetzt. Zeitlich muss es sich um Anfang März gehandelt haben, denn Buddy-Boy hatte den Plan gefasst, sich die starke Sommersonne der Stadt im Juni und Juli zunutze zu machen. Abgesichert hatte er zuvor auch, dass keine Blicke in den Balkon (in Höhe des vierten Stocks) für die Nachbarschaft ermöglicht wurden, welche das kleine Anbauprojekt schnell verhindert hätten können.

 

Von vornherein war Bud Spencer Junior bewusst, dass die Mauern des Balkons nicht von den Pflanzen überwuchert werden dürften und nötigenfalls Beschneidungen angebracht wären. Daher begann er recht schnell, den jungen Mädels in regelmäßigen Abständen das Haupt zu köpfen, damit eine Teilung des Stammes forciert werden konnte. So produzierte er zwei ziemlich breite Büsche, die sich aufgrund der täglichen Hege prächtig auf dem Balkon entwickelten. Neben ganz normalem Gießwasser aus der Leitung verabreichte Bud den Plants nach ein paar Wochen Wachstum nur einige Zäpfchen in Form von günstigen Düngestäbchen für legale Grünpflanzen, die aus dem Bestand seiner Mutter stammten.

 

Da ein gutes Jahr auch einen guten Frühling präsentierte, brachte die Wachstumsphase keinen größeren Ärger. Falls ein paar Blattläuse das wachsende Cannabis zwischen den frisch besetzten Blumenkästen als Nahrungsquelle ausmachen wollten, fand sich schnell ein Marienkäfer, der sich aufgrund des neuen Futterangebotes um Buddys Feindvolk genüsslich kümmerte. Balkonien bietet einfach natürlichere Abläufe als der Grow@Home bemerkt Bud Spencer dabei in seine Erinnerungsgedanken versunken. Dass wohl wichtigste Werkzeug für einen Balkonbauern wäre daher eher eine schwarze Plastiktüte und nicht irgendein Pestizid, wie das wohl aktuell bei der regulären Landwirtschaft der Fall ist. Lichtdicht, groß und reißfest müsste der „Partner in Crime“ aber schon sein, der dem Cannabisgärtner eine satte Ernte dank optimaler Sonnenausnutzung garantiert. Benötigt wird der Plastiksack nämlich nicht für abfallende Blätter, sondern für ein verfrühtes Einleiten der Blütenphase, die durch regelmäßige Verdunklung der Gewächse erreicht wird.

 

Little Spencer`s Bud überzog nach ausgerechneter zwölf Stunden Schicht seiner Pflanzen, diese jeden Abend mit den übergroßen Laubsäcken, und entfernte die künstlich geschaffenen Lichtschranken erst wieder, sobald die Sommersonne untergegangen war. So gab es knüppelndes Sommersonnenlicht in zeitlich abgedrosselter Menge, was die natürliche Uhr der jungen Marihuanamädels in die Zukunft katapultierte. Im Juni und Juli wuchsen an den Balkon-Hanf-Pflanzen dann wirklich immer dicker werdende Cannabisknospen; auch da der junge Gärtner unverschämterweise das Glück besaß, tatsächlich nur weibliche Hanfgeschöpfe gezüchtet zu haben. Dank der günstigen Düngestäbchen und heimlicher Fürsorge durch die interessierte Gärtnermama konnte Bud Spencer sein erstes selbst gezogenes Marihuana daraufhin Anfang August freudig ernten und nach zweiwöchiger Trocknungsphase in einer ungebrauchten Photokammer genüsslich konsumieren.

 

Mit heutiger Erfahrung und besserem Equipment wäre der eingefahrene Erfolg wohl noch größer gewesen. Auch hätte man den Vorgang bei passgenauer Zeiteinteilung zweimal durchführen können, sinniert der alte Bud Spencer in Gedanken an seine längst vergangene Jugend – und wünscht sich wieder einen Balkon am Haus. Dann ginge vieles auf eigene und nicht auf Kosten von Mutter Natur. Viele wohlerzogene Stadtgewächse wünschten sich das doch sicherlich auch.

 

Cannabisanbau ist in manchen Ländern unserer Erde immer noch verboten – daher gilt:

Nicht nachmachen, trotz der verlockend einfachen Optionen.

 

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