Montag, 20. Februar 2017

Cannabispatient gibt Kampf vor Gericht auf

 

Schwerkranker will das Recht auf Eigenanbau von Medizinalhanf nicht länger einklagen

Sadhu van Hemp

 

 

 

 

Der Schmerzpatient Andreas Butzmann, der eine Ausnahmegenehmigung zur Verwendung von Cannabis zu medizinischen Zwecken besitzt, hat seinen Kampf gegen die Mühlen der bayerischen Justiz aufgegeben. Letzten Donnerstag sollte vor dem Landgericht Memmingen das Berufungsverfahren in der Strafsache gegen den mittlerweile 33-jährigen Pfaffenhofer weitergeführt werden, der im November 2015 wegen illegalen Hanfanbaus vom Amtsgericht zu einer Geldstrafe in Höhe von knapp 2.000 Euro verurteilt worden war. Doch der Termin ist geplatzt, da der verurteilte Btm-Straftäter keine Kraft mehr hat, die Strapazen der schier endlosen Auseinandersetzung mit Vater Staat durchzustehen.

Über seinen Verteidiger ließ Butzmann mitteilen, dass er die Berufung gegen das Urteil zurücknimmt und davon absehen will, alle Rechtsmittel auszuschöpfen, um selbst Cannabis anbauen zu dürfen.

 

„Bei Herrn Butzmann bestehen massive gesundheitliche Probleme“, sagte der Neu-Ulmer Rechtsanwalt Ingo Hoffmann. „Er ist psychisch nicht in der Lage, die Verhandlung weiterzuführen.“ Zudem hätte sich der Prozess noch weiter in die Länge gezogen und wäre wohl auch nicht in Memmingen, sondern erst in höherer Instanz entschieden worden. Hoffmann betont jedoch, dass die Entscheidung, die Berufung zurückzunehmen, kein Schuldeingeständnis sei. Vielmehr hätte die veränderte Gesetzeslage in Sachen Medizinalhanf die Entscheidung erleichtert, das unsägliche Strafverfahren zu einem kurzen und schmerzlosen Ende zu bringen. Nachdem der Bundesrat die Reform des Betäubungsmittelgesetzes abgesegnet hat und die Kosten für die Versorgung mit Medizinalhanf künftig von den Krankenkassen übernommen werden, sehen Butzmann und sein Rechtsbeistand kaum noch Chancen, dass das Berufungsverfahren Aussicht auf Erfolg hat. Die Notlage ist nunmehr obsolet, da Butzmann aller Voraussicht nach nicht mehr auf den horrenden Kosten der Schmerzbehandlung mit Cannabis sitzen bleiben wird.

 

Die Entscheidung Butzmanns, sich dem Gesetz zu unterwerfen, zeigt, dass die Änderung der betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften, die es schwerkranken Bürgern erlaubt, von den Krankenkassen bezahlte Cannabisblüten zu erhalten, ein kluger und weiser Schritt war. Manifestiert das Zugeständnis des Gesetzgebers doch, dass die private Herstellung von Medizinalhanf eine schwere Straftat bleibt und kranke Menschen keinen triftigen Grund mehr haben, das Recht auf Eigenanbau einzuklagen.

 

Bleibt nur noch, Andreas Butzmann für seinen wackeren Kampf an vorderster Front des Anti-Hanf-Krieges zu danken und ihm alles nur erdenklich Gute und viel Gesundheit zu wünschen.

5 Antworten auf „Cannabispatient gibt Kampf vor Gericht auf

  1. Marihuana-Joe

    Andreas Butzmann bedankt sich auf der Facebook-Seite des Hanf Journal für die Berichterstattung:

    „Hmm ja schon aber nochmal 3-6 Jahre streiten.. Da stand bei der Entscheidung meine Gesundheit im Vordergrund.. Und stehen ja auch noch andere Sachen wie Sozialgericht an.. Will mich auch für die Berichterstattungen und Unterstützung sämtlicher Leute bedanken ohne diesen Rückhalt hätte ich nicht solange durchgehalten.“

    Bleib tapfer, Andreas, und lass dich nicht unterkriegen vor dem Sozialgericht.

  2. U-G

    Das ist das schärfste was ich zum heutigen Tage lesen durfte!!!
    Warum man eine Mauer und vorher die Menschen dort aus Bayern heraus holen müsste wäre.:“ Die Auto-Vergasungs-Maschinerie-Industrie-mit-Umweltfreundlichen-Fahrzeugen-aus-Ländle-Milch-und-Käse-Fabrikanten-Hopfen-Tabletten-Mordler-Seehofer-Spielzeug-Eisenbahn-Mutaten, eine Karantäne-Republik machen müsste obliegt auf der „Grand-Hand-beim-Skat“.

    Null und richtig, die Bayerische+Ossi+Politik ist nichtig.

    Dieses Lied widme ich der Dame Cannabis und allen Anhängern dieser genialen Pflanzen-Dame-…

  3. Egal

    Hallo und Danke, an die Patienten. Die diese Gesetzes Änderung durch einen unermüdlichen Kampf, bis zur physischen und psychischen Gesundheitlichen Grenze, geführt haben.
    Und die Hilfe der Canna. Aktivisten die dies in die Öffentlichkeit gebracht haben. Oder Unterstützer waren und sind.

    Ich (selbst Patient) bin gespannt wie das Gesetz von den Ärzten angewandt wird.
    Den am Anfang steht bestimmt wieder die Arzt suche.
    Der eine verschreibt es, der andere nicht.
    Davor wird mit Chemie herum probiert und getestet. Mittelchen, Tabletten und Säften werden verschrieben. Der Arzt schickt einen wiedermal zum Facharzt. Für eine zweite Meinung.
    Aber liebe Mitstreiter, gebt nicht auf.
    Den es ist unser Recht!
    Und an alle die sich erst jetzt Cannabis als Medizin verschieben lassen wollen, oder können.
    Gebt nicht auf. Macht von eurem Recht gebrauch. Damit Cannabis endlich einen weg in die breite Gesellschaft findet.

    Macht euch keine Gedanken was der Arzt denkt! Und wenn ihr das btmg-Rezept bei eurem Arzt nicht bekommt. Dann war es jahrelang der falsche Arzt den ihr euch ausgesucht habt. Der wollte und will dann nur Geld machen und pfeift auf eure Gesundheit!
    Nehmt euer recht als Patient in Anspruch.
    Arzt Wechsel geht ja auch.

    So nun zurück zum Thema
    Ich wünsche Herrn Butzmann alles gute.
    Damit diese odise abgeschlossen werden kann für ihn. Und das er wieder zu Kräften kommen kann. Und nicht jahrelang von Gericht zu Gericht hüpfen muss.

    Danke

  4. Ruby

    Ich kann nicht wirklich nachvollziehen, weshalb jemand den Antrag auf Eigenanbau zurück zieht. Ich habe erst vor kurzem einen ausführlichen, gut formulierten Antrag auf Eigenanbau gestellt. Ich habe den Antrag auf Vorbehalt gestellt und habe es damit begründet, dass falls meine Krankenkasse künftig meine Cannabis-Therapie übernimmt, ich den Antrag sofort zurück ziehen werde. Derzeit ist das aber noch nicht der Fall. Trotz Inhaberin einer Ausnahmegenehmigung für med. Cannabis ist bisher nicht gesagt, ob meine KK die Kosten in Zukunft auch wirklich übernehmen wird. Falls die nämlich die Kosten nicht übernehmen, werde ich in Zukunft gezwungen sein, meine Medizin selbst anzubauen. Deshalb auch der Antrag auf Eigenanbau. Ich würde das jedem Cannabis-Patient so empfehlen. Vielleicht baut das dann auch mehr staatlichen Druck auf, dass die KK die Kosten auch wirklich übernehmen. Denn die werden sich vor den Kosten drücken, wo sie nur können. Das dürft Ihr mir glauben.

    Lieben Gruß
    Ruby

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