Samstag, 12. November 2016

Cannabis bei Myomen der Gebärmutter

 

 

von Dr. med. Franjo Grotenhermen

 

franjo

 

Etwa 80 bis 90 Prozent aller Frauen haben Myome, auch Leiomyome genannt, gutartige Tumoren der glatten Muskulatur. In etwa 90 Prozent der Fälle befinden sich die Myome in der Gebärmutter. Seltener treten sie in anderen Organen mit glatter Muskulatur auf, wie beispielsweise in Blutgefäßen, der Speiseröhre oder der Harnwege. Bei einem relativ großen Anteil der betroffenen Frauen verursachen Gebärmuttermyome Symptome, nach einer Übersicht im Deutschen Ärzteblatt bei etwa 25 bis 30 Prozent aller Frauen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Zu den häufigsten Symptomen zählen verstärkte und verlängerte Menstruationsblutungen, schmerzhafte Blutungen, Fremdkörpergefühl, Beeinträchtigungen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Urinieren oder beim Stuhlgang. Die Intensität der Symptome hängt von der Größe der Myome ab. Betroffen sind Millionen von Frauen allein in Deutschland.

 

Seit Juli 2014 behandle ich eine nun 52 Jahre alte Frau, die sich aufgrund chronischer Schmerzen bei einem Wirbelsäulensyndrom und wegen eines chronischen Lymphödems im linken Unterschenkel in der Folge einer Infektion mit einem Krankenhauskeim im Jahr 2011 an mich wandte. Wir haben eine Therapie mit dem Cannabisextrakt Sativex begonnen, um zu schauen, ob sie Cannabisprodukte verträgt. Sie konnte eine deutliche Linderung der Schmerzen und zu unserer Überraschung auch eine Besserung des Lymphödems feststellen. Die Verfärbungen, Schwellungen und Schmerzen im linken, entzündeten Unterschenkel nahmen ab. Um den Erfolg möglicherweise weiter zu verbessern, ist sie für 3 Monate nach Spanien gefahren und hat sich dort einer Intensivtherapie mit Cannabisöl (Haschischöl) unterzogen. Nach etwa einer Woche hätten beide Beine bereits völlig gesund ausgesehen. Dabei hatten ihre Ärzte, die auf Lymphödeme spezialisiert sind, seit Jahren erklärt, dass man gegen das Ödem nichts unternehmen könne.

 

Vor ihrer Reise nach Spanien war ihr zudem erklärt worden, dass man sie aufgrund der Größe ihrer Myome in der Gebärmutter wohl werde operieren müssen. An einer Universitätsklinik war die Entfernung der Gebärmutter geplant. Es könne dann aber eventuell aufgrund der Operation eine weitere Abnahme des Lymphabflusses aus den Beinen und damit eine weitere Verschlechterung des Lymphödems eintreten. Nachdem sie wieder in Deutschland war, wurde im Krankenhaus eine erneute Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Zur Überraschung der Ärztin waren die Myome deutlich verkleinert, sodass sich eine Operation erübrigte. Die Ärztin habe dann noch zwei weitere Ärzte hinzugezogen, weil dieser Befund so ungewöhnlich war, und sich niemand die Ursache für diese Verkleinerung der Tumoren im Vergleich zum Vorbefund erklären konnte. Meine Patientin hat dann über ihre Cannabis-Therapie berichtet. Einer der Ärzte habe ihr dann geraten, was immer sie gemacht habe, sie solle damit weitermachen.

 

Myome der Gebärmutter werden entweder mit Medikamenten oder operativ behandelt. Die medikamentöse Therapie gilt als nur begrenzt wirksam. Neben Modulatoren des Progesteronrezeptors stehen Substanzen zur Verfügung, die ähnlich wie Gonadotropin-Releasing-Hormone wirken. Sie reduzieren die Größe der Myome. Die Anwendung dieser Medikamente wird aufgrund ihrer Langzeitnebenwirkungen in der Regel auf wenige Monate begrenzt. Da nach Beendigung der Medikamentenbehandlung meistens nach kurzer Zeit wieder eine Vergrößerung der Myome auftritt, werden diese Präparate vor allem zur Volumenreduktion vor einer Operation eingesetzt.

 

Es kommen verschiedene Operationsverfahren zur Anwendung, darunter minimal-invasive Verfahren, bei denen die Gebärmutter erhalten bleibt, und Verfahren bei denen die Gebärmutter entfernt wird. Daneben kann versucht werden, die Arterie, die die Gebärmutter mit Blut versorgt, zu unterbrechen, sodass die Gebärmutter und das Myom nicht mehr gut ernährt werden und sich daher zurückbilden. Ein weiteres Verfahren ist der nur in wenigen spezialisierten Kliniken mögliche MRT-gesteuerte hoch-fokussierte Ultraschall. Bei diesem relativ neuen Verfahren wird das Myom punktuell auf 60 – 80 °C erwärmt, was zu einem Untergang des behandelnden Gewebes und einer Größenreduzierung des Myoms führt. Alle operativen Verfahren sind mit Risiken behaftet, sodass Myome nur behandelt werden, wenn sie Beschwerden verursachen, wenn sie möglicherweise Ursache für einen unerfüllten Kinderwunsch sind oder wenn eine Schwangerschaft geplant ist, die durch Myome gefährdet sein könnte.

 

Man wird auch bei meiner Patientin abwarten müssen, ob die Myome wieder an Größe zunehmen. Es ist unklar, worauf die Reduzierung der Größe des Myoms im konkreten Fall beruht. Es kommen grundsätzlich ein Einfluss auf das Hormonsystem sowie eine Induktion von Apoptosen (programmierter Zelltod) der Myomzellen bzw. andere tumorhemmende Wirkmechanismen infrage.

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