Freitag, 7. August 2015

Die Hanfparade

Deutschlands größte und älteste Demonstration zur Legalisierung von Cannabis

 

Ein Interview mit dem Hanfaktivisten und Mitorganisator Steffen Geyer

 

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Hallo Steffen, zuerst mal danke dass du dir für das Hanfjournal die Zeit genommen hast um uns einige Fragen zu beantworten. In Berlin findet ja am 08. August 2015 die Hanfparade statt. Was genau ist die Hanfparade und wer veranstaltet sie?

 

Die Hanfparade ist die größte Demonstration für die Legalisierung von Cannabis als Rohstoff, Medizin und Genussmittel in Deutschland. Sie findet seit 1997 einmal im Jahr in Berlin statt und wird von einem losen Organisationsbündnis rund um den JaKiS e.V. veranstaltet. Auf einer Hanfparade versammeln sich tausende HanffreundInnen aus dem gesamten Bundesgebiet, um gemeinsam Druck auf die Politik zu machen. Wir wollen zeigen, dass das Hanfverbot reale Menschen betrifft, das es mehr schadet als nützt und für die alte Kulturpflanze Hanf werben. Nebenbei ist so eine Demo ein duftes Familientreffen der deutschsprachigen Hanfszene, ein Festival mit mehreren Livebands, ein Straßenfest mit Kostümen und Musikwagen und vielem mehr.

 

Kann denn eine Demonstration überhaupt etwas verändern?

 

KeineR der TeilnehmerInnen der Hanfparade erwartet, dass Angela Merkel aus dem Fenster sieht und sagt: „Oh, das sind aber nette Menschen. Morgen hebe ich das Cannabisverbot auf.“ So funktioniert unsere Demokratie zum Glück nicht. Was eine Demonstration, insbesondere eine regelmäßige wie die Hanfparade erreichen kann, ist, ein Kristallisationspunkt für Medienberichte und politische Diskussionen zu sein. Die Hanfparade ist Anlass dafür das Hanfverbot in Zeitungen, Radio und Fernsehen zu diskutieren. Sie bietet außerdem den Aktiven einen Ort, an dem sie ihre Aktionen und Kampagnen einem zahlreichen, fachkundigen Publikum präsentieren können. Wenn ich wissen will, ob meine Legalisierungs-Idee was taugt, dann kann ich zur Hanfparade an nur einem Tag mit hunderten „Profis“ sprechen, tausende Flyer an potenzielle MitstreiterInnen verteilen usw. Außerdem ist die Hanfparade ein niedrigschwelliges Informationsangebot an alle, die sich vielleicht zum ersten Mal mit der Pflanze und ihren NutzerInnen beschäftigen wollen. Bei uns kann man mit NutzhanfbäuerInnen sprechen, Hanftextilien anfassen oder CannabispatientInnen und ihre Ärzte befragen. Das gibt es sonst so nirgendwo in der Republik.

 

Einige KonsumentInnen fühlen sich vielleicht nicht so wohl dabei ihr Gesicht in der Öffentlichkeit zu zeigen. Vor allem in öffentlichen und sozialen Berufen ist die Angst vor der Repression oft groß. Wird man bei der Teilnahme an solchen Demos irgendwie registriert oder gefilmt?

 

Natürlich ist eine Demonstration mit einem gewissen „Outingrisiko“ verbunden. Schließlich suchen die TeilnehmerInnen die Öffentlichkeit. Wer am nächsten Tag nicht in der Zeitung erscheinen will, sollte sich nicht in die erste Reihe stellen. Die Polizei ist indes kein Risiko. Mir ist kein Fall bekannt, in dem jemand, der ohne Cannabis auf die Demo ging, Probleme mit den Cops gekriegt hätte. Die Teilnahme an sich und politisches Engagement im Allgemeinen sind ja nicht verboten. Und sie bedeuten auch nicht automatisch, dass man zu den KonsumentInnen gehört – Es muss ja auch Niemand ein Baum sein, um sich für die Erhaltung des Regenwaldes ein zu setzen.

Alle, die aus Angst vor Stigmatisierung zu Hause bleiben, sollten sich vor Augen führen, dass in Deutschland alle drei Minuten ein Kiffer verhaftet wird; dass mehr als 10.000 Menschen hierzulande wegen Cannabis im Knast sitzen; dass Menschen sterben, weil ihnen die lebensrettende Medizin Hanf vorenthalten wird. Wie viel schwerer wiegt dieses Leid im Vergleich zu einem längst überfälligen und nach meiner Erfahrung oft befreienden Gespräch mit dem Chef?

 

Was waren denn so die Highlights der letzten Jahre und was erwartet die BesucherInnen auf der Hanfparade 2015?

 

Aus Veranstaltersicht sind die Highlights fast immer das, womit wir nicht rechnen. Wenn Menschen eigene Transparente mitbringen oder fantasievolle Kostüme tragen oder spontane RednerInnen… Normale TeilnehmerInnen erzählen zumeist von den Bands oder speziellen Paradewagen und in beiden Disziplinen wird die Hanfparade 2015 keine Wünsche offen lassen. Gerade in Sachen Paradewagen investieren wir im Moment viel Arbeit. Wir wollen nämlich dafür sorgen, dass es wieder mehr unterschiedliche Musik auf dem Umzug gibt. In den letzten Jahren war die Demo manchen ein wenig zu „technolastig“. Das wird sich 2015 ändern. Nichts ändert sich hingegen beim Programm der DINAFEM-Bühne vor dem Brandenburger Tor. Dort werden wieder namhafte internationale KünstlerInnen live zum Tanzen und Mitsingen aufrufen. Los geht es dieses Jahr mit den fantastischen „Ohrbooten“. Danach greifen Kat Baloun und ihre Band „Blues Power“ und der Berliner HipHoper „Damion Davis“ zum Mikrofon. Last but not least wird das Anarcho-Pop-Ska-Punk-HipHop-Crossover-Duo „Mono & Nikitaman“ im Grand Finale seine neue Scheibe und alte Kiffer-Klassiker präsentieren.

 

Gibt es spezielle Busse oder Reisegruppen wo ich mich für eine Mitfahrt melden kann?

 

Da die Fernbusse mittlerweile ganz Deutschland erreichen, ist das mit den Sonderbussen zur Hanfparade in den letzten Jahren leider ein wenig eingeschlafen. Die Erlanger Hanffreunde organisieren soweit ich weiß einen Bus aus dem Süden der Republik. Für die Suche nach einer eigenen  Fahrgemeinschaft kann man z.B. die Facebook-Gruppe „Mitfahrgelegenheiten Hanfparade“ nutzen.

 

Dürfen auch Leute unter 18 an der Hanfparade teilnehmen?

 

Wir machen nichts, was verboten wäre. Insofern spricht auch nichts dagegen, dass sich Jugendliche engagieren. Ganz im Gegenteil – Wer alt genug ist, um wegen Cannabis in den Knast zu gehen, der ist mit Sicherheit auch alt genug, um das Hanfverbot Scheiße zu finden!

 

Darf man in Berlin kiffen?

 

In Berlin ist Cannabis ebenso verboten wie im Rest der Republik. Klar gilt die Hauptstadt als „liberal“, aber gerade auf der Hanfparade schaut die Polizei eben doch hin und muss handeln, wenn sie verbotenes Verhalten sieht. Doch dank der vielen PatientInnen riecht es auf der Hanfparade dennoch regelmäßig süßlich.

 

Als du als HaPa-Profi für die TeilnehmerInnen irgendwelche speziellen Tipps oder Infos über Demos im Allgemeinen und die Hapa im Speziellen?

 

Nehmt genug Essen und Trinken mit. Die Stadt Berlin versucht uns das Leben schon einige Jahre möglichst schwer zu machen und hat unter anderem verboten, auf der Hanfparade Essen und Trinken zu verkaufen. Wer darauf nicht vorbereitet ist, dem hängt der Magen nach ein paar Stunden Marsch durch Berlin richtig in den Kniekehlen. Mehr als Leitungswasser dürfen wir euch vor Ort leider nicht anbieten (das dafür aber kostenlos!).

 

Wie kann man die Hanfparade unterstützen?

 

Hingehen. Freunde mitbringen. Und am besten vorher Gedanken machen und ein Transparent basteln. Die Hanfparade ist eine Chance, eure Botschaft zum Hanfverbot in die Welt zu schicken. Nutzt sie – Seid bunt, laut und kreativ!

 

 Wo findet der/die geneigte LeserIn weitere Infos?

 

Unsere Webseite ist www.Hanfparade.de Dort findet ihr alle möglichen Infos zur Strecke, den Bands, Rednern unserer Geschichte usw. Wer es etwas persönlicher mag, dem empfehle ich Facebook www.facebook.com/hanfparade.

2 Antworten auf „Die Hanfparade

  1. Mörnest

    So und jetzt noch aufhören andere aktive auszuschließen nur weil sie nicht in das enge Weltbild Steffens passen, und die HaPa wäre tatsächlich das was hier vorgegeben wird. Leider werden jedes Jahr Leute verprellt, die mit ihren eigenen Ideen, Wagen und Ehrgeiz mitmachen wollten. Schade eigentlich.

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