Freitag, 30. Mai 2014

Critical Bilbo- Ein Pfeifenkraut nicht nur für Hobbits

Eine schnell wachsende Legende für Kräuterkenner

Autor: KIMO

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An dieser Stelle hat Bud Spencer dem Kollegen mze schon häufiger über seine gärtnerischen Highlights und Enttäuschungen berichtet. Als das gärtnerische Schwergewicht vor einiger Zeit die neuen Düngezusätze von Aptus testen wollte (Hanf Journal 04/2013), kam es bei den Pflanzen des erfahrene Indoorgärtners zu ein paar Komplikationen. Allerdings hatte „Buddy“ pH- und Ec-Wert nicht gemessen und bei der Dosierung der sehr konzentrierten Zusätze nicht so genau hingeschaut. Weil Foren und Händler jedoch einhellig über sehr gutes Feedback und Ergebnisse berichten, habe ich den „Stamm-Gärtner“ unserer Schwesterzeitschrift Konoptikum einmal gebeten, das Programm von Aptus im Rahmen seiner Growreports zu testen. Pavel* baut schon ein paar Jahre in einer kleinen G-Tool Kombi-Box Gras für den eigenen Bedarf an und nimmt es trotz oder gerade wegen der kleinen Box sehr genau mit der Bewirtschaftung seiner Ladys. Er misst nicht nur die wichtigen Werte, sondern nutzt aufgrund des harten Leitungswassers in seiner Heimatstadt Prag Osmosewasser, was seinen Test umso aussagekräftiger macht.

 

Bevor Pavel jedoch loslegt, will er genau wissen, welcher Art die Probleme Buddys zu seiner Zeit waren. Pavel meint, es könnte an dem ohnehin schon starken 3-Komponetnen Dünger gelegen haben, den der Dicke damals für seinen Report verwendet hatte.

 

„Ein Teil der Zusätze, die Du mir mitgebracht hast, scheinen konzentrierte Primär-Nährstoffe wie Kalium oder Phosphor zu enthalten. Buddy nimmt wohl immer einen Drei-Komponenten Dünger, der an sich schon alle diese Nährstoffe enthält. Da man bei dieser Düngerart auch mithilfe des Mischverhältnisses auf die Bedürfnisse während der verschiedenen Entwicklungsphasen eingehen kann, könnte das Hinzufügen von Kalium oder Phosphor zu einer falschen Zusammensetzung der gesamten Nährlösung führen. Ich nutze auch seit Jahren einen Drei-Komponenten Dünger und bin super zufrieden, allerdings füge ich nur Zusätze hinzu, die den Ec-Wert nicht verändern, also keine Basis-Nährstoffe enthalten. Ich kenne hier in Prag auch ein paar Leute, die diese „P“-,“K“-, „Ca“- oder „Mg“-Booster benutzen, aber die nehmen alle einen relativ schwachen, Ein- oder Zweikomponenten Grunddünger, den man den Entwicklungsstadien nur bedingt anpassen kann. In diesem Falle hielte ich es auch für sinnvoll, das volle Programm zu nutzen.“

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Das klingt ziemlich logisch, also packe ich einen Teil aus Buddys Zauberkiste wieder ein und lasse Pavel da, worum er mich bittet: Aptus Regulator, Startbooster, Topbooster, Humus- und Fulvosäure sowie die Enzyme verändern den eC-Wert nicht und sollen zusammen mit „GHE Grow-Micro-Bloom“ in den kommenden Wochen die neun „Critical Bilbos“ ernähren, die Pavel als nicht einmal 10 Zentimeter hohe Stecklinge von einem Freund bekommen hatte. Während meines Besuchs topft Pavel die neun Criticals in 8-Liter Root Pouches und mischt den ersten 10-Liter Eimer Nährlösung an. Als Erde dient „Eco-Bison“, eine neue Growerde, mit der Polens und auch Tschechiens Grower seit einiger Zeit beste Erfahrungen gesammelt haben. Zuerst gibt er den Regulator, dann den Dünger in einem Verhältnis von 1:1:1 (Grow:Micro:Bloom) hinzu, bis der Ec-Wert den gewünschten Leitwert von 1,0mS hat. Dann gibt Pavel noch ein wenig Startbooster für Wurzel-und Blattentwicklung und Fulvosäure zur Verbesserung des Bodenlebens dazu. Ganz zum Schluss wird der pH-Wert mit ein paar Tropfen pH+ noch auf 6,0 eingeregelt.

 

Bevor ich mich auf den Rückweg begebe, werfe ich noch einen Blick auf das restliche SetUp, schließlich hat Pavel seine G-Tool Kombi Box mit ein paar Extras ausgestattet, die nicht unerwähnt bleiben sollen. Als Reflektor für das 400 Watt System dient die Cooltube-Adjust-a-Wings Kombination, die wir den Lesern sowohl im Hanf Journal als auch im Konoptikum vor ein paar Jahren vorgestellt hatten. Ansonsten wird die gesamte Box mit einem 240m³/h-Lüfter sowie einem passenden Aktivkohlefilter belüftet, wobei ein GSE-Klimaregler dafür sorgt, dass der Lüfter nur bei Bedarf mit der höchsten Drehzahl läuft. Der vegetative Bereich der Mutterkammer ist mit einer 150 Watt T5-Neon (6400k) ausgestattet, die auf den nur 0,2m² zwei „White Widdow“ Mutterpflanzen beleuchtet. Im Untergeschoss stehen dann noch sechs Babys unter 2 x18 Watt Röhren für den Kollegen, der Pavel die neun Ladys vermacht hat. Sortentausch erhöht die genetische Vielfalt und spart kleinen Gärtnern oft Monate langes Selektieren. Die weißen Witwen sollen allerdings noch ein paar Zentimeter wachsen, bevor er seine botanische Schuld im Freundeskreis begleichen wird. Nachdem Pavel alle Neune umgetopft und angegossen hat, ist es Zeit für mich, Richtung Heimat zu fahren. Da mein Kollege nicht gerade um‘s Eck wohnt, sondern ein Land nebenan, verabreden wir uns zur Ernte in knapp 50 Tagen. Mal sehen, ob die Angaben bei seedfinder.eu, mit einer Blütezeit von 48 Tagen, stimmen.

 

Wer zu spät kommt, schmeckt umso leckerer

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Natürlich berichtet Pavel mir regelmäßig von den Fortschritten und der Versorgungslage seiner auch in Tschechien nur geduldeten Untermieterinnen. Die „Critical Bilbos“ haben die Düngerkombination bestens vertragen und waren nach einer Woche Wachstum bereits knappe 20 Zentimeter hoch, so dass unser ambitionierter Hobbygärtner mit 12 Stunden Beleuchtungszeit die Blüte einläuten konnte. Die Wachstumsgeschwindigkeit nimmt bei den „Bilbos“ zwar zu Blüteanfang zu, jedoch viel weniger ausgeprägt als bei vielen anderen Sorten. Hier wird der Afghani-Einfluss am deutlichsten, insgesamt wird die Prager Critical Bilbo ungefähr dreimal so groß, wie zu Anfang der Blüte, berichtet mir Pavel später. Als sich in der zweiten Blütewoche die ersten zarten Blütenansätze zeigen, tauscht Pavel die Metall-Halogen Wuchslampe gegen ein Natriumdampf-Leuchtmittel und den Start- gegen den „Topbooster“. Der Ec-Wert liegt mittlerweile bei 1,9mS und wird bis Woche sechs auf 2,2 gesteigert, beim pH-Wert ändert sich bis zum Spülen während der letzten 10 Tage nichts, er bleibt konstant bei 6,0. Die Mischung des Grunddüngers wird den Bedürfnissen in der Blütephase sukzessive auf ein Verhältnis von 1:2:3 (Grow:Micro:Bloom) angepasst.

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Die nächsten Wochen verlaufen nach Plan, lediglich eine Ausreißerin nach oben stört das sehr gleichmäßige Wuchsbild der Hanfdamen. In der fünften Woche ist bereits absehbar, dass die Ernte nicht wie angegeben Ende der siebten Woche, sondern ungefähr eine Woche später stattfinden wird. Also verschiebe ich meinen Besuch um eine Woche. Die Mädels haben sich prächtig entwickelt, trotz der relativ niedrigen Höhe von 70-80 cm sind überall Blütenansätze zu sehen, die Internodien sind extrem kurz und das bereits vorhandene Blütenmaterial sehr kompakt. Pavel hatte die unteren drei „Stockwerke“ Triebe entfernt, damit sich die Topbuds kräftig entwickeln. Allerdings scheint die Critical-Bilbo nicht für einen Sea of Green geeignet zu sein, da die Pflanzen neben dem Topbud viele kräftige Seitentriebe entwickeln. Nach 45 Tagen entscheidet sich Pavel mit dem Durchspülen der Erde anzufangen. Von jetzt an gibt es nur noch klares Wasser und zur Unterstützung des Ausspülvorgangs ein wenig Huminsäure. Als ich nach 55 Tagen wieder im Prager Domizil meines Kollegen ankomme, ist er gerade mit den Erntevorbereitungen beschäftigt. Die meisten Buds haben sich zu wahren Keulen entwickelt und brauchen Stützhilfen, um nicht abzuknicken. Bis auf die gelben Blätter, die eine Folge von jetzt fast zwei Wochen ohne Düngergabe sind, sehen die Damen genau so aus, wie sich ein Heim(lich)gärtner seine Liebsten vorstellt. Die Ernte geht aufgrund der kurzen Internodien und der guten Vorarbeit schnell von der Hand und nach ein paar Stunden hängen die neun Pflänzchen kopfüber in der Box.

 

Ich kann leider nicht warten, bis das Weed fertig zur Verkostung ist und muss mich mit einem leckeren Outdoor-Weed aus tschechischer Produktion „begnügen“, das mir Pavel in Form eines Pur Joints noch mit auf den langen Heimweg gibt.

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Nach ein paar Wochen erzählt mir Pavel während eines Besuchs beim Hanf Journal von den endgültigen Ergebnissen seiner Ernte: „Insgesamt habe ich fast 400 Gramm feinstes Weed geerntet, das Critical Bilbo scheint der weitaus bekannteren Critical+ kaum nachzustehen. Ich finde sie aufgrund des intensiven Hasch-Zitronen Aromas sogar noch leckerer als die No.1 Spaniens. Das High ist trotz des hohen Indica-Anteils eher Sativa-mäßig. Das tolle Aroma überrascht besonders, wenn man die kurze Blütezeit betrachtet. Ich weiß nicht, ob ich es gut finden soll, dass es sich um einen „Clone only“ Strain handelt, denn so wird sie weiterhin nur echten „Freaks“ zugänglich sein. Als Samen wäre sie sicher schon sehr weit verbreitet. So aber kann ich meine Kollegen mit einem exklusiven Strain überraschen, der nur 55 Tage blüht und geschmacklich ganz und gar nicht an Kommerzgras erinnert.“

 

Info: Critical Bilbo

 

Die Critical Bilbo ist eine Legende, die über die gleiche Genetik wie die Original Critical von Mr.Nice verfügt (Afghani x Skunk #1). Vor ungefähr 10 Jahren soll Breedern aus Bilbao ein ganz besonderer Phänotyp der Critical ins Auge gefallen sein, der neben den Indica Eigenschaften wie schnellen Wuchs und kurze Internodien auch Sativa-Eigenschaften wie lange dünne Blätter und ein sehr fruchtiges Aroma bei gleichbleibend hohen Erträgen aufgewiesen haben soll. Dieser Phänotyp wurde fortan in der baskischen Metropole als Steckling weiter vermehrt und verbreitete sich nach seinem Sieg auf dem High Life Cup 2004 in Barcelona zuerst über ganz Spanien und dann im Rest Europas. Mittlerweile gibt es in Spanien einen feminisierten Strain Namens „Critical Bilbo“, der über die gleichen Eigenschaften wie das Original verfügen soll.

 

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