Donnerstag, 14. November 2013

Essen oder Trinken von rohem Cannabis. Ist das sinnvoll?

Autor: Dr.med. Franjo Grotenhermen

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Dr. med. Franjo Grotenhermen Mitarbeiter des nova Institutes in Hürth bei Köln und Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM)n – Foto: Archiv

Einige Studien haben versucht, die Gefahren der gebräuchlichsten legalen und illegalen Drogen zu vergleichen.

Besondere Aufmerksamkeit erzielte ein im Auftrag des französischen Gesundheitsministeriums angefertigter Bericht, der so genannte Roques-Report von Professor Bernhard Roques und seinen Mitarbeitern aus dem Jahre 1998, sowie eine vorbereitende Studie für einen WHO-Bericht von Professor Wayne Hall aus Australien, die 1999 in einem Buch veröffentlicht wurde. Zusammenfassend kamen beide Berichte zu dem Schluss, dass starker Cannabiskonsum geringere gesundheitliche Schäden verursacht, als der starke Konsum der gebräuchlichsten anderen legalen und illegalen Drogen.

Tabelle 1:

Vergleich der Gefährlichkeit verschiedener Drogen (modifiziert nach: Roques 1998)2.
– = keine Effekte,
* = sehr schwache Effekte,
** = schwache Effekte,
*** = mittelstarke Effekte,
**** = starke Effekte,
***** = sehr starke Effekte

Alkohol ist nach einer Untersuchung eines nationalen Forscherteams aus dem Jahr 2010 die gefährlichste Droge, wenn die kombinierten Schäden für den Konsumenten selbst und andere nach einer von den Forschern entwickelt Skala beurteilt werden (Nutt et al. 2010)1. David Nutt, Vorsitzender des britischen unabhängigen wissenschaftlichen Komitees für Drogen ISCD und Co-Autor der Publikation, erklärte, dass aktuelle Klassifizierungssysteme nur eine geringe Beziehung zum Kenntnisstand über die Schäden der einzelnen Gruppen haben. Drogen konnten nach der Skala bis zu 100 Punkte erreichen, wobei 100 den gefährlichsten Drogen gegeben wurde. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass Alkohol mit einem Wert von 72 am schädlichsten war, gefolgt von Heroin mit 55. Unter den beurteilten Drogen waren Kokain (27), Tabak (26), Amphetamine oder Speed (23), Cannabis (20), Benzodiazepine wie Valium (15), Ecstasy (9), anabole Steroide (9), LSD (7) und Zauberpilze (5).

Tabelle 2:

Vergleich der schädlichen Effekte auf die Gesundheit starker Konsumenten durch die jeweils schädlichste Form der Anwendung. (Nach: Hall et al. 1999)1.
* = weniger wichtiger oder weniger gut etablierter Effekt
** = wichtiger Effekt

Es gibt keine Einigkeit in der Wissenschaft über die Auswirkungen einer Entkriminalisierung oder Legalisierung von Cannabis auf Schlüsselelemente, wie beispielsweise die Häufigkeit des Cannabiskonsums bei Erwachsenen und Jugendlichen oder Preisentwicklungen. Nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation, die Daten von 17 Staaten, die an einer großen Umfrage teilgenommen hatten, heißt es: „Drogenkonsum ist nicht gleich verteilt und es gibt keine einfache Beziehung zur Drogenpolitik, da Länder mit einer stringenten Drogenpolitik auf der Ebene des Konsumenten keine niedrigeren Drogenkonsum-Niveaus aufwiesen als Länder mit einer liberaleren Politik“ (Degenhardt et al. 2008)4. Eine repräsentative Umfrage unter 15.191 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren aus verschiedenen europäischen Ländern kam zu dem Ergebnis, dass der rechtliche Status keinen Einfluss auf den Drogenkonsum hat (Vuolo et al. 2013)5.

1 Nutt DJ, King LA, Phillips LD; on behalf of the Independent Scientific Committee on Drugs. Drug harms in the UK: a multicriteria decision analysis. LANCET 2010;376(9752):1558-65.
2 Roques B. Problemes posées par la dangerosité des drogues. Rapport du professeur Bernhard Roques au Secrétaire d’Etat à la Santé. Paris, 1998
3 Hall W, Room R, Bondy S. Comparing the health and psychological risks of alcohol, cannabis, nicotine and opiate use. In: Kalant H, Corrigan W, Hall W, Smart R, eds. The health effects of cannabis. Tronto: Addiction Research Foundation, 1999
4 Degenhardt, L., Chiu, W.T. and Sampson, N. et al. (2008). Toward a global view of alcohol, tobacco, cannabis, and cocaine use: findings from the WHO World Mental Health Surveys. PLoS Medicine, 5, 141 (DOI: 10.1371/journal.pmed.0050141).
5 Vuolo M. National-level drug policy and young people’s illicit drug use: a multilevel analysis of the European Union. Drug Alcohol Depend 2013;131(1-2):149-56. doi: 10.1016/j.drugalcdep.2012.12.012.

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