Samstag, 1. Juni 2013

Hanfanbau-Vereine…

…und der Kampf um die Maastrichter Coffeeshops

Während die Idee von Cannabis Social Clubs europaweit immer mehr Unterstützer/innen gewinnt, befindet sich das seit 40 Jahren bewährte, niederländische Coffeeshopmodell in akuter Gefahr. Nach der Einführung des anstelle des Wietpas gerückten I-Kriteriums konnten nur noch in den Niederlanden wohnhafte Personen die Coffeeshops in den Provinzen Limburg, Nordbrabant, Zeeland und Südholland besuchen. Touristen blieb der Zugang verwehrt. Die Lage ist aufgrund der aktuellen Entwicklungen aber verworrener denn je, da es den Bürgermeistern der einzelnen Gemeinden obliegt, das Kriterium anzuwenden oder nicht.

So gibt es vor allen Dingen in der Provinz Limburg wieder zahlreiche Coffeeshops, die Touristen aus den Nachbarländern bedienen. In Maastricht haben daraufhin alle Coffeeshopbetreiber beschlossen, am 5. Mai, dem niederländischen „Tag der Befreiung“, ihre Shops in einer Art konzertierter Aktion wieder für Touristen zu öffnen, so dass in der Stadt von Hardliner Onno Hoes die Straßendealer fast eine Woche lang arbeitslos waren. Diese mutige Entscheidung endete schon nach wenigen Tagen in zahlreichen Razzien, bei denen, neben vielen anderen, auch der bekannte Coffeeshopbetreiber Marc Josemans vorläufig festgenommen wurde.

Die Betreiber der betroffenen Cafés müssen sich nun am 12.Juni für den Verstoß gegen das I-Kriterium vor Gericht verantworten. Daraufhin haben die Coffeeshopbetreiber der Stadt beschlossen, ihre Geschäfte bis zu diesem Tag zu schließen. Da es sich bei der gesamten Coffeeshop-Problematik um eine rechtliche Grauzone handelt, wird das Urteil mit Spannung erwartet. Auf jeden Fall ist das letzte Wort in Sachen „Wietpas“ auch in Maastricht noch lange nicht gesprochen und Touristen haben nach wie vor die Möglichkeit, die Toleranz der Niederländer in Form von Hanfblüten aus dem Coffeeshop in den zahlreichen anderen Provinzen zu genießen.

Auf europäischer Ebene und auch bei uns in Deutschland hingegen scheint die Bewegung der Cannabis Social Clubs rasant an Fahrt zu gewinnen. Anders als bei einem Coffeeshop-Modell entzieht man das einmal ergärtnerte Cannabis komplett der kommerziellen Vermarktung, weil sich das Angebot immer an der Nachfrage der Mitglieder orientiert. Die Produktion ist so auf eine festgelegte Menge begrenzt. Klingt wie Planwirtschaft, dient aber lediglich der Deckung des vorher angemeldeten Eigenbedarfs. Ein solches Modell gibt viel weniger Ansatzpunkte zu Kritik in Bezug auf eine öffentliche Verfügbarkeit und wäre hinsichtlich geltender, internationaler Verträge auch viel leichter anwendbar. CSCs gäben den Handelnden zudem viel mehr Rechtssicherheit als zum Beispiel die Duldung der Coffeeshops in den Niederlanden.

Viele Konsumenten haben sich in den vergangenen Jahren dazu entschlossen, ihr Gras selbst anzubauen und sich so den Schwarzmarkt-Mechanismen zu verweigern. Das macht zwar unabhängig vom Schwarzmarkt, aber auch viel angreifbarer als ein paar Gramm in der Tasche, obwohl die Intention die gleiche ist. Um das zu ändern, organisieren sich die Menschen jetzt selbst: Nachdem in Spanien und in Belgien solche Clubs bereits legal Cannabis für erwachsene Konsumenten anbauen, ist in Frankreich bereits vor einiger Zeit eine Menge Bewegung in die CSC- Bewegung gekommen (Hanf Journal #158), aktuell wird die Palikot-Partei im Polnischen Parlament einen Antrag zu CSCs stellen. Zwar ohne Aussicht auf eine Mehrheit, doch alleine die Präsenz und die Diskussion im „Sejm“ sind als Erfolg zu werten.

Auch in Deutschland wurde bereits Anfang des Jahres im Bundestag kontrovers über solche ‚Hanf Anbau-Vereine‘ diskutiert. Der nächste Schritt wird diesen Monat unter der Schirmherrschaft von ENCOD (European Coalition for Just and Effective Drug Policies) gemacht: Am 8. Juni 2013 soll in Berlin-Weißensee der erste CSC der Republik gegründet werden, anschließend findet eine ausführliche Informationsveranstaltung mit anschließender Diskussion zum Thema „Die konkrete Umsetzung der Gründung von Cannabis Social Clubs in Deutschland“ statt. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich am Samstag, 8 Juni 2013 ab 11.00 im KUBIZ, Bernkasteler Str. 78, 13088 Berlin zu treffen.

Wäre doch gelacht, wenn man einem Land mit über 15.000 Sportschützenvereinen und Schützenbruderschaften nicht ein paar Cannabis-Clubs etablieren könnte, deren „Schrankinhalt“ weitaus ungefährlicher wäre als der eines Schützenhauses.

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