Dienstag, 16. April 2013

Italien und Cannabis:

Ein klares JAIN!

Autor: Maurizio

Kein Scherz, sondern eine italienische Freske aus dem 19 Jahrhundert in Bolognas Altstadt: „Gott Schütze den Wein und das Cannabis“

Italien ist das Land der Heiligen, der Entdecker, der Helden, das Land der Sonne und ein Land in dem Cannabis illegal ist.
Seit Februar 2006 gilt in Italien ein strenges Betäubungsmittelgesetz.
Es besagt, dass alle Drogen gleich seien und es gelten allgemein recht schwere Strafen. Vor allem aber bei Cannabis. Das Gesetz von 2006 ersetzte eine frühere Version, welche 1990 in Kraft trat und offiziell durch eine Abstimmung im Jahr 1993 abgeändert wurde. Die Abstimmung führte zu einer milderen Gesetzgebung und zu etwas mehr Toleranz. Die Regierung unter Berlusconi ignorierte im Jahr 2006 dann den Willen des italienischen Volkes und setzte die Einführung eines strengeren Gesetztes durch, das vor allem bei Cannabisgebrauch Wirkung zeigt.

In den letzten Jahren gab es immer mehr Urteile gegen Cannabisnutzer.
Die meisten Fälle waren auf den Anbau bezogen, der in der Regel dem eigenen Konsum dient, aber automatisch als Dealen eingestuft wird. Die Strafen belaufen sich dabei von sechs bis hin zu zwanzig Jahren Freiheitsentzug oder auf hohe Geldstrafen. Im Vergleich sind die Strafen für Cannabisdelikte höher als für Vergewaltigungen und andere Gewalttaten. Tatsache ist auch, dass bei anderen Betäubungsmitteln die erlaubten Besitzmengen höher sind, als bei Cannabis und die Urteilsfälle sowie die Strafen geringer ausfallen.

Die DPA

Dazu ist die Arbeit der Drogenpolitischen Abteilung der Regierung (DPA – Dipartimento Politiche Antidroga) meistens darauf fokussiert, gegen alle positiven Effekte und Wirkungen von Cannabis zu agitieren. Die meisten Aussagen dieser Einrichtung betreffen die angebliche Tatsache, dass Cannabis eine gefährliche Einstiegsdroge für andere und härtere Drogen sei. Dazu werden recht ungeschickt die großen Schäden, die Cannabis anrichten könne, beschrieben und mit den Resultaten undokumentierter, internationaler Phantomstudien belegt, die die neusten, unglaublichsten Ergebnisse vorweisen. Zusätzlich werden alle dokumentierten Studien, deren Ergebnisse positive Wirkungen von Cannabis nachweisen, einfach vergessen.
Immerhin wird dabei auch ignoriert, dass es in Italien so wie auch in anderen europäischen Länder erlaubt, ist Cannabismedikamente zu verschreiben. Ebenso wird ignoriert, dass in den U.S.A. und in Kanada eine funktionierende Krankenversorgung mit Cannabismedikamenten existiert.

Italien ist aber auch das Land der Leute, des Willens und der Phantasie.
Also Leute, die nicht nur den zivilen Ungehorsam (durch den Hanfanbau oder Teilnahme an Hanf Veranstaltungen wie Italienische Cannabis Cups) als Mittel für die Normalisierung und Legalisierung von Cannabis sehen. Menschen, die sich engagieren, um Vereine zu gründen, damit der Hanf als Pflanze und als ökologischer Rohstoff für alle wieder zur Verfügung stehen kann. Canapuglia zum Beispiel (spezialisiert auf essbare Hanfprodukte aus Apulien) oder Assocanapa (Textil und Ernährung /Anbau) und ASCIA, ein Verein, der sich der Cannabis Legalisierung widmet. ASCIA ist vor etwa drei Jahren gegründet worden und hat bereits einige Ergebnisse vorzuweisen. Darunter fallen sogar Pressekonferenzen im Parlament. Auf diesen war das DPA dann selbstredend entweder gar nicht dabei oder hat sich nur negativen mit den übliche Lügen und Falschinformationen geäußert.

Man könnte jedoch denken, dass es bald ganz anders aussieht.
Ähnlich wie in einigen anderen Ländern ist in Italien, Cannabis als ein sehr nützliches Medikament für MS, Glaucoma, Post-Chemo und weitere Leiden zugelassen, wobei in Italien bei der medizinischen Anwendung nicht zwischen pflanzlichem und synthetischem Cannabis unterschieden wird. Zurzeit ist es für einen Patienten in Italien jedoch noch ziemlich schwierig, Cannabis Medikamente zu bekommen, wie zum Beispiel durch ein Bedrocan Rezept. Dafür ist ein sehr langes bürokratisches Verfahren nötig, das nicht immer für alle Patienten durchzustehen ist. Manche Regionen in Italien haben daher lokale Gesetze eingeführt (oder werden es bald tun), um den Zugang einfacher, kostenfrei und schneller zu ermöglichen. Dazu hat die letzte italienische Regierung, vertreten durch den Gesundheitsminister Balduzzi, am 23 Januar 2013 entschieden, dass Cannabis ab sofort ein verschreibbares Medikament ist, wodurch sich eine stärkere Nachfrage entwickeln könnte.
Die Entscheidung ist 15 Tage nach der amtlichen Veröffentlichung wirksam geworden.

Cannabis Social Clubs

Weitere Hoffnungen machen derzeit einige Volksinitiativen
Am 15. Januar, eine Woche vor der Regierungsentscheidung ist in Racale (Apulien) dank der Unterstützung lokaler Institutionen, des Bürgermeisters und vieler Prominenter der erste italienische Cannabis Social Club gegründet worden.
“Lapiantiamo” (ein Wortspiel mit der Doppelbedeutung “einpflanzen” und “aufhören”) ist die Idee von zwei MS-Patienten, die bereits kostenloses Bedrocan erhalten. Die Initiative zielt auf den Selbstanbau von Hanf, um eine Bezugsquelle für sich und auch für andere bedürftige Patienten abzusichern. Der Club, der mit einer ähnlichen Satzung wie die spanischen Clubs funktioniert, möchte Cannabis als Medikament fördern und die Ausgaben der lokalen Krankenkassen stark vermindern. Die Versorgung mit Bedrocan kostet im Moment pro Patient 1000 Euro im Monat.Diese Kosten könnten mit dem relativ kostengünstigen Cannabisanbau vermieden werden. Der Bürgermeister von Racale hat daher an seine italienische Kollegen einen Brief geschrieben und sie dazu eingeladen, solche Initiativen zu unterstützen, in der Hoffnung, dass das Clubsystem wachsen und sich ausbreiten könne.

Es gibt weitere, gute Nachrichten.
Nach fünf Jahren wird in Italien wieder eine Hanffachmesse stattfinden. Nachdem die letzte Cannabis Tipo Forte und weitere Veranstaltungen von der DPA und der Regierung behindert oder verboten wurden, war eine solche Entwicklung lange fragwürdig, da es auch Fälle wie das Sunsplash gab, dem berühmten Reggae Festival aus Nord Italien, das mittlerweile aus oben erwähnten Gründen nach Spanien zog. Die neue italienische Hanf Messe heißt jetzt dafür “IndicaSativaTrade” (www.indicasativatrade.com) und wird vom 07. bis 09. Juni 2013 in Fermo in Mittelitalien an der Küste der Adria stattfinden. Nach so vielen Jahren ohne Veranstaltung ist die Hoffnung groß, dass sie ein kompletter Erfolg werden wird und es wäre dann sicherlich auch für deutsche Besucher mal einen kurzen extra Trip nach “Bella Italia” wert.

Trotz der strengen Gesetze und der erzkatholischen Grundhaltung, wünscht man sich in Italien positive Veränderungen und ein schnelles Ende der Prohibition. Wie überall.

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