Mittwoch, 30. Januar 2013

CZ: Ab 2014 wird angebaut

Das neue Gesetz zur Verwendung und zum Anbau von medizinischen Cannabis

Autor: Petr Kozak

Grafik: Hanf Journal
Grafik: Hanf Journal

 

Grafik:
Durchschnittslohn brutto Tschechien: knapp 1000€/Monat
geplanter Preis für Medizinalhanf: ?

Zum Vergleich:
Durchschnittslohn brutto Israel 1800 €/Monat
Preis für Medizinalhanf: circa 2 €
Durchschnittslohn brutto Niederlande: 2100 €/Monat
Preis für Medizinalhanf aus der Apotheke: 5-7 €

 

Eine “Petition für medizinisches Cannabis”, die Unterstützung von fast allen Teilen der Bevölkerung fand, brachte den Stein 2011 ins Rollen. Jetzt steht die tschechische Republik kurz davor, ein Gesetz zur Versorgung von bedürftigen Patienten mit medizinischem Cannabis in Kraft zu setzen.
Kurz vor Weihnachten 2012 verabschiedete das Abgeordnetenhaus mit 126 von 200 Stimmen ein Gesetz, das die Versorgung von Patienten mit (pflanzlichem) Cannabis vorsieht. Die neue Bestimmung wurde heute auch von der zweiten Kammer, dem Senat, verabschiedet und muss jetzt vom Präsidenten unterschrieben werden, was als reine Formsache gilt.

Es sieht vor, legal produziertes, medizinisches Cannabis aus den Niederlanden oder aus Israel zu importieren, bis die Behörden in der Tschechischen Republik selbst einen Rahmen zur Produktion der Heilpflanze geschaffen haben.
Wir haben Petr Kozak, den Chefredakteur unserer tschechischen Schwesterzeitschrift KONOPTIKUM gefragt, ob Cannabis-Patienten aufgrund des neuen Gesetzes in Zukunft sorgenfrei leben könnten.

“Es (das Gesetz) ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Der Gesetzgeber, der die letzten15 Jahre das Gegenteil behauptet hat, akzeptiert damit (pflanzliches) Cannabis als Medizin. Patienten mit den entsprechenden Indikationen wie MS, Parkinson, Morbus Crohn usw. werden dann endlich in der Lage sein, die bisher illegal erworbene Medizin legal zu erwerben. Einige Abgeordnete haben im Rahmen der Debatte sogar ins Feld geführt, man könne so eine Menge Geld sparen, weil Cannabis billig sei und teure Medikamente ersetzen könne. Außerdem rückt das neue Gesetz das Thema ein Stückchen mehr in den Medienfokus. Last but not least kann die Cannabinoid-Forschung, so denn der Staat in Zukunft wirklich Medizinalhanf anbauen sollte, zur Gewinnung neuer Forschungsergebnisse intensiviert werden. Das waren die Vorteile, es gibt in meinen Augen aber auch eine Menge ungelöste Probleme bei dem neuen Gesetz.
Von den Betroffenen Patienten und Menschen, die sich mit dem Thema Cannabis hierzulande intensiver beschäftigen, sind einige vorsichtig optimistisch, andere sind richtig sauer.

Unklarer Preis
Der umstrittenste Punkt ist der im Gesetz nicht festgelegte Preis. Wird ein Gramm 100, 200 oder 300 Kronen (100 Kronen sind ungefähr 4 Euro) kosten? Jeder Grower weiß, dass die Herstellung von Hanf eigentlich wenig kostet (Anmerkung der Redaktion: Ja, vor allen Dingen dann, wenn man wie bei unseren Nachbarn bis zu fünf Hanfpflanzen unbehelligt im Garten stehen haben kann, ohne Angst vor Strafverfolgung zu haben ;-)). Sollte sich der Preis für Medizinisches Cannabis bei 50 Kronen pro Gramm einpendeln, hielte ich das Gesetz für einen großen Erfolg. Natürlich wird es auch dann noch “Ultras” geben, die sagen: “Bullshit, wieso soll ich für etwas bezahlen, was umsonst bei mir im Garten wächst?”
Meine Befürchtung ist allerdings, dass wir uns nach der Umsetzung des Gesetzes eher auf Coffeeshop-Niveau bewegen werden und ein Gramm 10 Euro oder mehr kosten wird. Das wäre dann gar nicht im Sinne der Patienten und bei den dann zu erwartenden Behandlungskosten auch kaum eine wirklich günstige Alternative zu Pharmazeutika.
Das zweite Problem wird sich bei der zweiten Umsetzungsstufe, die für 2014 geplant ist, heraus kristallisieren. Ab dann sollen auch private Anbau Lizenzen ausgeteilt werden, aber nicht für Patienten, die ihre Medizin zu Hause züchten könnten. Es wird eine zweistufige Ausschreibung geben. In der ersten Runde müssen die Bewerber zeigen, dass sie über das nötige Wissen und die Mittel verfügen, großflächig Gras nach medizinischen Standards anzubauen. In Runde zwei geht es dann um den Preis, der günstigste Anbieter sollte also gewinnen. Klingt prima, aber wer nun denkt, das sei ein offener Wettbewerb, liegt wahrscheinlich falsch. Es sind maximal sechs bis zehn Bewerber vorgesehen, offiziell rechnet man bislang sogar nur mit zwei. Ihr müsst wissen, dass wir auch in Tschechien massive Probleme mit Korruption haben. Unbestätigten Gerüchten zufolge ist der Kuchen schon unter gewissen Honoratioren aus Politik und Gesellschaft aufgeteilt. Wir werden ja bald sehen, wer die Lizenzen bekommt.“

Nun ja, natürlich ist nicht immer alles Gold, was glänzt. Verglichen mit der Situation in Deutschland können die tschechischen Cannabis-Patienten in Zukunft ein wenig befreiter durchatmen. Der erste Schritt dazu ist bereits getan.

3 Antworten auf „CZ: Ab 2014 wird angebaut

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