Montag, 18. Oktober 2004

Silberscheibe des Monats >>

Musik empfohlen vom Hanf-Journal

Silberscheibe
des Monats >> DJ Mix

Daddy
G 
DJ-Kicks (!k7 records)

Als
1991 Massive Attack den „Blue Lines“-Meilenstein releasten, drang
ein Album in meine Ohren, das bis heute Spuren hinterlassen hat. Ohne
diesen „Bristol Sound“ würde ich vor allem im Drum&Bass
viel vermissen. Daddy G, der uns am Mikro bisher massiv attackierte,
war schon immer auch DJ und hat nun endlich einen dubbigen Mix zur
großartigen DJ-Kicks-Serie beigesteuert. Neben
unveröffentlichtem Massive Attack-Material erweist er der Sound
System-Kultur Jamaikas seine Referenz und spielt auch meine Lieblinge
Melaaz, Tricky, Barrington Levy und Leftfield. Meters bringen den
Funk, Johnny Osbourne den Reggae und Badmarsh & Shri die
Downbeats. Überrascht und erregt werde ich durch Foxy Brown, und
selbst die Soul-Diva Aretha Franklin ist mit dabei. Zum großen
Finale gibt’s mit dem Perfecto Mix von „Unfinished Sympathy“
den wahren Klassiker, der diesem Mix dann wirklich die Krone
aufsetzt. Eine Killer-Selection!

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Silberscheibe
des Monats >> Techno / House

Swayzak

Loops From The Bergerie (!k7 records)

Eigentlich
wollte ich nur wissen, was sich hinter dem Wortspiel mit Serge
Gainsbourgs 60er-Soundtrack zum Film „Les Loups dans la Bergerie“
auf sich hat. Doch da dem Duo nach dem eher technisch klingenden
Vorgänger „Dirty Dancing“ diesmal der Sinn nach Live-Sound
mit analogem Equipment, handgespielten Percussions und mehreren
Vokalisten stand, war ich positiv überrascht. Glücklicherweise
geht es hier nicht um Neuinterpretationen alter Chansons, sondern um
ein Landhaus nahe Montpellier, das vor einem Jahr in ein Studio
umfunktioniert wurde. Hier entstand das Rohmaterial zu diesem Album.
Swayzak’s David Brown hat gesungen und lässt bei „Keep It
Coming“ an glorreiche Joy-Division-Zeiten erinnern. „Snowblind“
klingt wie eine Kreuzung aus Doors und Chris Isaacs, auch Clair
Dietrich glänzt wieder mit ihrer anmutigen Sprechstimme, doch
insgesamt klingt alles immer noch elektronisch, minimal und dubbig 
und das ist sehr sehr schön.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Silberscheibe
des Monats >> Brasil

Bossacucanova

Uma Batida Differente (crammed)

Willkommen
bei der Kulmination von jahrelanger Suche und Liebe zur
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft brasilianischer Musik. Mit ihrem
neuesten musikalischen Abenteuer verfolgen Bossacucanova weiterhin
ihre Mission, den klassischen Samba- und Bossa Nova-Sound zu
modernisieren. Gesang, Grooves, Celli, akustische Gitarren und
Samples werden in perfekter Harmonie vereint. Roberto Menescal,
Marcos Valle, Celso Fonseca und Adriana Calcanhoto brillieren mit
gefühlvollen Songs. Den neuen Sound von Sao Paulo repräsentiert
Wilson Simoninha mit seiner funkigen Stimme. Zuco 103 aus Amsterdam
steuert ultramoderne Beats bei. Und ganz spezielle Gäste sind
Orlan Divo & Cris Delanno. Sound und Feeling dieser elf Tracks
voller Charme und Sexyness sind auf dem klassisch brasilianischen
Album organischer und relaxter als je zuvor. Immer wieder schön
zu hören, was der Zuckerhut für Beats und Melodien
hervorbringt.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Silberscheibe
des Monats >> Reggae

Various
Artists 
The Lovers Rock Story (kickin records)

Ich bin wirklich überrascht, was da in den
70ern auf der britischen Insel so vor sich ging. Der Herbst kann
jedenfalls kommen, denn 15 Offbeat-Tracks laden hier zum Kuscheln
ein. „The Lovers Rock Story“ ist ein Tribute von Kickin Music’s
Chef Peter Harris und seinem Vater Dennis, der in den 70ern mit
seinen Labels DIP, Eve, Lucky, Serious Business, Rama und Lover’s
Rock als Ikone des britischen Reggae galt. Diese zeitgemäße
und historisch wichtige Kollektion ist die erste Compilation mit den
Produktionen von Dennis Harris. Viele dieser Tracks waren bisher nur
als „Collector’s Item 7“ auf Lover’s Rock erhältlich.
Brown Sugar, Cassandra, Roland & Carolyn, Dennis Bovell, T. T.
Ross und John Kpiaye schrieben damals Geschichte und setzten neue
Maßstäbe in Sachen UK-Reggae. Und auch 30 Jahre später
sind alle Songs durchweg mehr als hörenswert. Eine echte
Schatzkiste voll mit bittersüßen Reggae-Perlen!

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Silberscheibe
des Monats >> HipHop

Hecklah
& Coch 
Über Alles In Der Welt (rawzone records)

Es
ist kein Zufall, dass Berlin den Horizont für die härtere
Gangart bildet. Soziale Realitäten werden durch Bezirke
getrennt. Hecklah & Coch kommen vom rauen Kiez von
Schöneberg-Nord und rappen über Nachbarschaft, Geld, Frauen
und ihren täglichen Hustle auf den Straßen. Da es
hierzulande keine Musik gibt, die mit Street-Credibility aufgeladen
ist, bedienen sich die beiden durch ihre schnelle, saubere
Reimtechnik bezeichneten „Machine Gun Rapper“ oft bei dem
eindrucksvollen US-Film „Menace II Society“. Besonders zwei
Tracks haben es in sich: „Boom“ groovt mit einem hochgepitchten
Soul-Sample und spielt mit der Spannung zwischen zarter Gesangsstimme
und harten Raps. Das deepste LP-Stück ist „Ich liebe Den
Scheiß“, bei dem der Vietnam-Film „Platoon“ durch ein
dramatisches Sample zitiert wird. Insgesamt ein HipHop-Album voller
Hymnen, guten Battlelines und Bangern für die bouncende Crowd.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Silberscheibe
des Monats >> Soul

Joy
Denalane 
Mamani Live (four music)

Dass Joy Denalane die (!) deutsche Soul-Diva ist,
zeigt ihre Live-Performance der DVD-/Live-Album-Aufzeichnung von
„Mamani“. In jeder Note hört man Wahrheit und Wärme.
Und was sich im „Mamani Intro“ ankündigt, im Soul-Groove von
„Was auch immer“ oder bei „Sag’s mir“ bestätigt, dem
revolutionären „Höchste Zeit“ manifestiert, einen bei
den melancholischen „Fragen (Ein Brief aus Lesotho)“ oder der
mitreißenden Re-Interpretation von Prince’s „Sign O The
Times“ bewegt, sind die Präsenz und Persönlichkeit einer
Frau, die ihr Menschsein nicht der Kunst geopfert hat. Die Queen aus
Berlin betört mit „Vier Frauen“, erzählt vom „Loverman“
und fragt „Wem gehört die Welt“. Konzertmitschnitt,
Interview und Backstage-Report bilden eine eindrucksvolle
Dokumentation. All denjenigen, die am 11. März diesen Jahres
nicht im Berliner Tränenpalast waren, wünsche ich viel
Freude an ihrem persönlichen Konzert zuhause.

Schreibe einen Kommentar

Schnelles Login: