Montag, 18. Oktober 2004

Klüger werden mit dem Hanf Journal

Werden Mücken, Zecken und Blutegel high, wenn sie das Blut von Cannabis-Konsumenten trinken?

Bisher
wurden Cannabinoid-Rezeptoren und körpereigene Cannabinoide
(Endocannabinoide) bei den meisten Wirbeltieren und wirbellosen
Tieren nachgewiesen, bei Säugetieren, Vögeln, Amphibien
(wie zum Beispiel Salamander), Fischen, Seeigeln, Egeln, Muscheln und
Polypen.

Insekten besitzen dagegen kein
Cannabinoid-Rezeptoren, sodass Cannabinoide bei Mücken keine
Wirkung hervorrufen können. Zecken zählen zu den
Spinnentieren. Gemeinsam mit den Insekten zählen sie zu den
Gliedertieren (Anthropoda).

Es
wird vermutet, dass Insekten keine Cannabinoid-Rezeptoren besitzen,
weil Insekten nur wenig Arachidonsäure besitzen. Diese Fettsäure
ist eine Vorstufe der Endocannabinoide. Ob Spinnentiere
Cannabinoid-Rezeptoren besitzen, ist bisher nicht untersucht, daher
kann über die Zecken zu diesem Thema nichts Abschließendes
gesagt werden.

Wie
oben bereits erwähnt, besitzt jedoch eine andere Blut saugende
Tiergruppe Cannabinoid-Rezeptoren: die Blutegel. Wie Mücken und
Zecken nehmen Egel gemessen an ihrem Körpergewicht erhebliche
Mengen an Blut auf, sodass sie auch vergleichsweise große
THC-Mengen aufnehmen könnten.

Ob Blutegel jedoch durch THC
psychisch beeinflusst werden, hängt von mehreren Faktoren ab. So
müsste die Aktivierung von Cannabinoid-Rezeptoren beim Blutegel
Effekte auslösen können, die mit den psychischen Wirkungen
beim Menschen überhaupt vergleichbar wären, und zudem
müsste die zugeführte Dosis ausreichend hoch sein. Der
Cannabinoid-Rezeptor, der beim Blutegel nachgewiesen wurde, ähnelt
stark dem Cannabinoid-Rezeptor im menschlichen Gehirn. Die
Aktivierung des Gehirn-Cannabinoid-Rezeptors ist beim Menschen und
anderen Säugetieren für die psychischen Effekte nach
Cannabis-Konsum verantwortlich. Das Cannabinoid-System hat beim
Blutegel jedoch vermutlich andere Funktionen als beim Menschen,
sodass seine Aktivierung wahrscheinlich keinen Zustand hervorruft,
der mit einem „High“ beim Menschen vergleichbar wäre.
Denkbar wäre jedoch, dass der Blutegel unter THC-Einfluss seine
Umwelt verändert wahrnimmt.

Die Frage der ausreichenden
THC-Dosis soll anhand eines Rechenbeispiels näher betrachtet
werden. Nimmt ein Mensch THC oral auf (essen, trinken), dann reichen
im Allgemeinen etwa 10 bis 20 Milligramm aus, um leichte psychische
Effekte bei einer 70 Kilogramm schweren Person zu verursachen. Das
entspricht etwa 0,15 bis 0,3 Mikrogramm pro Gramm Körpergewicht.

Geht man davon aus, dass der
Blutegel fünf Gramm wiegt, dass er auf sein Gewicht bezogen die
gleichen Mengen an THC benötigt, damit ein Effekt verursacht
wird, und dass die Bioverfügbarkeit des THC 
die Menge, die real zur Wirkung kommt 
beim Blutegel so groß ist wie beim Menschen, dann müsste
der Blutegel 0,75 bis 1,5 Mikrogramm beziehungsweise 750 bis 1500
Nanogramm THC aufnehmen. Ein Nanogramm ist ein Millionstel
Milligramm.

Nach dem Rauchen von Cannabis
steigt die THC-Konzentration im menschlichen Blut für einige
Minuten auf etwa 100 bis 400 Nanogramm pro Milliliter Blut an. Sie
fällt dann innerhalb von zwei bis drei Stunden auf unter 10
Nanogramm pro Milliliter Blut ab.

In unserem Beispiel soll der
Blutegel 10 ml Blut innerhalb einer Stunde von einem
Cannabis-Konsumenten saugen, der gerade eine große THC-Dosis zu
sich genommen hat. Unter optimalen Voraussetzungen wäre es dann
denkbar, dass unser Blutegel 500 bis 1000 Nanogramm THC aus dem Blut
aufnimmt, sodass er in den Bereich der oben berechneten
Äquivalenzdosis für 10 bis 20 Milligramm beim Menschen
käme.

Dieses Beispiel ist allerdings
nicht mehr als eine Spielerei, da es einige Unbekannte gibt. Häufig
ist es so, dass kleinere Tiere bezogen auf das Gewicht
vergleichsweise größere Mengen an Drogen beziehungsweise
Medikamenten benötigen, um gleich starke Wirkungen wie bei
größeren Tieren zu verursachen. Dies liegt vor allem an
der größeren Stoffwechselaktivität kleiner Tiere, die
daher auch vergleichsweise größere Mengen an Nahrung
aufnehmen müssen. Ein Blutegel würde unter diesem Aspekt
wesentlich größere Dosen benötigen als die hier
vorgestellte gewichtsbezogene Äquivalenzdosis von 750 bis 1500
Nanogramm THC. Andererseits wäre es denkbar, dass die
Bioverfügbarkeit von THC beim Blutegel bei oraler Aufnahme
deutlich größer ist als beim Menschen. Beim Menschen
beträgt die systemische Bioverfügbarkeit nach dem Essen
oder Trinken von Cannabis nur etwa 5 bis 10 Prozent. Der Rest wird im
Magen verändert und vor allem in der Leber verstoffwechselt,
bevor er das Gehirn und andere Organe erreichen kann.

Abschließend lässt
sich festhalten, dass THC bei Mücken und vermutlich auch bei
Zecken keinerlei Wirkung verursacht. Beim Blutegel ist dies anders.
Allerdings sind die beim Blutegel verursachten Wirkungen vermutlich
nicht mit einem menschlichen „High“ vergleichbar.

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