Donnerstag, 26. August 2004

Start frei zum „2. Rostocker Hanffest“

Richtig gelesen, in der schönen Hansestadt an der Ostsee findet dieses Jahr bereits das zweite Rostocker Hanffest statt. Am 4. September wird das Herz der Stadt im Hanf-Takt schlagen.

Zum zweiten Mal in Folge wird die Stadtmitte für einen Tag
von Hanf-Aktivisten, Interessierten und Party-Willigen besetzt. Festplatz wird
dieses Jahr der Platz vor dem Kröpeliner Tor sein. „Ehrliche Aufklärung für
einen verantwortungsvollen Konsum“ ist das Motto des „2. Rostocker Hanffestes“.
Das Konzept wird weitestgehend vom letzten Jahr übernommen und verfeinert. Die
Platzverlagerung um 500 Meter vom Universitätsplatz zum Kröpeliner Tor hat
durchaus positive Effekte. So laden die angrenzenden Wallanlagen mit ihrem
satten Grün zusätzlich zum Chillen und Erholen ein. Zudem befindet sich der
Platz zwischen zwei Knotenpunkten Rostocks, dem Doberaner Platz und dem
Universitätsplatz und wird von der Öffentlichkeit besser wahrgenommen. Es wird
ein interessantes Bühnenprogramm von 14 Uhr bis 20 Uhr geben. Die Bühne
umrundet eine kleine Auswahl an verschiedenen Ständen und Infoinseln, ein
kleiner Head-Shop, Essens- wie Trinkstände lassen das Hanffest-Gelände
erstrahlen. Auch ein von der Symbiosis Crew dekoriertes Chill-Zelt wird es
wieder geben. Diesmal etwas größer und mit Shishas bestückt, lässt es die müden
Tanzbeine schnell wieder munter werden. Kulturell wird ebenfalls mehr geboten.
Sprayer stellen ihre Kunst zur Schau und animieren zum Mitmachen (auf legalen
Lacken!). Die Moderation auf der Hauptbühne übernimmt dieses Jahr Carsten
Labudda, langjähriger Hanf-Aktivist, VfD (Verein für Drogenpolitik), Mitglied
und Sprecher der PDS, Bundesarbeitsgemeinschaft Drogenpolitik. Als weiterer
Experte ist Tilmann Holtzer, der VfD-Vorsitzender, angefragt und eingeladen.
Auch mehr Livemusik wird es dieses Jahr geben. Von HipHop über den rockigen
Sound der „Bongheads“ wird vieles bedient. Live dabei sind: „Musexellence“,
eine Hamburger und teils Rostocker Band die es in sich hat. Unter den
„Heebeegeebees“ verbirgt sich eine junge Rostocker Band mit internationaler
Besetzung, das Repertoire reicht dabei von Reggae bis Funk’n’Roll. „Lenins
Leber“, ein junges und innovatives  live
Sound-System, das sich in keine Schublade stecken lässt. Vertonte Charles
Bukovsky-Zitate, reißende Rhythmen bis hin zu Noise, all dies vereint „Lenins
Leber“. DJ Palmer von den Los Cassettos wird mit deftigen Dancehall Ragga and
Roots Reggae-Rhythmen aufwarten und für die Freunde des minimal elektronischen
sowie House wird DJ VinceNT von electric Underground auflegen. Es wird auch
wieder eine Speakers Corner geben, Zeit zu sagen was man denkt, zu zeigen was
man kann. Wenn alles klappt kann sogar beim Jointbau-Wettbewerb gedreht und
gebaut werden, was das Zeug hält. Auch die schönste Veranstaltung neigt sich
irgendwann dem Ende. Wenn am Universitätsplatz die Lichter ausgehen, dann gehen
im Osthafen e. V. die Lichter an. Der Osthafen lädt zur Hanffest-After
Show-Party ein. Der Osthafen ist bequem erreichbar, Straßenbahnhaltestelle
Petridamm und dann immer den Schildern nach. Im Osthafen erwartet den
Hanf-Aktivisten für 2,50 Euro Eintritt, die Non Stop-Filmvoführung von
„Haschisch – der Film“ sowie Musik auf drei Floors. Der Hauptfloor wird Reggae,
Funk’n’Roll und 60ies-lastig sein mit den DJs Palmer – Los Cassettos und DJ Redo
sowie unseren allseits beliebten DJ Nerfbert. Fredo und Uwe werden live
elektronische Musik erzeugen und „Lenins Leber“ werden live den Letzten vom
Hocker reißen. Die beiden anderen Floors sind von elektronischer Musik geprägt.
Goa, Drum’n’Bass, House und Minimal Electro werden die DJs Sterngucker, Robert,
Thomas L. und VinceNT auflegen. Die Getränkepreise werden solidarisch günstig
sein.

 

Zur Geschichte, wie bereits erwähnt findet das Hanffest in
Rostock bereits zum zweiten Mal statt. Ergo hat sich eine kleine Geschichte
entwickelt, geprägt aus Freundschaft und Solidarität. Wer steckt überhaupt
hinter dem Ganzen? Anfang letzten Jahres tat sich in der [’solid]-Ortsgruppe
Rostock etwas. Zur Information, [’solid] die Sozialistische Jugend ist ein
PDS-naher Jugendverband, der auch in Rostock mit einer Ortsgruppe vertreten
ist. Bundesweit gab es letztes Jahr von [’solid] eine Hanfkampagne, deren
Höhepunkt die „Hanf muss wieder heimisch werden“-Konferenz in Mannheim war. Unabhängig
davon plante ein damaliges Mitglied in Rostock, Sascha, die erstmalige
Beteiligung am Million Marihuana March 2003 in Rostock. Ziel war es schon
damals ein größeres Fest auf die Beine zu stellen. Nachdem dies jedoch
misslang, aus dem Fest wurde ein Infostand mit musikalischer Untermalung aus
der Dose, zog sich Sascha resigniert zurück. Doch bei Zweien wirkte sich der
MMM03 (Miss-)Erfolg (in meinen Augen war es ein Erfolg) im positiven Sinne aus.
Zusammen mit Steffen machten wir uns beide daran am Ende des Sommers ein
richtiges Hanffest zu organisieren, die [’solid]-Ortsgruppe stand hinter uns.
Die erste Hürde der Anmeldung beim Ordnungsamt wurde auch genommen und dann
konnte es losgehen. Das Konzept hatte sich schon über Jahre in unseren Köpfen
entwickelt, nun war die Zeit der Ausführung gekommen. Vor dem Hintergrund der
inhumanen Drogenpolitik und dem Bedarf nach Veränderung hieß es zunächst
einmal: Farbe bekennen. Ein Aufruf zum Fest lautete „Jetzt reichts! Ich will
kiffen, und zwar legal!“. Den Rostockern zeigen, dass es hier eine aktive
Cannabis-Kultur/Drogen-Kultur gibt, die es leid ist sich zu verstecken. Das
Konzept war klar, das Fest angemeldet, die ersten Pressemitteilungen waren
raus. Bühne samt Bühnenprogramm, Stände, Strom, Plakate, Flyer, After Show
Party . . . die Liste ließe sich noch weiter führen. Bei den einzelnen Punkten
entwickelten sich über die Monate Beziehungen zu Mitstreitern. Zu dem Verein
für Drogenpolitik, zu den Bongheads, kulturbande.de und vielen mehr bestehen
nachhaltige Beziehungen. Heute ist die Liste an Personen und freien
Vereinigungen lang und bundesweit. Die Homepage ist designed by
poppelflansch.de aus Essen und gewartet wird sie in Berlin. Dennoch muss alles
koordiniert werden und es gibt Aufgaben, die lassen sich nicht einfach abgeben.
Aber es gilt die Faustregel: je mehr (hilfswillige) Leute, desto besser. Es hat
dann doch alles ganz gut geklappt. Die Sonne schien, es war warm, der Platz sah
gut aus und war vor allem gut gefüllt, Prominenz war auch da (Roko Klein hatte
wohl auf dem Rostocker Hanffest wohl einen seiner letzten inoffiziellen
öffentlichen Auftritte). Alles klappte gut, selbst die Ordnungshüter ließen uns
in Ruhe protestieren. Und so feierten wir ein rauschendes Fest bis in die
frühen Morgenstunden. Schon die Namensgebung „1. Rostocker Hanffest“ verlangt
nach mehr, nach einer Fortführung des ersten, nämlich das „2. Rostocker
Hanffest“ zu veranstalten. Farbe haben wir letztes Jahr gezeigt, dieses Jahr
werden wir aktiv. Im Konkreten heißt es, dass wir versuchen wollen den
kleinstmöglichen Schritt hin zu einer Legalisierung, hier in
Mecklenburg-Vorpommern, zu vollziehen. Dabei handelt es sich um die seit 1994
vom Bundesverfassungsgericht geforderte Festsetzung der geringen Menge. In
Mecklenburg-Vorpommern existiert bis dato keine Regelung betreff der geringen
Menge. Es liegt im Ermessensraum der jeweiligen Staatsanwaltschaft. Vorbild
soll hier Berlin sein, wo dieser Schritt vor kurzem vollzogen wurde. Eine
Sammelpetition ist hierzu geplant, welche fordert die geringe Menge von
Cannabis-Produkten auf 30 Gramm festzusetzen. Zum Zweiten wird die Möglichkeit
ausgelotet, inwiefern sich die Dinge parteiintern regeln können, um einen
Antrag an den Landtag zu richten. Dazu werden auf dem Hanffest Unterschriften
gesammelt. Also, . . . see
you, 4. September, „2. Rostocker Hanffest“ –  denn keine Pflanze ist illegal!

 

PS Ein großes Dankeschön an alle Beteiligten
und Helfer und besonderen Dank an die Künstler welche allesamt ihre Gage dem
Rostocker – Hanffest – Bündnis spenden, Danke.


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