Samstag, 16. Januar 2021

Ein Rückblick über den Tellerrand

Cannabis-Legalisierung bahnt sich überall den Weg – nur in Deutschland nicht


Ein Beitrag von Sadhu van Hemp

2020 war in Sachen Cannabis-Legalisierung ein Jahr des Stillstands – zumindest in Deutschland. Die Musik spielt woanders – vor allem in den USA. Den Auftakt machte zur Jahreswende der US-Bundesstaat Illinois, wo Punkt Mitternacht Frieden einkehrte. Seit einem Jahr ist der Erwerb und Konsum von Cannabis für Personen über 21 Jahren erlaubt – und das Horrorszenario, das deutsche Prohibitionisten allzu gerne prophezeien, ist ausgeblieben. Die Kinder in Chicago sind nicht alle haschgiftsüchtig geworden und der kontrollierte Verkauf hat die Kriminalitätsrate nicht explodieren lassen. Die Kassen klingeln – auch beim Finanzamt.

Ungemütlich war es hingegen in Deutschland – und zwar für Menschen, die auf die heilende und beruhigende Wirkung von Cannabidiol (CBD) vertrauen. Wie die Jahre zuvor war Bayern Hotspot der gnadenlosen Jagd auf jene Mitbürger, die rauschfreies CBD verwenden. Im Februar ging die Polizei in Schweinfurth gar soweit, die Kundschaft wie Schwerbrecher zu behandeln. Reihenweise gerieten rechtschaffene Bürger beim Verlassen des CBD-Shops „House 420“ in eine verdachtsunabhängige (sic) Kontrolle der Polizei, wobei es auch zu Beschlagnahmungen von Blüten und Ölen kam. Die Polizeiführung findet an dieser Praxis nichts Anrüchiges, da die Kontrollen durch das Polizeiaufgabengesetz gedeckt seien. Ganz anders in Australiens Hauptstadt Canberra, wo seit Februar keine schmutzigen Polizeimethoden mehr nötig sind. Seit 1. Februar ist es über 18-Jährigen gestattet, bis zu 50 Gramm Cannabis zu besitzen und zu Hause zu genießen. Zulässig ist auch der Anbau, zwar nur von zwei Hanfpflanzen, aber immerhin. Erfreuliches gab es auch aus Argentinien zu berichten, wo sich die Regierung im Sommer dazu durchrang, das Gesetz für die Verwendung von medizinischem Cannabis zu überarbeiten. Künftig sollen die Patienten über Apotheken kostenlos mit Medizinalhanf versorgt werden und darüber hinaus die Erlaubnis zum Eigenanbau erhalten.

Es tut sich was in der Welt – in Sachen „Legalize it“. In Israel und Mexiko wurden die Weichen für eine Freigabe in den kommenden Monaten gestellt, und in den Parlamenten Nordmazedoniens, Albaniens und Kroatiens zeichnen sich Mehrheiten für einen Richtungswechsel in der Cannabispolitik ab. Einen großen Schritt in Richtung Legalisierung machten auch die USA. Bei den Präsidentschaftswahlen im November wurden gleich mehrere Türen aufgestoßen. In Arizona, Montana, New Jersey und South Dakota votierten die Wähler bei der mit zur Abstimmung stehenden Legalisierungsfrage für ein Ende der Prohibition. Die Zahl der Staaten, in denen legal gekifft werden darf, hat sich somit von elf auf 15 erhöht. Augenblicklich ist in 37 von 50 Bundesstaaten eine Versorgung mit dem natürlichen Heilmittel zugelassen. Wegweisend ist auch der Wahlsieg von Joe Biden, der Mitte Januar als neuer US-Präsident vereidigt wird. Im Wahlkampf hatte der Demokrat eine Marihuana-Legalisierung in Aussicht gestellt, und die Chancen stehen gut, dass er dieses Versprechen auch hält. Das neu zusammengesetzte Repräsentantenhaus des US-Kongresses preschte schon einmal vor und stimmte für einen Gesetzeswurf zur Cannabis-Freigabe auf Bundesebene. Nun steht der Senat, die zweite Kammer des Parlaments, in der Pflicht, sich mit dem Gesetzesentwurf  auseinanderzusetzen.

Nicht länger die Augen verschließen – das konnten Ende des vergangenen Jahres auch die Vereinten Nationen (UN) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht. Knappe drei Jahrzehnte hat‘s gebraucht, um dahinter zu kommen, dass Cannabis keine harte Droge wie Heroin ist und folglich in der Kategorie 4 der Single Convention fehl am Platze ist. Die Suchtstoffkommission der UN stufte Cannabis herab – und gesellte das Heilkraut zu Kokain und Methadon in der Untergruppe 1. Viel gewonnen ist damit nicht, aber den mächtigen Prohibitionsverfechtern Russland und China wurde erstmalig ein Zugeständnis in der Cannabisfrage abgerungen. Inwieweit der globale Wandel in der Cannabispolitik auch in Deutschland Fuß fasst, lässt sich nur schwer einschätzen. Hoffnung verspricht die Bundestagswahl im Herbst dieses Jahres. Reicht es zum Linksbündnis, könnte es zu einer Reform des Betäubungsmittelgesetzes kommen, die dann vielleicht in fünf bis zehn Jahren greift.

Triumphiert das rechte Lager, bleibt alles so, wie es ist.

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Dr. Fuzzman
Dr. Fuzzman
8 Monate zuvor

Bin 60 und bekomme 50g MedGanja mtl. Baue indoor an und im Sommer outdoor. Das1. Legal, das 2. Illegal mit Leidenschaft. Komme so auf 90g mtl. Shitegal. Würde gerne noch erleben mich 100% Legal zu therapieren. Ich mach mir Hoffnung für die Zukunft nach der Bundestagswahl. Green Hope!

Paul
Paul
8 Monate zuvor

„Triumphiert das rechte Lager, bleibt alles so, wie es ist.“
Leider, leider, leider, leider ist das so. Die AfD ist auch genau auf diesem Trip.
Ich bin so zerrissen innerlich – das Gras MUSS freigegeben werden. Das Verbot ist ein großes Verbrechen. Aber die Grenzen müssen auch gesichert sein und nicht jeder Assi darf hier ein Bleiberecht erhalten!!
Im Prinzip ist genau DAS die immer wieder gern herbeigeredete „Mitte“: Sichere Grenzen, legales Cannabis.
Welchen Tod stirbt man denn nun in der Realität?

Paul
Paul
8 Monate zuvor

#Dr. Fuzzman

wenn die Grünen mit der CDU eine Koalition eingehen, wird überhaupt nichts in Sachen „Lagalize it“ geschehen. Das ist so sicher wie das Allahu Akbar vor dem Köpfen.

gein
gein
8 Monate zuvor

21 wird auch wieder ein Jahr des Stillstands in DE, GroKo regiert aber der thumbnail ist richtig sexy vom Artikel.

buri_see_käo
buri_see_käo
8 Monate zuvor

Genau Gein, und alle 4 Jahre gibt es in DE „Dinner for One“ 2-mal
James: „… Sssssame, same procedure as last year, Miss Sophie?“
Miss Sophie: „The same Siechtum as every year, James!“

mfG  fE

gein
gein
8 Monate zuvor

@buri_see_käo ja. Es ist nur noch den Aufguss vom Aufguss verschauspielern. Das die Akteure auch noch aus gefühlt 99% alten weißen Männern bestehen macht das ganze noch unerträglicher. Als würde man auf Alufolie rumkauen.

DIE HANFINITIATIVE
8 Monate zuvor

https://www.fr.de/rhein-main/justizskandal-zieht-kreise-90170767.html SEHR SYMBOLISCH – also auch das Foto – Adenauer, dieser +++ „Drogen“-Schlingel 😉 „https://www.tellerreport.com/life/2021-01-12-%0A—konrad-adenauer–chancellor-took-methamphetamine—and-15-sleeping-pills-%0A–.H1NCZmesAP.html“ +++ Ist deshalb die CDU/CSU so… ?… „abstinent“!? 😀 😀 😀 Wer ist in der CDU/CSU noch so „leistungsfähig“? „https://diehanfinitiative.de/index.php/prohibition/28-legenden“ Also, manchmal verblüfft mich die FR 😀 😀 😀 […] Justiz Justizskandal zieht Kreise Oliver Teutsch von Oliver Teutsch Ministerin Kühne-Hörmann nennt weitere Vorwürfe gegen Oberstaatsanwalt Alexander B. Auch Nötigung und Betrug stehen im Raum. Gegen den unter Bestechlichkeitsverdacht stehenden Oberstaatsanwalt Alexander B. werden immer neue Vorwürfe laut. Mittlerweile liegen gegen den suspendierten hochrangigen Justizbeamten auch Anzeigen wegen des Verdachts der Nötigung und des Betrugs vor. Dies geht aus einer Kleinen Anfrage der FDP-Fraktion im Landtag hervor, die Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) jetzt beantwortet… Weiterlesen »

Otto Normal
Otto Normal
8 Monate zuvor

@hanfinitiative
Ist die Justiz WIRK-LICH unabhängig?

Funktioniert die +++ GEWALT-enteilung +++ wie von den Gründern und Gründerinnen der Bundesrepublik vorgesehen?

Wer bekommt die ULTIMA-RATIO jeden Tag +++ ungerechter Weise? +++ zu schmecken?

Zu 1: Nein (nie gewesen)
Zu 2: Nein (hat noch nie funktioniert siehe 1)
Zu 3: Die Kiffer (seit dem die Homos tabu wurden)

Damit UNSERE Republik so funktioniert wie im GG ursprünglich vorgesehen müßten CDU/CSU und die SPD vollständig verschwinden, also vollständig zerstört werden. Evtl. noch die Mövenpick-Partei (FDP), die auch ein korruptes Übel darstellt.

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7 Monate zuvor

[…] Cet article a été publié pour la première fois dans le «Hanf Journal» le 16 janvier 2021. […]

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7 Monate zuvor

[…] Tento článek se poprvé objevil v „Hanf Journal“ 16. ledna 2021. […]