Dienstag, 10. November 2020

Biden und Harris – die Hoffnungsträger der Cannabis-Community?

USA: Nach der Abwahl von Donald Trump steigen die Chancen für eine Cannabis-Freigabe und die Aktien der Marihuana-Produzenten

Cannabis

 

 

Ein Kommentar von Sadhu van Hemp

 

 

Auch wenn es nicht jedem gefällt, aber die USA spielen nach wie vor die erste Geige unter den Großmächten. Diese Rangordnung ist unverrückbar – und wer aufbegehrt, läuft Gefahr, dass der US-Präsident seinen „Atomkoffer“ öffnet und den roten Knopf drückt. Die Welt tanzt nach US-amerikanischer Pfeife, selbst wenn die Töne noch so schräg sind. Bestes Beispiel ist die Cannabis-Prohibition, die Harry J. Anslinger in den 1930er-Jahren erfand und als Mitglied der Drogenkommission der Vereinten Nationen in den 1960er-Jahren der Welt überstülpte.

 

Doch nichts auf Erden dauert ewiglich. 2012 machte Colorado als erster Bundesstaat mit den Kiffern seinen Frieden – ungeachtet der Bundesgesetzgebung, die bis heute am Cannabis-Verbot festhält. Nachdem sich in den Folgejahren etliche andere Bundesstaaten locker machten und Cannabis als Medizin und/oder Genussmittel zuließen, war die Hoffnung groß, dass sich auch auf Bundesebene die Vernunft durchsetzen würde. Doch mit dem Wahlsieg der Republikaner 2016 trat ein Stillstand ein. Die Gefängnisse füllten sich weiter mit Hanfverbrechern und die Opiodkrise wurde zum Dauerzustand mit exponentiellem Wachstum. Die Trump-Regierung schaltete auf stur und führte die repressive  Drogenpolitik wider besseren Wissens fort.

 

Doch nun werden die Karten neu gemischt. Die Republikaner haben die Wahl verloren und Donald Trump ist nach nur einer Legislaturperiode bereits wieder Geschichte. Und das ist auch gut so – auch für die Bemühungen, auf Bundesebene einen eleganten Weg aus der Cannabis-Prohibition zu finden. Zwar ist der kommende US-Präsident Joe Biden alles andere als ein ausgewiesener Freund der Hanfkultur, aber die Zeichen der Zeit wird auch der 77-jährige Ex-Vizepräsident unter Barack Obama nicht übersehen können. Das Thema „Cannabis-Legalisierung“ ist heiß, und das Biden-Team muss eine Antwort darauf finden, dass nun auch in vier weiteren Bundesstaaten bei den Präsidentschaftswahlen per Volksentscheid für die Freigabe von Cannabis zu Genusszwecken gestimmt wurde.

 

Die Erwartungen an die Regierung Biden-Harris sind hoch – und das nicht nur bei den Anhängern der Demokratischen Partei, sondern bei allen Bürgern, die ihre Finger nicht vom Hanf lassen können. Ob Kiffer, Homegrower, Großproduzent oder Börsenmakler – alle wittern Morgenluft und freuen sich auf einen entspannten Umgang mit der ältesten Kulturpflanze der Welt.

Insbesondere klingen die Worte der künftigen Vizepräsidentin Kamala Harris (56) nach, die im Wahlkampf entgegen ihrer eigenen Überzeugung ankündigte, den „Marihuana-Konsum entkriminalisieren zu wollen.“

 

Kein Wunder also, dass der Aktienmarkt nach der Bekanntgabe des Wahlsiegers kräftig in Bewegung kam. Die Kurse der großen börsennotierten Cannabis-Unternehmen steigen wieder – vergessen sind die letzten Monate, in denen die Wertpapiere zu Niedrigpreisen gehandelt wurden. Die Aurora-Aktie beispielsweise verzeichnete an nur einem Tag eine Wertsteigerung von bis zu 80 Prozent. Ob diese Euphorie anhält oder der Kurs nach kurzfristigen Gewinnmitnahmen wieder fällt, lässt sich nur schwer abschätzen.

 

Doch eines steht fest: Die Cannabis-Politik der Demokraten wird sich – so weit es geht – nach den Bedürfnissen des Kapitalmarktes orientieren und dabei auch den Konsumenten ein gehöriges Stück Freiheit bringen. Ein Stillstand in der Drogenpolitik wie unter Trump wird es in Bidens Amtszeit nicht geben.

 

So schön die Aussichten in Nordamerika auch sind, auf Deutschland wird die Anti-Prohibitions-Politik auf absehbare Zeit keine Auswirkungen haben. Die Deutschen haben es sich in den letzten fünfzig Jahren gemütlich gemacht im War on Drugs. Ganze Berufsgruppen vom Polizisten bis zum Seelenklempner leben vom einträglichen Geschäft der Kifferjagd. Selbst wenn es die Biden-Harris-Administration in den nächsten vier Jahren hinbekommt, die Cannabis-Konsumenten zu entkriminalisieren und über kontrollierte Abgabestellen zu versorgen, die deutsche Politik wird erst dann kapitulieren, wenn es wahltaktisch klug ist. Zudem ist in hiesigen Gefilden weit und breit keine Partei in Sicht, die über die Macht, den Mumm und den Willen verfügt, über lang dem Vorbild der transatlantischen Bündnispartner USA und Kanada zu folgen. Eher das Gegenteil steht zu befürchten, wenn die Sehnsucht der Deutschen nach einem autoritären Staat weiter wächst.

 

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Klaus
Klaus
10 Monate zuvor

…aber sehr skeptisch, heute. Liegt das am Wetter?

Otto Normal
Otto Normal
10 Monate zuvor

Solange es Drogenbeauftragte wie Dyckmanns, Mortler oder Ludwig gibt wird das in D nix, da kann die ganze Welt legalisieren.

„Wenn Freunde neu tapezieren, müssen die anderen nicht auch renovieren“
(Erich Honnecker)

Krake
Krake
10 Monate zuvor

…ist doch jetzt schon lange Zeit genau so!!! in Deutschland!!! Die Sehnsucht der meisten Deutschen, Entschuldigung – Schmierlappen geht doch schon die ltz. Jahre genau in diese Richtung!! Schmierlappen – elende!!!

DIE HANFINITIATIVE
10 Monate zuvor

Ich hab mal meine Katze gefragt. Sie meinte: an den Taten werden wir es sehen. Obama hat ja den „Monsanto-Protection-Act“ unterzeichnet. Für mich eine der größten Sauereien seiner Amtszeit. Inwieweit das „System Prohibition“ Biden und Harris die „Beinfreiheit“ lässt, meine Katze konnte mir das auch nicht genau sagen, obwohl sie ansonsten sehr schlau ist – aber wenn es um die Zukunft geht, ist die sehr vorsichtig mit ihren Prognosen. 😀 In Deutschland wird man genau hingucken, denn die deutsche Politik ist „Prohibitionspolitik“, wegen der wahnsinnigen Geldwäschegewinne (siehe Wirecard, Cum-Ex, FinCEN-Files, Panama-Papers, Offshore-Leaks, …, usw.) und braucht die „Geldwäsche“. Auch die Drogentransporte aus Afghanistan durch das Militär (Nachrichtendienste) darf man nicht vergessen – siehe Cathrin Austin Fitts. Wenn die OK es… Weiterlesen »

Hermes
Hermes
10 Monate zuvor

Leben hat die Erde nicht durch Kampf übernommen, sondern durch Netzwerken.
Gaia zeigt uns wie es geht ,
wer nicht mitmacht
den bestraft das Leben .
ONE loVe
SunEarth and Moon

DIE HANFINITIATIVE
10 Monate zuvor

{Vorsicht gelegentlich Ironie!} NEUSPRECH-PROPAGANDA? – Faktencheck bitte 🙂 🙂 🙂 1984²? Die „Welt“ hetzt schon seit längerem gegen FfF und andere „Bewegungen“. WARUM? https://www.welt.de/politik/ausland/article219788584/Macron-fuer-Schengen-Reform-Kurz-fordert-striktes-Vorgehen-gegen-Gefaehrder.html Terrorismus – eine schreckliche Geisel – kann er auch missbraucht werden, um die Furcht im eigenen Volk zu schüren, zu lenken und gewisse „Interessen“ (wirtschaftlicher und machpolitischer Art) zu fördern oder zu „schützen“ – von beiden Seiten? Schrecklicher Gedanke 🙁 Ein „Perpetuum Mobile“ der „Prohibitionspolitik“? Gegenseitig? ### Ausland Anti-Terror-Kampf „Um unsere Freiheit zu schützen, müssen wir die +++ Freiheit dieser Menschen einschränken +++“ Stand: 17:48 Uhr | Lesedauer: 3 Minuten „Angela Merkel, Emmanuel Macron und Sebastian Kurz wollen nach den jüngsten Anschlägen gemeinsam gegen islamistischen Terror vorgehen. Zentrale Themen sind der Schutz der europäischen Außengrenzen und… Weiterlesen »

gein
gein
10 Monate zuvor

@Hanfinitiative die wollen ja auch allen Providern Zweitschlüssel aufzwängen für den Staat, alles nur wegen Terror (mMn ist BILD Zeitung das drängenste Problem um das sich mal gekümmert werden sollte -da könnte man ma was sinnvolles auf’n Weg bringen in Sachen Gesetze).
Momentan drückt die Regierung eh richtig auf’s Gas, Staatstrojaner für alle Geheimdienste (jut jemacht Seehofer), Uploadfilter ab kommenden Monat meine, die boxen grad so auf den Bürger ein wie lange nicht mehr. Und unsere Gerichte machen ALLES mit.. Katastrophe

Rainer
Rainer
10 Monate zuvor

Wenn es nicht gerade Corona ist,bleiben noch Biden loben und Putin oder noch Resttrump verunglimpfen.Mehr Themen haben die nicht mehr für uns.Die Erfolge in Amerika mit der Teillegalisierung will niemand,auch nicht die Bildzeitung veröffentlichen.Wo wir doch alle gerade so stark gefährdet sind,und uns auf nichts anderes mehr besinnen dürfen, als auf unser aller Schutz und Gefahrenabwehr.Da bleibt kein Platz mehr für Cannabis.Aber Gärtner können noch hopsgenommen werden.Natürlich nur mit Maske.

DIE HANFINITIATIVE
10 Monate zuvor

Lieber @Gein, das ist das „Ambivalente“. Also es ist wie mit den Eltern. Wenn man gute Eltern hat und nicht in Armut leben muß, hat man ganz andere Vorraussetzungen als wenn man sozial im „Abseits“ lebt, leben muß, gestellt wird. Unsere Politiker und Politikerinnen haben eben auch das ganze Spektrum. Sie können tolle Menschen sein, charismatisch und menschlich, aber eben (und/oder gleichzeitig) auch gierig, selbstsüchtig, ideologisch und nicht auf Fakten und „gesundem Menschenverstand“ beruhend agieren. Auch wenn sie anders daherreden. Das ist oft nur „Neusprech“ und Public Relations. Werbeleute wissen das. Allerdings sind sie Profis darin, wenn es so ist, dieses zu verschleiern. Willige JounalistInnen springen ihnen manchmal 😉 zur Seite, wenn sie deckungsgleiche Interessen haben oder ideologisch gleich verortet… Weiterlesen »

gein
gein
10 Monate zuvor

@Hanfinitiative mMn müsste die gesamte Weltbevölkerung wie ‚Menschen im Abseits‘ leben damit Ökonomie und Ökologie wieder gleichwertig sind.

Klaus
Klaus
10 Monate zuvor

Liebe Hanffreunde, auf Biden und Harris will ich lieber nicht hoffen, weil das ganze System „Land of the free“ extrem aggressiv aufgeladen mit sich selbst beschäftigt ist. Zum Bedauern meiner vielen Freunde, Verwandten und Bekannten. Ich kann nur hoffen, daß die Hänflinge drüben zur Beruhigung der Gemüter beitragen. Frankreich und Deutschland scheinen weiterhin einen rigorosen Drogen- und Terrorkrieg im Schengen Raum vorzubereiten. Den „Kurzen“ hab ich janz vergessen. Und wie die Entscheidung der EU über die Novel Food Auslegung CBD betreffend ausfällt, wird sich zeigen. Corona und Mutter Natur bestimmen im trüben November den Takt der Zeit. Chillen, Backen (lecker Rezepte) und Slowmotion ist angesagt und wir sollten uns zuhause zusammenkuscheln um die Strategie bis zu den Wahlen nächsten Herbst… Weiterlesen »

Ralf
Ralf
10 Monate zuvor

@DIE HANFINITIATIVE
„Unsere Politiker und Politikerinnen haben eben auch das ganze Spektrum. Sie können tolle Menschen sein, charismatisch und menschlich, aber eben (und/oder gleichzeitig) auch gierig, selbstsüchtig,…..“
Das ist ein Widerspruch in sich und total inkosequent gedacht, denn entweder bin ich charismatisch,menschlich oder ich bin gierig,selbstsüchtig. Beides „gleichzeitig“ geht nicht.
@Klaus
Wieso pessimistisch? Ich finde den Artikel viel zu optimistisch, denn wie schnell diese Leute die Uhren und damit den Zeitgeist, zurück drehen können, sieht man am Coronafake. Einstweilen kann man noch gar nichts voraussagen. Und weil wir das beide so unterschiedlich sehen muß der Artikel wohl ausgewogen sein.

trackback
8 Monate zuvor

[…] ist auch der Wahlsieg von Joe Biden, der Mitte Januar als neuer US-Präsident vereidigt wird. Im Wahlkampf hatte der Demokrat eine Marihuana-Legalisierung in Aussicht gestellt, und die Chancen stehen gut, dass er dieses Versprechen auch hält. Das neu zusammengesetzte […]