Sonntag, 4. August 2019

Deutsche Geschichte – Die „Sturmabteilung“ im Lichte einer wissenschaftlichen Gesamtdarstellung

Eine gute, solide wissenschaftliche Untersuchung, aber nicht das vom Verlag angekündigte Standardwerk


Der Siedler Verlag kündigt Daniel Siemens Werk „Die Sturmabteilung – Die Geschichte der SA“ als das (große) Standardwerk über die Geschichte der SA an. Nun ist es nicht selten eine Eigenschaft von Verlagsankündigungen, eher etwas zu viel als zu wenig zu versprechen. Das hat selbstverständlich mit dem Absatz zu tun: je besser, umfangreicher, detaillierter usw. ein Werk angekündigt wird, desto höher dürfte der zu erwartende Umsatz ausfallen. Doch dadurch werden auch Lese-Erwartungen geweckt, die nicht immer eingehalten werden und somit enttäuschte Leser*innen zurücklassen. 

Eins vorweg: Siemens Buch über die Sturmabteilung des nationalsozialistischen Deutschlands ist durchweg keine Enttäuschung. Es handelt sich um ein gutes, solides und fundiert recherchiertes Buch über eine Organisation des 3. Reichs, die einen nicht unmaßgeblichen Anteil an Hitlers Machtergreifung beitrug und die schwere Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hat. Ob es sich bei der „Sturmabteilung“ tatsächlich um ein Standardwerk handelt, darf an dieser Stelle bezweifelt werden und wird sich erst noch erweisen müssen.

Zum Inhalt: Das Buch „Die Sturmabteilung – Die Geschichte der SA“ erhebt den nicht unbescheidenen Anspruch, die erste umfassende historische Darstellung der Sturmabteilung (SA) zu sein. Daniel Siemens ist dabei sicherlich einer der renommiertesten deutschen Historiker der jüngeren Generation und insofern besitzt er durchaus die Voraussetzungen, dieses Desiderat einzulösen. Siemens beschreibt detailliert den Aufstieg der Ordnertruppe, die für die Hitlerbewegung den Straßenkampf gegen die politischen Feinde ausfocht. Bis zu Beginn der frühen Dreißigerjahren verwandelte sich die Sturmabteilung dann von einer „Schlägertruppe“ zum entscheidenden Faktor bei der Machteroberung der Nationalsozialisten. In seinem Standardwerk zeigt Daniel Siemens außerdem, wie sogar nach den Säuberungen beim „Röhm-Putsch“ 1934 die SA eine überraschend aktive Rolle in der nationalsozialistischen Eroberungs- und Vernichtungspolitik und dem Holocaust spielte.

Kritisch anzumerken bleibt, dass mindestens 50 % des Buchs bereits (bestens) aus anderen Abhandlungen über die Sturmabteilung bekannt sind. Die Geschichte der Sturmabteilung bis zum Röhm-Putsch taucht beinahe in jeder Gesamtdarstellung über das 3. Reich auf und war bereits Gegenstand zahlreicher Spezialstudien. Auch das Fernsehen hat zu diesem Thema mit zahlreichen Dokumentationen aufgewartet. 

Erst ab dem III. Teil (S. 255-446) beginnt daher meines Erachtens der innovative Teil der Studie. Siemens zeigt hier auf, wie sich die Sturmabteilung in den Jahren bis zu Kriegsbeginn und danach bis Kriegsende entwickelt. Dabei steht der Autor vor der forschungsimmanenten Problematik einer logisch-stringenten Gliederung, denn die Sturmabteilung als Organisation gab es zwar in diesen Jahren weiterhin, aber es scheint schwer, daraus ein allgemeingültiges Narrativ zu formulieren. So ist es offensichtlich unumgänglich, die Biografie ehemaliger SA-Schergen zu verfolgen, wobei diese inzwischen andere Funktionen in anderen Organisationen wahrnahmen. Anders formuliert: Da die Sturmabteilung als Organisation im deutschen Weltkriegsparadigma keine entscheidende Rolle mehr spielt, ist es notwendig, das Aufgehen der ehemaligen SA-Protagonisten in anderen Organisationen wie Wehrmacht, Luftwaffe oder dem diplomatischen Dienst zu beschreiben. Das ist unabdingbar, gehört aber streng genommen nicht mehr zur Organisationsgeschichte der Sturmabteilung. Last but not least: Der Autor verweist selbst einige Male darauf, dass die Geschichte der Sturmabteilung im 2. Weltkrieg noch nicht ausreichend erforscht ist und erst das Erscheinen von diesbezüglichen Spezialforschungen abgewartet werden müsse, um hier ein (vorläufig) abschließendes Urteil zu formulieren. Vielleicht ist nach Inkorporierung dieser Studien die Formulierung eines veritablen Standardwerks möglich. 

Als Fazit bleibt, dass Siemens „Sturmabteilung“ eine gute historische Studie über einen wichtigen Teilbereich des 3. Reichs darstellt, die zudem wichtige innovative Ansätze enthält, welche sicherlich die Forschungslandschaft vorantreiben werden. Die lesefreundliche Sprache ermöglicht zudem dem Laien ein informatives und durchaus spannendes Lesevergnügen. 

Christian Rausch

6 Antworten auf „Deutsche Geschichte – Die „Sturmabteilung“ im Lichte einer wissenschaftlichen Gesamtdarstellung

  1. tola

    ich bin ein grosser freund der geschichtswissenschaften.aber was hat das mit hanf/cannabis zu tuen?

  2. Dennis

    Selbst als studierter Historiker will ich sowas nicht auf einer Seite lesen, die sich HANFjournal nennt. Genauso wenig interessieren mich manch andere linke, politisch manipulierende Texte, die hier hin und wieder verbreitet werden. Bleibt bei eurem Kerngeschäft/thema.

  3. Georg Elser

    @tola
    @Dennis

    Wie wäre es denn mit einer Bürgerlichen §-SA . Eine „Sturmtruppe“ die gewisse Bürgerrechte nicht nur verteidigt sondern , Expandiert , z.b. direkt in den Deutschen Verfassungsschutz oder zum Abzockenden Amtsgericht Görlitz oder nach Peking ,Dubai ,Moskau ,Iran etc . ?

    Nur ein paar hundert Kilometer von der BRD Grenze . werden, besonders ,Kritische Cannabis Kommentatoren , einfach mal weggesperrt und eingeschläfert und nicht nur mit Hilfe Amtlich betreuter Nachbarn ,z.b. täglich unsanft geweckt .

    Angriff und Konfrontation ist nötig um Bürgerrechte , gegen den Turbokapitalismus , zu verteidigen !
    Widerstandsrecht !

    Hanf Hail !

  4. Georg Elser

    @tola
    @Dennis

    Wie wäre es denn mit einer Bürgerlichen §-SA . Eine “Sturmtruppe” die gewisse Bürgerrechte nicht nur verteidigt sondern , Expandiert , z.b. direkt in den Deutschen Verfassungsschutz oder zur Abzocker Staatsanwaltschaft Görlitz (alias Sachsensumpf) oder nach Peking ,Dubai ,Moskau ,Iran etc . ?

    Nur ein paar hundert Kilometer von der BRD Grenze , werden besonders ,Kritische Cannabis Kommentatoren , einfach mal weggesperrt und eingeschläfert und nicht nur mit Hilfe Amtlich betreuter Nachbarn ,z.b. täglich unsanft geweckt .

    Angriff und Konfrontation ist nötig um Bürgerrechte , gegen den Turbokapitalismus , zu verteidigen !
    Widerstandsrecht !

    Hanf Heil !

    http://blog.justizfreund.de/systematisches-staatliches-abzocken-durch-strafbefehle-schon-wieder-die-staatsanwaltschaft-goerlitz-schon-wieder-das-amtsgericht-weisswasser-20-01-2014/

  5. Rainer Sikora

    Die Strafverfolgung von anders Denkenden und Handelnden, schlägt eine Brücke zu damals.Menschen werden aussortiert, auch im Straßenvekehr,

  6. Ralf

    @Dennis
    „Selbst als studierter Historiker will ich sowas nicht auf einer Seite lesen,……..“
    Hat nix zu sagen, Helmut Kohl war auch studierter Historiker und eine Flachpfeife die es sein Leben lang nicht auf die Reihe bekommen hat, auch nur eine Fremdsprache zu lernen, seine Doktorarbeit abgeschrieben und von Geschichte und auch sonst nicht viel Ahnung gehabt hat.
    „Genauso wenig interessieren mich manch andere linke, politisch manipulierende Texte“,…… aber rechte politisch manipulierte Texte wahrscheinlich schon!
    An den Autor: Informationen über die Nazis sind immer wertvoll und dürfen ÜBERALL verbreitet werden, da es in der Bevölkerung auf allen Ebenen eklatante Informationsdefizite gibt und das Thema auch historisch mit dem Verbot von Cannabis durch die Ami-Nazis(z.B.Anslinger) mit dem Hanf stark verbunden ist. Vollkommen korrekter Artikel!

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