Donnerstag, 25. Juli 2019

Fehldiagnose Schizophrenie bei ADHS und Cannabiskonsum

Von Dr. med. Franjo Grotenhermen


Es ist in der Wissenschaft weitgehend unbestritten, dass Cannabiskonsum den Ausbruch einer schizophrenen Psychose beschleunigen kann. Wahrscheinlich kann Cannabis das Risiko für den Ausbruch von Psychosen erhöhen. Abschließende Sicherheit ist hier schwer zu gewinnen. Aber Vorsicht ist angezeigt, sodass diese Möglichkeit insbesondere im Zusammenhang mit jugendlichem Cannabiskonsum ernst genommen werden muss. Das ist die eine Seite.

Hier die andere Seite aus meiner ärztlichen Praxis. Ich habe bereits mehrfach Patienten behandelt, denen im Zusammenhang mit einem Cannabiskonsum fälschlicherweise das Vorliegen einer Schizophrenie zugeschrieben wurde. Solche Fehldiagnosen können für die Betroffenen verheerend sein. Dabei hätten die Fälle, die ich in meiner Praxis gesehen habe, durch ein vorurteilsfreies Herangehen und eine sorgfältige Anamnese vermieden werden können. Es wäre dazu notwendig gewesen zu akzeptieren, dass Cannabis bei einigen psychiatrischen Erkrankungen, die mit impulsiven Ausbrüchen einhergehen, auch hilfreich sein kann. Nicht muss, aber kann.

In einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 19. Mai 2010 mit dem Titel „Der verirrte Blick in die Seele“ heißt es: „Kaum ein Fach ist so anfällig für Fehldiagnosen wie die Psychiatrie – Ärzte und Psychologen brauchen eine kritischere Selbstkontrolle. Margret O. wusste, dass sie psychisch krank war. Schließlich ist sie selbst Psychiaterin. Dutzende manische Patienten hatte die Ärztin schon behandelt. Doch als sie selbst während einer manischen Episode in eine Klinik ging, änderte sich ihr Blick auf den eigenen Beruf drastisch. „Es war ein Schlüsselerlebnis, wie die Ärzte reagierten, als ich mich weigerte, ein Medikament einzunehmen“, erinnert sie sich. Wenn sie das Mittel nicht freiwillig nehmen würde, würden Pfleger sie auf ein Bett schnallen und ihr die Tabletten herunterzwingen. „Bis zu dieser Drohung hatte ich mich einigermaßen im Griff, aber da bin ich in Wut geraten“, erinnert sich Margret O. Gewalt gehört auch heute noch zu den Druckmitteln der Psychiatrie. Patienten mit Depressionen, Panikattacken oder Schizophrenie kommen nicht immer freiwillig in eine Klinik, viele werden auf Druck der Familie oder von der Polizei eingeliefert.“

Kürzlich stellte sich ein Patient bei mir vor, der im Krankenhaus die Diagnose „paranoide Schizophrenie“ erhalten hatte. Er berichtete mir, dass bereits in der Kindheit eine ADHS, also eine Störung von Konzentration, Aktivität und Impulsivität diagnostiziert worden sei. Diese Diagnose sei im Erwachsenenalter bestätigt worden. Er war im Frühjahr erneut für einige Wochen in stationärer Behandlung gewesen. Im Arztbericht sind typische Symptome einer ADHS beschrieben, darunter wiederholte Gewaltausbrüche aufgrund einer Impulskontrollstörung, die zu Beschwerden durch Nachbarn mit anschließendem Polizeieinsätzen führten. Die Folge waren wiederholte Zwangseinweisungen in der Psychiatrie, in der jeweils eine „bekannte paranoide Schizophrenie“ bestätigt wurde. Gegen seinen Widerstand wurde er dann mit Neuroleptika behandelt. 

In dem Artikel aus der Süddeutschen Zeitung heißt es dazu: „Die meisten Patienten fügen sich den Ratschlägen der Ärzte und werden nach Tagen oder Wochen stabil entlassen. Wer sich nicht fügt, gerät leicht in einen Teufelskreis: Nervenärzte sind oft dermaßen von der Richtigkeit ihrer Diagnose überzeugt, dass sie in der Gegenwehr eines Patienten einen Beweis für dessen Geisteskrankheit sehen.

Alles, was im ärztlichen Entlassungsbericht aus der Klinik als Anzeichen für eine Paranoia bzw. paranoide Schizophrenie geschrieben stand, war durchaus nachvollziehbar. Der Arztbericht aus der Klinik liefert mehr Informationen über die Vorurteile der dort tätigen Psychiater als über den Patienten. Dieser war freundlich zugewandt. Seine Gedankengänge waren geordnet und strukturiert. Er gab freimütig Auskunft und alles, was er berichtete, war nachvollziehbar, inklusive der Bedrohungen, die als paranoid eingestuft worden waren. Er berichtete, dass er immer, wenn er genug Cannabis hat, keine impulsiven Ausbrüche habe. Diese habe er nur, wenn er nicht ausreichend mit Cannabis versorgt sei. Das habe ich in den vergangenen Jahren von ADHS-Patienten mehr als 200 Mal gehört. Er gab weiter an, von Neuroleptika nicht zu profitieren, sodass er diese immer gleich nach dem Krankenhausaufenthalt absetze.

Im Artikel der Süddeutschen Zeitung heißt es weiter zu Fehldiagnosen in der Psychiatrie: „Das Problem: Meist haben die Ärzte recht. Aber eben nicht immer. Manchmal hat ein Patient allen Grund, sich zu wehren, weil die Diagnose falsch ist. „Fehldiagnosen sind in der Psychiatrie ein häufiges Phänomen“, sagt der Psychologe Hans-Ulrich Wittchen von der TU Dresden. „Sie dürften deutlich häufiger sein als in anderen Fächern. Während Chirurgen, Internisten und Hausärzte aber neuerdings Fehlermeldesysteme etablieren, fehlen solche Initiativen in der Psychiatrie. (…) Vorsichtige Seelenärzte stellen ihre erste Diagnose deshalb nur vorläufig. Erst die intensive Betreuung des Patienten schafft die Basis, um den ersten Verdacht zu bestätigen, abzuwandeln – oder fallen zu lassen.

Ich kenne viele gute und engagierte Psychiater. Cannabis triggert jedoch offenbar bei vielen Psychiaterin psychologische Stressreaktionen, mit denen sie bisher nicht adäquat umgehen können. Das fällt auf die Psychiatrie zurück.

9 Antworten auf „Fehldiagnose Schizophrenie bei ADHS und Cannabiskonsum

  1. Egal

    Bitte mal an das Verbundkrankenhaus Bernkastel-Wittlich weiterleiten. Dort sind Fehldiagnosen an der Tagesordnung. Mir tuen die ganzen Patienten leid, die dort behandelt werden. Vorsicht. Dort hat man keine Ahnung von dem was man macht.

  2. Krake

    @Egal, sach meinst du das In Wittlich?Die Koblenzerstr. hoch oben am Berg das Krankenhaus in Witlich.
    Da gibt es ja nur das eine. Da bin ich geboren, in Wittlich. Tut mir leid das die dort von dem was die taten keine Ahnung hatten.Aber das ist im Kreis Bernkastel- Wittlich glaube ich mal öfters an der Tagesordnung…

  3. Egal

    @Krake
    Ja, das in Wittlich oben den berg rauf und vorallem das in Bernkastel. Dort laufen einige Ärzte rum, die abgehoben sind. Die einem Vorträge über Tabletten halten, obwohl man davon starke Nebenwirkungen bekommt. Und genau dort wurde eine neue Psychiatrie gebaut. Klar, bei den Ärzten werden sie diese schnell füllen. Bei den Fehldiagnosen. Den Patienten hört da niemand zu. Und die Armen Menschen in der Anti-Schmerzabteilung tun mir richtig leid, denn da ist Kompetenz mangelware. Und wenn man dort hin geht, um Hilfe in bezug auf Cannabis zu bekommen, wird man innerhalb von paar minuten als Depressiev und nicht mehr zurechnungsfähig abgestempelt. Warscheinlich um zukünftig für Kundschaft in dem Neubau zu sorgen.

  4. Krake

    Es ist so asozial wie In Deutschland mit Cannispatienten umgegangen wird. schon lächerlich…
    Aber zu virl Lächerlichkeit endet schnell so daß man so ne beschissene Diagnode vom Fachbe
    rater in Weiß (Psycholge) bekommt wie es Herr Grotenhermen oben beschreibt. Boah ey, ich finde
    solche Lachfiguren wie dieses Dr. Thomasius so schrecklich. Gefährlicher Typ. Außerordentlich wiederlicher Mensch. So, ich muß mir nu mal n paar schöne Gedanken machen… Tschüs

  5. fips

    Was denn nun? Da steht:

    „Es ist in der Wissenschaft weitgehend unbestritten, dass Cannabiskonsum den Ausbruch einer schizophrenen Psychose beschleunigen kann.“

    Danach heißt es:

    „Wahrscheinlich kann Cannabis das Risiko für den Ausbruch von Psychosen erhöhen. Abschließende Sicherheit ist hier schwer zu gewinnen.“

    Erst ist es „unbestritten“ dass Cannabis Psychosen auslösen kann, und danach verlieren wir uns in Wahrscheinlichkeiten, um festzustellen:

    „Abschließende Sicherheit ist hier schwer zu gewinnen.“

    Also, sehr widersprüchlich …

    Meiner Meinung nach, sollte man äußerst vorsichtig mit solchen Behauptungen sein. Es ist durchaus möglich, dass Psychotiker zu Cannabis greifen um ihre Leiden zu verringern.

    Nicht immer gleich Cannabis die Schuld geben.

  6. Lotus

    Hi leute,
    also als Betroffener gehts mir viele viele Jahre schon ähnlich,
    ich bin mir sicher das man bei mir auch eine Fehldiagnose gestellt hat,
    ein Beispiel: beim Antrag auf Frührente,
    wurde mir klar das meine Ärztin scheinbar garkeine Ahnung bzw. keine genaue Diagnose gestellt hatte,
    da sie mich Ratlos fragte was sie denn der Renntenversicherung überhaupt schreiben soll,
    damit ich auch berentet werde…Hmm ok,
    ich war bis dahin bereits schon viele Jahre bei ihr in Behandlung,
    was hat sie nur in ihr Buch gekritzelt als ich ihr Stundenlang veruchte zu Erklären wie es mir geht…
    seit gut 10 Jahre nehme ich gezwungener maßen gegen meinen Willen Psychopharmaka,
    absetzen schier unmöglich,mit drastischen Nebenwirkungen,
    seit dem ist mein Leben gefangen im Teufelskreis,
    eigentlich hieß es damals in der Klinik,
    ich solle diese Tabletten höchstens nur einen Monat einehmen,
    dann wäre alles wieder gut,
    als ich fragte nach der abhängigkeit ,
    da ich bereits davon gehört hatte,
    wurde mir ein Übergangsmedikament versprochen mit dem ich Problemlos diese Pillen absetzten könnte,nur so kurz,der Arzt arbeitet heute nichtmehr in diesem
    Bereich und bis zum heutigen Tag hat mir niemand diese Absetzmedikamte verschrieben,
    falls es die überhaupt gibt,
    und jeder Erfolg denn ich Ärzten berichte von Cannabis als Medizin,
    endet im Vorwurf,das dies ja die Ursache sein soll ,für eine Krankheit die noch nicht einmal genau Diagnostiziert ist,
    zu dem wirken die Medikamente wenn überhaupt nur bedingt oder ich nehme soviel das ich wie ein Zombie bin,
    Stress ,Krämpfe und Unruhe sowie alle vermeintlichen Negativ symptome der Krankheit wurden zum Teil verstärkt ,auf keinen Fall ist es in meiner Erfahrung dadruch besser geworden,
    das einzige was mir in dieser zeit von außen geholfen hat und immer noch hilft ist wie beim Patienten aus dem Bericht genug guten Hanf auf Lager zu haben,
    aber jetzt kommt der Witz bei der Sache,
    versuche dich doch bitte mal als betroffener Patient mit Hartz 4 ausreichend mit gutem Cannabis auf demn Schwarzmarkt zu versorgen…viel Spaß,
    die Folge ist das man das billigste vom billgisten kaufen muß um über die Runden zu kommen,
    und minderwertiges Cannabis ist weder Wirkungsvoll ,noch lecker,noch medizinisch nutzbar,
    teils sogar gefährlich oder gesundheits-schädigend ,
    man bedenke Streckmittel/Pestizide/künstliche Cannaboide etc. und co lassen grüßen,
    es sei denn man hat das Glück eine gute Quelle zu haben,
    die muß man aber erstmal finden,
    jedoch bleibt dann immer noch der Kostenfaktor,
    und jetzt kommt ein Punkt der häufig übersehen wird,
    die Staatliche Verfolgung,
    sprich man lebt ständig in Angst wieder belangt zu werden,
    ich bin mir sicher das ich sogar ein Trauma vor der Polzei habe,
    Psychisch die Hölle für Betroffene,
    ich brauche am Tag mindestens 3 g gutes Cannabis um mich wohl zu fühlen,
    der Erfolg ist auch deutlich belegbar,
    wenn das so ist,
    aber kein Arzt nimmt mich bisher ernst,
    man wird immer als verrückt abgestellt mit der Diagnose Psychische Erkrankung etc. ,
    bzw. glauben unserer allwissenden Ärzte das sie an Hand eines blickes die richtige Diagnose parat haben ohne auch nur ein bischen Analyse betrieben zu haben,
    ich fühle mich machtlos und ohmächtig,
    ich bin Krank und brauche eigentlich Hilfe,
    aber in Wahrheit bin ich verloren…
    wenn ich daran denke Cannabis als Medizin in Deutschland,
    dann heißt das für mich leider,
    Privatpatienten mit Kopfschmerzchen Pupsi-problemchen bekommen 8 g pro Tag verschrieben,
    aber bei mir heißts stur : „du nicht!!!“
    dabei kämpfen ich und viele andere jeden Tag mit ihrer Krankheit,
    danke Deutlschand für dein hohes maß an Ethik …
    btw. das geschäft der Pharma und kliniken blüht dadruch regelrecht auf,
    solange es Leuten wie mir schlecht geht,
    verdienen die sich ne goldene Nase,
    deswegen heilt man uns vermutlich auch nicht oder nur selten…
    eins noch zum Schluß,
    ist es ok wenn meine Psychologin mir stark wirksame Psychopharmaka verschreibt,
    ohne mit der Wimper zu zucken,
    ohne die richtige Diagnose zu kennen etc,
    mit deutlichen Hinweisen darauf das die Pillen scheinbar nicht wirklich helfen,
    aber beim Thema Cannabis glaubt das große Übel zu erkennnen…wow,
    mir fehlen die intelligenten sozialen verständnissvollen und starken Menschen 🙁

    Peacezeichengruß

  7. Lotus

    Zitat:
    Privatpatienten mit Kopfschmerzchen Pupsi-problemchen bekommen 8 g pro Tag verschrieben

    bitte nicht falsch verstehen ich bin froh über jeden der das Glück hat sich in Deutschland mit Cannabis behandeln lassen zu können,selbst wenn es sich dabei um kleinere krankheiten handelt,
    egal ob Privat oder Kassenpatient,
    ich bin nur sauer über meine eigene Lage und fühle mich ungerecht behandelt…

  8. Jo

    @Lotus, ich kann das sehr gut nachvollziehen. Auch ich habe von solchen Ärzten Medikamente dieser Art bekommen und von einem hätte ich mich fast umgebracht.
    Mit diesem Medikament Aufhören konnte ich nur durch tägliche hohe eigen Cannabismedikation. (Automatik)

    Ohne hätte ich diesen Entzug nicht machen können.

    Die Ärzte sagen zwar: Ich höre Ihnen zu und ich glaube Ihnen… usw. aber im endeffekt wird sonstwas ins Büchlein geschrieben.
    Sobald man auch nur Cannabis anspricht kommen alle Probleme angeblich dadurch, auch wenn schwarz auf weiß mehrere schwere Krankheiten diagnostiziert sind. Und das Ende vom Lied ist, das man nachher noch schwarz auf weiß bekommt, dass man keine Indikation sieht um Cannabis zu verschreiben. Außerdem hat man dann Depressionen und Persönlichkeitsstörungen.
    Diese Ärzte geben dann auch genau das weiter an alle anderen Ärzte und nemen einem dadurch zukünftige Möglichkeiten auf Cannabis, mit diesem einen Satz.
    Diese Ärzte können nicht mit Menschen umgehen und mir tut jeder Patient leid der mit Ihnen zu tun hat!
    Grüsse nach BKS, dort geht man besser nicht hin, dort bekommt man keine Hilfe.
    Nur mehr Probleme.

    Also was bleibt? Weiterhin verstecken, angst vor der Polizei und hoffen, das man den nächsten Tag wieder Medizin bekommt und nicht erwischt wird.
    Was eine Scheiße!
    Wir sind Menschen und wollen nur weitestgehend Schmerzfrei Leben.
    Dafür brauch ich keinen Vortrag über Tabletten.

    Ich werde keine Pharmamedizin mehr nehmen, denn ich möchte noch länger Leben!
    Klingt das nach Depression?

    Gebt den Hanf frei! Es geht um Menschen.

  9. Lotus

    @jo
    danke für deine Antwort und dein Verständnis,
    kann man wortlos so stehen lasse,
    wie sagt man so schön… die Hoffnung stirbt zuletzt,
    Zitat Hans Söllner: „wir dürfen uns nicht untergriegen lassen“ ;D

    Gruß Lotus

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.