Samstag, 11. August 2018

Der kleine Unterschied in Legalisierungsfragen

 

 

Hier und da ist irgendwie anders.

 

 

 

Im letzten Monat gab es mehrfach Diskussionen und Äußerungen über die schon lange geforderte Cannabisfreigabe in Deutschland. Experten äußerten sich im Bundestag zur Debatte, Ämter innhabende Fachärzte sprachen zum Weltdrogentag ihre Sichtweise der Dinge öffentlich aus. Das Ziel jeder Person in der stattfindenden Wahrheitsfindung scheint dabei das Gleiche, während die Wege dorthin unterschiedlicher nicht sein können. Jugendschutz, Konsumentenschutz, die Eindämmung des Schwarzmarkthandels und eine funktionierende Prävention werden von allen Teilnehmern der Hanfdebatte sehr ernst genommen und stehen meist an erster Stelle, weshalb eine spezielle Strategie zwecks des Erreichens dieser Aspekte angewandt gehört.

 

Amüsant wird das Für und Wider dann nur in den Augen aufmerksamer Beobachter, wenn die Argumente durch greifbare Beweise ad absurdum geführt werden und von gleicher Stelle anderswo als widerlegt anerkannt werden. So erscheint es hierzulande doch etwas fragwürdig, wenn eine deutsche Bundesärztekammer gegen die Legalisierung mobilmacht, während im US-Bundesstaat New York zeitgleich das gesamte Gesundheitsamt für einen regulierten Handel mit Hanf genügend gute Gründe finden kann. Wie können sogenannte Altexperten wie Doktor Rainer Thomasius von der Verfolgungsstrategie vollkommen überzeugt bleiben und diese verteidigen, wenn selbst die Statistiken der Polizei beweisen, dass trotz einer auf Hochtouren laufenden Kifferjagd der Konsum unter Minderjährigen nicht am weiteren Steigen gehindert werden kann? Warum trauen sich Politiker aus verbohrten konservativen Kreisen noch ihr Unwissen über global stattfindende Wandlungen zu präsentieren und sich dabei auch noch auf der rechten Seite zu sehen?

 

Alle Bemühungen den Konsum von Cannabis durch Machtmissbrauch einzudämmen sind in den vergangenen neunzig Jahren gescheitert und haben nur für mehr Elend und Trauer gesorgt. Will man dem Schwarzmarkthandel einen Riegel vorschieben und Heranwachsende vor den möglichen Auswirkungen eines zu frühen Konsums schützen, bleibt nach neusten Erkenntnissen – wie zum Beispiel aus dem im Oktober komplett Marihuana legalisierenden Kanada – kein anderer Weg, als einen geregelten Handel und strenge Jugendschutzbestimmungen aufzubauen. Nur so werden die Befürworter und Gegner der Hanflegalisierung die zwingend benötigten Veränderungen im Drogenkrieg heraufbeschwören können und anschließend gemeinsam über die eintretenden positiven Aspekte staunen, die sie aktuell noch jeweils von der anderen Position aus fordern.

 

„Zusammen denken statt entgegenlenken“ wird jedoch glücklicherweise mittlerweile in Übersee schon in Teilen vorgelebt, weshalb ein Ende der Prohibition von Cannabis auch in unseren Gefilden langsam unausweichlich scheint. Den Lügen werden endlich die Grundlagen entzogen.

 

Eure Redaktion

6 Antworten auf „Der kleine Unterschied in Legalisierungsfragen

  1. Fred

    //kein anderer Weg, als einen geregelten Handel und strenge Jugendschutzbestimmungen aufzubauen. //

    Absolut richtig. Beim Zigarettenkonsum klappt das ja auch. Die Anzahl jugendlicher Raucher geht deutlich zurück. Seit Jahren.
    Und zwar in einem legalen Markt, eben mit gutem Jugendschutz und entsprechender Aufklärung.
    Man hat ein funktionierendes Beispiel.Warum das beim Hanf nicht funktionieren sollte, ist mir schleierhaft.

  2. Fred

    Aber zumindest wird inzwischen diskutiert. Und wenn man fein hinhört, auch nicht mehr so verbissen wie in den letzten Jahren. Hier eine Aufzeichung aus der Zentrale des Widerstands, mit CSUler aus der zweiten Reihe. ( Für ihn gilt das natürlich nicht mit dem “ nicht mehr so verbissen „. Ist doch klar.

    https://youtu.be/Q-9V4PoKHM0

  3. gjd

    Wenn ich richtig verstanden habe, gelang in Uruguay die Legalisierung mitunter weil die Bewegung eine neue sprachregelung gefunden hatte für bisher aussenstehende, um klarzustellen das es um präzise geregelten zugang zu geht nicht um Zugang für alle.

  4. Otto Normal

    Guter Artikel der 2 kritische Fragen aufwirft – die aber recht einfach beantwortet werden können.

    „Wie können sogenannte Altexperten wie Doktor Rainer Thomasius von der Verfolgungsstrategie vollkommen überzeugt bleiben und diese verteidigen, wenn selbst die Statistiken der Polizei beweisen, dass trotz einer auf Hochtouren laufenden Kifferjagd der Konsum unter Minderjährigen nicht am weiteren Steigen gehindert werden kann?“

    Die am leichtesten zu beantwortende Frage:

    Weil er – wie der Blutegel vom Blut seines Opfers – von den Opfern der Prohibition lebt und an der Prohibition bestens verdient. Er ist eigentlich an der ganzen Szene der schlimmste Menschentyp. Wesen wie Marlene Mortler glauben wenigstens fest daran das sie etwa Gutes tun, auch wenn sie einer Selbsttäuschung gepaart mit einem völlig irrsinnigen Fanatismus erlegen sind, aber Kreaturen wie Thomasius wissen ganz genau was sie tun. Die können sich nicht hinter einem krankhaften Wahn verstecken wie Mortler und damit argumentieren: „Entschuldigung ich bin nunmal nur eine einfältige Hopfenbäuerin die – wenn überhaupt – nur eindimensional denken kann, komme aus einem gesellschaftlich unterentwickeltem und rückständigen Bundesland in dem in jeder Amtsstube ein Kruzifix mit einem darauf festgenagelten und zu Tode gemarterten Messias hängt und habe an den Wahnwitz einer drogenfreien Gesellschaft genauso geglaubt wie an den lieben Gott und den Osterhasen.“ Typen wie Thomasius sind eindeutig die Schlimmsten. Kriegsgewinnler, aalglatt und somit sehr schwer zu packen.

    „Warum trauen sich Politiker aus verbohrten konservativen Kreisen noch ihr Unwissen über global stattfindende Wandlungen zu präsentieren und sich dabei auch noch auf der rechten Seite zu sehen?“

    Weil das gar nicht schlimm ist denn jeder weiß mittlerweile wie dämlich und verlogen Politiker sind und sie damit auch Erfolg haben, denn es wird jedesmal der gleiche korrupte Klüngel erneut zur Macht gewählt.
    Übrigens sind die Politclowns aus den nicht konservativen Kreisen oft genauso dämlich, die geben sich nur ein intellektuelles Ambiente. So soll z.B. Gysi – den ich eigentlich sehr schätze – mal gesagt haben:
    „Marihuana sollte man freigeben denn es ist nicht so gefährlich aber Haschisch müßte weiter streng illegal bleiben den das ist sehr giftig!“
    Juristen eben!
    Viele Politiker sind Juristen.
    Juristen galten unter allen Intellektuellen schon immer als die größten Einfaltspinsel.
    Schon Goethe schrieb: „Er war Jurist und auch sonst nur von mäßigem Verstand“ .
    Kann man auch gut an vielen Urteilsbegründungen sehen die nur von dem urteilendem Gericht jedoch nicht von allen anderen Menschen logisch erfaßt und verstanden werden.

  5. Ralf

    @Otto Normal
    „Kann man auch gut an vielen Urteilsbegründungen sehen die nur von dem urteilendem Gericht jedoch nicht von allen anderen Menschen logisch erfaßt und verstanden werden.“
    „Glauben sie denn daß Cabnnabis etwas Gutes ist“ hat mich mal eine Verwaltungsrichterin in Neustadt an der Säuferstraße (Weinstr.) gefragt, bevor sie mir den Lappen (nur für Deutschland, weiter reicht ihre Macht Gott sei Dank nicht) endgültig weggenommen hat. Wenn das ein 3-jähriger gemacht hätte, wäre das normal gwesen, der hat erst wenige Schubladen mehr als die beiden gut-böse-Kisten zur Verfügung , aber eine alte Schachtel auf so einem Posten? Die sollte doch ein bischen mehr Grütze in der Birne haben wenn sie für so was qualifiziert sein will, haben aber Richter und Staatsanwälte im allgemeinen und dieser saudumme Mensch schon mal gar nicht!

  6. Greenkeeper

    Es ist schon interessant zu sehen, wie gewisse Legalisierungsgegner uralte Scheinargumente immer wieder neu aufwärmen. Falsche Aussagen werden nicht dadurch wahr, dass ich sie immerzu wiederhole. Warum nicht einfach mal anerkennen, dass sich etwas tut in Sachen Legalisierung (USA, Kanada, Uruguay etc.)? Warum nicht einfach mal positive Erfahrungen mit Cannabis von Millionen von Konsumentinnen und Konsumenten auf der ganzen Welt zur Kenntnis nehmen? Positive Zwischenbilanzen von den Behörden aus Colorado, wissenschaftliche Erkenntnisse über therapeutische Einsatzmöglichkeiten von Cannabis usw. All das darf man sich gerne mal zu Gemüte führen. Wenn man denn dazu bereit wäre, über seinen Schatten zu springen. Die Legalisierung wird kommen, weil die Menschen sie wollen. Es ist Aufgabe der Politik, des Volkes Willen in Gesetze zu gießen.

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