Dienstag, 1. Oktober 2013

Capleton im Interview

„Menschen sollten für das eintreten, wovon sie überzeugt sind.“

Capelton Foto: Janika Takats
Capelton Foto: Janika Takats

Sieht man Capleton auf der Bühne, merkt man sofort, dass er sich den Beinamen ‚The Fireman‘ über die Jahre redlich verdient hat. Die Energie mit der er seine Show abliefert ist wirklich beeindruckend. Von den einen als eine der Legenden jamaikanischer Musik gefeiert, wurde er in der Vergangenheit auch immer wieder für seine Songtexte kritisiert, was auch dazu führt, dass einige seiner Konzerte kurzfristig abgesagt wurden. Doch der in St. Mary, Jamaika geborene Künstler lässt sich davon nicht beirren und setzt seinen Weg fort, für Reggae und für seine Fans, wie er selbst sagt.

Du wirst von vielen als eine der Ikonen der Reggae-Musik angesehen. Wo siehst du dich selbst momentan in Musikgeschäft?
Eine Ikone wird immer eine Ikone bleiben, so wie auch ein Pionier immer ein Pionier sein wird. Die Musik wird sich immer verändern und immer wieder werden neue Künstler Berühmtheit erlangen, doch die wirklichen Idole werden immer die gleichen bleiben. Ich bin nicht nur ein Reggae-Artist, sondern bin auch für meine Dancehall-Songs bekannt. Ich kann ein ganzes Set von Dancehall oder One Drop Tunes spielen und die Leute werden mich feiern. Nach all den Jahren bin ich immer noch im Geschäft und es gibt viele junge Sänger und DJs, die von mir gelernt haben und durch mich bekannt geworden sind. Sogar Ninjaman, der heute einer der gefeiertsten Stars in Jamaica ist. Mein Style und meine Lyrics, haben ihn zu dem gemacht, der er heute ist.

Man sagt, dass ein Prophet niemals in seinem eigenen Land die Anerkennung bekommt, die er verdient. Stimmt das?
Das kann man in meinem Fall wohl nicht so sagen. Die Menschen in Jamaika achten mich, auf Grund der Art wie ich mit ihnen umgehe. Ich versuche so bescheiden und bodenständig wie möglich zu bleiben. Für mich geht es nicht um den Hype oder darum berühmt zu sein. Es geht für mich um die Musik, um die Menschen und um die Botschaft, die ich verbreiten will. Ich lasse nicht zu, dass der Erfolg mir zu Kopf steigt. Es ist mir wichtiger, dass die Menschen mich lieben. Bei vielen Artists trauen sich die Leute nicht auf sie zuzugehen, aber bei mir fühlen sie sich wohl, denn sie wissen, dass sie jeder Zeit zu mir kommen und mit mir reden können.
Meine Musik steht für Positivität, für Liebe, für Freiheit und für die Befreiung von der Unterdrückung durch das System. Ich will den Menschen Kraft geben und hoffe, dass sie nicht aufgeben, dass sie ihren Kopf hochhalten und wissen was ihre Ziele sind.

Du veranstaltest schon seit einigen Jahren eine eigene Show auf Jamaika. Warum fand ‚St. Mary Mi Come From‘ dieses Jahr nicht statt?
Wir haben uns letztes Jahr dazu entschieden den Veranstaltungsort zu wechseln, aber wir hätten es nicht geschafft den neuen Ort bis August herzurichten. Deshalb musste die Show dieses Jahr ausfallen. Wir haben uns jetzt letztendlich dazu entschlossen ‚St. Mary Mi Come From‘ wieder an dem ursprünglichen Ort zu veranstalten, damit wird das Event einfacher zu erreichen sein für die Fans. Die Show wurde 2000 von mir ins Leben gerufen und ist eine Charity-Veranstaltung, denn ich will der Community etwas zurückgeben. So unterstützen wir jedes Jahr Schulen, Krankenhäuser, Community Center oder Menschen mit Behinderungen. Wir haben Röntgengeräte und Betten für Krankenhäuser gekauft und Computer-Räume in einigen Schulen eingerichtet. Das Parish St. Mary wird dabei von uns am meisten unterstützt, aber auch Einrichtungen in Portland, St. Ann oder St. Catherine. Wir wollen nicht egoistisch sein sondern geben und mit anderen teilen.

Im Moment scheint es auf Jamaika ein Reggae Revival zu geben. Viele junge Künstler bringen neue und gute Musik heraus, während man das Gefühl hat, dass Dancehall im Moment eher stagniert. Wie ist deine Meinung dazu?
Ich würde es nicht unbedingt Revival nennen. Reggae war niemals fort und ist nicht tot zu kriegen. Es wird immer neue Artists geben und andere werden in Vergessenheit geraten. Musik kennt keine Grenzen und so wird es immer neue Talente geben, die einen frischen Wind in die Szene bringen. Deswegen werden die Ikonen und Pioniere, die den Reggae geprägt haben, aber nicht weniger bedeutend. Viele von den Artists, die als Teil des ‚Reggae Revival‘ gefeiert werden, spielen nicht in ausverkauften Hallen. Sie allein ziehen nicht so viele Zuschauer an, dass sich eine Show für die Promoter lohnen würde. Sie haben nicht die Energie um dem Publikum 100 Prozent zu geben, da müssen wir realistisch bleiben. Man wird nicht über Nacht zu Superstar, das braucht Zeit. Junge Artists müssen Erfahrungen sammeln, um ihre Fähigkeiten zu verbessern. Viele haben nicht die Geduld dazu oder werden von anderen zu etwas aufgeputscht für das sie noch nicht bereit sind. Dieser Hype fällt ihnen dann früher oder später auf die Füße, denn ihre Karriere hat keine Substanz und wird daher nicht von Dauer sein.
Aber natürlich finde ich es gut, wenn neue Talente aufsteigen und Reggae verbreiten, denn wir etablierten Artists können ja nicht ewig die ganze Arbeit allen machen (lacht). Die Youths sind die Zukunft, aber es ist wichtig, dass sie auf dem richtigen Weg bleiben.

Du bist ein Rasta genau wie viele andere Reggae Artists und Menschen auf der ganzen Welt. Es gibt viele Wege Rasta zu interpretieren, was bedeutet es für dich?
Rasta ist Liebe. Rasta ist Einigkeit und Erlösung, Befreiung und Einheit. Es geht darum sich seiner selbst bewusst zu sein, sich zu Emanzipieren und von Unterdrückung zu befreien. Respekt vor sich selbst und vor anderen ist dabei entscheidend sowie Toleranz gegenüber Fremden und Anderem. Man sollte seine Ziele klar vor Augen haben und entschlossen handeln. Rastafari ist alles. Rasta bedeutet für mich Leben.


That´s Reggae – Sir Capelton in Action

Marihuana ist in vielen Teilen der Welt illegal. Bist du der Meinung, dass es unter Berücksichtigung strenger Jugendschutzrichtlinien legalisiert werden sollte?
In Uruguay wurde Marihuana legalisiert, was viele erfreut hat. Im Endeffekt ist es die Entscheidung der Menschen selbst. Menschen sollten für das eintreten, wovon sie überzeugt sind. Die Welt weiß, dass Marihuana nicht nur ein Zeug zum Rauchen ist. Es ist auch Medizin und wird bei vielen Krankheiten verschrieben. Man kann daraus viele unterschiedliche Produkte herstellen, ob nun Seife, Fischernetze, Kleidung oder Schuhe, die Liste hat kein Ende.

In der Szene wirst du von vielen Fans verehrt, doch nicht jeder teilt diese Meinung. In der Vergangenheit wurden einige deiner Konzerte in Europa und den USA auf Grund von Protesten abgesagt. Was ist passiert?
Reggae Musik ist die Musik des Lebens und es wird immer Leute geben, die dagegen ankämpfen. Doch am Ende wird Reggae triumphieren. Good over Evil and Life over Dead. Wie ich gesagt habe, für mich ist es am wichtigsten meine Fans glücklich zu machen und natürlich ist es eine Enttäuschung für mich wenn meine Shows abgesagt werden, aber ich lasse mich davon nicht unterkriegen. Meine Fans wissen was los ist und sie werden auf die nächste Show warten und ich werde mein Bestes tun, um beim nächsten Mal da zu sein.
Solche Dinge passieren, weil Menschen meine Texte missverstehen und dadurch Verwirrung entsteht die in Wut enden kann. Trotzdem wird die Musik überdauern und uns eine Lektion lehren. Wenn ich ‚Fire‘ oder ‚burn‘ sage, meine ich das nicht auf eine gewalttätige Art. Ich fordere niemanden dazu auf los zu ziehen und andere zu töten oder sie im wahrsten Sinne des Wortes zu ‚verbrennen‘. Ich spreche von Feuer als Metapher, als Symbol der Reinigung und Gerechtigkeit, von Rechtschaffenheit und davon zu wissen wer man ist. Egal wie man es betrachtet, Feuer und Hitze sind die ultimative Kraft. Wenn eine Frau nicht eine bestimmte Temperatur, eine bestimmte ‚Hitze‘ in ihrem Körper hätte, wäre sie nicht zur Empfängnis bereit. Sie würde nicht schwanger werden und kein neues Leben würde entstehen. Im Inneren der Erde herrscht eine unvorstellbare Hitze, die durch Vulkane, durch Lava und Feuer an die Oberfläche kommt. Wenn die Sonne, ein riesiger Feuerball nicht scheinen würde, gäbe es kein Leben auf der Erde. Feuer ist die ultimative Kraft die unser Leben bestimmt.
Manche Menschen haben meine Lyrics nicht verstanden und sie falsch interpretiert, doch am Ende wird die Wahrheit siegen. Egal wie viele Hindernisse auf deinem Weg liegen und wie beschwerlich der Weg auch ist, wenn man durchhält werden am Ende das Gute und die Wahrheit siegen. Im Leben kann niemand einen anderen verdammen. Man kann sich nur selbst durch die eigenen Taten in die Verdammnis stützen. Wir sind alle unsere eigenen Richter und so kann niemand über andere richten.

Trotzdem gab es eine Menge Verwirrungen und um diese aus dem Weg zu räumen hast du 2007 den ‚Reggae Compassionate Act‘, einer Verpflichtung gegen ‚Murder Music‘ unterschrieben. Welche Bedeutung hatte Schriftstück für dich?
Damit will ich gar nicht erst anfangen. All das gehört der Vergangenheit an und ich habe mit diesem Kapitel abgeschlossen. Ich will nicht respektlos erscheinen, aber ich will mich dazu einfach nicht mehr äußern. Ich habe diese ganze Sache hinter mir gelassen und konzentriere mich auch die Dinge, die vor mir liegen.

Wie sehen denn deine Zukunftspläne aus?
Momentan bin ich auf Tour und parallel dazu gehe ich auch immer wieder ins Studio, um an einem neuen Album zu arbeiten. Ich werde meine Arbeit fortsetzen und die ganze Welt bereisen, damit meine Fans zufrieden sind.

Vielen Dank für da Interview.

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