Freitag, 4. Januar 2013

Von Anstand, Selbstachtung und Neugier

Ein Leser erzählt, weshalb er growt

 

Fotos: Sto
Fotos: Sto

Neulich klingelt es in der Redaktion. Vor der Tür steht Sto und möchte mal kurz mit der Guerilla-Redaktion reden. Ohne viele Worte reicht er Kimo eine CD mit schönen Grow-Fotos und setzt sich eine knappe halbe Stunde hin, um unseren erfahrenen Growing-Redakteur seine Geschichte zu erzählen. Nach dem Interview verschwindet er genauso schnell, wie er gekommen ist. Wir freuen uns auf jeden Fall, wenn Sto auch 2013 nochmal bei uns vorbeischaut.

 

Ha Jo: Hi Sto, schön dass Du uns heute besuchst.

Sto: Hallo. Danke, ich freue mich hier zu sein und die Gelegenheit zu haben, meine Ansichten und Erfahrungen zum Hanfanbau mit Euren Leser/inne/n zu teilen.

Ha Jo: Warum baust Du illegal Hanf an?

Sto: Anstand, Selbstachtung, Neugier.
Ja, das hört sich vielleicht widersprüchlich an, aber es ist tatsächlich der Anstand, der mich 2011 zu meinem ersten Grow gebracht hat, denn als Selbstversorger profitieren die organisierten Kriminellen nicht mehr von meinem Konsum. Diese geldfixierte Schattengesellschaft mit ihren korrumpierenden Auswüchsen sollte keiner mit Geld füttern, dann existiert sie nicht mehr. Wenn es also nicht die Absicht des Gesetzgebers ist, den Einfluss dieser Leute zu fördern, dann muss er mein Handeln mehr gutheißen – sprich weniger strafen – als den bloßen Konsum der Ware ohne Eigenanbau. „Divide and conquer the black market“.
Die Regelung der kleinen Menge halte ich dabei für unangebracht, weil sie das Konsumverhalten nicht maßgeblich beeinflusst. Der friedlichen Pflanze selbst ihr Existenzrecht zu entziehen klingt für mich ohnehin über das Ziel hinausgeschossen.

Zudem erwarte ich vom Gesetzgeber, dass er es für umso besser hält, je mehr ich auf meine Gesundheit achte. Als Selbstversorger habe ich eine Garantie auf ungestreckte und hygienisch einwandfreie Ware.
Und last but not least plagte mich schon zu lange ein Sehnen, das ich nicht unerhört lassen konnte. Es ist das Sehnen nach Wissen durch Erfahrung: Was unterscheidet Cannabis Sativa von Cannabis Indica? Niemand sollte dieses Rauschmittel verwerfen, wenn er nur ein Ende des Wirkungsspektrums kennt.
Aber selbst wenn ich die Resultate nicht konsumieren würde, erfreue ich mich an der Schönheit von Cannabis, nämlich der aromatischen, die die Nuancenfülle der Weindroge meiner Meinung nach in den Schatten stellt. Sich neidlos mit Schönem zu umgeben, verschönt die Seele, macht das Leben lebenswerter.

Ha Jo: Wie bist Du vorgegangen, wie hast Du Dein Saatgut erworben?

Sto: Zunächst brauchte es einen geeigneten Vertreiber. Als der gefunden war, ging es los. Das heißt: E-Mail für diesen Zweck angelegt, Samen bestellt, Geld per Brief zugesandt, Rücksendeanschrift mit falschem Namen angegeben und diesen kurzzeitig an meinen Postkasten geklebt. Für den Postboten sei es halt ein zwischenzeitiger Untermieter.
Eine gute Woche später kam dann die ersehnte Ware, um 10 Samen ergänzt, alles stoßfest und unauffällig verpackt. Damit war der heikle Teil erledigt. Als nächstes habe ich mich ausreichend im Growshop versorgt: 250-Watt-Lampe mit 2 Leuchtmitteln (für Wachstum und Blüte), Zeitschaltuhr, 150 Liter Erde, diverse Töpfe ab 11 Liter plus Untersetzer, EC-Messgerät, pH-Messtropfen, pH-Downer, Dünger, Gelbsticker, Bambusstäbe, lichtdichte Folie.

Zur Windsimulation verwende ich einen Daikin Luftreiniger, der auch der Geruchsdämmung dient. In meiner Etage ist eh nicht mehr besonders viel Verkehr, und das Setup liegt im entferntesten Bereich zur Eingangstür, hinter der noch eine offene Duftlösung ihr Aroma verströmt. In brenzligen Situationen verwende ich noch etwas Raumspray, von daher sollte eigentlich nichts Kompromittierendes passieren. Ich hatte jedenfalls schon Handwerker zur besten Blütezeit in der Wohnung, die haben nichts bemerkt – oder bemerken wollen.

Ha Jo: Also ohne Grow-Box?

Sto: Meine Maxime lautet: so bequem wie möglich. Statt einer Box nutze ich die Ecke meines Schlafzimmers. Die Lampe lasse ich von einem auf zwei Stapeln aufgelegten Besen herab. Zur Lichtregulation habe ich die Fenster erst mit Stoff beklebt, a la zugezogene Vorhänge, dann mit Folie überzogen. Das war doch lästiger als gedacht, irgendwo bleibt immer ein Spalt erhalten. Am Ende ist es nicht perfekt, aber was soll’s, es funktioniert.

Ha Jo: Wie ist der Grow verlaufen?

Sto: Chaotisch, aber gut 🙂 Eine Pflanze zog es an die Zimmerdecke meines Altbaus, was ich ihr nach Kräften ermöglichen wollte. Dabei sind dann eines Nachts die Stützen samt Lampe mit großem Getöse zusammengebrochen und ein Karton auf mich Schlafenden drauf. Das war so um 5 Uhr morgens, in tiefschwarzer Umgebung. Einige Zweige hatte ich nach diesem Vorfall entfernt, aber Hanf kann verzeihen. Zu den Highlights gehörte es auf jeden Fall, die ersten Tröpfchen vom Blatt zu reiben und diesen frischen Geruch durch die Nase zu ziehen. Jeder überzeugte Kiffer sollte das mal erlebt haben :-).

Ha Jo: Und das Ergebnis?

Sto: Allemal besser als die übliche Marktware. Auf einer öffentlichen Party habe ich mich mal einem Fremden gegenüber geoutet, und er hat am Beutel riechend und seinem Kumpel reichend mehrmals erstaunt gefragt: Das ist homegrown?
Dass die entstandene Menge von ca. 100 Gramm mich nun zu unkontrolliertem Konsum verführt hat, kann ich nicht feststellen. Aber um endlich diesen elendigen Tabak zu verbannen, habe ich nach anderen Konsumformen gesucht. Eine davon ist das Pur-Rauchen, wie ich es auch heute gerne zelebriere, es macht sich einfach so ein schöner Duft im Zimmer breit. Nur einmal, als ich mich schon müde an ein Experiment wagte und solange an dem Spliff zog, bis ich mich verzählte. Da schoss mir der Flash nach gewohntem Start plötzlich dermaßen in den Schädel, dass ich nur dachte ‚Was ist DAS???‘ und ‚Wie gehe ich damit um?‘. Letztendlich war mir klar, dass nach 2-3 Stunden das Gröbste vorüber sein wird. Und so war es auch. Nach dieser Erfahrung kann ich das gelassene Grinsen von Peter Reynolds teilen, der auf die Publikumsfrage, aus welchem Grund Kiffer im Krankenhaus landen, sagt: mainly panic attacks.

Ha Jo: Wie hast Du die Spitze im 3. Bild hingekriegt?

Sto: Aus Versehen. Irgendwas hatte ich an der Zeitschaltuhr geändert mit dem Ergebnis, dass die Lampe 2 Stunden mitten in der Nachtruhe strahlte. Dem weniger entwickelten Pflänzchen hat das neue Wachstumsimpulse gegeben, und so sind die 4 Spitzen entstanden. Dafür hat sich die Blütezeit etwas verlängert.

Ha Jo: Neue Projekte?

Sto: Einen zweiten Grow habe ich schon hinter mir, bei dem ich einige Blüten von Hand bestäubt habe. Dazu habe ich die Spitzen der männlichen Pflanzen kurz vor Pollenabgabe abgeschnitten und in einem anderen Raum ins Wasserglas gestellt. Mit den herabgefallenen Pollen habe ich dann die Weibchen befruchtet und wurde dafür mit ca. 80 Samen eigener Kreation belohnt. Der 3. Grow läuft gerade dem Ende entgegen, nur zwei Sativas (Stecklinge aus dem 2. Durchlauf) beenden gerade den 3. Monat der Blüte. Dieses Gras erzeugt einen angenehm leichtmütigen Abgang über den folgenden Tag. Als nächstes werde ich mit langzeitgedüngter Erde meine beste Ernte einzufahren versuchen. Der Steckling vorm Küchenfenster fühlt sich jedenfalls pudelwohl darin.

Ha Jo: Was kannst Du unseren Lesern empfehlen?

Sto: Wenn ihr sowieso kifft, dann tut euch selbst und der Gesellschaft etwas Gutes. Anfängern rate ich zu großen Töpfen, gut vorgedüngter Erde und einem Grow-Tagebuch. Tabellarisch mit den Spalten: Datum, Ereignis und Gelerntes kann man so einige interessante und nützliche Informationen sammeln. Dazu empfehle ich die Anleitung auf der Homepage von Mandala Seeds. Und an die Raucher unter den Lesern: Mischt nicht mit Tabak! Testet es mal mit einem Alternativprodukt, vaporisiert oder raucht pur. Wenn Euch dann etwas Wichtiges fehlt, dann sind Euer Rausch und Konsumverhalten vom Nikotin bestimmt. Mir hatte das erfolgreich zu denken gegeben.

Ha Jo: Danke und viel Erfolg weiterhin.

Sto: Auch ich danke. Seit gut einem halben Jahr lese ich regelmäßig das Hanf Journal und werde immer wieder positiv überrascht, zuletzt von der einleuchtenden Wurzelkunde und Pauls Mischkonsum-Erfahrungen, die ich unbedingt bitte fortzuführen.
Ich genieße seine verblümten Wendungen und positiven Eindrücke im Umgang mit Rauschmitteln.

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