Mittwoch, 28. November 2018

Cannabiskonsum durch ältere Menschen

 

 

von Dr. med. Franjo Grotenhermen

 

 

Cannabis war eine Jugenddroge. Das ist Vergangenheit – zumindest, wenn man sich die aktuelle Forschung in den USA anschaut. In den älteren Bevölkerungsgruppen hat der Cannabiskonsum am stärksten zugelegt. Und die heutige Rentnergeneration nutzt Cannabis zur Linderung weit verbreiteter Altersleiden. Tendenz steigend.

 

Es ist nur wenige Jahre her, da war ich noch sehr zurückhaltend, wenn es um die medizinische Verwendung von Cannabis durch ältere Menschen ging. Heute habe ich eine Anzahl von Patienten im Alter von über 70 oder 80 Jahren, denen Cannabis sehr gut hilft, ihre Erkrankungen besser zu bewältigen. Meine Zurückhaltung bezog sich vor allem auf das mögliche Vorliegen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, da THC das Herzkreislaufsystem durch eine Beschleunigung des Pulses und einen Abfall des Blutdrucks belasten kann. Heute stelle ich fest, dass meine Sorge unbegründet war, und ein hohes Alter keineswegs gegen eine Cannabistherapie spricht. Es ist nur wichtig, mit kleinen Dosen anzufangen und langsam zu steigern – genauso wie bei jungen Patienten. Dann ist das mögliche Risiko von starken Nebenwirkungen auch bei älteren Patienten gering.

 

Kürzlich haben Wissenschaftler der Abteilung für Geriatrie der Medizinischen Fakultät der Universität von Colorado in Aurora und Mitarbeiter eines Forschungszentrums für Alterserkrankungen in Denver eine Untersuchung über die Verwendung von Cannabis durch ältere Menschen in einem Staat, in dem sowohl die medizinische Verwendung als auch der Freizeitkonsum von Cannabis legalisiert sind, berichtet. Sie haben dazu 630 Fragebögen verschickt, von denen 345 zurückgeschickt wurden und analysiert werden konnten. In ihrer Schlussfolgerung heißt es: „Nach unserer Kenntnis ist dies die erste Studie, die Marihuanakonsum durch ältere Erwachsene in einem Staat, in dem es für medizinische und Freizeitzwecke legal ist, untersucht. Marihuana wurde für mehrere häufige geriatrische Erkrankungen [Alterskrankheiten] verwendet, und die Teilnehmer berichteten von wenigen Nebenwirkungen.“

 

In vielen Köpfen hält sich die Vorstellung, Cannabis sei eine Jugenddroge. Dabei zeigen Untersuchungen, dass die Akzeptanz gerade bei älteren Menschen am stärksten zunimmt. Eine Studie aus dem Jahr 2017 von Wissenschaftlern der Medizinischen Fakultät der Universität von New York macht dies deutlich. Sie hatten Daten einer großen Datenbank zum Drogenkonsum in den USA analysiert und fanden heraus, dass die Zahl der cannabiskonsumierenden Personen zwischen 2006 und 2012 in der Altersgruppe der über 65-Jährigen am stärksten zugenommen hatte. In der Altersgruppe der 50 bis 64-Jährigen fanden sie eine Zunahme um 58 Prozent, während in der Altersgruppe der über 65-jährigen US-Amerikaner eine Zunahme um 250 Prozent stattgefunden hatte. Innerhalb von 6 Jahren hatte sich der Cannabiskonsum in der ältesten Gruppe mehr als verdreifacht. Bisher wurde die Nutzung von Cannabis bei älteren Menschen allerdings noch nicht gut erforscht.

 

In der aktuellen Studie aus Colorado hatte von den 345 Teilnehmern etwa ein Drittel (113 Teilnehmer) in der Vergangenheit Cannabis konsumiert und davon etwa die Hälfte (55 Teilnehmer) seit der Legalisierung in Colorado im Jahr 2012. Mehr als die Hälfte der aktuellen befragten älteren Konsumenten war 75 Jahre alt oder älter und etwa ein Viertel war 85 Jahre oder älter. Die meisten aktuellen Konsumenten waren weiße Frauen. Von den aktuellen Konsumenten verwendeten 44 Prozent Cannabis wenigstens einmal wöchentlich gegen verschiedene Erkrankungen, darunter chronische Schmerzen, Depressionen, Ängste und Schlafstörungen. Die meisten gaben an, dass Cannabis ihnen bei diesen gesundheitlichen Problemen helfe. Etwa zwei Drittel (67 Prozent) der Konsumenten gaben an, es ohne Verschreibung einzunehmen. Neun Teilnehmer berichteten über negative Nebenwirkungen.

 

Cannabis wird für die Behandlung einer ganzen Reihe chronischer Erkrankungen, die bei älteren Menschen häufig auftreten, vorgeschlagen, darunter Kopfschmerzen, chronische Schmerzen, Morbus Alzheimer, Morbus Parkinson und Schlafstörungen. In einer Umfrage der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Cannabinoidmedikamente (IACM), deren Ergebnisse 2013 veröffentlicht wurden, verwendeten über 50-jährige Erwachsene Cannabis am häufigsten gegen chronische Schmerzen, Ängste, Gewichtsverlust, Depressionen und Schlafstörungen.

 

In Zeiten des Internets wird diese Entwicklung aus den USA und anderen Ländern, wie Israel, vermutlich innerhalb kurzer Zeit ein globales Phänomen werden, das auch die Politik verändern wird. Denn eine Politik gegen die Rentner und die älteren Mitglieder in der jeweils eigenen Partei ist schwer durchsetzbar. Nach einer Statistik vom Dezember 2017 liegt das Durchschnittsalter von CDU- und SPD-Mitgliedern bei 60 Jahren und bei CSU-Mitgliedern bei 59 Jahren.

 

10 Antworten auf „Cannabiskonsum durch ältere Menschen

  1. Semiramis

    Ich kann mir nicht vorstellen, das selbst bei günstigster Wirksamkeit bei Altersleiden eine Legalisierung gegen die Interessen der Lobby, Pharma-Industrie und der Betonköpfe durchgesetzt wird. Und ganz betsimmt nicht bei inem CSU geführten Innenministerium und einer bayrischen Alkohol- ähh Drogenbeauftragten. Wenn Deutschland legalisiert, dann wahrsheinlich erst einige Jahre, nachdem Nordkorea als vorletztes Land der Erde legalisiert hat.

  2. Ewa

    Naja. Die erste Studie ist es sicher nicht. In Israel gibt es schon seit knapp 20 Jahren das ältere Menschen Cannabis bekommen und es wurden viele Forschungen in der Ben Gurion Universität angestellt.

  3. Dagegen!!!!!

    Ihr habt doch langsam einen Vogel, mit eurem Cannabis Dreck, der Schuss geht nach hinten los!

  4. Otto Normal

    @Dagegen
    DAFÜR!
    Du hast doch gar kein Plan.
    Cannabis ist völlig UNGIFTIG, man kann es sogar ESSEN, man kann sich damit nicht selbst töten.
    Cannabis ist auch eine Heilpflanze also total GESUND, was gesünderes als Cannabis kenne ich überhaupt nicht.
    Auch die Wirkung ist einfach nur HEILEND evtl. auch etwas für jemand wie Dich, vllt. kommste dann mal wieder runter von dem Ast auf den Du Dich verstiegen hast.

    Also ich fasse nochmal zusammen:
    Cannabis ist total GESUND!

    Wenn jeder hin und wieder mal ein wenig Cannabis konsumieren würde hätten wir keine Kriege mehr auf der Erde.

  5. buri_see_käo

    Kiffen wäre „Alte-Leute-Kram“ – das war mir vor ca. 20 Jahren auch schon aufgefallen:
    Die Dauer der Rekonvaleszenz nach einem Besäufnis in Stunden
    entspricht dem (biologischen) Alter in Jahren.
    Im Vergleich dazu schneidet Cannabis mit 3..4 Stunden dauernder
    Einschränkung (z.B. Autofahren) wesentlich günstiger ab.
    Vor einigen Wochen hatte in einer Radiosendung zum Thema „Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen“
    der Dr. Rainer Thomasius seine Erkenntnisse präsentiert, durch Alkoholkonsum käme es wegen der
    Dehydratation zu Mineralstoffeverlusten, welche die Leistungsfähigkeit auch nach der Rauschwirkung
    weiterhin um ca. 20% verringern würden.
    Auch bei kapitalistischer Sicht (mit humanen Aspekten, welche dem Produktivkapital einstweilen
    ein Rauschzustand zugesteht) ist Cannabis die vernünftigere Droge.
    Aber @Dagegen!!!!!,
    ab und an entwickel ich Software NICHT copy&paste, sehr abstrakt und um einige Ecken gedacht,
    aber zwischen „haben“ und „nicht haben“ z.B. eines Vogels gibt es keinen langsamen Übergang/Verlauf.
    Mein (evtl. auch anderer) Cannabis ist nicht gleichzeitig Dreck, Bindestrich zwischen den Worten
    wäre richtig, Cannabis kann auch selbst angebaut werden.
    mfG fE

  6. Ralf

    @Dagegen!!!!!
    Begründe mal, warum Cannabis Dreck(Null Tote/Jahr) und Alkohol (74 000 Tote/Jahr) kein Dreck ist, und erkläre warum das keine Ungleichbehandlung und damit kein Verfassungsbruch ist.
    Ich wette das kannst du nicht, da nützen auch noch so viele Ausrufezeichen hinter deinem bescheuerten Namen nichts. Und wer anderen einen Vogel andichtet hat meistens selbst einen, in deinem Falle eine massive Cannaphobie!

  7. Tom

    @Dagegen. Mannomann, lese ich dein Geschreibsel bekomme ich mal wieder Durst – auf Troll-inger. Noch ein kleiner Tipp nebenbei und ganz kostenlos. LESEN BILDET.

  8. Harald de Lamotte

    Wieso wundert Euch das?
    Das sind die, die `68 das kiffen eingeführt haben.
    „Wer einmal kifft, der weis bescheid:
    Ein Laster für die Ewigkeit!“
    Einfach die beste Selbstmedikation im Alter.

  9. C. A. Nnabis

    @Ralf
    Dass das Cannabisverbot verfassungswidrig ist, ist bei nüchterner (haha) Betrachtung absolut eindeutig.
    Wie hat es irgendwo jemand so treffend formuliert:
    Der in D für illegal erklärte Anbau oder Erwerb von Cannabis ist ein „Opferloses Verbrechen“.
    Deshalb frage ich mich, mit welchem Drecks-Zeug (@Dagegen…haha) unsere Verfassungsrichter dauer-intoxikiert sein müssen (Cannabis ist es also schon mal nicht…), dass dieses „Verbot“ nicht schon vor langer Zeit gekippt wurde – bzw. es überhaupt dazu kommen konnte.

    Habe (vorläufig) fertig! Von wegen Demokratie und Unbestechlichkeit und so.

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