Samstag, 24. Februar 2018

Berliner Ex-Bürgermeister gegen eine Legalisierung von Cannabis

 

Walter Momper und Eberhard Diepgen zeigen Kante.

 

 

Zwei alte Haudegen aus vergangenen Tagen wurden von der Berliner Tageszeitung B.Z. selbstverständlich auch bedacht, ihre aktuelle Auffassung zum Thema Marihuana und Freigabe für Erwachsene aufgrund der gerade im Bundestag stattfindenden Diskussion in die Öffentlichkeit zu posaunen. Die ehemaligen Bürgermeister der deutschen Hauptstadt können als Autoritätspersonen schließlich Meinungen als Wahrheiten darstellen, welche von der meist eher konservativ eingestimmten Leserschaft des bunten Blattes ohne ein Hinterfragen aufgenommen werden sollen. Und selbstverständlich sind die beiden älteren Berliner Ex-Bürgermeister gegen eine Legalisierung von Cannabis, da sie sich mit der Thematik näher beschäftigten …

 

Die einst in konkurrierenden Parteien agierenden Politdinosaurier Eberhard Diepgen (CDU) und Walter Momper (SPD) waren sich in der Vergangenheit zwar selten einer Meinung, doch präsentieren bei der Cannabislegalisierungsfrage erstaunlich ähnliche kurzsichtige Gedankengänge und vollkommen verquere Gegenargumente, warum der aus Sicht von Experten gescheiterte Kampf gegen Cannabis unbedingt unverändert fortgeführt hört. Der durch einen Bankenskandal einst zum Sturz gebrachte Eberhard Diepgen weiß neben den Gefahren der Einstiegsdroge auch die giftige Wirkung des Hanfkrautes auf Gehirne in die Bevölkerung zu tragen und sorgt mit bizarren Gedankenspielen für ein vorsorgliches Verhindern, liberalere Vorschläge und Überlegungen zukünftig in der Gesellschaft keimen zu lassen. Der Wunsch seitens der Befürworter nach mehr Prävention – die durch legale Cannabisgeschäfte finanziert würde – wäre widersprüchlich, da schließlich erst die Freigabe anschließend mehr Prävention notwendig mache. Nur weil das Problem mit Marihuana nicht durch die Polizei in den Griff zu bekommen sei, dürfe man nicht die Gesetzeslage anpassen, da dieses Vorgehen im Kopf des einen ehemaligen regierenden Bürgermeisters Berlins dann schließlich auch auf Wohnungseinbrüche anzuwenden wäre. Die niedrige Aufklärungsquote bei diesen verstörenden Diebstahlverbrechen dient als Grundlage für die Argumentation.

 

Ähnlich gefährlich empfindet auch der West-Berliner-Bürgermeister-der-deutschen-Einheit die Vorschläge der Legalisierungsbefürworter und nutzt die einen Tag zuvor genutzte Argumentationskette der neuen deutschen Lieblingspartei AfD. Zwei legale Drogen seien schon genug, weshalb der in direkter Folge erneut genannte Einstiegsdrogeneffekt von Cannabis – der eigentlich nicht offiziell erhältlichen Substanz – auch schon nicht mehr ganz folgerichtig sein kann. Der wirkliche Punkt, der für Walter Momper jedoch gegen eine Cannabisfreigabe unter strengen Jugendschutz- und Qualitätskontrollen spricht, stellt anscheinend das angepeilte Regelwerk und dessen konkrete Umsetzungsmöglichkeit dar. Weil der Verwaltungsaufwand extrem hoch von dem SPD-Mann eingeschätzt wird, überwiege die Skepsis einen neuen Weg einzuschlagen. Man solle lieber das bisherige Verfahren beibehalten, da man sich manchmal einfach „mit dem Unzureichenden zufriedengeben“ sollte, „weil das Optimale nicht zu erreichen ist.

 

Mit 5,3 Kilogramm beschlagnahmtem Marihuana und Haschisch allein aus Berliner Gefängnissen wird die unzureichende Situation – an der man sinnvollerweise aus Sicht der beiden ehemaligen Bürgermeister der Stadt festhalten sollte – so zeitlich passend wie überaus eindrucksvoll demonstriert.
Keep on rolling!

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Lars Rogg
Lars Rogg
4 Jahre zuvor

Nur ein Bruchteil der älteren Politiker Gilde dürfte sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt haben.
Sich neuen, logischen Gedanken und Verhaltensweisen zu öffnen ist nun mal nicht deren Ding. Aber deren Kurzsichtigkeit reicht völlig aus um einen großen Teil der ebenfalls konservativen Bevölkerung mit einer alten Lüge zu erreichen. Wer schon mal versucht hat seine Großeltern o.ä. von einer Legalisierung zu überzeugen, weiß wovon ich rede. Leider müssen wohl erst ein großer Teil der ewig gestrigen Richtung Jordan gewandert sein, bevor wir eine stabile Mehrheit bekommen.
Ich tippe auf Ende der 20er Jahre…

greenness
greenness
4 Jahre zuvor

Zwei alte Haudegen aus vergangenen Tagen sprechen sich also dafür aus, weiterhin mit Polizeigewalt sinnlos auf Menschen loszugehen, die eine „Droge“ konsumieren, die nachweislich harmloser als der, möglicherweise von ihnen selbst konsumierte, Alkohol ist.

Vergleichen wir doch mal eben die beiden im Artikel genannten Verbrechen und ihre Auswirkung auf das Opfer:

Einbruch: Verlust von Wertgegenständen (ideell und materiell), evtl. Zerstörungen, Verletzung der Privat-/Intimspäre, Verlust des Sicherheitsgefühls und evtl. Traumatisierung.

Cannabiskonsum: Das Opfer ist für ca. 2 – 4 Stunden berauscht. –

Man kann sich nur fragen, wo dieser Zynismus herkommt. Wie können Menschen wie diese beiden Herren sich dafür aussprechen, mit dieser dummen und sinnlosen Gewaltorgie fortzufahren?

Otto Normal
Otto Normal
4 Jahre zuvor

Die Ignoranz der Herrschenden ist nicht neu. Als Galileo Galilei (1564-1642) feststellte das sich die Erde um sich selbst dreht und nicht die Sonne um die Erde („und sie dreht sich doch“) wollte die Kirche diese neue wissenschaftliche Erkenntnis nicht wahrhaben, denn es konnte nicht sein was nicht sein durfte. Man wollte den armen Mann sogar auf dem Scheiterhaufen einen grausamen Tod sterben lassen nur um der alten (falschen) Ideologie mit aller Gewalt weiterhin zur Gültigkeit zu verhelfen und zwang ihn seine Erkenntnis zu widerrufen. So wie die katholische Kirche aus dem Mittelalter kommen mir diese Politiker vor, die neueste wissenschaftliche Erkenntnisse ignorieren, so wie der berühmte „Vogel Strauß“ den Kopf in den Sand steckt. Sie sind bereit alles zu… Weiterlesen »

Fred
Fred
4 Jahre zuvor

Die Gegner können wen auch immer aus der Mottenkiste zaubern… sie werden eine vernünftige Lösung nicht verhindern können.

Und wenn sich die CDU in der BT Debatte schon den sozialen Verwerfungen in den USA bedienen muss ( San Franzisko, Urin und Cannabisgeruch ) dann ist man am Ende !

Es gibt keine Argumente ( und es gab sie nie ), die für ein Weiterso sprechen. Und inzwischen scheint es so ( gaaanz vorsichtig formuliert ), das es im BT 4 Parteien gibt, die kristallklare und richtige Argumente in die Diskussion einbringen. Der Trend ist also mehr als in Takt und es würde mich nicht wundern, wenn sich bereits in Kürze drastische Änderungen in der Drogenpolitik ergeben.

Fred
Fred
4 Jahre zuvor

@Otto Normal

So wie die katholische Kirche aus dem Mittelalter kommen mir diese Politiker vor, die neueste wissenschaftliche Erkenntnisse ignorieren, so wie der berühmte „Vogel Strauß“ den Kopf in den Sand steckt. Sie sind bereit alles zu tun (zur Not mit Gewalt) nur um ihrer falschen Ideologie weiterhin Gültigkeit zu verschaffen.

Diesen Satz würde ich dir sofort unterschreiben.

Tom
Tom
4 Jahre zuvor

Habt ihr die Debatte im BT verfolgt? Da stand doch tatsächlich ein CDU-ler und behauptete, „Nicht die Streckmittel sind schädlich, sondern das Cannabis in den Streckmittel schädigt das Gehirn“. Mit anderen Worten: Nicht das Streckmittel Blei ist gefährlich für das Hirn, nein, es ist das THC im Cannabis. Ein anderer war wiederum von den apocalyptischen Zuständen (Penner, Urin.- und Grasgeruch überall) dort entsetzt. Wieviel Bier muß man eigentlich exen um sowas über die Lippen zu bekommen? Und sowas wird in den BT gewählt. Man fühlt sich schon fast in die USA versetzt. Apropos USA. In Frisco hat es schon immer nach Gras und Pisse gerochen sobald man den Flughafen verließ, und die Penner sind nur in San Francisco weil sie… Weiterlesen »

train
train
4 Jahre zuvor

Ich habe alle der betreffenden Vorträge über Cannabis am 14. Bundestag gehört, dabei viel eines stark auf, gerade die noch unbekannteren und jüngeren Politiker haben sich unbedarft und fast schon künstlich empört gezeigt und jeder dieser Politiker die sich gegen Cannabis ausgesprochen hatten, hatten jeweils eine abgewichste Redewendung im Petto wie „Öffnet nicht die Büchse der Pandora“, „Lasst nur diesen Geist nicht aus der Flasche“, vermutlich in der falschen Hoffnung in der Zukunft so oft wie möglich Zitiert werden um rechtsschaffend zu wirken und an Bekanntheitsgrad zu gewinnen, dabei ist das doch so ein alter Hut mit Bart und solche idealistischen Ideen haben meiner Meinung nach in einer Modernen Drogenpolitik nicht mehr zu suchen. Unsere Politiker wurden jedoch so idealistisch… Weiterlesen »

train
train
4 Jahre zuvor

30 Jahre nach dem Mauerfall, Tippfehler sorry dafür 😉 Zitat: Tom 24. Februar 2018 um 13:56 Habt ihr die Debatte im BT verfolgt? Da stand doch tatsächlich ein CDU-ler und behauptete, „Nicht die Streckmittel sind schädlich, sondern das Cannabis in den Streckmittel schädigt das Gehirn“. Mit anderen Worten: Nicht das Streckmittel Blei ist gefährlich für das Hirn, nein, es ist das THC im Cannabis. Ein anderer war wiederum von den apocalyptischen Zuständen (Penner, Urin.- und Grasgeruch überall) …Zitat Ende In vielen Gaststätten mitten in Deutschland, stinkt es abgesehen vom Cannabis-Geruch genauso wie in Colorado :), ich hab dort auch schon viele Leute mit Fäkalien in den Hosen erlebt, die waren jedoch immer zu betrunken um aufs Klo zu gehen, von… Weiterlesen »

Johann
Johann
4 Jahre zuvor

„In Frisco hat es schon immer nach Gras und Pisse gerochen“

Ich glaube, der Herr Pilsinger verwechselt da was. Lallende, Pissende, Kotzende … kennt er bestimmt vom alljährlichen Oktoberfestbesuch …

Noah Woldemariam
Noah Woldemariam
4 Jahre zuvor

Liebe Leser und Leserinnen, Als langjähriger Cannabis User (Freizeitkonsument), bin ich sehr enttäuscht, wie sich die Parteien CDU und Afd im Bundestag , Verhalten haben bezüglich der Debatte..Nicht ein Satz der aus deren Mündern kam, war nicht mal ansatzweise In Ordnung..Wie sie behaupten dass in Gras Crystal Meth drinne wäre,und das alle die Cannabis nehmen würden, irgendwann bei Crystal Meth enden.Liebe Leser, da sieht man doch wieder, wie lächerlich sich die beiden Parteien reden, und wie sie in Wiederworte verfallen..Diese Debatte hat mich aber immerhin noch überraschen können.Lediglich hat sich mittlerweile die SPD, ausgesprochen, das sie dennoch mitspielen ,und befürworten um eine Mögliche Entkriminalisierung …. Ich habe mich dafür entschieden, das ich ab 01.03.2018 dem Deutschen Hanfverband beitreten und Aktiv… Weiterlesen »

Fred
Fred
4 Jahre zuvor

@Noah Woldemariam

Sei nicht zu enttäuscht. Es ist doch fast schon toll, wenn soviel Unsinn komprimiert zu Tage tritt. Normalerweise kommt sowas häppchenweise, jetzt in geballter Form und live übertragen. Bessere Werbung für die Legalisierung kann es doch kaum geben.

R. Maestro
R. Maestro
4 Jahre zuvor

Der Fachkräftemangel zeigt sich immer deutlicher:

Als Drogenbeauftragte sind die Fachkräfte bereits ausgegangen.
Sonst gäbe es ja kompetentere, ehrlichere Personen für dieses Amt.
Lückenbüsser, wie Frau M.M. sind immer willkommen.
Auch wenn die Aussagen nur heiße Luft sind.

Herr Wiesheu hat Menschen tot gefahren (später Verkehrsminister), Frau Mortler konsumiert Rauschgift, (später Drogenbeauftragte),
geht diese Verdummung der Bürger weiter???

train
train
4 Jahre zuvor

@R. Maestro
Zitat: „Scheiß-verlogenes Pack“,
Derartige Parolen helfen aber auch nicht weiter!
Wer sagt das Marlene Mortler Drogen konsumiert oder konsumiert hat (ich denke es war ihr Sohn) und warum sollte jemand der einen schrecklichen Autounfall erlebt hat nicht Verkehrsminister werden dürfen?
Lasst uns doch bitte demokratisch bleiben, schlimm genug das einige unserer Politiker am Bundestag derartig abfällige und unangebrachte Bemerkungen über den Bundesstaat Colorado und über Ihre eigene Nachtbarschaft geäußert hatten.

R. Maestro
R. Maestro
4 Jahre zuvor

Frau Mortler macht intensiv genug Werbung für den Kreuther Geist.
Als Drogenbeauftragte? Für Schnaps mit. 38% Alkohol!!!

Das Kiffen ihres Sohnes, als Drogenbeauftragte?
Diese Person ist kein Vorbild, Rechtlich vielleicht, moralisch, nein.
Wer sich steigende Todeszahlen als Erfolg auf die Fahne schreibt, ……
Es ist unser aller Zukunft, immer mehr sterbende sind kein Erfolg!!!!!!!!!!!

R. Maestro
R. Maestro
4 Jahre zuvor

In der Wirtschaft wird man als angeblicher“fachfremder“ nicht ernst genommen.
Aber in der Drogenpolitik spielt dies keine Rolle.
Kompetente Personen werden, hm, annuliert?
das vorhandene Drogengesetz ist eine Diktatur!!!

train
train
4 Jahre zuvor

@R.Maestro Sie ist nicht ihr Sohn aber ja stimmt gerade sie müsste es besser wissen, welche Probleme eine Familie hat deren Kinder kiffen, wie schon geschrieben, die Kinder werden in den Schulen sofort als Dealer stigmatisiert anstatt das der wahre Täter ermittelt wird, (die Eltern werden durch die Polizei und Jugendamt gezwungen ihre Kinder in die Psychiatrie einzuweisen und diese erfinden Diagnosen und machen ein Milliarden Geschäft mit unnötigen aber viel zu teuren Medikamenten) aber ihr werdet lachen oft ist es das Verbot selbst das die Kinder er an die Drogen kommen lässt, denn die diese mutieren zu kleinen Erpressern, denn oft geben ihre größeren Geschwister die Drogen gar nicht freiwillig ab, es ist also nur eine Verzweiflungstat aus Angst… Weiterlesen »

R. Maestro
R. Maestro
4 Jahre zuvor

Heute verurteilt man junge Menschen, für etwas, was die heutigen Entscheider damals selbst getan haben,

Patrick
Patrick
4 Jahre zuvor

Die Debatte war schlichtweg krass. Der Dinosaurier von der AFD redete davon nicht die Büchse der Pandora zu öffnen, das die aber mit der allzeitigen zugreifbarkeit auf Alkohol schon lange auf ist bedenken die irgendwie nicht und der kleine von der Union hat sich in Rage geredet (sehr professionell) und hat nicht mal Fragen zugelassen ( bestimmt keine Gegenargumente). hoffentlich bekommt sowas keinen Posten für wichtige Entscheidungen. Letztendlich gaben diese Redner nur Preis was das Leben der zehntausenden Alkoholtoten jedes Jahr wert ist. Das müsste dann so ziemlich genau der Wert sein der durch die Alkoholsteuer pro Jahr eingenommen wird.ohohoh. da muss ich dem Vorschlag der AFD gerade zu was gutes abgewinnen,den Alk und Kippen auch zu verbieten. Aber ne… Weiterlesen »

R. Maestro
R. Maestro
4 Jahre zuvor

Vor der Geburt fast tot geschlagen, nach der Geburt sofort weggegeben.
Medikamente zur Ruhigstellung. Am Bett festgebunden, gestopft, nicht gefüttert, bis das Futter erbrochen wurde, dann weiß man, der kurze ist satt genug.
Das ist nur der Anfang. Ich bin sicher auch nicht der einzigste diesbzgl.
Dass man in Bayern zum Alkohol-Konsum herangezogen wird, ist nicht neu, aber total verlogen.
Null tote bei Cannabis, ca. 74000 tote beim Alkohol, jährlich!!!
Vielleicht hat es auch den Grund, des sozialverträglichen Frühablebens.
740000 Renten weniger zahlen zu müssen, rechnet sich.
Worum geht es wirklich,
um Renten, um Kosten, sozialverträgliches Frühableben?

Oder vielleicht sogar um die Menschen?

R. Maestro
R. Maestro
4 Jahre zuvor

Frau Mortler und Konsorten: wollen Sie eine Steinzeitpolitik?

Bis 1957 durften Frauen ohne Zustimmung ihres Ehemannes kein eigenes Konto eröffnen.