Samstag, 14. Mai 2016

Interview mit Higher Authority

 

Interview mit Ade Blackburn – Higher Authority

 

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Autorin: Janika Takats

 

„Die konservative Regierungspartei wird es nicht riskieren sich das Thema Cannabis-Legalisierung auch nur anzugucken.“

 

 

Wenn Bands lange Zeit Musik aufnehmen und durch die Gegend touren, kommt es häufiger vor, dass die einzelnen Bandmitglieder nicht vollständig ihrem kreativen Drang nachgehen können, da der Konsens der Gruppe in Vordergrund steht. Um der Selbstverwirklichung freien Lauf zu lassen, machen manche Bands dann Pausen, damit genug Raum da ist, die Solokarrieren zu pflegen. Im Fall der Mitglieder der britischen Art-Rock Band Clinic aus Liverpool kann von einer Pause nicht die Rede sein. Vielmehr haben Sänger Adrian „Ade“ Blackburn und Keyboarder Jonathan Hartley kurzerhand beschlossen, als Duo mit dem Namen Higher Authority eigene Wege zu gehen und sich mit experimentellen Klängen einmal so richtig auszutoben.

Als Veröffentlichungstermin ihrer ersten Scheibe „Neptune“ haben sich die beiden für den 20. April entschieden, um diesen für Hanffreunde besonderen Tag zu würdigen. Grund genug die Band etwas genauer kennen lernen zu wollen. Kurz nach der Veröffentlichung hat sich Ade Blackburn die Zeit genommen uns ein paar Fragen zu beantworten.

 

 

 

Im Internet finden man nur wenig Informationen über dich und Higher Authority. Fang doch bitte damit an dich den Lesern vorzustellen.

 

Ich habe in der Band Clinic angefangen Musik zu machen. Wir haben unsere erste Single im Jahr 1997 herausgebracht. Seitdem haben wir sieben Alben für Domino Records aufgenommen. Zusammen mit dem Keyboardplayer der Band Hartley habe ich dann Higher Authority gestartet. Wir haben abseits der Band angefangen uns mehr und mehr für elektronische Musik zu interessieren und uns irgendwann dazu entschlossen, ein eigenes bzw. separates Album aufzunehmen. Wir machen jetzt seit fast 20 Jahren Musik, da war es mal an der Zeit etwas Neues auszuprobieren. Ich denke, dass es immer gut ist, sich verschiedenen Situationen und Umständen auszusetzen. Dadurch zwingt man sich eine neue Perspektive einzunehmen und Dinge dadurch auf andere Weise zu sehen.

 

Wodurch unterscheidet sich das Musik machen zwischen Clinic und Higher Athority?

 

Die Art des Aufnehmens war anders. Wir haben vieles spontaner entschieden und gemacht. Gleichzeitig haben wir das Projekt nicht ganz so ernst genommen. Es sollte Spaß machen. Bei Higher Authority hat Hartley die Hälfte der Songs geschrieben und auch gesungen. Bei Clinic bin ich sonst derjenige, der all die Songs singt. So sind sie mehr von Hartleys` Stil und seinen Ideen geprägt. Er hat sich schon immer für die Veränderung und Manipulation von Klängen interessiert. Hier hatte er mal die Gelegenheit sich richtig auszutoben. Es geht also bei Higher Authority hauptsächlich darum zu experimentieren.

 

Werden sich die beiden Bands gegenseitig beeinflussen? 

 

Sicherlich. Es ist ein hin und her, auch mit den anderen Musikern der Band. Wir inspirieren uns gegenseitig und diese Inspiration wirkt sich auch auf andere Projekte außerhalb der Band aus. Trotzdem lassen sich die beiden klar auseinander halten. Higher Authority wird von Disco und Funk dominiert und es kommen jede Menge synthetische Klänge zum Einsatz. Bei Clinic hingegen herrscht ein rauerer und punkiger Gitarrensound vor.

 

Was zeichnet das neue Album „Neptune“ aus?

 

Wir haben das Album zusammen mit  Adrian Sherwood gemischt. Adrian ist ein Produzent, der sich auf Dub spezialisiert hat. Diese Zusammenarbeit hat dem Album einen eigenen Sound und Charakter gegeben. Wir wollten viele Echos und Special Effects. Wir wollten ein Album, das friedlich wirkt aber dennoch unterschwellig abgedreht klingt.

 

Habt ihr im Vorfeld schon Erfahrungen mit dieser Art von Musik gesammelt?

 

Wir sind seit langen Fans von derartiger Musik, aber wir haben vorher noch nie mit jemandem zusammen gearbeitet, der sich damit auskennt, sie zu machen. Adrian hat sein eigenes Studio. Dort konnten wir viele ausprobieren und uns quasi unsere eigenen Klangwelten erschaffen.

 

Als Veröffentlichungstermin habt ihr 420 gewählt. Warum?

 

Die Zahl 420 und damit verbunden das Datum der 20. April hat in Kiffer-Kreisen eine besondere Bedeutung. Ich habe das Rauchen immer als eine Quelle der Inspiration und der Kreativität gesehen. Auf der anderen Seite haben wir es einfach für eine lustige Idee gehalten. „Neptune“ ist ein Album, das man mit etwas Humor betrachten bzw. anhören sollte. Auf unserem Albumcover ist eine kiffende Ananas zu sehen, da hat das Datum einfach gepasst.

 

Welche Rolle spielt Cannabis in deinem Leben?

 

Ich denke Cannabis kann einem dabei helfen sich zu entspannen und hilft gleichzeitig auch dabei, den Geist für neue Einflüsse zu öffnen. Ich denke, dass es wesentlich besser ist als Alkohol, welcher sehr viel Schaden anrichten kann. Für mich ist das, was Cannabis dir geben kann westlich besser und auch die Risiken sind eindeutig geringer als bei dem Konsum von Alkohol. Daher denke ich, dass es auf jeden Fall legalisiert werde sollte.

 

In Großbritannien ist Cannabis nach wie vor illegal. Wie wirkt sich das in der Praxis aus?

 

Cannabis wurde nicht entkriminalisiert in Großbritannien, aber ich habe das Gefühl, dass immer mehr Polizeikräfte in verschiedenen Regionen Englands quasi wegschauen und Konsumenten nicht mehr so stark verfolgen wie es noch vor einigen Jahren der Fall war. Auf der anderen Seite ist es natürlich immer noch illegal und daher können sich selbst einfache Konsumenten nicht sicher sein, dass sie ohne Schwierigkeiten davonkommen.

Durch die Veränderungen, die in verschiedenen Ländern stattfinden und besonders durch die Legalisierung in einigen US-amerikanischen Staaten, wird sich auch bei uns früher oder später etwas ändern, davon gehe ich zumindest aus.

 

Aktuellen Berichten zufolge sind die Festnahmen wegen Cannabis-Besitz zurückgegangen und rund die Hälfte der Bevölkerung würde die Legalisierung befürworten. Glaubst du, dass sich daher politisch bald etwas ändern wird?

 

Auf politischer Ebene sieht es momentan eher schlecht aus. Derzeit ist die konservative Partei von David Cameron an der Macht. Diese wird es nicht riskieren sich das Thema der Cannabis-Legalisierung auch nur anzugucken. Dazu ist das Thema zu umstritten. Auf der anderen Seite ist die Labour Partei in keiner starken Position und kann daher was Cannabis betrifft nicht viel ausrichten. Ich denke, dass es wohl noch bis zu 20 Jahre dauern könnte, bis sich in Großbritannien wirklich etwas bewegt. Zuerst müssen Veränderungen in anderen Ländern bewirkt werden, bevor sich bei uns etwas in Bewegung setzt. Es braucht nun mal eine lange Zeit bis sich politisch etwas im Land verändert. Da ist England keine Ausnahme, das ist in Deutschland bestimmt auch nicht anders.

Wahrscheinlich hat Cannabis momentan am ehesten eine Chance sind als Medizin und Heilmittel zu etablieren. Wenn dieser Schritt getan ist, werden auch mehr Leute bereit sein, es für den Konsum als Genussmittel zu akzeptieren. Wenn mehr Menschen mitbekommen, dass Cannabis etwas ist, dass Beschwerden lindern und damit unzähligen Patienten helfen kann und sie gleichzeitig mitbekommen, dass Cannabis die Konsumenten nicht in willenlose und gefährliche Monster verwandelt, wird die Akzeptanz steigen. Cannabis als Medizin wird also helfen ein Umdenken in der Gesellschaft und in der Politik zu bewirken, aber auch das wird Zeit brauchen.

 

Wie geht es für dich weiter? Wirst du sowohl in Clinic als auch in Higher Authority aktiv bleiben?

 

Ja beide Bandprojekte werden weiter laufen. Es ist bereits ein neues Clinic Album in Planung, dass im nächsten Jahr erscheinen soll. Nachdem das Album erschienen ist, hatten wir wieder mehr Zeit uns auf die Musik von Clinic zu konzentrieren. Gleichzeitig arbeiten Hartley und ich bereits an neuem Material für Higher Authority. Es wird wohl also auch da ein zweites Album geben. Diese soll dann mehr für die Tanzfläche gemacht werden. „Neptune“ ist ziemlich abgespaced. Bei der nächsten Scheibe wollen wir uns mehr auf die Tanzbarkeit konzentrieren. Eine Tour zum Album ist nicht geplant. Nächstes Jahr werden Hartley und ich allerdings losziehen. Wir hoffen, dass wir bis dahin noch eine oder mehrere Singles veröffentlichen werden, mit denen wir dann auf Tour gehen. Früher oder später wird man unsere Stücke also auch live zu hören bekommen. Darauf freue ich mich, denn bisher haben wir recht viele positive Rückmeldungen auf unser Album erhalten.

 

Vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview benommen hast.

 

 

Eine Antwort auf „Interview mit Higher Authority

  1. „Die Poesie des Unendlichen“ https://www.youtube.com/watch?v=KYVJ-oQbciQ

    Danke, die Zeit habe ich mir gerne genommen. Das ist ein interessantes und anregendes Interview gewesen. Es hat mich neugierig gemacht. Neugierig auf die Musik und neugierig auf die Menschen und die „Kreativität“, die dahinter ist. Ich mag diese „Symbolik“, diese „Tiefe“ und „Vielschichtigkeit“. Die „Perspektive“ zu wechseln regt die „Fantasie“ an. Was die Wirkung von Cannabis, auf eh schon kreative „Geister“ anbelangt, kann ich nur zustimmen. Am liebsten sitze ich am Wasser und denke über das Universum nach, dabei habe ich immer Musik im Kopf. Das sind Schwingungen, die mich bewegen. So denke ich dann auch. Musik ist wunderschön. „Schwingungen sind Wellendimensionen in Bewegung“. Daran musste ich beim Lesen des Interviews denken. Musik ist eine „Wellendimension“, ein „rekursives Paradoxon“, ein „Prinzip des Universums“.

    Ein sehr inspiratives Interview. Ich hoffe nur, dass es mit der Wiederlegalisierung viel schneller gehen wird. Wir müssen das selbst in die Hand nehmen, nicht auf die „Politik“, die „Authority“ warten, denn wir sind die „Higher Authority“. Ein schönes Wort- und Gedankenspiel.

    Danke für das Interview. 🙂 Ich empfehle zur Anregung der Fantasie, wenn mir das gestattet ist, diesen Film: „Die Poesie des Unendlichen“ Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=KYVJ-oQbciQ

    „Ich habe das Rauchen immer als eine Quelle der Inspiration und der Kreativität gesehen.“ Das gilt sogar für manche/n MathematikerIn/AstrophysikerIn! 😉 Auch wenn sie es (noch) nicht zugeben mögen…

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