Freitag, 22. April 2016

Cannabis für Mexiko und Kanada

 

Während die UN still steht, preschen zwei Länder vor

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Gestern ging die UNGASS (United Nations General Assembly Special Sesson) in New York zu Ende und wie bereits von Kritikern der aktuellen internationalen Drogenpolitik befürchtet, brachte die erste Generalversammlung zum Thema Drogen nach 20 Jahren keine bahnbrechenden Neuerungen oder ein Umdenken im Umgang mit illegalen Drogen bzw. den Konsumenten. Die Versammlung ließ eine Spaltung zwischen einigen Ländern, welche den War on Drugs als gescheitert ansehen und daher ein Umdenken fordern und den asiatischen, muslimischen Ländern sowie Russland, die an der harten Linie festhalten wollen und harte Bestrafungen als wichtigen Bestandteil im Kampf gegen Drogen sehen, erkennen. So konnte keine Einigung erzielt werden.

 

Während die Versammlung mit einem ernüchternden Ergebnis endete, gab es zwei Lichtblicke in Bezug auf die Legalisierung von Cannabis. So kündigte Mexiko gestern an, Cannabis liberalisieren zu wollen. Konkret wolle Präsident Enrique Peña Nieto eine Initiative in den Kongress einbringen, welche die medizinische Nutzung von Marihuana zulässt und die straffreie Menge für den Eigenbedarf von fünf auf 28 Gramm erhöht. Zukünftig sollen die Menschen im Vordergrund stehen: „Drogensucht sollte mit Präventivmaßnahmen begegnet werden. Konsumenten sollten nicht länger kriminalisiert werden“ heißt es in der Gesetzesinitiative. Ende letzten Jahres hatte das mexikanische Verfassungsgericht das Gesetzt, welches den Konsum von Cannabis verbietet als verfassungswidrig eingestuft und vier Konsumenten den Eigenanbau gestattet. Dies hatte eine öffentliche Debatte losgetreten und eine Kommission wurde ins Leben gerufen, die mögliche Optionen für einen straffreien Umgang mit Cannabis erarbeiten sollte.

 

Auch Kanada ließ sich von der trägen Haltung der UNO-Gesandten nicht aufhalten. Am Mittwoch (420) kündigte die kanadische Gesundheitsministerin Jane Philpott während der UNGASS an, dass ihr Land die totale Legalisierung von Cannabis ansteuere. Im Frühjahr nächsten Jahres solle eine entsprechende Gesetzesvorlage vorgestellt werden. Kanadas Ministerpräsident hatte sich seit seinem Amtsantritt im Jahr 2015 für die Legalisierung ausgesprochen und angekündigt die nötigen Schritte zu gehen. Philpott legte der Zuhörerschaft dar, dass Cannabis für Patienten in Apotheken erhältlich sei und sie dieses auch selbst anbauen dürften. Trotzdem konnte der illegale Handel in Kanada nicht gestoppt werden und stelle nach wie vor – auf Grund fehlender Kontrollen –  eine gesundheitliche Bedrohung für die Bevölkerung dar. „Wir werden die Gesetzgebung im Frühjahr 2017 einführen, um Marihuana von Kindern fernzuhalten und Profite von Kriminellen.“, lautete daher Philpotts Ankündigung. „Während dieser Plan den Status quo in vielen Ländern anfechtet, sind wir davon überzeugt, dass dies der richtige Weg ist, um unsere Jugend zu schützen und öffentliche Sicherheit zu gewähren.“

3 Antworten auf „Cannabis für Mexiko und Kanada

  1. https://diehanfinitiative.de/index.php/prohibition

    [… „Wir wussten, dass wir es nicht illegal machen konnten, gegen den Krieg oder schwarz zu sein, aber indem wir die Öffentlichkeit dazu brachten, die Hippies mit Marihuana und die Schwarzen mit Heroin zu assoziieren, und beides streng kriminalisierten, konnten wir diese Bevölkerungsgruppen schwächen. Wir konnten ihre Anführer festnehmen, Razzien in ihren Häusern durchführen, ihre Treffen auflösen, und sie Abend für Abend in den Nachrichten diffamieren. Wussten wir, dass wir logen, was die Drogen anging? Natürlich wussten wir das.“ …]

    John Ehrlichmann, ehemaliger Nixon-Berater.

    Wie war das? Mühsam ernährt sich…

    Was bei mir ziemlich übel angekommen ist und mir wieder einmal das „perfide System“ vor Augen geführt hat, war dass die Erklärung, das Papier, welches „verabschiedet“ wurde, schon vor dem Treffen festgeschrieben war. So war die Veranstaltung eigentlich „nur“ eine sehr teure Propagandashow.

    Trotzdem sehe ich das Glas lieber „halbvoll“ – und vor allem die öffentlichkeitswirksame Arbeit trägt Früchte. Dass gerade die „undemokratischen“ Staaten so blockieren hat mich dann nicht gewundert. Ist (nicht nur) in diesen Staaten doch das OK (Organisiertes Verbrechen – Organisierte Kriminalität) sehr stark. Seien es die „Triaden“ oder die berüchtigte „Russenmafia“, etc. Und wenn man die Hintergründe des „System Prohibition“ und seine Verflechtungen ein wenig kennt (z.B. Finanzsystem der „Finanzmafia“, Geldwäsche im Hyperstil, Offshore-Systeme, Militärischer Komplex, Geheimdienste, Pharmazie und das Zentralbanken-Kriegsführung-Investitionsmodell, usw.), dann ist diese Zähigkeit und der Widerstand der „Mächtigen“ nicht mehr verwunderlich, sondern sogar brutal folgerichtig und logisch (aus der Sicht dieser Systeme).

    Ein guter Artikel von Alexandra Endres in der „ZEIT ONLINE“ dazu:

    [… Drogenpolitik: Milliarden für einen nutzlosen Krieg

    Viele Staaten würden den Drogenkrieg am liebsten sofort beenden. Doch in der Sondervollversammlung der UN gibt es darüber nicht einmal eine ernsthafte Debatte. Warum?

    Von Alexandra Endres

    20. April 2016, 17:37 Uhr 165 Kommentare …]

    Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-04/drogenpolitik-un-konferenz-new-york-mexiko-konsum/komplettansicht

    Ich feiere die kleinen Erfolge und Fortschritte! Also weiter aufklären, Wissen vermitteln, auf die Straße gehen, die Justiz bemühen, Menschenrechte einfordern… Damit Bewegung in die Sache kommt. Nur wir Menschen, weltweit, gemeinsam als Völker-gemeinde können diese „Systeme“ ändern. Hoffen wir, dass wenigstens der Hanf aus diesem System auszuklinken ist. Es wäre nicht nur ein Segen für alle Patientinnen und Patienten, sondern – unserer Auffassung nach – für die gesamte Menschheit. Für uns und unsere Kinder und Enkel.

    Lieben Dank für die Aufmerksamkeit und ganz liebe Grüße an alle die guten Willens sind und uns dabei helfen 🙂 🙂 🙂 Danke.

  2. Surak

    Heißt das nicht „Assembly“ und „muslimisch“? Nur der Form halber, damit es nicht am Ende genau daran scheitert: Gute Rechtschreibung ist das halbe Leben. Fast wichtiger als gute Rechtsprechung heutzutage! 😀

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