Freitag, 8. April 2022

Hopfen? Wie wär’s mit Hanf?

Schweizer Forscher sehen Hanf als Hopfen-Alternative.

Cannabis dealer bier Hopfen
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Hopfen ist zwar der Superstar vieler modernen Biere, aber keineswegs eine notwendige Zutat. Schon vor Jahrhunderten tranken viele Ale (vor allem die Briten), welches traditionell ohne Hopfen zubereitet wurde. Heute wird allerdings auch diese Bierart oft mit Hopfen hergestellt – nicht ohne Grund nennt man es die „Seele des Bieres“. Der Klimawandel tut der Pflanze allerdings nicht gut: Die hohen Temperaturen und sonnigen, trockenen Sommer schaden dieser und machen sie zudem anfälliger für Schädlingsbefall. Schweizer Forscher haben sich also nach Alternativen umgesehen und stießen auf: Hanf.

Ein Abfallprodukt der Industriehanfproduktion soll Hopfen ersetzen – überraschenderweise sind es genau die Blüten, die bei Industriehanf oft nicht gebraucht werden. Die bittere Note von Hanfblüten, freigesetzt im Brauprozess, kommt nicht rein zufällig der von Hopfen sehr nahe: Die beiden gehören zur selben botanischen Familie. Daher kam der Forscherin Amandine André von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften auch die Idee, Hanf als Ersatzprodukt zu benutzen.


Ziel der Forscherin und ihrer Kollegen war allerdings nicht, ein Hanfbier herzustellen – das gibt es ja bereits. Das auf Hanfblüten basierende Bier soll im Geschmack exakt seinem hopfenhaltigen Cousin gleichen. Dafür suchten die ForscherInnen lange nach den richtigen Sorten und dem passenden Rezept; die chemische Struktur der Pflanzen – Hopfen wie Hanf – wurde genau betrachtet, um festzustellen, dass sich die Bitterstoffe unterscheiden. Daher braucht es beinahe vier Mal so viel Hanf wie Hopfen, zugefügt werden muss dieser am Ende des Brauprozesses – ein für den Brauprozess ungewöhnliches Verfahren.

Die Früchte der jahrelangen Arbeit konnten aber bereits geerntet werden: Zwei Pilsner-Bier-Sorten auf Grundlage von Hanfblüten wurden gebraut. Eines völlig ohne Hopfen und eines mit einem Viertel Hopfengehalt. Die Blindverkostung zeigte: Das reine Hanfbier schmeckte noch immer nach Hanf, allerdings weniger als kommerziell erwerbliches Hanfbier. Das Hybrid-Bier war jedoch ein voller Erfolg: Von der (zugegeben recht kleinen) Testgruppe aus sieben „Probanden“ konnte niemand einen Unterschied zwischen Hanfbier und herkömmlichen Bier feststellen. Kein Hanfgeschmack war feststellbar. André möchte nun so bald wie möglich eine Brauerei finden und das Hanfbier für eine kommerzielle Vermarktung weiterentwickeln.

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Maik
Maik
1 Monat zuvor

Funfakt am rande. Hopfen und Hanf sind Verwandte. Ein schelm wer dabei böses denkt.

Rainer
Rainer
1 Monat zuvor

Hoffentlich nehmen die Deutschen das Hippybier an.

UngeimpftUndFrei
UngeimpftUndFrei
1 Monat zuvor

Wenn es der Legalisierung dienlich ist, dann holen wir eben auch die Säufer noch mit ins Boot.

Haschberg
Haschberg
1 Monat zuvor

Hab schon mal Hanfbier getrunken und es hat mir gut geschmeckt.
Hoffe, dass dies künftig ein neuer Verkaufsschlager wird, ganz nebenbei zu den vielen anderen feinen Hanfprodukten.
Da Hopfen und Hanf ohnehin verwandt sind, verstehe ich nicht, weshalb gerade die Bayern die eine Pflanze so sehr lieben, die andere dagegen, die ja noch viel mehr gutes Potential vorweisen kann, aber über alles hassen und bekämpfen.
Das ist einfach nur haltlos und dumm.

Ramon Dark
Ramon Dark
1 Monat zuvor

Die beruhigende Wirkung von CBD und die des Hopfens ergänzen sich gut. Gibt auch hervorragende Teemischungen davon. Ich persönlich würde darum ein Hybrid-Bier bevorzugen, aber lieber eines, das trotz Hopfen den Hanfgeschmack enthält. Kann natürlich gerne auch THC enthalten und eventuell sogar alkoholfrei sein. Nach einer Legalisierung gäbs endlich viel Spielraum für neue (oder vielleicht auch alte) Sorten. Damit könnten Hofbräuhaus und Oktoberfest in München garantiert mindestens einen doppelten Umsatz machen. Aber die Mehrheit in Bayern ist dazu wohl leider noch zu festgefahren in Vorurteilen und im traditionell schwarzbraunen Amigosumpf.

Chugon
Chugon
1 Monat zuvor

@Maik Funfakt am Rande das steht im Artikel.