Mittwoch, 15. August 2018

WHO zweifelt an der Cannabis-Prohibition

 

 

Im Spätherbst will die Weltgesundheitsorganisation die Drogen-Klassifizierung von Cannabis neu bewerten

 

 

Cannabis

 

 

Sadhu van Hemp

 

 

Anfang Juni dieses Jahres kam das „Expert Committee on Drug Dependence“ (ECDD) der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO) in Genf zusammen, um darüber zu diskutieren, inwieweit die Einstufung von Cannabis als gefährliche Droge noch haltbar ist. Bei dieser „Vorprüfung“ stellte das ECDD fest, dass es genügend wissenschaftliche Beweise gibt, um die Klassifizierung von Cannabis in der Substanzkategorie der harten Drogen einem mehrstufigen Überprüfungsprozess zu unterziehen. Cannabis sei ein „relativ sicheres Medikament“ und keine Substanz, die zu tödlichen Überdosen führe. Zudem lägen keine Beweise vor, dass die Einnahme von Cannabis das Herz-Kreislauf-System gefährde, vielmehr besäße das Heilkraut die Fähigkeit, das Wachstum von Krebszellen zu verlangsamen. Ein Gesundheitsrisiko bestehe nur beim Rauchen von Cannabis, doch das sei zu vernachlässigen, da sich die Anwender zunehmend anderer Konsumformen bedienen, etwa durch den Einsatz von Vaporizern oder die orale Einnahme. Die einzige Nebenwirkung von Marihuana sei „Euphorie, Lachen und Redseligkeit“.

 

Im November will die WHO erstmals eine gründliche Überprüfung der Heilpflanze durchführen. Wissenschaftliche Experten aus den Fachbereichen der Pharmakologie, Toxikologie und Epidemiologie werden die therapeutische Anwendung von CBD und THC untersuchen, um abschließend zu bewerten, inwieweit Cannabis unter Kontrolle gehört bzw. nach internationalem Recht einzuschränken ist.

„Viele Länder erlauben die Verwendung von Cannabis zur Behandlung von Krankheiten wie Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Depressionen, Schmerzen nach Verletzungen und Multipler Sklerose“, heißt es in dem Bericht des ECDD. „Die dem Ausschuss vorgelegten Beweise deuten nicht darauf hin, dass Cannabispflanzen und Cannabisharz ähnliche schädliche Wirkungen haben wie andere Substanzen, die in Anhang IV des Einheitsabkommen über Betäubungsmittel von 1961 über Suchtstoffe aufgeführt sind. Die Einstufung von Cannabis und Cannabisharz in die Substanzkategorie IV scheint nicht mit den zugrunde gelegten Kriterien vereinbar zu sein.“

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus reagierte auf den Bericht der Kommission mit der Ansage, dass „es genügend Beweise gibt, um eine kritische Überprüfung aller Aspekte hinsichtlich des Hanfverbots vorzunehmen“.

 

Nach der vollständigen Überprüfung im November wird UN-Generalsekretär Antonio Guterres den Bericht des Expertenkomitees entgegennehmen und das Thema voraussichtlich vor die UNO bringen. Ein Rückzieher des ehemaligen Präsidenten der Sozialistischen Internationale wird nicht erwartet. Denn der Linkspolitiker Guterres kennt sich als Ex-Premierminister von Portugal in Sachen Drogenpolitik aus wie keiner anderer: In seiner Amtszeit als Regierungschef entkriminalisierte Portugal 2001 den Besitz kleiner Mengen Drogen.

 

Sollte die UNO beschließen, Cannabis als harmlose Substanz umzuklassifizieren, wird es eng für all die Staaten, die aus rein ideologischen Motiven und im Auftrag der kriminellen Drogenkartelle am Anti-Hanf-Krieg festhalten. Vorneweg käme die US-Regierung in Zugzwang, die Klassifizierung von Marihuana in der Liste I des „Controlled Substances Act“ zu überdenken.

Es könnte also erstmalig in der Geschichte der Cannabis-Prohibition spannend werden, wenn die USA auf Anweisung der UNO den ohnehin nicht mehr aufzuhaltenden Paradigmenwechsel in der Drogenpolitik einleiten (müssen). Auch die transatlantischen Busenfreunde Deutschland und Österreich könnten schwer ins Schwitzen geraten, wenn sich in naher Zukunft internationale Gerichte in die Drogenpolitik einmischen und von den rechtskonservativen Regierungen in Berlin und Wien Rechtsstaatlichkeit in Sachen Hanf einfordern.

 

13 Antworten auf „WHO zweifelt an der Cannabis-Prohibition

  1. R. Maestro

    Das ist ja fast schrecklich. Dann müssen unsere Drogenbeauftragten ja zugeben, uns belogen zu haben.
    Was macht dann unsere Exekutive? Mit welchen „Schwerverbrechern“ werden dann die Dateien gefüllt und gepflegt?
    Wer wird dann verfolgt und gegängelt?
    Wie bisher, man wird schon jemanden finden.
    Vielleicht Kaffeetrinker, Brillenträger oder Turnbeutelvergesser.
    Hoffentlich nicht die Brillenträger, ich habe eine.
    Wie seit Jahrzehnten werden es Ideologien sein, welche ausschlaggebend sind und mit Intelligenzbestien sind wir ja anscheinend überversorgt, (gelle, Marlenchen ?)

    Ein Konsument, weiß wenigstens, wovon er spricht.
    Unserer aktuellen Drogenpolitik reicht das „Hören-Sagen“ für Verfolgung, Vernichtung, Denunzierung, Zerstörung, Haftstrafen, Waffengewalt, Vernichtung von Existenzen, ….., und wenn es hierzulande die Todesstrafe noch gäbe, …..
    Die Todesstrafe gibt es hier nicht mehr, aber man hat sich ja sehr viele weitere Möglichkeiten offen gehalten.

  2. Fred

    Hört Hört ! Vernunft greift um sich.

    // Die einzige Nebenwirkung von Marihuana sei „Euphorie, Lachen und Redseligkeit“. //

    Genau ! Und jetzt bin ich mal gespannt, was sich die Damen und Herren aus der Union jetzt wieder einfallen lassen, um am Verbot festzuhalten. Wahrscheinlich
    “ Cannabis ist gefährlich,weil … erst gerät man in Euphorie, dann quasselt man seine Mitmenschen voll und zum Schluss lacht man sich tot “

    Das Verbot gehört abgeschafft ! Sofort und ohne weitere Mätzchen.

  3. Rainer Sikora

    Die korrupten Politiker wissen,wie man etwas verhindert.(Erpressung,Bedrohung und Bestechung).Und sich danach als Retter aufspielen.

  4. Ralf

    „Anfang Juni dieses Jahres kam das „Expert Committee on Drug Dependence“ (ECDD) der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO) in Genf zusammen, um darüber zu diskutieren, inwieweit die Einstufung von Cannabis als gefährliche Droge noch haltbar ist.“
    Man beachte die Formulierung am Ende !
    Es geht eben nicht um die Frage ob dies von vorne herein ein Menschenrechtsverbrechen war, welches, als Rechtfertigung nichts als den Rassismus und die Hirngespinste eines irren Nazis(Anslinger,der Erfinder dieses Verbrechens war aktiver Nazi) hatte.
    @R.Meastro:“Unserer aktuellen Drogenpolitik reicht das „Hören-Sagen“ für Verfolgung, Vernichtung, Denunzierung, Zerstörung, Haftstrafen, Waffengewalt, Vernichtung von Existenzen, ….., und wenn es hierzulande die Todesstrafe noch gäbe, ….“
    Es geht der WHO darum ob die Unterdrückung einer Minderheit „noch haltbar ist“.
    Das heißt im Klartext:“Wir haben zwar ein halbes Jahrhundert unsere Macht mißbraucht und würden auch gerne noch so weiter machen, da das dazu nötige Unrecht aber „nicht mehr haltbar“ ist werden wir eben unsere Macht noch einmal mißbrauchen um aus der Sache sauber raus zu kommen.
    Um es mit einem alten Volkslied auszudrücken:
    Prohibition ade!Scheiden tut weh!Aber der Persilschein macht,daß mir das Herze lacht!

  5. Otto Normal

    @ralf
    /IronieOn
    Nunja hinterher ist man eben schlauer. Im 3. Reich wußten auch viele nicht was mit den Juden geschieht. Die Siegermächte mußten den Bürgern erst die KZ zeigen. Das es nicht ok ist Menschen in einen luftdichten Raum einzusperren und Giftgas einzuleiten wurde uns auch erst NACH dem Krieg klargemacht.
    Tja sorry für das begangene Unrecht aber man lernt eben nicht aus.
    /IronieOff

    Aber keine Sorge hier wird nix legalisiert weil:
    1. hier ist Täuschland
    2. mir san mir
    3. siehe Nr. 1

  6. Peter

    Das ist ja wirklich interessant. Warum verbreitet sich diese Nachricht nicht in den Medien? Ich kann sonst nichts darüber finden.

  7. Josef Rohaczek

    Es ist höchste Zeit der Drogen Lüge zu beenden. Auch der Kokastrauch und der Schlafmohn gehören runter von der UN-Drogenliste. Das Einheitsabkommen von 1961 gehört dringend evaluiert.

  8. buri_see_käo

    @Peter, ich hatte darüber schon was mitbekommen, über Medien. Aber auch was es heute gab war bemerkenswert: http://www.canopygrowth.com wurde zu ca. 38% von einem Getränkekonzern gekauft, das hat (bei Tradegate sichtbar) zu max. 40% Aufw. der Wertpapiere geführt. Ey die Altsenilen hierzuDE, was die Steuern und Kifferhatz-Resourcen verbrennen…

  9. Der Realist ohne Kraut

    Wie es hier bereits schon einige Male erwähnt wurde, glaube auch ich daran, dass selbst wenn der WHO eine drastische Änderung herausgibt, unser Staat das zu beugen wissen wird.

    Sollten sich Banken oder große Lobbyisten sich dem Thema mit neutraler Handlung bereichern wollen, werden viele Parteifreunde ihre Tasche füllen wollen.

    Meine Partnerin hält selbst z.B. nichts vom grünen Heilkraut, will aber diese sch**ße mit der Kriminalisierung und alle anderen Dinge, die Dank unserem Staat auferlegt wurden, nicht. Genau so sehen es viele in meinem Umfeld, die Kontakt mit Cannabis hatten oder auch nicht. Ich finde, dass sagt alles!

    Wenn’s doch mal ein Wunder gibt, der Staat einlenkt, sind unsere Kommentare verstaubt und wir längst vergessen…

    Vor wenigen Tagen trank ich seit Langem wieder Alkohol und fühlte mich unfassbar mies. Alle hier wissen sicher, was ich meine. Das hatte ich mit Cannabis nicht einmal.

    Ich denke gerne an den Nov. 2017 zurück. Da war mein benebeltes Hirn noch optimistischer, als es jetzt ist. Ich will wieder abso-verdammte-Sch**ße-lut im Dunst des Genusses sein. Und dies gefälligst auch legal!

    Wer jetzt glaubt, ich wäre high, den kann ich nur enttäuschen. Stehe noch immer auf der Liste der Staatsmacht Dank meiner dümmen Schwägerin!

    Ich wünsche euch, mir und alle anderen die wissen, dass Cannabis 1000mal besser (und gesünder) als Alkohol ist, alles Gute und eine baldige freie Rauschwahl!

  10. Vakuumgarer

    Krebs , Alzheimer und Alkoholsucht kann Cannabis heilen , ohne Arzt , Apotheke und Pharmafirma . Cannabis ist eine Medizin und nicht Tötlich . Hanfbeton ist stabiler . leichter und billiger als gewöhnlicher Beton . Ein Hektar Hanf erzeugt, dreimal ,mehr Cellulose ,als ein Hektar Wald . Der Alkohol und Taback Umsatz bricht nach einer Legalisierung von Cannabis , zusammen .

  11. Headshot for Earth Overshoot

    Cannabis fördert im Gegensatz zum Alkohol, Empathie ,die Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen.. Cannabis ist ein Empathogen .

  12. Greenkeeper

    Es wird allerhöchste Zeit, dass dieses dümmliche Einheitsabkommen über Betäubungsmittel von 1961 schleunigst dorthin verfrachtet wird, wo es hingehört: In die Mülltonne! So ein nutzloses Abkommen ist nichts anderes als ein ideologiegeladenes Papier machtgeiler Politiker. Was dort beschlossen wurde, hält keiner seriösen wissenschaftlichen Überprüfung stand. Der Imageschaden für den Hanf und seine Anhänger weltweit war und ist heute noch enorm. Erwachsene Menschen werden durch die Prohibition seit Jahrzehnten zu Unrecht kriminalisiert oder in ihrer Selbstbestimmtheit überhaupt nicht ernst genommen. Ein gewaltiges ökonomisches Wachstumspotenzial wird durch bornierte Polit-Ideologen unterdrückt. Kriminelle Kräfte streichen die Gewinne ein, alles am Fiskus vorbei. Die Nachfrage nach Cannabis war immer vorhanden und das wird sich nie (nie!) ändern. Der Hanf ist ein Geschenk der Natur (für alle gläubigen Menschen, wenn man so will: ein Geschenk Gottes). Als Mensch daraus nichts zu machen, das zeugt von Dummheit, von Kulturlosigkeit.

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