Mittwoch, 31. Mai 2017

Alternativer Drogen- und Suchtbericht 2017 veröffentlicht

 

Immerhin ist Cannabis nun wieder Medizin …

 

Bild:Public Domain

 

akzept e.V. – der Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik – hat gestern den Alternativen Drogen und Suchtbericht 2017 veröffentlicht, nachdem einen Monat zuvor die offizielle Kriminalstatistik und der Jahresbericht 2016 der Drogenkriminalität herausgegeben wurden. Schon die steigenden Werte in der Konsumentenverfolgung ließen wenig Gutes in der weiterhin verfolgten Strategie des Drogenkrieges finden, doch besonders die wachsenden Zahlen unter den Drogentoten zeigten im Zusammenhang mit der erhöhten Strafverfolgung gewöhnlicher Nutzer die Sackgasse, in der sich die Politik befindet.

 

So muss auch der Alternative Drogen- und Suchtbericht 2017 festhalten, dass sich unter den 302.000 von Staatsseite ermittelten Rauschgiftdelinquenten insbesondere jugendliche und heranwachsende Personen befänden, die ungefähr die Hälfte der leicht aufgeklärten „Straftaten“ begingen. So wäre es laut den Herausgebern des Berichtes, Dr. Bernd Werse und Prof. Dr. Heino Stöver, aus Polizeikreisen auch schon häufiger zu vernehmen gewesen, dass Reviere ihre Erfolgsquoten in den Statistiken durch simple Drogenjagd erhöhen würden. Die Kontrolldelikte im Sektor gewöhnlicher Konsumenten garantierten schließlich eine Einhundert-Prozent-Aufklärungsrate, was den Enthusiasmus der Beamten erklären könne. Die folgende Stigmatisierung der festgenommenen Personen hinterließe dagegen einen nicht zu verachtenden Schaden im Leben des anschließend abgestempelten Menschen. Da sich die Prohibition auch im Alternativen Drogen- und Suchtbericht 2017 wieder einmal äußerst kontraproduktiv darstellt, wird eine legale und staatlich überwachte Drogenabgabe empfohlen, die den Schwarzmarkt austrocknet und Konsumenten Sicherheiten gewährt, während ein sinnvoller Jugendschutz erstmalig wirken kann. Beim Alkoholkonsum kann der Alternative Drogen- und Suchtbericht 2017 schließlich auch positive Erkenntnisse über das Verhalten der jungen Bevölkerung nennen, da sich besonders der Trend vom einstigen „Komasaufen“ spürbar zurückentwickelt haben soll. Dennoch gäbe es natürlich immer noch genügend Rauschtrinker – und unter Jugendlichen zähle beim Alkohol in der Regel auch meist weniger der Geschmack des gewählten Getränkes oder dessen bewusster Genuss. Zigaretten sind dagegen aber ein weitaus größeres Übel, die Deutschland auch dank 300.000 Kippenautomaten auf den vorletzten Platz in der europäischen Nicht-Raucher-Gemeinschaft befördern. Die Drogenbeauftragte Marlene Mortler hätte in diesem Sektor schon längst einige Hebel in Bewegung setzen müssen – auch bezüglich der hierzulande weiterhin gut sichtbaren Tabakwerbung. Immerhin hat man mit dem Gesetz für Cannabis als Medizin eine alte Naturmedizin aus der kollektiven Vergessenheit gehoben, was im Alternativen Drogen- und Suchtbericht 2017 als ein eindeutig positives Zeichen gewertet wird.

 

Der Umschwung in eine faktenorientierte Drogenpolitik – anstatt bloß parteipolitische Glaubenssätze durchzusetzen – wird daher von Prof. Dr. Heino Stöver gefordert. Liberalisierungserfahrungen in anderen Ländern führten auch zu keinen steigenden Konsumentenzahlen.

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