Dienstag, 9. Mai 2017

Das Oberkommando des Anti-Drogenkrieges gibt bekannt

 

Marlene Mortler legt Jahresbericht 2016 zur Rauschgiftkriminalität in Deutschland vor

 

Bild: Pressefoto von Marlene Mortler

 

Im vergangenen Jahr sind 1333 Menschen in Deutschland an ihrem Drogenkonsum gestorben. Das waren neun Prozent mehr als 2015. Das geht aus dem aktuellen Zahlenwerk über die Rauschgiftkriminalität hervor, das gestern die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, und der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch, in Berlin bekanntgaben.

Haupttodesursache war die Überdosierung von Opioiden/Opiaten, teilweise in Verbindung mit anderen Substanzen. Zu einem erheblichen Anstieg der Todesfälle kam es in Zusammenhang mit dem Konsum von „Neuen psychoaktiven Stoffen“ (NPS). Insgesamt 98 Menschen überlebten die Einnahme sogenannter Designerdrogen nicht (2015: 39).

Ähnlich wie im Vorjahr waren 84 Prozent der Drogentoten männlich. Der Altersschnitt lag bei knapp über 38 Jahren. Deutscher Meister im Wettkampf um die meisten Drogentoten ist mit 321 Opfern der Freistaat Bayern.

 

2016 wurden auf deutschem Boden insgesamt 302.592 Rauschgiftdelikte zur Anzeige gebracht – eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um rund 7 Prozent. Der Anteil der Rauschgiftdelikte an der Gesamtkriminalität betrug wie in den Vorjahren rund 5 Prozent.

 

Einen Rekord gibt es auch bei der Sicherstellungsmenge von Genusshanfprodukten und illegal gezogenen Medizinalhanfblüten zu vermelden. Insgesamt wurden 1.874 kg Haschisch (+17 Prozent) und 5.955 kg Cannabis Marihuana (+55 Prozent) sichergestellt. Wie viele Arbeitszeitstunden Polizei und Justiz zur Aufstellung des neuen Rekords benötigten, teilte der BKA-Präsident nicht mit.

 

„Dass die Drogentotenzahlen zum vierten Mal in Folge angestiegen sind, ist keine gute Nachricht“, erklärte Mortler. Problematisch seien die immer größere Bandbreite verfügbarer Substanzen und der zunehmende Mischkonsum. Die Gründe für den Anstieg der Opferzahl sehen Experten aber in der steigenden Stoffqualität, die mit sinkenden Preisen einhergeht. So sei der Reinheitsgehalt von Kokain in den vergangenen sieben Jahren von 40 auf 70 Prozent gestiegen, sagte Mortler. Die Potenz des weißen Pulvers werde von vielen Konsumenten unterschätzt.

 

Der Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Raphael Gassmann, forderte ein Umdenken in der Drogenpolitik: „Dass die Substanzen immer reiner und preiswerter werden, zeigt, dass wir mit der Verbotspolitik an diesem Ende nicht weiter kommen.“ Für Bundes- und Länderregierungen bestehe längst dringender Handlungsbedarf, ein „Weiter so“ könne es nicht geben. „Wir brauchen fachpolitische Lösungen“, forderte der Suchtexperte. Seit Jahren steige die Zahl der Drogentoten wieder, seit Jahren klagten Politiker darüber. „Aber es ändert sich nichts“, sagte Gaßmann.

 

Der Suchtexperte der Grünen, Harald Terpe, hält angesichts der Zunahme der Opferzahlen die Drogenpolitik der Bundesregierung für gescheitert. „Trotz Kriminalisierung gibt es eine anhaltend hohe Verfügbarkeit von Drogen.“ Nötig seien etwa Drogenkonsumräume oder saubere Spritzen für Konsumenten.

 

Mortler und Münch setzen dagegen auf Prävention und Frühintervention. “Wir brauchen noch umfassendere Hilfen für Abhängige und deren Angehörige“, forderte die Drogenbeauftragte. Jeder, der erstmalig mit einer verbotenen Substanz aufgegriffen werde, müsse umgehend Beratung erhalten. Im Klartext heißt das: Wer bereits beim Kiffen erwischt wird, soll nach erkennungsdienstlicher Behandlung stante pede zur Drogenberatung gezwungen werden. Wie das gewünschte Präventionsgeschäft zur Eindämmung des Konsums illegaler psychoaktiver Substanzen finanziert und organisatorisch umgesetzt werden soll, verriet die Bundesdrogenbeauftragte nicht.

 

10 Antworten auf „Das Oberkommando des Anti-Drogenkrieges gibt bekannt

  1. Horst

    84 Tote durch Legal Highs – Und wer klagt Marlene Mortler an wegen Massenmord? Oder Tötung durch unterlassene Hilfeleistung? Niemand, diese Schrulle darf weitermachen wie bisher

  2. Rainer Sikora

    @Fred Es geht nicht darum Marihuana anzubauen und den Patienten zu verabreichen sondern darum eine Abgeänderte Substanz auf Cannabisbasis zu entwickeln die mehr verabreichungskontrolle sicherstellt.So etwa lautet ein Satz den der staatliche Doktor formuliert.Diese Art von Freigabe von Cannabis für Patienten entwickelt sich zu einer Farce.

  3. Fred

    @Rainer Sikora

    das spielt aus medizinischer Sicht eine untergeordnete Rolle. Wenn die gleiche Wirkung mit einer Tablette erreicht werden kann, ist das gut. Mit ein Grund für die eher schleppende Verordnung ist nach m M auch die Applikationsform. So mancher Arzt wird einfach, und das sicher auch berechtigt, ein Problem damit haben einer 80 jährigen den ersten Joint ihres Lebens zu verordnen. ( Sinnbildlich gesehen )

  4. Leo

    Es ist schade, dass die Debatte immernoch fernab der Realität geführt wird. Pharmalobby und Politik sollten sich dem Thema unbedingt ernsthaft nähern. Schließlich geht es um die Heilung bzw. Linderung von Krankheiten.

  5. Fred

    @Leo

    das Problem ist nicht das Lobbyverbände versuchen politische Entscheidungen zu beeinflussen. Das Problem ist, dass sie das schaffen. Bei 70000 Alkoholtoten und 1,8 Millionen Alkoholabhängigen kann man sich in diesem Land ( und in Europa ) noch nicht mal auf ein Werbeverbot einigen, das ja z.b beim Tabakkonsum zu einem deutlichen Rückgang besonders bei Jugendlichen führte.

    Das ist gute, nein falsch, erfolgreiche Lobbyarbeit. Bei jedem Fussballspiel oder anderen Sportübertragungen erscheint dem Zuschauer mindestens eine Bierwerbung. Umworben mit Schlagwörtern wie “ mit Quellwasser gebraut “ oder ähnlichem. Reinheit wird suggeriert, Alkohol gehört zum Sport wird impliziert. Das ist der eigentliche Skandal. Bei 70000 jährlichen Toten.

    Wenn dann noch das Hanfverbot mit dem Schutz der Jugend gerechtfertigt wird, kann man sich nur noch an den Kopf fassen !

  6. Stephan

    ich liebe Euch. Macht weiter so. Legalzie it !
    Wenn ich die Kommentare hier so lese, muss ich laut lachen und sagen ja ja, die Menschen werden ja sowas von verarscht.
    Ich habe mich in meine 20 Jahren Konsum schon sowas von zugedrööönt und es nicht geschafft dabei zu sterben. Aber mit Allllllohoool oder Küüüüks oder nem anderen Drogengewäsch schaff ich das allemal ohne stress. Auch mit legalem Schlafmittel oder Schmerzmittel. DAS wird nirgends erwähnt, weil es wohl Volksverhetzung wäre.
    Die Menschen sind ja sooo mega blöd. Den Bach runter und wieder rauf.
    Dabei könnte man nämlich auch noch soviel verdienen aus der NUTZ Pflanze und Schädlingsbekämpfungspflanze BIO. Dum di Dum.
    Ja ja Oberkommando ich lach mir nen Schranz ab soviel Unvernunft. Aber leider lacht auf den Philippinen keiner mehr über den Duterte.
    Schöne Zeit allerseits.
    Stephan aus Gallien. Wo der Absinth wieder voll Legal ist. bäää.

  7. Jens Masura

    [B]#Klopfgras[/B] kannte ich noch gar nicht.

    Eben von nem Kumpel das beschissendste Gras aller Zeiten bekommen: da war nicht ein einziges bissi Harz mehr dran: gegrindet und eingefroren, abgeklopft um den Skuff abzugreifen, dann beschissen aufgetaut und den Rest Dreckslaub und Strunken fürn 10er vertickt… Turn bei nem ganzen G in der Tüte gleich NULL.
    Zwar (noch) nicht gestreckt mit dem üblichen Gift und Dreck,
    aber dennoch ein weiteres Argument mehr für fein selbergemachtes Leckergras LEGAL!!!

    Und wieder mal hör ich die irre Mortler lachen: „Siehste – hättste mal lieber ne Flasche Schnaps gekauft!“
    Hat damals bei meiner Verhaftung der scheiss Drecksbulle zu mir gesagt: „warum sauft ihr Penner nicht lieber – dann gibts auch keinen Ärger!“

    Ich möchte aber keinen Schnaps saufen wie ein Penner.
    Ich möchte saubere, selbstgemachte Medizin geniessen, als Alternative zu chemischem Pharmazeutika das mir die Nieren schrottet und mich abhängig macht.
    Dazu noch stilvoll, und mit dem Beigewinn der Therapie des Growings gegen Depris.

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