Samstag, 4. Juni 2022

Kanada entkriminalisiert harte Drogen

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Bild: Archiv

Kanada entkriminalisiert jetzt harte Drogen. Die Entkriminalisierung gilt für Opioide, MDMA, Kokain und Amphetamine.

Die kanadische Provinz British Columbia (BC) hat sich zu einem radikalen Schritt entschlossen. Ab dem 1. Januar 2023 wird kein Strafverfahren mehr wegen dem Besitz von illegalen Substanzen in geringer Menge eingeleitet. Konsumenten dürfen bis zu 2,5 Gramm der oben genannten Substanzen mit sich führen ohne Angst vor Strafverfolgung zu haben. Dabei spielt es keine Rolle ob es 2,5 Gramm einer Substanz sind oder ob es ein Gesamtgewicht von diversen Substanzen ist. Nicht nur dass, die Konsumenten dürfen die Substanz sogar behalten und bekommen nur ein Angebot zur Aufklärung. 

Die Personen müssen allerdings mindestens 18 Jahre alt sein und es darf kein Handel damit ersichtlich sein. Das ganze ist ein Modellprojekt welches für 3 Jahre durchgeführt werden soll. In der 4,5 Millionen Einwohner großen Provinz sind in den letzten 5 Jahren ca. 2000 Menschen pro Jahr durch den Konsum von Illegalen Substanzen gestorben. In gesamt Deutschland waren es 2021 “nur” ca. 1800. 

Die kanadische Regierung hat erkannt, dass die Prohibition nicht zielführend ist und hat sich für eine moderne Drogenpolitik entschieden. Damit hat BC das portugiesische Modell nicht nur aufgenommen sondern verbessert. Es ist definitiv eine gute Entscheidung. In Canada bricht auch der Schwarzmarkt bei Cannabis weiter ein.

Ein Beitrag von Simon Hanf

5 Antworten auf „Kanada entkriminalisiert harte Drogen

  1. Hans Dampf

    Die Kanadische Bevölkerung ist für ihre mutige und fortschrittliche Regierung wirklich zu beneiden. Dort werden Nägel mit Köpfen gemacht und nicht nur rumgelabert.
    Vergangene Fehler werden eingesehen und schnell korrigiert. Es werden geeignete Maßnahmen installiert um das Leben und die Gesundheit der Menschen an erster Stelle zu setzen. Ohne Kriminalisierung und Verfolgung der Konsumenten/innen.
    Das ist Gesundheitsschutz der den Namen verdient und ihm auch gerecht wird.
    Es zeigt sich wieder einmal deutlich, dass Europa und insbesondere die deutsche Drogenpolitik insgesamt doch sehr rückständig und veraltet ist.
    Die hiesige Politik sollte endlich mal einsehen, dass das festhalten an der Prohibition jede Menge Menschenleben kostet. Denn noch ist Deutschland, was die Drogenpolitik angeht ein Entwicklungsland.
    An Kanada und den USA ist auch zu sehen wie schnell so ein Paradigmenwechsel vonstatten gehen kann.
    Meine Gratulation für diesen vernünftigen Schritt.

  2. Hans Dampf

    Nachtrag:
    Dann fehlen eigentlich nur noch die legalisierten Bezugsquellen.

  3. Otto Normal

    „Die kanadische Regierung hat erkannt, dass die Prohibition nicht zielführend ist und hat sich für eine moderne Drogenpolitik entschieden. “

    Sehr fortschrittlich die Kanadier. Diese Politik jedoch gleich als „modern“ zu bezeichnen halte ich für nicht sachgerecht. Solange irgendwo strafrechtliche Barrieren bleiben, bleibt auch der Schwarzmarkt der genau diese Barrieren überbrückt. Somit bleibt auch eine Strafverfolgung und damit die Prohibition. Die Prohibition betrifft den gesamten Bereich nicht nur den Besitz der dem Konsum ja zwingend vorausgeht.

    Ohne Besitz keinen Konsum.
    Ohne Handel keinen Besitz.
    Ohne Produktion keinen Handel usw.

    Den Besitz zu entkriminalisieren ist nur ein Minimalschritt. Damit ist die Prohibition noch lange nicht beendet.

    Bei Cannabis kann man noch zur Not heimlich im Keller selbst anbauen und als Weed konsumieren, aber bei Kokain wird es da schon schwierig, denn man braucht dann auch das Labor um an das gewünschte Endprodukt heranzukommen. Kokainsträucher unter Kunstlicht stelle ich mir ebenfalls schwierig vor.

    Wir leben in arbeitsteiligen Gesellschaften – weltweit.
    Keiner baut sein Auto selbst, oder die Wohnung oder näht sich seine Hose.
    Man kauft oder mietet mit Geld welches man durch gänzlich andere Tätigkeiten erwirbt.
    Dadurch ist die Produktivität extrem gestiegen.
    Manche Produktionsketten sind sogar extrem über den gesamten Globus verteilt.

    Wenn also die gesamte Kette nicht reguliert wird und Bereiche wie Produktion oder Handel außen vor und somit weiterhin illegal bleiben, müssen diese Lücken geschlossen werden, denn ohne diese Elemente kann es keinen Konsum geben. Die Marktgesetze die von den Neoliberalen wie eine Religion gepriesen werden funktionieren auch im einer Schattenwirtschaft. Der Ausdruck „Schwarzmarkt“ dient ebenfalls schon der Stigmatisierung.

    „Schwarzmarkt“ – was soll das sein?
    Ein Basar mit ausschließlich dunkelhäutigen Verkäufern?

    Oder das sog. „Darknet“ – mit schwarzem Monitor?
    Nein das „Darknet“ ist grell und bunt so wie das Leben.

    Es gibt nur einen Gesamt-Markt auf dem Kartoffeln, Autos, Panzer, Bomben, Drogen, Uran u.v.m. verkauft wird.

    Trotz allen Fortschritts in Kanada ist das Grundproblem immer noch nicht gelöst. Die Prohibition wird erst dann vollständig beendet, wenn die Prohibitionisten – von denen es auch in Kanada immer noch viel zu viele gibt – nicht nur erkennen das der „war on drugs“ voll umfänglich von ihnen verloren wurde, sondern diesen auch als einen politischen Irrtum begreifen, der zu einem gesellschaftlichen Verbrechen*) mit millionen Opfern in vorher nicht gekanntem Ausmaß geführt hat. Erst dann werden wohl auch die letzten Elemente wie Produktion, Transport und Handel vernünftig reguliert werden.

    Die Geschehnisse um Corona haben gezeigt daß Verfolgung und Prohibition von Drogen nicht die einzigen Probleme sind.

    Die größten Probleme sind nach wie vor
    unfähige, verblendete, korrupte oder machtgeile Politiker
    verantwortungslose, feige und sensationslüsterne Medien
    gleichgültige und oberflächliche Mitmenschenmassen (Butterbrotschmierer)
    ein faschistisches Wirtschaftssystem (neokapitalistischer Verdrängungswettbewerb)

    Die Hetze, Ausgrenzung und politische Verfolgung, die Drogenkonsumenten seit Jahrzehnten ertragen müssen, wurde dank Corona auch Millionen Menschen in unserem Staat zuteil, die sich bisher für absolut systemkonform gehalten und deshalb nicht für das Thema politische Verfolgung sonderlich interessiert haben. Menschen die geglaubt haben, die in unserer Verfassung „für immer“ garantierten Grundrechte auch leben bzw. in Anspruch nehmen zu dürfen. Ebenfalls ein krasser Irrtum!

    Die Kanadier sind um ihre fortschrittliche und gewiß auch um Lösung des Problems bemühte Regierung zu beneiden. Deutschland erscheint dagegen wie eine rückständige Bananenrepublik. Das wäre auch nicht weiter schlimm wenn D eine kleine Insel irgendwo im Ozean wäre. Aber D ist das wirtschaftsstärkste, reichste und (gemeinsam mit Frankreich) tonangebende Land in Europa mit 80+ mio Bürgern. Eine der beiden Mittelmächte und stärkster Zahlmeister der EU.

    Die vollständige Beendigung jeglicher Prohibition von Genußmitteln ALLER Art ist Wiederherstellung rechtsstaatlicher Verhältnisse.
    Prohibition ist ein Verbrechen!

    *) Vergleichbar auch mit der Verbrennung von Menschen im Mittelalter und der Verfolgung Homosexueller in der jüngeren Geschichte für die sich heute die Gesellschaft schämen muß.

  4. Haschberg

    Man kann der kanadischen Regierung zu ihrer überaus modernen Drogenpolitik nur gratulieren.
    Soviel Weitsichtigkeit wünschte ich mir gerne auch für Deutschland.
    Ich sage dies, obwohl solche „harten“ Substanzen, genau wie hochprozentiger Alkohol, für mich absolut tabu sind.
    Ich interessiere mich nach wie vor nur für Cannabis, weil er mir ein ausreichendes Maß an Wohlbefinden und Gesundheit bietet.

  5. Rainer

    Es ist ein harter Schritt nötig,um sich in die richtige Richtung zu bewegen.Für Weicheier,in hiesigem Gefilde,ist das Rückrad zu weich.Die Kanadier sind auch viel stärker als wir hier.Bärenkräfte.Ich hab mal Armdrücken mit einem aus Kanada erlebt.Mühelos runtergedrückt.

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