Dienstag, 30. Juni 2020

Bald Hausverbot für Cannabis-Touristen in den Coffeeshops Amsterdams?

VVD-Stadträte wollen Corona-Seuche nutzen, um die Grachtenstadt von der Pest des Drogen- und Sextourismus zu befreien

Cannabis
Photo Willi Wiet

 

 

Ein Kommentar von Sadhu van Hemp

 

 

Seit mehr als einem halben Jahrhundert ist Amsterdam das Mekka der weltweit verfolgten Cannabis-Community. Genauso lange sucht das bürgerliche Milieu im Grachtenring nach einem Weg, die „Plage“ einzudämmen und loszuwerden – und das durchaus mit Erfolg. Längst ist Amsterdam nicht mehr der Drogensumpf vergangener Zeiten, als auswärtige Kiffer und Junkies das Straßenbild prägten und den Stadtbewohnern das Leben vergällten.

Im heutigen Amsterdam geht es weitgehend ordentlich und gesittet zu: Die Junkies führen ein von Polizei und Sozialämtern begleitetes Leben, ohne nennenswerten Schaden anzurichten, und die Cannabis-Konsumenten werden in den Coffeeshops ruhiggestellt.

Amsterdam ist ein sicherer Ort – besonders im Vergleich zu deutschen Metropolen, wo der Straßenhandel mit Drogen blüht und die Kriminalstatistik von Jahr zu Jahr neue Rekordzahlen ausweist.

 

Dennoch gibt es in den Niederlanden und in Amsterdam politische Kräfte, die zurück in die Vergangenheit wollen. Insbesondere die Volkspartij voor Vrijheid en Democratie (VVD) träumt von einem Ende der Cannabis-Tolerierung und fordert in aller Regelmäßigkeit, dem altbewährten Coffeeshop-System den Stecker zu ziehen. Für Mark Rutte und die Mehrheit seiner Parteifreunde ist die Cannabis-Kultur mehr als pfui. Kiffer sind nach VVD-Lesart verlodderte Rauschgiftsüchtige – also Straßenlaterne ganz unten. Folglich besteht kein Grund, für diese Klientel eine menschenwürdige Politik zu machen.

 

Wie borniert und zynisch die Rutte-Partei der Cannabis-Community entgegentritt, zeigt sich in der Corona-Krise besonders deutlich. Während das gesellschaftliche Leben nach dem Ende des vollumfänglichen Lockdowns wieder in Gang kommt, versucht die Regierung alles, den Coffeeshops eine Rückkehr zum Normalbetrieb vorzuenthalten. Auf die Frage, warum Kneipen und Restaurant wieder öffnen durften und die Coffeeshops nicht, zuckt Regierungschef Rutte nur mit den Achseln und verweist auf Phase 4, wenn die Aufhebung der letzten Corona-Beschränkungen beginnt. Demnach soll es Bordellen und Coffeeshops zum 1. September erlaubt werden, wieder ihren „Schmuddelbetrieb“ aufzunehmen.

Gegen diese Anordnung laufen in den Niederlanden etliche Eingaben, um klären zu lassen, inwieweit die Ungleichbehandlung von Coffeeshops und Kneipen rechtens ist. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Rauchstuben über leistungsstarke Lüftungsanlagen verfügen, die die Bildung hochinfektiöser Aerosole im Gastraum verhindern, gibt es keinen Grund, weniger gut ausgestatteten Kneipen grünes Licht für die Öffnung zu geben und Coffeeshops nicht.

 

Dass hinter der Sonderbehandlung der Coffeeshops das politische Kalkül steckt, der Cannabis-Community das Kiffen nachhaltig zu verleiden, zeigt der Vorstoß von zwei Amsterdamer VVD-Stadträten, die die Gunst der Coronastunde nutzen, um völlig absurde Forderungen zu stellen. In einem Meinungsartikel lassen sich Daan Wijnants und Claire Martens darüber aus, dass die Bewohner der Innenstadt wegen der Duldung der Coffeeshops das Vertrauen in die Regierung verloren hätten. Es sei überaus wichtig, diesen Vertrauensverlust durch Taten wiederherzustellen. Dank der Coronakrise böte sich die einmalige Chance, „Grenzen zu setzen“. Eine Rückkehr in Vor-Coronazeiten dürfe es nicht geben. Zum einen müsse der Gesundheitsschutz Vorrang haben, zum anderen wünsche sich niemand die dauerhafte Belästigung durch die Kundschaft der Shops zurück.

 

Für die beiden VVD-Stadträte gibt es nur eine Zukunft – und an der sollen „Drogentouristen“ nicht teilhaben. Kiffer aus dem Ausland sollen in den Coffeeshops keinen Zutritt mehr erhalten, um die Lebensqualität der Anwohner zu verbessern und die Attraktivität der Immobilien zu erhöhen. Auch will die VVD den Flächennutzungsplan der Stadt so ändern, dass keine neuen Coffeeshops eröffnet werden können, wenn die Lizenz eines anderen Shops erlischt oder zurückgegeben wird. Die Stadtverwaltung müsse eine Durchsetzungsoffensive starten und die Kapazitäten der Polizei im Einsatz gegen die Schmuddelkinder verdoppeln.

 

Für den Imagewandel will die VVD die internationale Anwaltskanzlei „Amsterdam & Partners“ ins Boot holen, was deutlich macht, wohin die Reise gehen soll. Verfolgt wird eine marktliberale Wirtschafts- und erzkonservative Innenpolitik, um die Grachtenstadt den Reichen und Schönen zu übereignen. Und die wollen eine vermeintlich heile Welt ohne Belästigung durch Drogen- und Sextouristen. Für die Amsterdamer VVD-Politiker ist „die Zeit der vorsichtigen Schritte vorbei“. Schluss mit den Coffeeshops, weg mit dem Rotlichtviertel!

 

Inwieweit es der VVD gelingt, im Stadtrat Amsterdams Mitstreiter für die Säuberungsaktion zu finden, steht in den Sternen. Die linken und grünen Parteien stellen die Mehrheit im Rat, doch das ist per se keine Garantie dafür, dass die VVD mit ihren Forderungen auf Granit beißt. Schließlich zählen auch links-grüne Politiker zum Wohlstandsbürgertum, das, wenn es um die eigene „Fettlebe“ geht, keine Moral kennt.

 

 

10 Antworten auf „Bald Hausverbot für Cannabis-Touristen in den Coffeeshops Amsterdams?

  1. Bernhard

    Es muss eben immer erst viel, viel schlimmer werden, mehr Menschen treffen und unsägliche Schmerzen bereiten, bis sich der Mob erhebt… Kann man mal sehen, wie gut es allen im Grunde geht. Da wünscht man sich, verwöhnte Urlaubsregionen, wie Amsterdam, zu meiden – ohne Geld aus dem Tourismus sollten die reichen und schönen ihre Ruhe unter sich haben. Wenn die armen endlich verhungert, vor Schmerzen und Umweltschmutz gestorben sind, dann ist eine national-christliche Welt sicher für die Finanz-Elite wieder lebenswert. Rassen waren Gestern – heute unterscheidet man sich mit Guthaben, Zahlen so lang wie Telefonnummern. Ein neues Wort der Diskriminierung muss her – arm versteht keiner, sonst würden die Linken verstanden. Kann auch sein, dass sich alle Ökonomen irren und die Reichen schlauer sind und die besseren Gene besitzen. Es wird sich weiter zuspitzen und Umweltschützer, Unterdrückte, Hanfspezis, Konsumenten aller Waren, Tierschützer, Missbrauchte und Verfolgte werden sich zusammenschließen, trotz noch extremer werdender Kontrolle und Verbote. Nur eine Frage der Zeit – Nur das Böse lernt aus der Geschichte!

  2. Hanfbeton

    Ich war noch nie in Amsterdam oder im Coffeeshop , viel zu teuer ,zu weit , kann ich mir nicht leisten , habe nicht mal Privatversicherung .
    Ich bin so arm, ich habe nicht mal Grundrechte, wie z.b. Privatsphäre, in der eigenen Wohnung .

    Holland ist , so , weit weg .

    Immobilien und gutes Image bringen, der Niederländischen Staatskasse ,heute mehr Geld ein ,als Massentourismus aus Deutschland .
    Schön wie der Artikel beschreibt , das nur ein paar Leute nötig sind , damit die Immobilien in deiner Stadt ,erschwinglich und die Nachbarschaft auf dem Teppich und der Streetworker von der Betreuungsmafia, fit bleibt .

    Genau wie das seit 1972 unregulierte Finanzsystem , steckt das Kollektive Endocannabinoidsystem, in einem Sytematischen Krisenmodus ,der aus einer Sozialen Gesselschaft ,eine Kapitalistische Autoritäre Wirtschaft formen will . Die wenigen Profiteure der Krisen wie z.b. Fundamentale Christen und Populisten , befeuern weiter die De-Regulierung der Cannabis und Finanzmärkte .

  3. Heisenberg

    Es kommt wie es kommen muß. Die Herrschaften aus der Politik, egal wo haben immer noch nicht verstanden, dass nach all dem was sie bereits angerichtet haben, es an der Zeit wäre kleine Brötchen zu backen und die Hufe still zu halten.
    Offenbar brauchen sie zuerst Schläge auf den Kopf und müssen im Dreck im Straßengraben liegen, oder im Gefängnis sitzen bevor es besser wird und sie begriffen haben.
    Die Uhr tickt und läuft jeden Tag mehr ab. Paris und Stuttgart sind überall. Es wir noch sehr viel schlimmer, bevor es besser wird.

  4. Rainer Sikora

    Da war vor einiger Zeit noch so ein Politiker,dessen Name mir Entfallen ist.Er war von der rechten Partei und bekam dann aber nicht genug Zuspruch und man hört kaum noch was über diesen.Ich dachte,die schlimmste Bedrohung für die Touristen ist somit vorüber.Dieser Rutte steht aber auch schon länger auf meiner Argwohnliste.Ich ahnte dessen Gesinnung,und der Vergleich mit der CDU usw. drängt sich mir auf.War nur eine Frage der Zeit bis passiert was ich befürchtete.Mit den politischen Maßnahmen wegen einer Pandemie, läßt sich alles begründen und verändern,und es wird braun.

  5. Lars Rogg

    wie blöd….diese Summen die die Kiffer und Ficker in den entsprechenden Läden liegen lassen, wird man sich kaum entgehen lassen. Aber bitte…wenn sie die harte Gangart wollen, dann brauchen sie nur nach Deutschland gucken. Zumindest was das Dope anbelangt. Kriminalität, Straßendealer und Drecksqualität die vertickt wird. Denn die Touris sind ja dennoch willkommen. Und die wollen auch, zum Teil, kiffen. Wir haben uns schon vor 30 Jahren bei kleinen Strassenhändlern sehr viel günstiger eingedeckt. Wie zu beginn der Corona schließungen wird das dann eben standart. So what..?? Man muss schon sehr borniert sein (oder deutscher Politiker), wenn man glaubt ein Verbot wäre die Lösung. Bedarf gleich Markt…ob erwünscht oder nicht.

  6. DIE HANFINITIATIVE

    Coffeeshops gibt es nur in diesem Universum. 😀

    In meinem Paralleluniversum gibt es nur gute Nachrichten. Die Menschen da sind glücklich und zufrieden und wenn sie ihren Kindern in die Augen sehen, dann träumen sie …

    In unserem Universum ist das ganz anders. ES ist ein ANDERES Universum, als eines, das ich mir gewünscht hätte, 1000 Jahre bevor ich „geboren“ wurde. In der Singularität gibt es keine Zeit und keinen Schmerz.

    Da ist ein „Wesen“ – bekannt, gefürchtet – dieses Universums, dieser Galaxie, dieses Spiralarmes, dieses Sonnensystems.

    Es wurde aus Schmerz geboren und wird in Schmerz enden…

    Diese Galaxie ist im Universum bekannt als die „Verbotene Galaxie“, die „PROHIBITIONSZONE“ – da wo Wesen geschlachtet werde, täglich zu Millionen und Milliarden – die „Galaxie des Blutes“ wird unser UNIVERSUM anderswo genannt.

    Nirgends, im gesamten Kosmos, fließt jeden Tag so viel Blut, wie auf diesem kleinen blauen Staubkorn – in der Unendlichkeit des Raumes – seit es die „Menschheit“ gibt.

    Aus „Die Quantenphysik der Liebe“ – Kapitel 56 „Aus der Perspektive eines Alien“ 😀

  7. Bernhard

    Amsterdam, habe ich jedes Mal empfunden, ist einfach eine dreckige, schmierige und feuchte Stadt. Selten sowas schrottig Aufgesetztes gesehen. Das lag sicher nicht am harten Horizontalen- oder Drogen-Gewerbe. Ich hatte immer das Gefühl von Ratten beobachtet zu werden. Nicht so ein Retro-Zirkus, wie in St. Pauli, sondern bewohnt. Liegt wohl an dem vielen Wasser, auf Stelzen stehenden Häusern, Modergeruch, Moos und Abflüssen. Konnte mir nie so richtig eine Kanlisation vorstellen. Aus Wohnungsmangel, haben die Amsterdamer angefangen Kähne u bewohnen – plötzlich soll das Schick sein – aus Stroh Gold spinnen… Schein und Sein… Die gesamte Stadt ist ein einziges Homomonument – gelebt, gebaut und hinterhältig, weil nichts echt ist. So ändern sich die Zeiten, oder eben nicht. Weiter so – kein Verlusst. Bisherige Regelungen sind eh ein „Beinahe-Schwarzmarkt“. Und was wo anders der prollige Porsche-Fahrer ist, entspricht den dortigen Radfahrern… Sumpf bleibt Sumpf. Vielen Polizisten wünsche ich viel Arbeit in dieser Stadt.
    Falls die Immobilien-Zecken es durchdrücken, den Wert der Wohnungen weiter in die Höhe zu treiben, dann ist das vielleicht die Chance einiger armer Leute den Absprung von dort zu schaffen. Letztendlich muss sich aber momentan jeder, dem langen Arm der CSU, in der EU beugen… Wie kann CDU/CSU-Deutschland geil auf Atomwaffen sein? Wird es wohl mal ein Danach geben? Ich wundere mich nur noch über die derzeitige Politik – komme zur Zeit aus dem Staunen, wie ein kleines Kind, einfach nicht mehr raus…

  8. Otto Normal

    Ich würde die VVD eher mit der AFD vergleichen als mit der CDU.
    Seit 1974 gab es an dieser Front Frieden.
    Die sog. „Duldungspolitik“ wurde nicht aus Spaß eingeführt sondern um Frieden für die „normalen“ (Spieß-) Bürger zu schaffen. Sie hat sich auch 46 Jahre lang bewährt.
    Als EU-Nettoeinzahler sind die Niederlande nicht unbedingt auf die Gelder angewiesen die Drogentouristen einbringen.
    Die Niederländer sind nicht so arm wie es den Anschein hat. Sie machen nur nicht so auf dicke Hose wie die Deutschen.
    Genau wie Luxemburg haben auch die Niederländer erhebliche Einnahmen als Steueroase und jeder denkt sie verdienen nur mit Käse ihr Geld.
    Sind eben gerissener als man denkt.

    Aber auf den „inneren Frieden“ sind sie sehr wohl angewiesen wenn sie nicht wollen, daß viele jetzt ruhige Gegenden im Drogensumpf, der mühsam trockengelegt und durch eine weitsichtige Politik in geregelte Bahnen geleitet wurde, versinken.
    Die Straßendealer stehen Hufescharrend in den Startlöchern, bereit das Geschäft sofort zu übernehmen sollten die Coffeeshops von den Rechts-Bürgerlichen geschlossen werden.
    Die „remaining Question“ ist: sind die niederländischen Bullen ebenfalls bereit für den kommenden „War on Drugs“?

    Denn das Bedürfnis wird mit der Prohibition nicht aus der Welt geschaffen. Schwarzmärkte übernehmen die Versorgung augenblicklich und sehr zuverlässig wie man in Deutschland sehr gut sehen kann.
    Sie versorgen die Deutschen selbst in Coronazeiten so gut daß kaum Kiffer auf die Hanfdemos gehen. Wozu auch?

    Das Geld für die Zugfahrkarte ist beim Dealer des Vertrauens doch viel besser angelegt. So kann man sich in aller Seelenruhe einen schmauchen und nebenbei das Hanfjournal lesen.
    Deutsche Gemütlichkeit eben!
    Demonstrieren war gestern!
    Die Schäden durch die Streckmittel kommen erst morgen!
    So what?

  9. Der Neue

    Tipp für einen Artikel:
    doi: 10.1126/sciadv.aba0154
    Alkohol verändert das Gehirn, näheres im Paper.
    Das ist genau das Hauptargument der Gegner. Jetzt bitte mit Fakten kommen!

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