Donnerstag, 2. April 2020

Einigung bezüglich der Preise von medizinischem Cannabis

Die einen zahlen mehr, die anderen weniger …

Bild: Susanne Winter/Archiv


Cannabis als Medizin ist auch in Deutschland immer weiter verbreitet. Alleine zwischen dem Januar 2019 und dem Oktober desselben Jahres wuchsen die Umsätze beim Handel mit medizinisch einsetzbaren Hanfprodukten auf über 50 Prozent an, was zeigt, wie viel mehr von der natürlichen Arznei innerhalb dieses kurzen Zeitraums benötigt wurde. Da die Kosten für die Krankenkassen aufgrund der Arzneimittelpreisverordnung jedoch bei der Abfassung von Cannabisblüten einen 100 Prozent hohen Anstieg erlebten und eine Weiterverarbeitung mit einem Zuschlag von 90 Prozent berechnet werden konnte, sollten der Deutsche Apothekerverband und der GKV-Spitzenverband nach einer Forderung des Gesetzgebers bis Ende Februar 2020 eine Einigung erzielen, wie man die Kosten senkt. Nachdem man Mitte März ohne vorzeigbare Ergebnisse gescheiterte Verhandlungen bekannt gab und eine Schiedsstelle einschaltete, hat man nun eine Einigung bezüglich der Preise von medizinischem Cannabis erzielt.

Etwa 50 Millionen Euro gaben die Krankenkassen für cannabishaltige Zubereitungen und unverarbeitete Cannabisblüten im Jahr 2018 insgesamt aus. Da diese Summe stark am Budget der Kassen kratzt und schon seit 2017 schwer lösbare Unstimmigkeiten zwischen Apotheken und Versicherern bestanden, versuchte der Gesetzgeber 2019 mittels Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) eine verpflichtende Einigung zwischen den beiden Vertragspartnern herbeizuführen. Das erklärte Ziel hier galt einer Minimierung der Ausgaben um 25 Millionen Euro aufseiten der Krankenversicherungen, die nur für die Kosten aufkommen, wenn sie den Antrag auf Cannabismedizin eines Patienten nach Prüfung akzeptieren. Da die Forderung nach weniger Geldzahlungen den Apothekern schmerzlich aufgefallen wäre, einigten sich die Parteien bis vor Kurzem nicht auf eine abgeänderte Praxis, sodass eine Schiedsstelle informiert werden musste. Nun ist der schwer zu erreichende Abschluss doch noch so gefunden worden und Apothekerverband und GKV-Spitzenverband haben sich geeinigt. Fortan und rückwirkend ab dem 01. März gelten neue Bestimmungen betreffend der anfallenden Kosten für Cannabismedizin, die sich wie folgend ergeben:

Es wird jetzt davon abgesehen, die Abgabe von Cannabisblüten und Zubereitungen aus medizinischem Cannabis über die Arzneimittelpreisverordnung abzurechnen, sodass die hohen Aufschläge nicht länger Bestand haben. Stattdessen beruft man sich beim Verkauf nun auf eine sogenannte Hilfstaxe, deren Höhe sich nach Abgabemengen bemessen lässt. Niedrige prozentuale Aufschläge oder Festzuschläge sind in diesem Modell festgesetzt, das den Kassen im Vergleich viel Geld einsparen soll. Jedoch nur den Krankenkassen. Patienten, die eine Kostenübernahme ihrer Medizin erhalten, werden weiterhin ihre gewohnte Rezeptzuzahlung in Höhe von bis zu zehn Euro tätigen – Privatversicherte und Selbstzahler hingegen, merken überhaupt nichts von der langsam erzwungenen Veränderung. Braucht ein Patient ohne Krankenkassengenehmigung seine grüne Medizin – oder ein Privatversicherter – greift die neu initiierte Hilfstaxe nämlich nicht. Für diese Klientel bleibt die ursprüngliche und mit bis zu 100 Prozent Kostenaufschlag versehene Arzneimittelpreisverordnung in ihrer alten Form bestehen.

Problem im Sinne des Gesetzgebers gelöst!

9 Antworten auf „Einigung bezüglich der Preise von medizinischem Cannabis

  1. Luke

    Fuck, ich werd noch wahnsinnig.
    Wenn das nicht verfassungswidrig ist, was dann?
    Ich zahle weiter 20€ und die Kasse die Hälfte.
    Wenn die jetzt wenigstens jeden Antrag genehmigen würden…
    Hätt ich nur Geld. Ich wär nur am Klagen.
    Hab zwar kein Bock auf Klagen, aber irgendwer muss es machen. Is die einzige Chance auf baldige Veränderung, meiner Meinung nach.

  2. R. Maestro

    Die Kassen mal wieder.

    Wo gibt es bitte nachzulesen, wieviel an anderen Medikamenten, Therapien, usw. eingespart wurde?

    Interessant zu wissen fände ich, wieviel den Kassen insgesamt durch illegale Selbsttherapie eingespart wurde.
    Diese gewohnt einseitige Präsentation von Zahlen mal wieder.

  3. Sabine

    Jetzt muss nur noch die eine Gehirnhälfte verstehen, was die andere schon predigt… Anschauen, an Hanf denken, kaputtlachen! Rache der Natur – bekämpft Ursache und Gleichgewichtsstörer…

  4. buri_see_käo

    Ab gestern ist in Bremen die erhöhte „geringe Menge Cannabis“ in Kraft:
    https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-trotz-neuer-richtlinien-besitz-von-cannabis-kann-weiterhin-strafbar-sein-_arid,1904978.html
    Weil nach öffentlichen Blödsinnsposaumereien der CDU dadurch der Drogentourismus zumehmen soll (kommen natürlich mit Schiff oder Flugzeug, weil Bremen von Niedersachsen umgeben – CDU-Geographie-like), meine Frage: Was ist los?, an Hafen und Airport?, lässt sich der Ansturm noch bewältigen? Schafft es die niedersächsische Polizei noch, alle mit über 6g vollgepackten Rauschgiftterroristen ähh Rauschgifttrtrtrouristischen an den Strassensperren abzugreifen?
    mfG fE

  5. M. A. Haschberg

    Schluß mit diesem typisch deutschen Bürokratenirrsinn!
    Wir brauchen endlich klare einheitliche Regeln zu einem erschwinglichen Preis, auch für diejenigen, die ihre Medizin nicht von der Kasse bezahlt bekommen.

  6. Thomas

    Hallo @Maestro.
    Du kennst doch den Spruch: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“.

    Leider bin ich bereits am kochen, weil ich weiß wieviel Geld ich der AOK erspart habe. Ich habe MS und nutze das Hanf (zzgl. Cortison) schon seit >25 Jahren, nachdem ich 9 Jahre die guten Mittel, welche jedes Jahr wechselten, vom Onkel Doktor einnahm. Was soll ich sagen; In den 9 Jahren mit Onkel Doktor hatte ich 9 Schübe. Danach, ohne Neurologen, nur noch 3. Meine Medizin kostet mich im Monat ca. 150€, die empfohlenen Medikamente kämen auf …. dazu reicht mein Taschenrechner nicht aus. Als Beispiel – das letztes Jahr vom Markt genommene Daclizumab kostete pro Injektion schlappe 5000€. (Vom Markt genommen wegen zu häufiger Todesfälle). Das hätte ich ohne weiteres bekommen; jeden Monat; ohne Antrag. Für das verschriebene Cannabis mußte ich nun 2 Jahre vor Gericht streiten. ABER – SIEG AUF GANZER LINIE. Hat die AOK inzwischen gehandelt? Nein. Noch heute warte ich auf die Rückzahlung meiner Auslagen, obwohl das Urteil am 9.12.19 erging und die Einspruchsfrist am 06.04.20 abläuft. Ok, es ist aber auch schwer so ein Urteil umzusetzen – zumal kein Vertreter der AOK bei der Verhandlung anwesend war. Aber was soll ich sagen – die AOK hat eben Rabattverträge mit den Giftmischern und nicht mit den Gärtnern.

    Tschüssikowski und bleibt alle gesund und munter.

  7. Heisenberg

    Immer wieder auf Kosten der Gesellschaft und der Kranken ohne Lobby. Staats und Geundheitsverbrecher werden immer weiter Händchen halten.

Schreibe einen Kommentar

Schnelles Login:



Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.