Montag, 11. November 2019

UPDATE: Großrazzien in legalen Cannabis-Shops

In Berlin tobten sich Staatsanwaltschaft und Polizei bei den CBD-Händlern „Tom Hemp’s“ und „Hempvizer“ aus

Foto: Schmiddie

 

 

Wie am Mittwoch berichtet, erhielten Anfang letzter Woche mehrere Cannabis-Shops in Unterfranken, Thüringen und Berlin ungebetenen Besuch von den Strafverfolgungsbehörden – wegen des Verdachts des unerlaubten, gewerbsmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln. Inzwischen werden immer mehr Details über die ungeheuerlichen Vorgänge bekannt. Im Fokus steht wieder einmal mehr die Polizei, die sich wie ein Elefant im Porzellanladen aufgeführt haben soll – geradeso, als bereite es den Herrschaften eine besondere Freude, ihrer zerstörerischen Wut freien Lauf zu lassen.

 

Der Polizeieinsatz in den fränkischen Cannabis-Shops stößt – anders als in Berlin – durchaus auf mediales Interesse und heftige Kritik. Nicht nur, dass die drei Geschäfte in Abwesenheit der Eigner geöffnet, bis in die letzte Ritze durchsucht und größtenteils ausgeräumt wurden, auch die Privatwohnungen der CBD-Hanfhändler waren Ziel der generalstabsmäßig durchgeführten Großrazzien. Dabei sollen schwerbewaffnete Polizeibeamte unverhältnismäßig robust zur Sache gegangen sein. Der Betreiber des Cannabis-Shops „Cannameleon“ äußert sich entsetzt über die brutale Vorgehensweise der Freunde und Helfer. „Ich wollte filmen. Daraufhin ist mir der erste Beamte in den Rücken gesprungen“, schildert Lukas Schwarz die Gewalttätigkeiten. Die Polizisten hätten ihn im Beisein seiner Kinder auf den Boden geworfen und in Handschellen gelegt. Auch habe die Polizei die Wohnungstür einer Mitarbeiterin mit einem Rammbock aufgebrochen. Schwarz spricht von Willkür, psychischer Gewalt und massiven körperlichen Attacken.

 

Die maßlosen Anti-Cannabis-Einsätze der Polizei erzürnen auch die „Grüne Jugend Würzburg“. „Wegen des Verdachts, dass Produkte THC in Spuren von 0,16 bis 0,3 Prozent enthalten, eine Großaktion der Polizei auszulösen, ist absolut unverhältnismäßig und kostet Geld, das an anderer Stelle dringender gebraucht würde“, sagt Magdalena Laier, Spitzenkandidatin der Grünen zur Stadtratswahl. „Hier wird einmal mehr klar, dass die Kriminalisierung von THC nichts mehr mit dem Schutz von Jugendlichen zu tun hat, sondern sich in einen ideologischen Selbstzweck der CSU verwandelt hat.“

 

Womit im schwarzregierten Freistaat Bayern zu rechnen war, brach im rot-rot-grünen Berlin aus heiterem Himmel herein. Bislang hielten sich die Strafverfolgungsbehörden im Kampf gegen CBD- und andere  Cannabinoidprodukte zurück. Der letzte dokumentierte Bust gegen den CBD-Handel liegt fast ein Jahr zurück. Seinerzeit leitete die Berliner Polizei gegen den CBD-Grossisten „Bunte Blüte“ und zwölf Berliner Späti-Betreiber Strafermittlungsverfahren wegen des Verdachts des illegalen Cannabis-Handels ein. Ob die Verfahren eingestellt wurden oder noch in der Pipeline des völlig überlasteten Berliner Justizapparates stecken, ist bislang nicht überliefert. Fakt ist jedoch, dass das Kreuzberger Startup-Unternehmen nach wie vor am Markt ist.

 

Letzten Montag stattete die Berliner Polizei dann gleich vier Cannbis-Shops einen Überraschungsbesuch ab. Betroffen waren jeweils zwei Filialen von „Tom Hemp’s“ und „Hempvizer“. Wie in Franken wurden zeitgleich auch etliche Privatwohnungen heimgesucht und auf den Kopf gestellt.

Auf dem Onlineportal Instagram teilte der Betreiber von „Tom Hemp’s“ mit, dass die Polizei angab, dass es sich bei der Durchsuchung um „eine Art Routinekontrolle“ handle. Bei dieser „Routinekontrolle“ wurde das Ladengeschäft in Kreuzberg-SO 36 mal eben fast vollständig des Warensortiments beraubt. Beschlagnahmt wurden 15 Kilogramm CBD-Blüten, fünf Kilogramm CBD-Haschisch, ein Kilogramm CBD-Crumble, ein Kilogramm CBD-Wachs, ein Kilogramm CBD-Paste, rund 1000 Flaschen CBD-Öl, 80 PhenoPens, hunderte CBD-E-Liquids, sowie kistenweise Badesalze, Seifen und andere Kosmetikprodukte. Der Gesamtwert der konfiszierten Ware soll sich auf über 100.000 Euro belaufen.

 

Für „Tom Hemp’s“ kommt die Beschlagnahme einer Plünderung gleich, die existenzbedrohend ist. In einem Statement heißt es, dass die Firma „durch eine schwere Zeit gehe“ und der immense finanzielle Schaden nur schwer zu kompensieren sei.

Vor allem aber steht der Verdacht im Raum, dass sich die Berliner Polizei des Machtmissbrauchs schuldig gemacht hat. Dass hinter der Razzia reine Schikane stecken könnte, lässt sich durchaus vermuten, da die Polizei trotz der Unmengen an konfiszierten „Beweismitteln“ keine rechtliche Handhabe hatte, das Geschäft zum Schutze der Bevölkerung zu schließen und amtlich zu versiegeln. Laut Polizei dürfen die wenigen verbliebenden Waren weiter verkauft werden.

 

Fast zeitgleich wurden Polizeibeamte letzten Montag in zwei Filialen des italienischen CBD-Unternehmens „Hempvizer“ in Berlin-Friedrichshain und Neukölln vorstellig. Laut richterlichem Durchsuchungsbeschluss bestünde der „Verdacht auf Handel mit Betäubungsmitteln“. Auch bei „Hempvizer“ wurde ein Großteil der Waren beschlagnahmt. Dabei soll die Polizei nach Gutdünken alles eingesackt haben, was irgendwie verdächtig schien. Neben CBD-Blüten, E-Liquids und Hanfölen wurden auch handelsübliche Hanfsamen und cannabinoidfreie Hanfnudeln der Asservatenkammer zugeführt. Dagegen übersahen die Schnüffler diverse Kosmetikartikel, die klar und deutlich mit dem Aufdruck CBD gekennzeichnet waren. Großes Interesse erweckte auch der Firmentresor, den die Beamten selbstverständlich einkassierten. Wie brachial die Polizei auf der Suche nach Beweismitteln vorging, verdeutlicht auch das gewaltsame Öffnen von Rohrleitungen – ohne jedoch für die schweißtreibende Tätigkeit mit einem Fund belohnt zu werden.

 

Der mutmaßlich legale Warendiebstahl durch die Polizei ist auch für die Betreiber von „Hempvizer“ ein Schock. Wie hoch der entstandene Schaden inklusive Sachschäden ist, kann derzeit noch nicht beziffert werden, dürfte aber ähnliche Dimensionen haben wie bei allen letzte Woche gebusteten Cannabis-Shops.

 

 

17 Antworten auf „UPDATE: Großrazzien in legalen Cannabis-Shops

  1. Jo

    robust zur Sache gegangen…. Unverhältnismässig Hart…
    Jeden Tag gehen solche Beamten gegen normale Menschen vor. Menschen werden Seelisch und Körperlich vergewalltigt. Jeden Tag wird irgendwo in D-land irgend jemand zu Boden geschmissen. Auch Kranke. Mit Pech sogar Erschossen. Mir wurde auch schon mit einer Waffe vorm Gesicht rumgewedelt. Einen Samen hatten sie gefunden. Einen. Ich muß es echt nochmal Wiederholen. Einen Samen. Der Polizist meinte: Wenn er den habe wäre das Legal, aber wenn ich den hätte wäre das Illegal. Ich sagte nur, woher weiß ich denn, ob sie den Samen nicht selbst Illegal anbauen wollen. Da hätte man mal sehen sollen was da los war. Solch einen roten Kopf habe ich noch nicht gesehen. Diese überschäumende Wut. Das war kein Mensch mehr. Ich habe Angst vor der Polizei. Jeder Tag des Cannabisverbots ist reiner Psychoterror.

  2. join

    Decarboxylierung von THC und anderen Cannabinoiden
    Wenn Cannabisblüten verschrieben werden, liegen die Cannabinoide aus der Hanfpflanze nicht in ihrer wirksamen Reinform vor, sondern sind eingeschlossen innerhalb der Pflanze als Carboxylsäuren. Gelöst werden diese durch hohe Temperaturen, also entweder durch verdampfen oder auskochen in Flüssigkeit. Damit die gewünschte Cannabis-Tee-Wirkung eintritt, müssen diese also zunächst chemisch verändert werden, was im Rahmen der sogenannten Decarboxylierung geschieht.

    Von den Carboxylsäuren THCA und CBDA wird bei diesem chemischen Vorgang jeweils ein Kohlendioxidmolekül abgespalten, sodass die Verbindungen THC und CBD entstehen. Hierfür kann zwischen den beiden folgenden Methoden ausgewählt werden:

    Methode 1 (vor der Teezubereitung): Die Cannabisblüten werden im Backofen 10 Minuten lang bei 140 Grad Celsius erhitzt und anschließend überbrüht.
    Methode 2 (während der Teezubereitung): Die Cannabisblüten werden mit dem Teewasser gekocht.

    Quelle.. Leafly

    Also erstens mal mehr jugendschutz geht doch schon garnicht mehr…
    oder wie offt machen eure kinder euch einen tee oder rauchen eure jonnys an..???

    Und zweitens was hat das mit Jugendschutz zu tun wenn die polizei vor den augen minderjähriger sone harte nummer abzieht da können sich die eltern noch so um ihre kinder bemühen und oder sie aufklären es nützt alles nichts wenn dein freund und helfer den kindern dann so ein trauma verpasst.. UNGLAUBLICH UNVERHÄLTNISSMÄßIG

    es tut mir mir echt leid für alle BETROFFENEN

  3. Legalize Cannabis Germany

    Die Polizei mal wieder sehr lächerlich unterwegs. Ich kann echt nur den Kopf schütteln nachdem, was ich da lese. Traurige und verdammt schlechte Polizeiarbeit, muss ich ganz ehrlich sagen. Anstatt verbrecher zu jagen, oder die Gegend sicherer zu machen, was deren eigentlicher Job ist, fährt die Polizei rum um ihren Hass der Kifferkultur raus zu lassen, oder um einfach nur Leute zu schikanieren.. So wirklich versteh ich solche Cops nie, es ist einfach nur beschämend. Das macht mich wirklich wütend ehrlich gesagt, wie kann die Polizei so einen Schwachsinn machen und wieso dürfen die das überhaupt? Richtig dumme Polizisten. Leider. Die Rechtfertigen das natürlich einfach mit „Ja, ich mach ja nur mein Job, nech?“ Pff, Schweinerei. Die sollten sich was schämen.

  4. Skep Tiker

    Worauf begründet sich solch ein Vorgehen, was denkt sich die Staatsanwaltschaft? Könnte Amtsmissbrauch sein?
    Oder läuft das gar in Eigeninitiative der Polizei, würde ich den Bayern glatt zutrauen, dass sie eigenständig Hausdurchsuchungen durchführen?
    Bisschen tiefergehende Infos wären durchaus hilfreich, um die Vorfälle objektiv zu beurteilen.

  5. Lysin

    Die Betroffenen ( Opfer )
    sollten Strafanzeige gegen diese Verbrecher (Polizei) stellen. Weil Diebstahl,Sachbeschädigung und Körperverletzung auch für Polizisten nicht erlaubt ist.
    Die Anzeige müssen sie aufnehmen und an die Staatsanwaltschaft weiterleiten. Es führt auf jeden fall zu einem Strafverfahren, auch wenn es eingestellt wird.
    ( Vielleicht sogar Medienwirksam mit Presse)

  6. Rainer Sikora

    Meiner Ansicht nach war die Polizei von der Idee besessen,zwischen den legalen Waren befänden sich die illegalen.Ein lukratives heimliches Nebengeschäft getarnt im legalen Laden.Anders kann ich die Vorkommnisse nicht deuten.Abgesehen von dem natürlichem Feind vom Cannabisfreund.

  7. Harald

    Das sind keine Aktionen von Polizei und Staatsanwaltschaft. Das sind Aktionen von Verbrechern.

  8. Harald

    Sorry hab noch was vergessen. Das sind neidische , kleine Eierdiebe mit nichts auf der Naht und vielfach der Pulle im Schreibtisch. Gesockse eben!!!!

  9. Günther

    Willkommen im vierten Reich, in Deutschland ist das offenbar schon Realität und es wird jeden Tag schlimmer was sich diese Totenkopfbrigaden erlauben.
    Vor allen Dingen was heißt hier Kampf gegen Faschismus? Das ist Faschismus!!!

  10. Luke

    Mir wird kotzübel. Trau mich in diesem Bundesland tasächlich fast nicht mehr raus.
    Und leider mal wieder: Soviel zur Legalisierung. Wird es mit C-Parteien niemals geben. Mit Medizin und Drogen darf halt nicht jeder Geld verdienen.
    Viele haben sich schon in ein paar Tagen von der Twitter-Dani täuschen lassen. Die ist auch nur ein machtgeiles Bauernkind, nur dass sie social-Media und die Naivität der Menschen besser bespielt als die Marlene. Hört doch mal genau zu, was die so sagt…Entkriminalisierung hilft keiner Sau was glaubt es mir. Da würde es, zumindest in Bayern einfach so weiter gehen. Bußgelder entsprechend hoch und Gefahr im Verzug, schon kommt die Ramme zum Einsatz. Oh man oh man

  11. Geld aus dem Nichts

    Die meisten dieser Beamten leben in einer Parallelgesellschaft , sie Wohnen abgeschirmt in Eigenheimen , in Straßen ohne Bürgersteige . Normale Bürger und Zivilisten sind dort nicht erwünscht .

    Wie heißt die Straße, in der ich , mit meinem Schild „FCK NSU“ ,stehen soll ,damit mich der Staatsanwalt sieht , wenn er aus seinem Küchenfenster schaut ?

  12. Bunte Blüte

    Servus!
    Wir bei Bunte Blüte sind etwas angepisst wie man mit uns und der Konkurrenz umgeht. Wie ihr vom Hanfjournal schon ausgeführt habt, ist unser letztes Date mit dem Gesetz und seinen Hütern schon wieder etwas her. Hoffentlich kommt man bald zu der Einsicht, dass diese Formen der Repression nicht zu weniger Kriminalität führen, sondern eine unsinnige Kriminalisierung der Gesellschaft zu jenen Repressionen.

    Man muss sich nur einmal klar machen, wie hinterher die Bundesrepublik in Sachen Cannabis im allgemeinen und wie Triggerhappy bei CBD im speziellen ist um eine Vorstellung von „Absurdität“ zu bekommen. Wir hoffen, dass die jüngere Generation bald die politische Kraft hat, solchen und anderen Muff der letzten 1000 Jahre abzuschütteln.

    Bis dahin machen wir (wie alle Stoner bisher) weiter: #dreistdurchgezogen

    Beste Grüße aus dem Kiez,
    Die Bunte Blüte

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